Groß Lindow ist eine Gemeinde im Osten von Brandenburg im Landkreis Oder-Spree. Sie wird vom Amt Brieskow-Finkenheerd verwaltet.
Geografie Die Gemeinde liegt am Friedrich-Wilhelm-Kanal, der Spree und Oder miteinander verbindet.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Wohnplätze Hammerfort, Klixmühle, Schlaubehammer, Weißenberg und Weißenspring.
Geschichte mini|links|hochkant|Dorfkirche Groß Lindow Die Gemeinde wurde erstmals im Jahr 1354 urkundlich als Lyndow erwähnt. Der Ort war ein kleines Bauerndorf in Besitz des Kartäuserklosters in Frankfurt (Oder) bis zum Jahr 1540, dann gehörte es der Frankfurter Universität Viadrina. Lyndow war Grenz- und Zollort an der Grenze zu Sachsen.
Oberlindow wurde um 1700 gegründet und gehörte zur Herrschaft derer von Burgsdorf in Müllrose. Durch seine Lage erhielt Lindow nun den Zusatz Unter. Neulindow wurde von Kolonisten 1766 gegründet und 1934 mit Oberlindow vereinigt. Im Jahre 1950 erfolgte die Zusammenlegung von Ober- und Unterlindow zu Groß Lindow.Cornelia Willich, Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen des Landes Lebus. Brandenburgisches Namenbuch, Band 8, Böhlau, 1994, ISBN 3-7400-0918-7, S. 270.
In Urkunden aus dem Jahr 1739 wird eine Ansiedlung bey der Weißenspringschen Schleuse erwähnt,Cornelia Willich, Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen des Landes Lebus. Brandenburgisches Namenbuch, Band 8, Böhlau, 1994, ISBN 3-7400-0918-7, S. 138. der Grundstein zur gleichnamigen Schleuse wurde jedoch schon am 12. Juli 1702 gelegt. Der Ortsname bezieht sich auf die Trinkwasserquelle, welche dort aus weißem Sand sprudelt.Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Geographisch-historisch-Statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts, Band 3. A. Müller, 1856, S. 210. Weißenspring nahm deutlichen Aufschwung, als Friedrich II. dem Kriegsrat Kienitz 1765 das seit 1754 ansässige Hammerwerk als Erbeigentum übereignete, mit der Auflage, 30 ausländische Familien anzusiedeln und eine Pfeifenfabrik zu gründen.Kurt Hinze: Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Neudrucke, Band 9, W. de Gruyter, 1963, S. 79. Die Pfeifenfabrik und Weißenspring befanden sich zur damaligen Zeit in der Kaysermühlschen Forst, gehörig zum Amt Biegen.August Heinrich von Borgstede: Statistisch topographische Beschreibung der Kurmark Brandenburg, Band 1. Berlin 1788, S. 250.
Schlaubehammer wird 1545Cornelia Willich, Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen des Landes Lebus. Brandenburgisches Namenbuch, Band 8. Böhlau, 1994, ISBN 3-7400-0918-7, S. 32, 129. erstmals erwähnt: vff dem Eysenhammer, dieser Hammer ist vermutlich 1533Berthold Schulze: Neue Siedlungen in Brandenburg, 1500–1800. Beiband zur Brandenburgischen Siedlungskarte, 1500–1800, Historischer Atlas der Provinz Brandenburg, hrsg. von der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Kommissionsverlag von Gsellius, 1939, Band 8, S. 81. gegründet worden. Im Jahr 1647 wurde vom Schlaube Hammer gesprochen, was auf die Lage an der Schlaube zurückzuführen ist. 1739 war der Betrieb bereits eingestellt, an seiner Stelle wurde eine Schneidemühle errichtet.
Für kurze Zeit, vom September 1945 bis 1947, wurden Ober- und Unterlindow, Weißenspring und Schlaubehammer als Ortsteile in die Stadt Frankfurt (Oder) eingemeindet, 1947 jedoch in den damaligen Landkreis Lebus zurückgeführt.Frankfurt, so wie es war (PDF; 1,8 MB)
Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Groß Lindow durch den Zusammenschluss der bisher eigenständigen Gemeinden Oberlindow und Unterlindow neu gebildet.
