mini|Standesscheibe der Stadt Zürich, Detail aus dem 1557 von Zürich gestifteten Glasfenster im Kreuzgang des Klosters Muri
Die Stadt Zürich bestand als Turicum schon zu römischer Zeit, stieg aber erst im Mittelalter in die Reihe der grösseren Schweizer Städte auf. Die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches erwählten die Stadt an der Limmat als Standort für zwei bedeutende geistliche Stiftungen um die Kultstätten der Stadtpatrone Felix und Regula, die Zürich prägten: Das Grossmünster- und das Fraumünsterstift.
1262 sicherte das Privileg der Reichsunmittelbarkeit die nicht fühlbare Herrschaft eines fernen deutschen Königs. Zürichs Beitritt in verschiedenste Bünde – unter anderem in die entstehende Eidgenossenschaft 1351 und den Konstanzer Bund 1385 – schützte die Stadt längerfristig vor den Expansionsgelüsten lokaler Adelsgeschlechter, allen voran der Habsburger. Zusammen mit Bern bestimmte Zürich zeitweise als Vorort die Politik des aufstrebenden Staatenbundes der Eidgenossenschaft.
Seit der Reformation Ulrich Zwinglis gehört Zürich zu den geistigen Zentren des reformierten Bekenntnisses. Dem Status des «Rom an der Limmat» kam es zu, dass sich Zürich seit 1648 im gleichen Rang wie Venedig als souveräne Stadtrepublik betrachtete. Im 18. Jahrhundert galt Zürich hingegen eher als «Athen an der Limmat», dank vieler Gelehrter wie etwa Johann Heinrich Pestalozzi, Johann Kaspar Lavater und Johann Jakob Bodmer sowie seiner wichtigen Position als Handelsstadt.
Erst nach massivem äusseren Druck erlangte die beherrschte Landschaft mit der Gründung des Kantons Zürich schrittweise Gleichberechtigung. Seit dem 19. Jahrhundert ist Zürich das Wirtschafts- und Finanzzentrum der Schweiz.
Name, Wappen und Siegel Hauptartikel: Wappen des Kantons und der Stadt Zürich mini|Der Grabstein mit der ältesten Nennung Zürichs, 2. Jh. n. Chr. (Kopie) mini|Die heute übliche Siegelform geht zurück auf das seit 1347 verwendete sogenannte Sekretsiegel des Rates von Zürich. Umschrift: SECRETVM CIVIVM THVRICENSIVM.Staatskanzlei des Kantons Zürich: Zur Geschichte des Staatssiegels mini|Der Bannerträger des Standes Zürich auf einem Gemälde aus dem Rathaus Bern, 1585 mini|Wappen der Republik Zürich mit einem Löwen als Schildhalter auf einem Zürcher Vierteldukat von 1712 mini|Das moderne Wappen der Stadt Zürich
Das älteste Indiz für den Namen Zürich in seiner lateinischen Form stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und ist auf dem Grabstein des Lucius Aelius Urbicus zu lesen, der 1747 auf dem Lindenhof in Zürich gefunden wurde. Auf diesem Stein wird mit der Bezeichnung STA{TIONIS} TURICEN{SIS} auf eine römische Zollstation Turicum hingewiesen. Die Herkunft des Namens ist nicht endgültig geklärt, er ist aber auf alle Fälle vorlateinisch. Am wahrscheinlichsten ist eine Ableitung *Turīcon zum keltischen Personennamen Tūros.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 992 f.
Die bekannten frühmittelalterlichen lateinischen Namensformen für Zürich sind Turigum (807), T(h)uregum und Thuricum (898). Der erste Beleg für eine deutsche Namensform, nämlich Ziurichi, erscheint im 7. Jahrhundert beim Geographen von Ravenna; später finden sich Schreibungen wie Zurih (857) und Zurich (924). Im zürichdeutschen Dialekt heisst die Stadt Züri .Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V, Karte 1. Der neulateinische Name Tigurum, der ab dem frühen 16. Jahrhundert bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts verwendet wurde, war eine zeitgenössische Neuschöpfung und sollte auf die Tiguriner verweisen, einen Teilstamm der Helvetier.
