Der Marinestützpunkt Bremerhaven (1935–1945) war ein Marinestützpunkt der Kriegsmarine.

Garnison mini|Kaserne Roter Sand mini|Lageplan Marinefahrbereitschaft Roter Sand|mini

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann an der Wesermündung ruhig. Bis auf Langlütjen II waren die vier Weserforts, bestehend aus Langlütjen I und II sowie Brinkamahof I und II, desarmiert worden. In die ehemalige Artilleriekaserne zog die Sicherheitspolizei. Nicht aufgegeben wurde das 1887 errichtete Marine Artillerie- und Minendepot. Umbenannt in Artillerie-Zweigstelle Wesermünde, hatte es mit 40 Mann die drei Weserforts, die Haubitzenbatterie in Wremen und das Friedenspulvermagazin in Speckenbüttel zu verwalten. Es wurde in den 1930er Jahren in Marineartillerienebenzeugamt umbenannt und umfasste noch vier Gebäude in der Industriestraße. Der ehemalige Torpedoschuppen war an die Wagner-Werft verkauft worden. Das Eckgebäude überstand beide Weltkriege und wurde zum Wohnhaus umgebaut. Die Entmilitarisierung machte auch die Unterhaltung des ehemaligen Marinelazaretts überflüssig. Für die wenigen verbliebenen Soldaten aus dem Verwaltungs- und Depotbereich vereinbarte die Reichsmarine mit den Städtischen Krankenhäusern eine vertragliche Regelung der medizinischen Behandlung und eventuellen Beisetzung. Zu Flottenbesuchen kamen die Linienschiffe Schlesien im April 1934 und Schleswig-Holstein im Mai 1935. Die neue Admiral Graf Spee kam in die Nordschleuse, die Köln an die Ölkaje.Helmut Krummel: Reichsmarine und Kriegsmarine. S. 83–95.

Als die Polizei 1935 die kaiserliche Artilleriekaserne – das heutige Stadthaus 6 – geräumt hatte und Marinesoldaten einrückten, wurde Bremerhaven wieder Garnisonstadt. Der „Empfang der Marinegarnison durch die Städte Wesermünde und Bremerhaven“ wurde 1935 festlich begangen. Am 26. Oktober marschierte die Abordnung von der Leher Artillerie-Kaserne zum Neumarkt in Geestemünde. Dort wurde sie von Oberbürgermeister Walter Delius, Kreisleiter Hugo Kühn und Kapitän zur See von der Marwitz begrüßt. Beim Platzkonzert auf dem Marktplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) am folgenden Vormittag sprach Julius Lorenzen.Ankündigung des Programms in der Nordwestdeutschen Zeitung, 23. Oktober 1935.

Das Schwimmbad an der Geeste wechselte den Besitzer und diente wieder als Garnisonsschwimmbad. Nach mehrmonatigen Umbau- und Modernisierungsarbeiten wurde das Marinebad am 4. Juli 1936 feierlich eröffnet. Noch 1935 wurde im Kaiserhafen I mit dem Bau der Zerstörerkaje begonnen.Egbert Thomer, Jürgen Rhades. Jahrbuch der deutschen Marine 1970. Folge fünf. Bremen o. J., S. 121. Einige Hafenschuppen konnten durch kleinere Umbauten in das Neubauprojekt einbezogen werden. Für die Unteroffiziere wurden mehrere Wohnblocks an der Kaiserstraße (dem Nordende der heutigen Bürgermeister-Smidt-Straße) errichtet. Dieser Stützpunkt sollte die 4. Zerstörerflottille aufnehmen. Für die Vorpostenflottillen wurde im Fischereihafen ein Barackenlager errichtet.Benannt wurde das Lager nach Fregattenkapitän A. Ehrensberger, der als Chef der 8. Vorpostenflottille am 9. Juni 1940 mit dem Vorpostenboot V 801 vor Ameland untergegangen war. Die 1926 gebaute Polizeikaserne am Roten Sand wurde von Marineeinheiten belegt.Das Gebäude liegt heute in der Bürgermeister-Smidt-Straße 207. Sie erhielt eine moderne Kfz-Werkstatt mit Aufenthaltsräumen und Unterkünften sowie eine neue Wache an der Zollstraße (der heutigen Rickmersstraße). Hier wurden die Rekruten der III. Schiffstammabteilung ausgebildet. Der benachbarte Exerzierplatz bot ideale Bedingungen. Der Kleinkaliberschießstand der Polizei wurde übernommen. 1936 kam eine Sporthalle hinzu.

