Ein Frauenruderverein ist ein Sportverein, dessen Mitglieder, in der Regel Frauen, das Rudern betreiben. Die Grundsätze für Sportvereine gelten auch für Frauenrudervereine: Gemeinnützigkeit, sportliche Fairness und die Anerkennung der Regeln des Sports.

mini|hochkant=1.3|Mitglieder des Friedrichshagener Damen-Ruder-Clubs bei einer Sonntagsausfahrt auf dem glatten Müggelsee, 1903 Seit Ende des 19. Jahrhunderts existieren Frauenrudervereine in Deutschland. Sie wurden gegründet, weil Männerclubs die Aufnahme ruderwilliger Frauen ablehnten. Das heißt, als Frauen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in Deutschland zu rudern begannen, gab es für sie keine Möglichkeit, einem Verein beizutreten. Dadurch waren sie gezwungen, selbst Vereine zu gründen.

Geschichte Überblick Nachdem Engländerinnen und Däninnen Mitte des 19. Jahrhunderts den Rudersport für sich entdeckt hatten, begannen Ende dieses Jahrhunderts auch in Deutschland Frauen zu rudern.

mini|links|Damen des Friedrichshagener Damen-Ruder-Clubs beim Bootsbauer K. Bühnemann, um 1905 Erst 1901, mit Gründung des Friedrichshagener Damen-Ruder-Clubs (FDRC), geziemte es sich für „bürgerliche“ Frauen in ein Ruderboot zu steigen. Dabei war die Kleiderordnung streng: Sie sah einen langen Rock, eine Bluse, einen Schlips und hohe Schnürstiefel vor. Nur in dieser Weise bekleidet betätigten sich die Damen sportlich. Arbeiterfrauen achteten hingegen weniger auf Etikette. Der Wassersport spielte vor allem für die Freizeitgestaltung der Bevölkerung Berlins eine wichtige Rolle, das erklärt wohl auch, dass es außerhalb der Reichshauptstadt in der Anfangszeit nur wenige rudernde Frauen gab.

Ebenfalls 1901 richtete der Berliner Herrenruderverein Vorwärts als erster Ruderverein in Deutschland eine Damenabteilung ein. 1909 folgte der Märkische Ruderverein.

Sport hatte zur Zeit der Anfänge des Frauenruderns eine andere Bedeutung als heute: Er war auf Leistung und Wettkampf ausgerichtet – und Männern vorbehalten.Gabriela Wesp: Frau, Frauen und Sport zur Zeit der Weimarer Republik. Frisch, Fromm, Fröhlich, Königstein/Taunus 1998, S. 10. 1920 fand das erste reine Frauensportfest statt.Tschap-Bock: Frauensport und Gesellschaft, S. 107.

mini|Beschreibung einer Lagerfahrt mit vier Bildern, 1909 Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr der Sport insgesamt einen Aufschwung. Er diente der Ablenkung, machte Spaß und brachte somit die Lebensfreude zurück.Gabriela Wesp: Frau, Frauen und Sport zur Zeit der Weimarer Republik. Frisch, Fromm, Fröhlich, Königstein/Taunus 1998, S. 26.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 verbot die Militärregierung alle Vereine, was sowohl das Rudern als auch Sportvereine betraf. 1947 ließ sie Vereinsgründungen wieder zu, allerdings nicht unter den alten Namen. Die Rudervereinigung Wannsee ließ ihren ursprünglichen Plan, auch Ruderinnen aufzunehmen, wieder fallen, deshalb entschlossen sich fünf Ruderinnen, selbst einen Verein zu gründen. Am 8. Mai 1947 bildeten sie mit Genehmigung des Magistrats und der Militärregierung den Frauen-Ruder-Club Wannsee. Dazu waren Anträge in vier Sprachen und zum Teil in 14 Ausfertigungen nötig.

Frauenrudervereine in Deutschland Erste Rudererfahrungen sammelten Damen in Deutschland im Jahr 1884, als ihnen Herren des Berliner Touren-Ruderclubs Ruderstunden erteilten. Doch eine Aufnahme von Frauen in ihren Verein kam für die Männer nicht in Frage. Deshalb beschlossen die („bürgerlichen“) Frauen, sich selbst zu organisieren, und initiierten eigene Vereine sowie einen überregionalen Dachverband, den Damen-Ruderverband (DDRV).