Oberlindow, Unterlindow, Schlaubehammer und Weißenspring gehörten seit 1817 zum Kreis Lebus in der Provinz Brandenburg und seit 1952 zum Kreis Fürstenberg im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder), aus dem 1961 der Kreis Eisenhüttenstadt-Land wurde. Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1950 2 019 1964 1 476 1971 1 414 1981 1 442 1985 1 350 1990 1 278 Jahr Einwohner 1995 1 464 2000 1 796 2005 1 878 2010 1 837 2015 1 734 2020 1 709 Jahr Einwohner 2021 1 715 2022 1 686 2023 1 676 2024 1 657 2025 1 638
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Groß Lindow besteht aus zwölf Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,1 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürger für Groß Lindow 41,5 % 5 51,6 % 7 Freie Wählergemeinschaft Groß Lindow 58,5 % 7 42,5 % 5 SPD – – 5,9 % – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister 1998–2003: Dietmar Otto 2003–2008: Waltraut Werner (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 28 2008–2014: Dietmar Otto (Freie Wählergemeinschaft Groß Lindow)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10 2014–2017: Peter Schlatter (Bürger für Groß Lindow) 2017–2024: Björn Brinkmann (Freie Wählergemeinschaft Groß Lindow) seit 2024: René Weiner (Bürger für Groß Lindow)
Brinkmann wurde bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 66,1 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
Weiner wurde am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 77,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.https://wahlen.brandenburg.de/wahlen/de/kommunalwahlen/ergebnisse/buergermeisterwahlen/ergebnisse/~h_09062024_120675701180 Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024] Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Wappen Das Wappen wurde am 13. Dezember 2004 genehmigt.
Blasonierung: „In Silber ein blauer Schrägwellenbalken, nach der Figur begleitet von zwei abgeschnittenen, gegengewendeten grünen Lindenzweigen.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
Der Wellenbalken symbolisiert den Friedrich-Wilhelm-Kanal; die Lindenzweige verweisen auf die Bedeutung des Ortsnamens.
Sehenswürdigkeiten mini|Kanaldenkmal In der Liste der Baudenkmale in Groß Lindow und in der Liste der Bodendenkmale in Groß Lindow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.
Friedrich-Wilhelm-Kanal, älteste Wasserstraße zwischen Oder und Spree, verband die Berliner Gewässer mit den östlichen schiffbaren Gewässern in Deutschland, heute touristisch genutzt Heimatstube Groß Lindow Sowjetischer Ehrenfriedhof mit Denkmal für 45 gefallene Sowjetsoldaten in der Ortsmitte an der Lindenstraße, daneben ein Denkmal für Widerstandskämpfer aller Länder
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Groß Lindow liegt an der Landesstraße L 373 zwischen Müllrose und Brieskow-Finkenheerd.
Bildung Grundschule Groß Lindow Seit 1995 gibt es den Förderverein Lindenbäumchen e. V. der Grundschule Groß Lindow.
mini|Meiler und kleiner Schaumeiler Sport und Vereinsleben SV Blau-Weiß Groß Lindow 1909 1. Bowlingclub Kienräuber Groß Lindow Anglerverein „Linde 35“ Groß Lindow Freiwillige Feuerwehr Groß Lindow Kienstubbenverein 2001 Groß Lindow, gegründet als Traditionsgruppe innerhalb des Sportvereins, seit Dezember 2008 eigenständig. Der Verein der Brauchtumspflege widmet sich vor allem der Gewinnung von Kien und der Herstellung von Holzkohle, um das Köhlerhandwerk zu erhalten.
Persönlichkeiten Rolf Henrich (* 1944), Jurist, Autor und ehemaliger DDR-Dissident, Erstunterzeichner des Gründungsaufrufs des Neuen Forums, lebt in Hammerfort Klaus Sack (* 1950), Fußballspieler, in Groß Lindow geboren
Einzelnachweise
Weblinks
Gemeinde Groß Lindow Gemeinde Groß Lindow beim Amt Brieskow-Finkenheerd Vereinshomepage des Kienstubbenverein 2001 e. V. Groß Lindow
Kategorie:Ort im Landkreis Oder-Spree Kategorie:Ort im Land Lebus Kategorie:Gemeindegründung 1950