mini|Maria Brünnlein mit Blick in das Ries mini|Wemdinger Wallfahrtskirche mini|Baronturm mit Resten der Wehranlage mini|Die Stadtmauer im Stadtgraben von Wemding

Wemding (, schwäbisch Wendi) ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries in Bayern und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wemding mit den Gemeinden Huisheim, Fünfstetten, Otting, Wolferstadt.

Die Stadt liegt am Rand des durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Ries-Kraters im Geopark Ries, einem zertifizierten UNESCO Global Geopark. Überregional bekannt ist der staatlich anerkannte Erholungsort als Wallfahrtsstadt (Basilika minor: „Maria Brünnlein zum Trost“) und als Fuchsienstadt.

Geografie Lage Wemding liegt (Luftlinie) 17 km östlich von Nördlingen, 18 km nördlich von Donauwörth und 57 km nördlich von Augsburg.

Durch die Lage am Kraterrand des Nördlinger Rieses (UNESCO Global Geopark) gibt es mehrere Aussichtspunkte in Ries: nördliche Anhöhe an der „Platte“, den Aussichtspunkt „Grotte“ bei Amerbach und am Spazierweg zum Waldsee „Zur schönen Aussicht“.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Amerbach (Kirchdorf) Amerbacherkreut (Weiler) Maria Brünnlein (Wallfahrtsbasilika) Wemding (Hauptort) Wildbad (Einöde)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Amerbach und Wemding. Die Gemarkung Wemding hat eine Fläche von 23,898 km². Sie ist in 4222 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5660,35 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Maria Brünnlein, Wemding und Wildbad.

Geschichte Das Stadtarchiv Wemding ist die zentrale städtische Fachdienststelle für alle Fragen zu Daten und Ereignissen der Geschichte Wemdings. Dort werden Dokumente der Stadtgeschichte, historische Unikate und Bildersammlungen aufbewahrt.

Frühes Mittelalter Im Jahre 793 wurde Wemding zum ersten Mal als „Uemodinga“ in einer Schenkungsurkunde des Grafen Helmoin aus Gosheim (bei Huisheim) („Kaozesheim“) erwähnt. Dieser hatte von Karl dem Großen das Recht erhalten, das Land um Gosheim (etwa 9,35 km²) dem Bischof in Freising zu schenken. Zu dieser Zeit bestand Wemding aus vier Höfen: Maiershof, Katzensattelshof, Sandbichelshof und Seegartenhof

„(…) auch in jenem Walde, der zu Wemodinga gehört – eben dort sollen die Vorsteher dieser Kirche das Recht haben, Bauholz zu fällen, so viel nötig ist und Holz für Feuer (…)“Kudorfer: Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben, Nördlingen, S. 36 (geschichte.digitale-sammlungen.de).

798 schenkte König Karl Wemding dem Kloster Sankt Emmeram in Regensburg, in dessen Besitz die Stadt 500 Jahre lang blieb. Das bedeutete, dass das Kloster und der Bischof als Lehnsherren fungierten und über die Lehnsträger bestimmen konnten. Geistlichen Einrichtungen auch weltliche Verwaltungsrechte und damit Macht zu übertragen, war Teil der Regentschaft von König (ab 800 Kaiser) Karl im Einklang mit der Kirche. So baute der König auch zahlreiche Kirchen, Klöster, Kathedralen und Pfalzen und setzte sich für das Christentum als Reichsreligion ein.

Von 898 bis 935 bekam die Edelfrau Winpurc aus Nördlingen Wemding als Lehen.Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kloster St. Emmeram Regensburg Urkunden 17, 898 Mai 18. Zu dieser Zeit hatte Wemding schon 200 Einwohner. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Ort an einer Römer- und einer Salzstraße lag, also sehr viele Händler und anderer Verkehr den Ort passierten.

Im 11./12. Jahrhundert wurde Wemding als Lehen an die Edelfreien von Werd (Donauwörth) vergeben. 1233 war es im Besitz der Regensburger Kirche, deren Bischof Siegfried dem Grafen Gebhard (IV.) von Hirschberg gestattete, den Ort an den Grafen Heinrich von Graisbach zu verpfänden.Philipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg...(wie Folgeanm.), Nr. 155, 1233; Original: BayHStA München, Hochstift Regensburg Urkunden 43. Auch 1294 wurde Wemding als Besitz der Regensburger Kirche erwähnt, als es als Lehen an die Grafen von Grögling-Hirschberg vergeben wurde; nach dem Tod von Gebhard VII. von Hirschberg belehnt der Regensburger Bischof Konrad 1306 die Grafen von Oettingen damit.Philipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg (-Ottenburg,-Grögling,-Dollnstein), Kempten 2024; Reg. Nr. 355, 1294 Februar 17, Fürstenfeld; Nr. 448, 1305 März 4; Nr. 467, 1306 September 18, Regensburg (Original: Fürstlich Oettingen-Wallerstein’sches Archiv Harburg (FÖWAH), U. I. 116.