Erster deutscher Frauenruderverein war der Berliner Damenruderverein Deutsche Amazonenflotte (DAF), der Zeitungsanzeigen zufolge mit tatkräftiger Unterstützung eines Buchhändlers im August 1894 gegründet wurde.Wassersport (Zeitschrift), 1936, S. 144.Ellen Becker: Mit Rock und Riemen. Greven 1992, S. 22. Da die Damen dieses Rudervereins allerdings eher durch Geselligkeit und viel Gepäck („die vielen Taschen, Körbe, Tücher und dergleichen“Ellen Becker: Mit Rock und Riemen. Greven 1992, S. 23.), das sie mit sich führten, auffielen denn durch sportliche Leistungen, war diesem Verein keine lange Lebensdauer beschieden. Ebenso erging es dem Spreeklub, einem zweiten Damen-Ruderverein, der sich um dieselbe Zeit gegründet hatte.

mini|1912: Die Damen des Friedrichshagener Damen-Ruder-Clubs feiern die Einweihung des neuen Bootshauses, Grünauer Straße 213

Der am 10. März 1901 gegründete Friedrichshagener Damen-Ruder-Club (FDRC), dessen Name sich an den bereits vorhandenen Herren-Ruder-Club in Friedrichshagen anlehnte, überdauerte viele Jahrzehnte und gilt daher als „erster“ Frauenruderverein. Elf Jahre nach seiner Gründung, im Jahre 1912, bezog er sein eigenes Bootshaus am Teltowkanal.Wassersportmuseum Grünau, Geschichte des Wassersports., abgerufen am 8. Juli 2020. Der erste Ruderverein für Schülerinnen gründete sich 1911 in Kassel.

Während des Ersten Weltkriegs waren viele Bootsplätze frei, die von Frauen genutzt werden konnten, während die Männer an der Front kämpften. Die Ruderinnen erlebten von Anfang an großen Widerstand, von vielerlei Seite gab medizinische, ideologische und ästhetische Kritik am Damenrudern.

1919 wurde der Deutsche Damen-Ruder-Verband (DDRV) gegründet. Er vertrat die Belange der Ruderinnen bis zu seiner Eingliederung 1933 in den Deutschen Ruderverband (DRV), der seit 1932 auch Frauenrudervereine aufnimmt. Noch im Jahr seiner Gründung schrieb der DDRV die erste Frauen-Regatta aus: im Stilrudern. Bei strömendem Regen traten 28 Boote – Einer, Doppelzweier und Doppelvierer – in Berlin gegeneinander an. Zwei Jahre später, 1921, folgte im Rahmen der Verbandsregatta des DDRV das erste Wettrudern – über eine Strecke von 1000 m.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es ca. 50 Frauenrudervereine. Während des Nationalsozialismus wurde das Frauenrudern ideologisch sehr gefördert, so dass es zu einem starken Aufschwung an Ruderinnen und Regatten kam. In einer Studie zur Aufarbeitung der Rolle des Deutschen Ruderverbands im Nationalsozialismus wird Sophie Barrelet als „einflussreiche Persönlichkeit in der Geschichte des Frauen(Ruderns)“ genannt, die dann eine aktive Karriere als NS-Parteifunktionärin machte.

1947 existierten nur noch zwölf Frauenrudervereine, darunter drei in Berlin.

Aktuelle Situation Im 21. Jahrhundert gibt es einige, aber nicht viele deutsche Frauenrudervereine. Je zwei sind in Berlin und Lübeck ansässig. In den meisten rudern Kinder und Jugendliche sowie Frauen bis ins hohe Alter. Aus den unterschiedlichen Altersstrukturen ergeben sich vielfältige Sport- und Erholungsangebote. Das umfangreiche Ruderangebot reicht von kurzen Rudertouren über Trainingsfahrten bis hin zu Tages- und Mehrtagesfahrten auf Gewässern rund um das Vereinshaus und anderswo.

Auswahl einiger deutscher Frauenrudervereine In der Literatur wird unterschieden zwischen „selbstständigen“ Frauenrudervereinen und Frauenabteilungen in Männerrudervereinen. In der folgenden Aufzählung findet sich eine Auswahl, absteigend nach Gründungsdatum geordnet, also die ältesten zuerst:

1894: Deutsche Amazonenflotte und Spreeklub, zwei Vorläuferclubs aus dem Berliner Raum, die aber beide nur für kurze Zeit existierten und daher nicht als erste Frauenrudervereine gelten 1901: Friedrichshagener Damen-Ruderclub (FDRC): Am 10. März gründeten vier Damen diesen „ersten“ Frauenruderverein. Das später bezogene eigene Bootshaus am Teltowkanal musste nach dem Krieg 1945 aufgegeben werden. Am 10. Mai 1950 gründete sich der Club erneut, dieses Mal in Spandau. 1977 beschloss der Verein, sich aufzulösen und sich dem Frauen-Ruder-Club Wannsee anzuschließen. 1904: Damenabteilung des Deutschen Rudervereins Germania Leitmeritz

