Das Amt Zechlin war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Amt mit Sitz in Flecken Zechlin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Das Amt Zechlin entstand im Wesentlichen aus den säkularisierten Besitzungen des Hochstifts Havelberg um die Burg Zechlin, und Teilen des bereits 1764 aufgelösten Amtes Lindow. Das Amt Zechlin wurde 1872/4 aufgelöst. mini|Ehemaliges Amtshaus (Vorderseite) in Flecken Zechlin mini|Feldsteinfundament der ehemaligen Burg (hinter dem ehemaligen Amtshaus) in Flecken Zechlin
Geographische Lage Das Amt Zechlin umfasste Gebiete sowohl in der Prignitz als auch im Kreis Ruppin. Es lag zum größten Teil im heutigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Kleinere Teile liegen heute im Landkreis Oberhavel.
Geschichte Das Amt Zechlin setzt sich im Wesentlichen aus den weltlichen Besitzungen des Bischofs von Havelberg (Hochstift Havelberg), die 1571 der Mark Brandenburg einverleibt wurden sowie des Amtes Lindow zusammen, das 1764 aufgelöst und mit dem Amt Zechlin vereinigt wurde.
Flecken Zechlin, früher nur Zechlin genannt wurde 1237 erstmals urkundlich genannt. Die Burg, deren Feldsteinfundamente noch hinter dem alten Amtshaus zu sehen sind, wurde wahrscheinlich Anfang des 14. Jahrhunderts vom mecklenburgischen Fürsten und Besitzer der Herrschaft Stargard Heinrich II., genannt der Löwe errichtet. 1320 verkaufte er die Region an das Bistum Havelberg. Ursprünglich bestanden darin über 20 Dörfer, von denen aber 14 entweder völlig wüst geworden waren oder nur die Dörfer wüst gefallen waren (bei weiterer Bewirtschaftung der Feldmarken durch Bauern von Nachbardörfern).
Das Amt Lindow entstand 1542 aus dem säkularisierten Besitz des Klosters Lindow. Das Amt Zechlin wurde bis 1707 gemeinsam mit dem Amt Wittstock verwaltet. 1725 kamen Luhme, Repente und Kleinzerlang vom Amt Goldbeck zum Amt Zechlin. Nicht zu diesen beiden Besitzkomplexen gehörte das Dorf Rägelin, das im Besitz des Klosters Arendsee war. Es kam mit der Säkularisation dieses Klosters 1540 an das Amt Zechlin.
Zugehörige Orte Die amtsangehörigen Orte wurden im Wesentlichen nach Bratring (1804) und dem Ortschaftsverzeichnis von 1817 erstellt: Altglobsow (Alt-Globsow, Kolonie) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Großwoltersdorf, Lkr. Oberhavel). Der Ort gehörte bis 1419 den v. Dewitz in Priepert, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. In diesem Jahr verkauften sie den Ort an das Kloster Lindow. Danach kam es an das Amt Lindow und nach dessen Auflösung 1764 an das Amt Zechlin. Alt Lutterow (Alt Luttrow, Vorwerk, heute ein Gemeindeteil der Stadt Rheinsberg). Das mittelalterliche Dorf gehörte zum Besitz der Burg Zechlin. Es fiel vor 1414 wüst. 1573 wurde auf der wüsten Feldmark eine Schäferei eingerichtet. Die Feldmark wurde von den Bauern von Dorf Zechlin und Schweinrich genutzt. Anfang des 19. Jahrhunderts siedelte sich beim Vorwerk eine Kolonie mit acht Wohnhäusern an. Amt Zechlin (heute in Flecken Zechlin aufgegangen). Zwischen 1306 und 1320 wurde am Nordufer des Schwarzen Sees eine Burg errichtet. Das Gebiet gehörte bis 1320 zu Mecklenburg. 1320 ging die Burg in den Besitz des Bischofs von Havelberg über. 1571 wurde der Ort der Amtssitz des Amtes Zechlin. Zum unmittelbaren Bereich der Burg gehörte eine kleine Siedlung, neben dem Flecken Zechlin in unmittelbarer Nähe der Burg. 1860 gehörten 5 Wohn- und 16 Wirtschaftsgebäude zum Amtssitzvorwerk. Babitz (1817: Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse). Das 1274 erstmals genannte Dorf war damals im Besitz der Herren von Werle. 1320 erscheint es im Besitz des Bischofs von Havelberg. 