1343 erhoben die Grafen von Oettingen den Ort zur Stadt. Vermutlich am 11. November 1394 wurden in Wemding auf Betreiben des Eichstätter Bischofs Friedrich IV. von Oettingen zehn Waldenser zum Tode verurteilt und verbrannt. Seit 1453 war in Wemding ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das „westlich der Stadt an der Straße nach Nördlingen“ lag und als „Sondersiechenhaus“ bezeichnet wurde. Die Kapelle des Hauses war St. Leonhard und Sixtus geweiht.siehe , abgerufen am 15. Oktober 2016.

Wemding unter den bayerischen Herzögen mini|Heutiges Rathaus mit bayerischer Flagge 1467 ging die Stadt in den Besitz des wohlhabenden Wittelsbacher Herzogs Ludwig des Reichen von Niederbayern (Landshut) über. Der Herzog erwarb das bischöflich-regensburgische Lehen mit dem Ort Laub (gesamt), Amerbach (teilweise) und Fünfstetten (teilweise) von Graf Ulrich von Oettingen. Wemding wurde über 600 Jahre von den bayerischen Herzögen und Königen regiert und bekam viele Privilegien. Unter den Herzögen blühte Wemdings Handwerk und Handel auf, mit dem Umland herrschte wichtiger Handel. Die guten Verhältnisse zeigten sich unter der bayerischen Herrschaft an den vielen Zier- und Fachwerkhäusern aus dieser Zeit, die bis heute das Gesicht der Altstadt prägen. Aus der alamannischen Endung „wemdingen“ wurde damals auch das bayerische „wemding“.

Herzog Ludwig gründete 1472 die Universität Ingolstadt. Sein Sohn und Nachfolger Herzog Georg der Reiche gab Wemding im Jahr 1494 das Präsentationsrecht auf die neunte von elf Freistellen im Georgianum in Ingolstadt (Studierendenfreistelle). Auch das Aufstreben der Lateinschule am Stadtmetzg fiel in diese Zeit. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg fiel Wemding 1505 an das Herzogtum Bayern-München (Hauptlinie der Wittelsbacher). Um 1550 zählte Wemding zu den wohlhabendsten kleinen Landstädten im Herzogtum Bayern.

Der Zeitraum 1550 bis 1579 brachte religiöse Diskrepanzen mit sich: Während der Herrschaftszeit von Herzog Albrecht dem Großmütigen wurde Wemding durch die Münchner Herrschaft zu einem Eckpfeiler der Besitzungen in Schwaben. Herzog Wilhelm IV. verbot die Lehre Luthers im Herrschaftsgebiet. Im Reformationszeitalter ab 1554 formte sich eine protestantische Laienkelchbewegung in Wemding, die Herzog Albrecht V. in seiner bayerischen Exklave später nicht mehr tolerierte. Wegen seiner Lage als Exklave war Wemding essentieller Stützpunkt Wittelsbacher Konfessionspolitik. Um 1580 war die bayerische Exklave ausschließlich von protestantischen Territorien umgeben (Grafen Oettingen, Fürstentum Brandenburg-Ansbach, Fürstentum Pfalz-Neuburg). Durch die Zugehörigkeit zu Bayern blieb Wemding bis heute katholisch.

Durch die Unachtsamkeit des Türmers in der Türmerstube von St. Emmeram brannte 1559 der Südturm der Stadtpfarrkirche ab. Herzog Albrecht V. stellte für die Wiederherstellung und die Anschaffung neuer Glocken einen Zuschuss von 800 Gulden bereit. Im Antiquarium der Münchner Residenz ist Wemding (ab ca. 1590) zusammen mit 101 altbairischen Städten abgebildet. Bei der Darstellung handelt es sich um eine der ältesten Ansichten Wemdings, auf der die Stadtpfarrkirche St. Emmeram nur einen Turm besitzt.