Die ersten bekannten Siegel des Stadtrates von Zürich hängen an zwei Urkunden von 1225 und 1230. Sie tragen die Umschrift sigillum consilii thuricensium und führen die beiden Stadtheiligen Felix und Regula aus der Thebäischen Legion. In den Händen tragen sie ihre Köpfe, die von einem Nimbus umgeben sind. Sicher ab 1348 tritt noch Exuperantius, der Diener von Felix und Regula, zum Stadtsiegel hinzu. Die definitive Umschrift dieses Siegels lautet sigillum civium thuricensium. Die Stadtgemeinde Zürich führt seit 1798 in ihrem Siegel den schräg geteilten Schild, überhöht von einer Mauerkrone, mit einem oder zwei Löwen als Schildhalter.Zürich. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Bd. 7. Neuenburg 1934, S. 691–734; hier S. 691 f.
Das Stadtwappen, der von Silber und Blau schräg geteilte Schild, ist zum ersten Mal auf einem Siegel des Hofgerichts Zürich von 1389 nachgewiesen. Sicher belegt ist die bis heute gebräuchliche Fahne erst seit 1434. Auf den Münzen und Stadtansichten von Zürich war der Wappenschild der Stadt ursprünglich vom Reichswappen und der Reichskrone bekrönt. Der Wappenschild wird seit dem 15. Jahrhundert von zwei Löwen gehalten. Zuweilen halten die Löwen je ein blau-weisses Banner, wobei eines die drei Stadtheiligen zeigt. Gegen 1700 fallen Reichswappen- und krone weg, während die Löwen als Schildhalter bleiben. Der Löwe wurde als «Zürileu» zum Zürcher Wappentier. Das aktuelle Wappen der Stadt zeigt den schräg geteilten Schild, überhöht von einer Mauerkrone, mit zwei Löwen als Schildhalter.
Die Stadt Zürich war sowohl königliche wie herzogliche Münzstätte. Die älteste urkundliche Erwähnung der Münzstätte stammt aus dem Jahr 972, die älteste Münze ist ein karolingischer Denar mit der Aufschrift LUDOVICUS REX, RS. HADTUREGUM. König Heinrich III. verlieh im 11. Jahrhundert auch der Fraumünsterabtei das Münzrecht. Ihr Münzbann umfasste den Zürichgau und das Gebiet um den Walensee bis Sargans, die Innerschweiz bis zum Gotthard, den Aargau bis Huttwil und den Thurgau bis zur Mur. Die Münzen, die in Zürich geprägt wurden, weisen verschiedene Symbole und Beschriftungen auf. Die Fraumünsterabtei prägte nur Pfennige, die zuerst viereckig, dann nach 1400 rund waren. 1524 ging das Münzrecht der Abtei an die Stadt über. Dieser hatte König Sigmund 1425 bereits das Münzrecht bestätigt. Ab dem 16. Jahrhundert erschien das Wappen der Stadt mit dem Reichswappen auf den Münzen, etwa auf dem Zürcher Taler und dem Dukat, teilweise bereits mit den beiden Löwen als Schildhalter. Die Umschrift lautete MONETA TURICENSIS CIVITATIS IMPERIALIS. Später verschwand das Reichswappen und die Umschrift änderte in MONETA REIPUBLICÆ TIGURINÆ. Der Zürcher Schild wurde nun von einem oder zwei Löwen gehalten, der einzelne Löwe hielt entweder ein Schwert oder eine Reichsapfel. Auf der Kopfseite wurden meist entweder Ansichten von Zürich oder Sprüche aufgeprägt, etwa DOMINE CONSERVA NOS IN PACE, IUSTITIA ET CONCORDIA oder PRO DEO ET PATRIA. Die selbständige Münzprägung der Stadt Zürich endete 1798.Zürich. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Bd. 7. Neuenburg 1934, S. 731–734.