1571 wurde das Bistum Havelberg formal mit der Mark Brandenburg vereinigt. Babitz wurde nun vom Amt Zechlin verwaltet. Banzendorf (Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Lindow (Mark)). Das Dorf war geteilt. Ein Teil gehörte schon den Herren von Ruppin (Gerichtsherrschaft), nach deren Aussterben dem Amt Alt Ruppin, der andere Teil gehörte schon vor 1423 dem Kloster Lindow (Grundherrschaft) und nach der Säkularisation des Klosterbesitzes 1542 an das Amt Lindow. 1764 bei der Auflösung des Amtes Lindow wurde es dem Amt Zechlin zugeteilt. 1846 ging dieser Anteil an das Amt Alt Ruppin. Basdorf (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Das mittelalterliche Dorf fiel früh wüst. Die wüste Feldmark gehörte schon 1524 zur Herrschaft Ruppin bzw. ab 1525 zum Amt Alt Ruppin. 1751 wurde eine Glashütte auf der wüsten Feldmark erbaut, aus dem das heutige Dorf entstand. Das Schmettausche Kartenwerk verzeichnet hier neben einer Grünen Glashütte eine Porcellain Fabrique. Basdorf wurde 1844 vom Amt Alt Ruppin abgetrennt und dem Amt Zechlin zugewiesen. Beerenbusch (Bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Rheinsberg der Stadt Rheinsberg). Es ist nicht bekannt, ob das Areal im Mittelalter zu einer Feldmark eines wüst gefallenen Dorfes gehörte oder ob es nur ein Waldstück war. Dieses war bereits 1530 im Besitz des Klosters Lindow. Der Waldow kam in den Besitz des Stiftes Lindow. Bereits im 16. Jahrhundert waren Teile des Beerenbusches durch den Schulzen in Menz bewirtschaftet worden. 1664 ist ein Teerofen belegt, 1770 auch ein Krug. Um 1800 entstand hier eine Unterförsterei und Büdnerkolonie, aus dem sich der heutige Gemeindeteil entwickelte. 1825 kam das Forsthaus nebst dem Schutzbezirk an das Amt Zechlin. Beckermühle (heute Mühle, heute ein Gemeindeteil der Stadt Rheinsberg) Berlinchen (Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse). Berlinchen gehörte zum Klosterhof Dranse des Klosters Amelungsborn. Der Ort ging 1430 an den Bischof von Havelberg bzw. die Burg Zechlin, später das Amt Zechlin. Braunsberg (Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Das mittelalterliche Dorf war vor 1525 wüst gefallen. Es wurde bis 1540 wieder aufgebaut und ist in diesem Jahr als „neues Dorf“ bezeugt. Im Dreißigjährigen Krieg fiel das Dorf ein zweites Mal wüst und wurde erst 1699 durch Pfälzer Kolonisten wieder besiedelt. Das Dorf gehörte zu Ende des Mittelalters der Familie v. Lohe zu Wustrau. 1696 verkauften sie die damals noch wüste Feldmark, die aber schon von den Bauern der Nachbardörfer genutzt wurde, an das Amt Alt Ruppin. 1764 wurde das Dorf an das Amt Zechlin überwiesen. Buchholz. Das im 13. Jahrhundert angelegte Dorf fiel wohl im 14./15. Jahrhundert wüst. 1524 gehörte die wüste Feldmark den von Lohe zu Wustrau und Braunsberg. Vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Feldmark z. T. noch bewirtschaftet, bewaldete sich dann völlig; 1662 war sie völlig mit Holz und Büschen bewachsen. 1696 verkauften die von Lohe die Feldmark an das Amt Alt Ruppin. 1701 war sie z. T. wieder geräumt und wurde von Bauern aus Braunsberg genutzt. 1764 wurde sie dem Amt Zechlin überwiesen. Burow (Kolonie und Erbpachtvorwerk) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Groß Woltersdorf). Die Feldmark des schon früh wüst gefallenen mittelalterlichen Dorfes war schon vor 1530 im Besitz des Klosters Lindow. Die Feldmark wurde zum Teil von Bauern des Dorfes Menz genutzt. Sie kam mit der Säkularisation des Klosterbesitzes an das Amt Lindow. 1753/4 wurden 16 Häuser und ein Vorwerk aufgebaut. 