Hexenverfolgung mini|Gästeführung am Folterturm Anfang des 17. Jahrhunderts kam es in der Stadt in zwei Wellen zu heftigen Hexenverfolgungen. Unter dem Richter Gottfried Sattler wurden in den Jahren 1609/10 zehn Menschen wegen Hexerei hingerichtet. Ein Prozess gegen zehn weitere Beschuldigte wurde 1611 dem Wemdinger Gericht entzogen; die Gefangenen verlegte man nach München und ließ sie später frei. Sattler wurde festgenommen und wegen Fehlern in der Prozessführung und Unterschlagung von mehr als 3000 Gulden zum Tode verurteilt. Vor seiner Hinrichtung kam es zu einem langen und teilweise dramatischen Tauziehen zwischen den Befürwortern und Gegnern der Hexenverfolgung am bayerischen Hof. Für Sattlers Begnadigung setzten sich nicht nur dessen Angehörige und der Wemdinger Stadtrat, sondern auch hochgestellte Personen wie der als Thronfolger geltende Prinz Albrecht ein, während die Gegner durch ein Gutachten der Universität Ingolstadt die Rechtmäßigkeit des Todesurteils bestätigen ließen. Am 9. März 1613 ließ der führende Verfechter der Hexenverfolgung, Hofratskanzler Johann Wangnereck, in einem handstreichartigen Beschluss des Hofrates das Todesurteil in einen unbefristeten Landesverweis umwandeln. Zwei Tage später setzten die Gegner der Hexenverfolgung um Oberstkanzler Joachim Donnersberger die Rücknahme dieses Beschlusses durch. Obwohl ein weiteres Universitäts-Gutachten aus Ingolstadt die frühere Aussage bestätigte, glaubte sich Sattler offenbar noch immer der Protektion von höchster Stelle sicher und war überrascht, als der Kurfürst ihn fallen ließ und am 21. Mai 1613 der Hinrichtung stattgab. Um Aufsehen zu vermeiden, wurde diese Ende Juni außerhalb Münchens in Markt Schwaben vollstreckt.

Aber 1628 bis 1631 kam es zu einer noch weitaus schlimmeren Welle der Verfolgung, der 39 Menschen zum Opfer fielen. Auf kurfürstliche Anordnung wurde dem Wemdinger Stadtrichter Baltasar Vogl der Ingolstädter Johann Valentin Schmid als Hexenkommissar beigeordnet. Schmids Ermittlungen brachten zwar viel nachbarschaftliche Missgunst und von Aberglauben geprägte Mutmaßungen ans Licht, führten aber nicht zu den gewünschten Verhaftungen. Dies änderte sich, als er 1629 durch Wolfgang Kolb abgelöst wurde, welcher zuvor schon an der massiven Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt beteiligt war und sich durch neue Foltermethoden besonders hervorgetan hatte. Ab dem 14. März 1629 wurden an neun Gerichtstagen insgesamt 29 Frauen und zehn Männer hingerichtet. Nach Kolbs ungeklärtem Tod 1630 wurden die Hinrichtungen seltener. Den letzten drei Gerichtstagen im Oktober und November 1630 und im März 1631 fielen noch fünf Menschen zum Opfer.

Ab der Zeit der Verfolgungen wurde ein Wemdinger Mauerturm (der ehemalige Pulverturm oder auch Langer Turm genannt) der Stadtmauer als „peinliche Befragungsstätte“ für die Hexen genutzt. Seit dieser Zeit trägt der Turm die Bezeichnung Folterturm. Eine weitere Gedenkstätte der Hexenprozesse befindet sich am Galgenberg. Dort stand der Galgen und wurden die Scheiterhaufen errichtet. Das dreiteilige Gedenkkreuz aus dem Jahr 1957 erinnert an die Jahre des Hexenwahns. Der Rat der Stadt Wemding fasste am 10. März 2015 einen Beschluss zur sozialethisch-moralischen Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse.augsburger-allgemeine.de

17. bis 19. Jahrhundert Im Jahr 1619 erhielt die Stadtpfarrkirche St. Emmeram als bedeutendes Gotteshaus im Zentrum der Altstadt einen zweiten Kirchturm. Auf dem neuen Nordturm befanden sich ab diesem Zeitpunkt alle Glocken. Die beiden Türme sind das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt. 1634 forderte ein wiederholter Ausbruch der Pest in Wemding über 260 Tote. 1647 gelobte die Bürgerschaft Wemdings die Durchführung eines großen Wallfahrtsgangs zur Sebastianskirche nach Oettingen. Es war das historische Ursprungsjahr der Wemdinger Pestprozession. Ab dem Jahr 1831 fand sie wieder alle 20 Jahre statt.

1664 wurde das Kapuzinerkloster durch Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern genehmigt, und die ersten Mönche kamen in den Ort. 1669 bis 1672 wurde das Gebäude umgebaut.

1692 wurde über dem Schillerbrünnlein nordwestlich Wemdings eine Kapelle errichtet. An ihrer Stelle wurde im August 1748 der Grundstein für die Wallfahrtskirche Maria Brünnlein gelegt, 1782 folgte die Weihe.