Die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft mbH ist als Tochterunternehmen des Eigenbetriebs Beteiligungen der Landeshauptstadt Kiel (EBK) ein Verkehrsunternehmen und betreibt den Stadtverkehr mit Stadtbussen in Kiel und Umgebung.
Geschichte Der Vorgängerbetrieb Kieler Verkehrs-AG (KVAG) wurde 1937 gegründet. Diese entstand aus der 1905 gegründeten Hafenrundfahrt-AG (Harufag), die den Verkehr auf der Kieler Förde durchführte, und der Firma H. C. Reimers (Holsteinische Autobusgesellschaft), die einige Omnibuslinien in Kiel betrieb. 1939 wurden die 1882 gegründete Neuen Dampfer Compagnie (NDC) mit ihren Schiffslinien auf der Förde und die Kieler Kraftverkehr-GmbH angegliedert. Die KVAG übernahm im Kriegsjahr 1942 die Straßenbahn Kiel von der Allgemeinen Lokalbahn- und Kraftwerke AG (ALOKA). Im Mai 1944 wurde der O-Bus-Verkehr zwischen dem Hauptbahnhof und dem Stadtteil Elmschenhagen im Kieler Südosten aufgenommen.
mini|Gebäude und Betriebshof an der Werftstraße Bei Kriegsende 1945 war die Hafen- und Industriestadt Kiel durch Bombardements sehr stark zerstört. Dennoch begann man alsbald mit Wiederaufbau-Maßnahmen. Dies betraf das Gleisnetz und insbesondere die Oberleitungen sowie den beschädigten Wagenpark.
Die KVAG in den 1950er Jahren Der Bau von Wendeschleifen an den Endhaltestellen ermöglichte den Einsatz von Einrichtungswagen. 1950 wurde die Straßenbahnlinie 1 im Norden bis Wik, Herthastraße verlängert. 1955 folgte die Linie 2 zur Universität. Außerdem erfolgte stellenweise ein großzügerer Ausbau der Gleisführung und Verbesserung der Haltestellen. Nach Beschaffung von Omnibussen konnten auch Buslinien, insbesondere als Anschlussverkehrsmittel zur Straßenbahn, eingerichtet werden. Der Einmannverkehr (Betrieb ohne Schaffner) wurde durch Umbau/Neuaufbau bei einigen Straßenbahnwagen bzw. Neubeschaffung bei kleineren Bussen eingeführt.
Im Sommer 1953 gab es folgende Verkehrslinien der Kieler Verkehrsaktiengesellschaft:Fahrpläne rund um Kiel, Sommer 1953, Werbedienst H. Uesseler (Hrsgbr.), Eutin 1953 Straßenbahnlinien 1 Wik, Herthastraße – Markt – Hauptbahnhof – Schulensee 2 (Belvedere – Markt –) Hauptbahnhof – Exerzierplatz – Reventlou-Brücke 3 Eichhof – Exerzierplatz – Hauptbahnhof – Hassee 4 Wik, Kanal („Fähre Holtenau“) – Wik, Knorrstraße (Aukrug) – Belvedere – Hauptbahnhof – Gaarden-Ost – Ellerbek – Wellingdorf 7 Hasseldieksdamm – Exerzierplatz – Holstenbrücke – Hauptbahnhof
Omnibuslinien (Kraftwagen- und O-Bus-Linien) 5 (O-Bus) Hauptbahnhof – Bahnhofstraße – Kleinbahnhof (Kiel Süd) (Straßenbahn-Tarif; am 12. Dezember 1960 eingestellt) A Wik, Knorrstraße (Auberg) – Holtenau – Stift – Schusterkrug – Friedrichsort, Fritz-Reuter-Str. / Falckensteiner Str. – Hohes Haus (– Dorf Pries) B Wik, Knorrstraße (Auberg) – Holtenau – Stift – Schusterkrug – Friedrichsort, Falckensteiner Str. – Dorf Schilksee – Bad Schilksee – Strande C Kiel Hauptbahnhof – Exerzierplatz – Kronshagen