Die Kasernen in Bremerhaven und Lehe reichten bald nicht mehr für die Rekrutenausbildung. Deshalb wurde 1936 damit begonnen, auf dem ehemaligen Exerzierplatz der kaiserlichen Artilleriekaserne in Lehe eine neue Kasernenanlage – die spätere Stadtverwaltung Bremerhaven (Leher Kasernen) – zu errichten. Ein Denkmal der III. Matrosen-Artillerieabteilung erinnerte an die hier stationierten Soldaten der Kaiserlichen Marine. Zur Infanterieausbildung wurden die Truppenübungsplätze in Altenwalde und Garlstedt sowie die nähere Umgebung bei Debstedt, Spaden und Schiffdorf genutzt.

Die III. Schiffstammabteilung Nordsee wurde 1937 in 10. Schiffstammabteilung umbenannt und 1939 um eine 5. Kompanie ergänzt. Im September 1939 verlegten der Stab und die 3. Kompanie von der Kaserne Bremerhaven zur Kaserne Wesermünde/Lehe. Das 1940 errichtete Barackenlager „Riga“ diente nach dem Krieg als Behelfswohnheim und wurde in den 1960er Jahren abgerissen. In den letzten Kriegsmonaten lag der Schwerpunkt der Ausbildung auf Landesverteidigung und Infanteriedienst. Zu den Marinekampfeinheiten in Bremerhaven gehörten die Marine-Schützenbataillone, die Marine-Alarm-Bataillone, die Marine-Infanterie und die Marine-Festungs-Bataillone.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden die beiden Kasernen von den Amerikanern übernommen. Die Leher Kaserne ist Amtssitz vom Magistrat der Stadt Bremerhaven. In der Roter Sand-Kaserne lag die Fahrbereitschaft des Standorts Bremerhaven und das Marinestützpunktkommando mit Unterbringungsmöglichkeiten für Werftlieger.

Kasernenanlagen 1934 bot Wesermündes Oberbürgermeister Walter Delius der Reichsmarine an, das Gelände von Joh. C. Tecklenborg zum Bau einer Kasernenanlage zu übernehmen. Von der Marinebauleitung als geeignet angesehen, wurde es baureif gemacht.Die Leitung oblag dem Regierungsbaurat Bellwinkel, bis dahin Leiter der Neubauabteilung vom Stadtbauamt Saarbrücken. Angeworbene Arbeitslose demontierten die Werftanlagen. Wochenlange Sprengungen waren nötig, die Fundamente der Helgen und Gebäude zu beseitigen. Wegen Hochwassers mussten die Arbeiten oft unterbrochen werden. Bis zu 1.200 heimische Handwerker errichteten die neuen Gebäude. Das unwegsame Baugelände machte eine Feldbahn nötig. Trotz aller Schwierigkeiten betrug die Bauzeit nur knapp ein Jahr. Anfang Oktober 1935 konnten die 2. Marineunteroffizier-Lehrabteilung (2. MLA) und die Marineschule Wesermünde (MSW) ihren Dienstbetrieb aufnehmen. Einfache Plastiken nach niedersächsischen Motiven von Johann Bremermann zierten die Gebäudefronten. Das erhaltene Verwaltungsgebäude der Tecklenborg-Werft – der „Graue Esel“ – diente der MSW als Stabs- und Schulgebäude.Der „Graue Esel“ wurde 1974 abgerissen. Im Lichthof hing ein Modell der Friedrich Wilhelm zu Pferde. An den Seiten der Halle waren Ehrenpreise und Pokale ausgestellt. In und an den Gebäuden waren Malereien von Karl Wilhelm Diefenbach und Kurt Schwerdtfeger. Die Wirtschaftsgebäude waren auf der Höhe der Zeit. Es gab Kartoffelschälmaschinen und Speisenaufzüge. Später nutzte die Bundesmarine die Gebäude als Marineortungsschule.

Marineschule Wesermünde (MSW) mini|Marineschule Bremerhaven

Anders als die 2. MLA betrieb die MSW fachliche Ausbildung für Maschinenpersonal der Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel. Lehrer waren Ingenieuroffiziere, Diplom-Ingenieure und Fachstudienräte. Den Absolventen stand auch eine zivile Laufbahn offen, weil die Zeugnisse auch in der Handelsmarine galten. Das Abschlusszeugnis des Maschinenmaatenlehrgangs entsprach dem Befähigungszeugnis C3 als Seemaschinist II, das des Obermaschinistenlehrgangs dem Befähigungszeugnis C4 als Seemaschinist I. Dem praktischen Unterricht dienten moderne Versuchsanlagen, ein Minensuchboot, ein Räumboot und verschiedene Motorboote. Der erste Kommandeur war Korvettenkapitän (Ing.) Paul-Willy Zieb. Ihm folgte am 3. Oktober 1936 Kapitän zur See (Ing.) Alfred Schirmer.