1907: Lübecker Frauen-Ruder-Gesellschaft von 1907 (LFRG): Seit Auflösung des FDRC gilt dieser Ruderverein als der älteste Frauen-Ruderverein Deutschlands. Auch er wird den „vier selbstständigen Frauenrudervereinen Deutschlands“ zugerechnet. 1913: Casseler Frauen-Ruderverein (CFRV): Der 1913 von Lehrerinnen und Schülerinnen eines Gymnasiums in Kassel gegründete Verein, in dem anfangs „in langen schwarzen Wollstrümpfen, Pumphosen und Matrosenblusen“ gerudert wurde und der 1934 die erste selbstständige Frauen-Regatta in Kassel veranstaltete, ist inzwischen ein Ruderverein, der auch Männern offensteht und seinen Schwerpunkt auf den Breitensport und das Wanderrudern legt. 1913: Emder Damen Ruderverein: Initiatorin war die Oberschullehrerin Ida Doll gewesen. 1977 schloss sich der „Emder Damen Ruderverein“ mit dem „Der Emder Ruderverein“ zum heutigen Emder Ruderverein zusammen. 1917: Dresdner Frauen-Ruderverein: 1917 wurde der Dresdner Frauen-Ruderverein gegründet. 1930 folgte die Einweihung des neuen Bootshauses, das allerdings 1946 in Ermangelung anderer Bootshäuser zum Bootshaus des Dresdner Rudervereins wurde. 1925: Hamburger Ruderinnen-Club von 1925 (HRC): Der Verein wird den „vier selbstständigen Frauenrudervereinen“ zugeordnet und ist aktuell der mit Abstand größte deutsche Frauenruderverein. Einen Achter schaffte sich der Verein allerdings erst 2014 an. 1926: Lübecker Frauen-Ruder-Klub (LFRK): Der 1926 gegründete Verein ist aus einer 1919 eingerichteten Damenabteilung im Lübecker Ruder-Klub hervorgegangen und zählt ebenfalls zu den „vier selbstständigen Frauenrudervereinen Deutschlands“. Seit 1983 steht dieser Verein explizit auch Menschen mit Behinderung offen. 1927: Frauen-Ruderverein „Freiweg“: Dieser 1927 von u. a. Helli Knoll gegründete und in Frankfurt am Main ansässige Club wirbt mit dem Slogan: „Der Ruderverein nicht nur für Frauen“. 1928: Frauen-Ruder-Club Hannover 1928 (1. FRC Hannover): Der 1928 überwiegend von Sport- und Turnlehrerinnen gegründete Verein liegt am Maschsee, hat sich inzwischen dem Breitensport verschrieben und nimmt seit 1985 auch Männer auf. 1939: Sportvereinigung Dresdenia – Frauenabteilung Hamburg: Der Verein ging aus der im Mai 1938 gegründeten „Frauen-Ruderabteilung der Betriebssportgemeinschaft der Dresdner Bank AG in Hamburg“ hervor. Nachdem 1945 der Name in „Frauen-Ruderverein Hamburg – vormals Dresdenia“ geändert wurde, wurde dieser später in „Ruderinnen-Club Dresdenia“ umgewandelt. Mit der Öffnung für Männer 1982 steht der Verein auch Männern offen und heißt nun „Ruder-Club Dresdenia“ (RCD). 1947: Frauen-Ruder-Club Wannsee (FRCW): Der zwischen 1978 und März 2015 einzige Frauenruderverein in Berlin wurde 1947 gegründet und gilt als jüngster der „vier selbstständigen Frauenrudervereine“ in Deutschland. Ihm haben sich 1977 die Mitglieder des Friedrichshagener Damen-Ruderclubs angeschlossen.

Struktur Alle Rudervereine verfügen über eine Satzung und eine Ruderordnung. In der Regel gibt es einen Vorstand, der die Interessen der Mitglieder vertritt. Die Interessenvertretung der Ruderinnen und Ruderer insgesamt wiederum übernimmt der Deutsche Ruderverband (DRV), der auch für die Zusammenstellung der Nationalmannschaften und die Koordination der Vereinsarbeit zuständig ist. Sportlerinnen und Sportler, die an nationalen Wettkämpfen teilnehmen wollen, müssen Mitglied in einem dem DRV angehörigen Verein sein.

Historische Einordnung der Teilnahme von Frauen an rudersportlichen Wettkämpfen 1954 gingen zum ersten Mal Frauen bei Europameisterschaften an den Start, ab 1958 wurden im Vorfeld der Europameisterschaften Ausscheidungswettkämpfe der beiden Mannschaften „Ost“ und „West“ ausgetragen. Als 1962 Weltmeisterschaften im Rhythmus von 4 Jahren eingeführt wurden, geschah dies zunächst ohne Frauenrennen. 1976 durften Frauen zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen rudern. Zum Vergleich: 80 Jahre, nachdem es den Männern möglich war. In den 1970er- und 1980er-Jahren beherrschten die Ruderer und Ruderinnen aus der DDR die olympische Bühne. „Sie holten sich insgesamt 34-mal Gold, neunmal Silber und achtmal Bronze und feierten mindestens einen Olympiasieg in jeder der 14 Klassen bei Männern und Frauen.“