D Kiel Hauptbahnhof – Exerzierplatz – Kronshagen – Ottendorf – Landwehr E Kiel Hauptbahnhof – Russee F Kiel Hauptbahnhof – Gutenbergstraße – Suchsdorf G Kiel Hauptbahnhof – Barkauer Weg – Kronsburg H Hasseldieksdamm – Mettenhof – Melsdorf K Wellingdorf – Klausdorf L Wellingdorf – Heikendorf (– Brodersdorf – Laboe) M Belvedere – Tannenberg, Waldkrug R (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhöhe – Elmschenhagen, Reichenberger Allee S (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhöhe – Elmschenhagen, Reichenberger Allee – Kroog T (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhöhe – Elmschenhagen, Toweddern
Schiffslinie KVAG Kiel Bahnhof – Gaarden – Seegarten – Reventlou – (Bellevue – Wik – Holtenau) / (Mönkeberg – Kitzeberg – Heikendorf) – Möltenort – Friedrichsort / Falkenstein – Laboe (– Strande)
Es gab zahlreiche unterschiedliche Busmodelle in den 1950er Jahren: von Daimler-Benz O 3500, O 6600 H, O 321 H, O 321 HL; von Henschel HS 100 N und HS 140 N mit Aufbauten von Trutz; von Kässbohrer Setra S 10 mit Henschel-Motor; von Büssing TU 7, teilweise mit Aufbau von Emmelmann, die ab 1953 zum großen Teil bereits als Einmannwagen ohne Schaffner eingesetzt wurden. Die Farbgebung war dunkelgrün mit hellbeigem Oberteil.
Die 14 O-Busse waren Fahrzeuge der Normgröße II von Henschel mit Aufbauten von Kässbohrer und elektrischer Ausrüstung von SSW, Baujahr 1947–1950. 1955 wurde auf einem Henschel-Fahrgestell ein weiterer O-Bus in eigener Werkstatt aufgebaut. Außerdem gab es acht Busanhänger von Ammendorf/Uerdingen mit Baujahr 1941, die von den O-Bussen zur Kapazitätserhöhung mitgeführt wurden.Peter Sohns, Uwe Wöhl: Obus-Atlas Deutschland. Verlag Dirk Endisch, Stendal 2017, ISBN 978-3-936893-97-7; S. 145–148
Auf dem Gelände des Straßenbahn-Depots in Gaarden wurde in den Jahren 1957 bis 1959 der Betriebshof der KVAG neu gebaut. In der 90 × 50 m großen Wagenhalle konnten auf 14 Gleisen etwa 90 Fahrzeuge abgestellt werden. Von 1959 bis 1963 wurde dort die Hauptwerkstatt für Straßenbahn und Omnibusse gebaut. Zur Erweiterung des Omnibus-Betriebshofes in der Diedrichstraße musste das Nachbargelände in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gekauft werden.
Die KVAG in den 1960er Jahren mini|Düwag-Großraum-Triebwagen im Juni 1963 vor dem Umbau auf Einmannbetrieb auf der Linie 1 an der umgebauten Haltestelle Schloßgarten mini|KVAG-Büssing-Bus Nr. 488 aus den 1950er Jahren in Toweddern mini|Lübecker Daimler-Benz O 317 des Lübecker Stadtverkehrs (Gaubschat-Gelenkbus) in Kieler Diensten (1964) mini|Büssing Senatoren, noch in grün/cremefarbener Farbgebung mini|Büssing Senator mit Doppelspureinstig, nun cremefarben mit dunkelroter Stoßstange mini|Eine Serie Büssing Präfekt im Betriebshof (1969) 1960 übernahm die KVAG von den Lübecker Stadtwerken 10 Verbands-Triebwagen und 5 Aufbau-Beiwagen der Duewag von der 1959 auf Busbetrieb umgestellten Straßenbahn Lübeck.