Unter der Aufsicht eines Traditionsoffiziers hatte die MSW das Andenken an das Maschinenpersonal wachzuhalten, das sich im Ersten Weltkrieg besonders ausgezeichnet hatte. So waren die Wohnblöcke nach Schiffen benannt. Ein 2 m langes Teakholzrelief der Breslau hing zwischen der Reichskriegsflagge und der Seekriegsflagge des Osmanischen Reiches.Wilhelm Souchon und Paul Kettner, der ehemalige Kommandant der Breslau, hatten das Relief am 25. April 1937 übergeben. Geschaffen war es von Max Dorscht aus Lehe. Als ehemaliger Angehöriger der Kaiserlichen Marine war er bei der Bremerhavener Straßenbahn angestellt.

Im Oktober 1939 – nach dem Überfall auf Polen – übernahm Konteradmiral (Ing.) Karl Kaufmann das Kommando über die MSW. Als die 2. MLA Anfang 1940 nach Wilhelmshaven verlegt und ihre Kaserne frei wurde, konnte die MSW neu gegliedert und die Ausbildung ganz auf die Forderungen der Flotte und der U-Bootwaffe ausgerichtet werden. 1942 wurden zwei Großbunker errichtet und Löschwasserteiche errichtet. Der Dienstbetrieb verlagerte sich immer mehr auf die Kriegsaufgaben. Fach- und Sonderlehrgänge wurden gekürzt. An die Stelle von Sport und Infanteriedienst traten Luftschutzdienst und Gefechtsausbildung. Der schwere Luftangriff auf Bremerhaven am 18. September 1944 bescherte nur vier Gebäuden der Marineschule größere Brandschäden. Durch die Räumung mehrerer Kasernenblocks konnten 12.000 ausgebombte Bremerhavener untergebracht werden. Die Küchen waren zehn Tage ununterbrochen in Betrieb. Anfang 1945 erreichte die Belegung der Kaserne mit 5.000 Soldaten ihren Höchststand. Alle für die Bordverwendung nicht mehr in Frage kommenden Soldaten wurden in Einsatzbataillonen zusammengefasst. Im April 1945 rückten die letzten Einheiten an die Kriegsfronten. Die Verluste dieser infanteristisch schlecht ausgebildeten Marinesoldaten waren sehr hoch.

Am 7. Mai 1945 übergab der Kommandeur Kapitän zur See (Ing.) Fischer die MSW einem Admiral der United States Navy. Zwei Kessel der Maschinenanlagen wurden erhalten und für die Eigenversorgung betrieben. Alle für diesen Betrieb nicht erforderlichen Lehranlagen wurden ausgebaut, verkauft oder verschrottet.

Die Feldhandballmannschaft der Marineschule wurde 1943 Meister der regionalen Gauliga und erreichte dadurch die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. In der ersten Runde schied die Mannschaft durch eine Niederlage gegen TuRa Gröpelingen aus. Auch 1944 qualifizierte sich die Mannschaft für die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft, nach Siegen über die TuS Aurich und den THW Kiel schied der Verein in der Zwischenrunde nach einer deutlichen 3:17-Niederlage gegen den späteren Meister SG OrPo Berlin aus.

Die Fußballmannschaft der Marineschule stieg 1944 in die Gauliga Osthannover auf, absolvierte aber im Herbst 1944 nur noch zwei Spiele. Der Geestemünder SC wurde mit 6:4 geschlagen und gegen den LSV Stade unterlagen die Marineschüler mit 2:6.

Kommandeure Nr. Dienstgrad Name Antritt Ausscheiden 1 Korvettenkapitän (Ing.) Paul-Willy Zieb 1. April 1935 30. September 1936 2 Kapitän zur See (Ing.) Alfred Schirmer 7. Oktober 1936 23. November 1939 3 Konteradmiral (Ing.) Karl Kaufmann 24. November 1939 26. August 1942 4 Konteradmiral (Ing.) Wilhelm Tackenberg 7. September 1942 30. November 19435Kapitän zur See (Ing.) Alexander EweDezember 1943Januar 1944 6 Kapitän zur See (Ing.) Wilhelm Fischer Januar 1944 7. Mai 1945

2. Marineunteroffizier-Lehrabteilung Stabsgebäude der 2. MLA|mini

Die 2. MLA war für die allgemeine militärische Ausbildung von Unteroffizier- und Feldwebelanwärtern zuständig. Sie gab auch Lehrgänge für Reserveoffiziere und Reserveunteroffiziere. Bei den sechsmonatigen Lehrgängen für Feldwebelanwärter war zweimal in der Woche der Besuch der Fachschule einbezogen. Er baute auf den Kenntnissen der Volksschule auf und sollte die Soldaten frühzeitig auf den Zivilberuf vorbereiten. Die seemännische Ausbildung erfolgte ganzjährig im Fischereihafen und auf der Weser. Der Ausbildung im Formaldienst dienten der Exerzierplatz und eine einstöckige Exerzierhalle.