Altertum mini|Zürich zur Zeit der römischen Besiedlung, mit verstreuten Hütten, einem Turmhaus auf dem Lindenhof (rechts) und Wellenbergturm in der Limmat. Radierung von Johann Balthasar Bullinger, 1773 mini|Das Martyrium von Felix, Regula und Exuperantius. Ausschnitt aus dem ehemaligen Altarbild von Hans Leu dem Älteren in der Zwölfbotenkapelle im Grossmünster. Laut der Heiligenlegende starben sie zur Zeit der diokletianischen Christenverfolgung in Zürich
Die frühesten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit im Bereich der heutigen Stadt Zürich sind Reste von Feuchtbodensiedlungen der Egolzwiler Kultur (4430–4230 v. Chr.), die sich im Gebiet des westlichen Seebeckens nachweisen lassen. Die Fundplätze, die auch während der späteren Jungsteinzeit, während der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit bis 700 v. Chr. besiedelt waren, erstrecken sich vom Uferbereich teilweise bis 500 m in den heutigen See hinaus.Margarita Primas: «Urgeschichte des Zürichseegebietes im Überblick: Von der Steinzeit bis zur Früheisenzeit». In: Helvetia Archaeologica, 12/1981 –45/48, S. 5–18; S. 5 f. Siedlungsstellen konnten archäologisch nachgewiesen werden am linken Seeufer beim Alpenquai, Bauschänzli, der Breitingerstrasse und in Wollishofen (Haumesser, Bad) sowie am rechten Seeufer beim Kleinen und Grossen Hafner, am Utoquai und an der Seehofstrasse.Ulrich Ruoff: «Die Ufersiedlungen an Zürich- und Greifensee». In: Helvetia Archaeologica, 12/1981 –45/48, S. 19–70; S. 21–23. Zwischen Rentenanstalt und Mythenschloss am linken Seeende wurden 1994 gut erhaltene neolithische Kulturschichten von drei ehemaligen Seeufersiedlungen archäologisch untersucht. Sie konnten der Pfyner Kultur (3800–3600 v. Chr.), der Horgener Kultur (3150 v. Chr.) und der Schnurkeramischen Epoche (2680–2548 v. Chr.) zugeordnet werden. Von 250 Holzproben für die dendrochronologische Datierung sind deren 128 so genau, dass sie Schlagdaten der Eichenpfähle zwischen 2972 und 2681 v. Chr. sichern. Viele angekohlte, liegende Hölzer und fundreiche Holzkohleschichten belegten eine Brandkatastrophe auf dem ganzen Siedlungsareal, das sich über 240 m erstreckte. Die «Pfahlbaudörfer» bestanden aus zweischiffigen, 5 × 3 m messenden Hütten, wie sie noch 100 Jahre später am gegenüber liegenden Ufer an der Mozartstrasse nach dem gleichen Bauschema gebaut wurden. Der grösste Teil dieser Ufersiedlungen versank in der Spätbronzezeit im See, als der Pegel von ca. 404 auf ca. 407 m ü. M. anstieg, wahrscheinlich weil der Schuttkegel der Sihl im Bereich des Hauptbahnhofs den See aufstaute.Conrad Schindler: Geologische Unterlagen zur Beurteilung archäologischer Probleme in den Seeufergebieten. In: Helvetia Archaeologica, 12/1981 – 45/48, S. 71–88; S. 84.
In der Eisenzeit verlagerte sich im Raum Zürich die Siedlungstätigkeit auf Terrassen entlang der Flüsse und des Sees. Aus der Hallstattzeit (8. bis 5. Jh.) sind Funde und Grabhügel in Riesbach (Burghölzli), und Witikon (Egglen), Höngg (Heiziholz), Altstetten (Hard), Affoltern-Seebach (Jungholz) dokumentiert. Aus der Latènezeit (5. bis 1. Jh.) sind Funde und Gräber in Aussersihl (Bäckerstrasse), Enge (Gablerschulhaus), Altstetten (Hard) und Witikon nachgewiesen. Aus dem 1. Jh. stammen Einzel- und Münzfunde aus dem Bereich der Altstadt. Im Kanton Zürich ist bis heute nur eine Zentralsiedlung aus der Eisenzeit sicher belegt, die sich auf dem Plateau des Uto-Kulm auf dem Üetliberg befand und mit Wallanlagen geschützt war.Anita Siegfried: «Die Eisenzeit». In: Geschichte des Kantons Zürich, Bd. 1, Frühzeit bis Spätmittelalter. Werd, Zürich 1995, S. 56–77; S. 62f. und 65.
Die keltischen Helvetier siedelten in und um Zürich, wie Funde beim Rennweg zeigen. Auf dem Lindenhof und auf dem Uetliberg bestanden wahrscheinlich keltische Oppida.Dölf Wild et al.: Stadtmauern. Ein neues Bild der Stadtbefestigung Zürich. Schrift zur Ausstellung im Haus zum Rech, Zürich 6. Februar bis 30. April 2004. (Stadtgeschichte und Städtebau in Zürich. Schriften zur Archäologie, Denkmalpflege und Stadtplanung, 5). Zürich 2004, S. 10. Die strategisch und handelstechnisch günstige Lage sowie Münzfunde lassen auf die Existenz eines Handelsplatzes schliessen. Die keltische Siedlung von ca. sieben Hektaren lag um den Lindenhofhügel.Baukultur in Zürich. Schutzwürdige Bauten, Stadtgeschichte und Projekte für die Zukunft. Stadtzentrum, Altstadt / City. Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.) NZZ, Zürich 2008, S. 15 f.