Im Winter 1962/63 verkehrten folgende KVAG-Linien: Straßenbahnlinien 1 Wik, Herthastraße – Alter Markt – Hauptbahnhof – Rondeel – Schulensee 2 Neue Universität – Dreiecksplatz – Alter Markt – Holstenbrücke – Hauptbahnhof (nur werktags, kein Spätverkehr; 1963 Zusammenlegung mit Linie 7) 2 Neue Universität – Dreiecksplatz – Alter Markt – Holstenbrücke – Exerzierplatz – Hasseldieksdamm (ab 1963) 3 Eichhof – Exerzierplatz – Hauptbahnhof – Hassee 4 Wik, Kanal („Fähre Holtenau“) – / (Wik, Knorrstraße –) Belvedere – Hauptbahnhof – Gaarden-Ost – Ellerbeker Markt – Wellingdorf 7 Hasseldieksdamm – Exerzierplatz – Holstenbrücke – Hauptbahnhof, Aug.-Viktoria-Str. (1963 Zusammenlegung mit Linie 2)
Omnibus- und O-Bus-Linien A Wik, Auberg – Schusterkrug – Friedrichsort, Deutsches Haus B Wik, Auberg – Holtenau, Schule C Kiel Hauptbahnhof – Kronshagen, Steindamm D Kiel Hauptbahnhof – Kronshagen – Ottendorf – Landwehr (keine Beförderung zwischen Hbf und Kronshagen, Steindamm) E Kiel Hauptbahnhof – Marienlust – Russee F Suchsdorf – Kiel Hauptbahnhof – Kronsburg (Hbf↔Kronsburg ab Mai 1963 ex Li. G) G Kiel Hauptbahnhof – Kronsburg (bis Mai 1963, danach Linie F) H Hasseldieksdamm – Mettenhof K Wellingdorf – Klausdorf, Schule bzw. Wellingdorf – Dietrichsdorf, Lüderitzstraße M Belvedere – Tannenberg, Waldkrug R (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhof – Elmschenhagen, Reichenberger Allee (am 1. Januar 1963 auf Busbetrieb umgestellt) S (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhof – Elmschenhagen, Reichenberger Allee – Kroog (am 1. Januar 1963 auf Busbetrieb umgestellt) T (O-Bus) Hauptbahnhof – Sophienhof – Elmschenhagen, Toweddern 6 Hauptbahnhof – Seegarten – Reventlou-Allee – Bellevue – Lindenallee (ehemals Straßenbahn, kein Spätverkehr) 8 Reventloubrücke – Waitzstr. – Exerzierplatz – Hauptbahnhof – Diedrichstr. – Ostring – Ellerbek, Selenter Straße (Reventloubrücke↔Hbf ex Straßenbahn)
Schifffahrt KVAG Kiel Bahnhof – Gaarden – Seegarten – Reventlou – Bellevue – (Mönkeberg – Kitzeberg – Wik – Holtenau) – Möltenort – Friedrichsort / Falkenstein – Laboe (– Strande) Kanalfähre Kiel-Wik – Holtenau Im Juli 1962 standen für die KVAG-Schifffahrt 14 Fahrgastschiffe unterschiedlicher Größen, sieben Schlepper und ein Viehtransporter zur Verfügung. Anfang 1966 waren es 16 Fahrgastschiffe und vier Schlepper, die im Jahr 1965 3,7 Mio. Fahrgäste beförderten und dabei über 300.000 Seemeilen zurücklegten.
Nach der Übernahme der Fähre Kiel – Gaarden im April 1962 übernahm die KVAG zum 1. Oktober 1965 die sogenannte „Blaue Linie“ auf der Förde von der Firma A. C. Hansen, die bereits seit 1886 bestand.Hans Pahl: Die Rationalisierungsbemühungen der Kieler Verkehrs-AG. In: Der Stadtverkehr, Heft 9/1966, Verlag Werner Stock, Brackwede 1966, S. 246–250
Im weiteren Verlauf der 1960er Jahre wurden bis auf die Linie 4 die Straßenbahnlinien etappenweise auf Busbetrieb umgestellt. Die sich entwickelnden neuen Wohn- und Gewerbegebiete wurden durch erweiterte und neue Buslinien in das sich vergrößernde Liniennetz einbezogen. Auch die O-Bus-Linien wurden bis Januar 1964 umgestellt und danach mit Dieselbussen betrieben.
Für die Kieler Verkehrs-AG (KVAG) und die Stadtwerke Kiel AG wurde 1965 die Holding Versorgung und Verkehr Kiel GmbH (VVK) gegründet, in der die beiden Unternehmen als Tochterunternehmen weitergeführt wurden.
Zur Einführung von Entwertern im ausschließlichen Einmannverkehr (Betrieb ohne Schaffner) auf allen Landverkehrsmitteln wurde 1965 der Einheitstarif eingeführt. Im Jahr 1965 gab es 71 Triebwagen und 52 Beiwagen der Straßenbahn, davon 12 vierachsige Großraumwagen und 15 sechsachsige Gelenkwagen von Duewag. Bei der Straßenbahn wurden 1965 4,9 Mio. Wagenkilometer geleistet und 28,79 Mio. Personen befördert. Die 114 KVAG-Omnibusse erbrachten auf 15 Buslinien mit einer Linienlänge von 122,1 km eine Laufleistung von 4,7 Millionen Wagenkilometer und beförderten dabei 19,1 Mio. Fahrgäste. Die Abteilung Schifffahrt der KVAG hatte 1965 neben 16 Fahrgastschiffen auch vier Schlepper; bei mehr als 300.000 Seemeilen wurden 3,7 Mio. Passagiere befördert. Im Herbst 1965 wurde die „Blaue Linie“ der Fa. A.C. Hansen von der KVAG übernommen.
Neben zahlreichen Gelenkbussen (Daimler-Benz O 317 mit Aufbauten von Gaubschat und Vetter) und zwölf Anderthalbdeckerbussen (Büssing/Ludewig) wurden mehrere Serien von Büssing RU und Senator- und Präfekt-Solobussen beschafft. Danach konnten die neu entwickelten Standard-Linienbusse beschafft werden, so folgten mehrere Serien Mercedes-Benz O 305, später auch als Gelenkbus-Version. Die Lackierungen der Busse änderte sich während dieser Zeit von dunkelgrün/creme auf cremefarben.
Die KVAG in den 1970er und 80er Jahren Im Jahr 1976 betrieb die Kieler Verkehrs-AG als Tochterunternehmen der Versorgung und Verkehr Kiel GmbH (VVK) ein Verkehrsnetz von 247 km Linienlänge (Omnibus 213 km, Straßenbahn 11 km, Schifffahrt 23 km). Dafür wurden 166 Busse, 29 Straßenbahn-Trieb- und 17 Beiwagen, 12 Fahrgastschiffe und zwei Schlepper eingesetzt, die eine Leistung von 1.077 Millionen Platz-km auf rund elf Millionen Fahrzeug-km anbot. Dabei gab es zusammen 40,8 Mio. Beförderungsfälle (Fahrgäste).Kieler Verkehrsaktiengesellschaft in VVK Konzernspiegel 77, Herausgeber: VVK-Pressestelle 1977
Die KVAG betrieb im Sommer 1980 folgende Linien:Sommer-Fahrplan 1980 Kiel und Umgebung, gültig vom 1.6.1980 bis 27.9.1980, Kieler Verkehrsaktiengesellschaft Landverkehr (Omnibuslinien und letzte Straßenbahnlinie 4) 1 Wik, Herthastraße – Kliniken – Schloßgarten – Berliner Platz – Hauptbahnhof – Waldwiese – Schulensee 2 (Mettenhof, Aalborgring – Hasseldieksdamm – Exerzierplatz nur werktags –) Berliner Platz – Schloßgarten – Lehmberg – Belvedere – Projensdorf, Woltersweg (kein Spätverkehr) 12 Mettenhof, Aalborgring – Hasseldieksdamm – Exerzierplatz – Berliner Platz – Schloßgarten – Lehmberg – Universität (nur werktags tagsüber) 3 Eichhof – Exerzierplatz – Holstenbrücke – Hauptbahnhof – Südfriedhof – Hassee (kein Spätverkehr, ab 20 Uhr siehe Linie 15) 4 (Straßenbahn) Wik, Fähre Holtenau – Auberg – Belvedere – Holstenbrücke – Hauptbahnhof – Btf. Gaarden – Gaarden-Ost – Ellerbeker Markt – Wellingdorf (kein Spätverkehr)