1764 wurde der Ort (Feldmark und Kolonie) dem Amt Zechlin zugeteilt. Das Vorwerk gehörte zum Gut Zernikow. Dagow (1817: Erbpachtvorwerk, heute ein Ortsteil der Gemeinde Stechlin). Das mittelalterliche Dorf war bis spätestens im 15. Jahrhundert wüst gefallen. Es gehörte damals noch zur Vogtei von Fürstenberg/Havel. Die weitere Besitzgeschichte ist ungeklärt, jedenfalls war es 1764 unter den Dörfern des aufgelösten Amtes Lindow, die dem Amt Zechlin zugeteilt wurden. Degebrod. Das mittelalterliche Dorf fiel im 14./15. Jahrhundert wüst. Es war im 15. Jahrhundert schon wüste Feldmark und gehörte damals noch zur Vogtei Fürstenberg/Havel. 1707 war es Heuerland des Amtes Zechlin. Dierberg (1817: Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Das Dorf war schon vor 1423 im Besitz des Klosters Lindow. Mit dessen Säkularisation kam es 1542 an das Amt Lindow, 1764 an das Amt Zechlin. 1844 wurde es vom Amt Zechlin abgetrennt und dem Amt Alt Ruppin zugewiesen. Dietrichsofen, Theerofen (existiert nicht mehr, lag südwestlich des kleinen Teufelsees, heute im Ortsteil Menz der Gemeinde Stechlin). Um 1700 wurde auf dem Gebiet des Amtes Lindow durch den Teerschweler Christian Ebbert ein Teerofen angelegt. 1764 kam er zum Amt Zechlin. Er ist nach 1860 eingegangen. Dollgow (Dolgow, Dorf) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Stechlin). Der Ort gehörte schon vor 1423 zur Hälfte dem Kloster Lindow, die andere Hälfte war in Adelsbesitz. Der Lindowsche Anteil kam 1542 zum Amt Lindow und 1764 zum Amt Zechlin. Dorf Zechlin (Zechlin, Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Der Ort gehörte bis 1242 den Herren von Werle, die es in diesem Jahr an das Kloster Doberan schenkten. 1320 an den Bischof von Havelberg. Mit der Einverleibung des Bistums Havelberg in die Mark Brandenburg kam der Ort an das Amt Zechlin. Auf der (heutigen) Gemarkung lagen im Mittelalter sieben Dörfer, die alle wüst fielen. Dranse (1817: Dransee, Dorf und Walkmühle) (heute ein Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse). 1274 schenkte Nikolaus von Werle dem Zisterzienserkloster Amelungsborn (Landkreis Holzminden, Südniedersachsen) 60 Hufen Land nördlich des Dranser Sees zur Errichtung eines Klosterhofes. Dazu gehörten auch 11 Dörfer. 1430 wurde der Klosterhof samt der zugehörigen Dörfer an den Bischof von Havelberg verkauft. 1571 bei der Einverleibung des Bistums Havelberg in die Mark Brandenburg wurde Dranse dem Amt Zechlin zugewiesen. Der Zoll stand bis 1827 den mecklenburgischen Herzögen zu. Dranseer Walkmühle (heute Wohnplatz Walkmühle im Ortsteil Dranse der Stadt Wittstock/Dosse). 1705 wurde am südwestlichen Ufer des Kleinen Baalsees auf Amtsgebiet eine Walkmühle errichtet, die an die Stadt Wittstock/Dosse in Erbpacht gegeben wurde. Fischerhaus Stechlin und Försterei Stechlin. Das mittelalterliche Dorf Stechlin gehörte dem Kloster Lindow. 1422 wurde es von Mecklenburgischen Rittern ausgeraubt und fiel danach wüst. 1530 ist es als wüste Feldmark mit sechs Seen (Großer und Kleiner Stechlinsee, Teufelsee, Gerlinsee, Wulwitzsee und Nehmitzsee) bezeugt. Die Feldmark wurde von Bauern aus Menz genutzt. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand auf der wüsten Feldmark, aber nicht an der alten Dorfstätte ein Fischerhaus, aus dem der heutige Wohnplatz der neuzeitlichen Gemeinde Stechlin entstand. 1764 ging die Feldmark an das Amt Zechlin über. 1840 war das Fischerhaus im Besitz der Gemeinde Menz. 1833 wurde vermutlich an der alten Dorfstätte eine (Unter-)Försterei (Försterei Stechlin) aufgebaut. Letztere gibt es nicht mehr (lag hier ). An dieser Stelle (und weitere Umgebung) steht das Kernkraftwerk Rheinsberg. Fischerwall (Etablissement und Zollhaus). Schon 1698 stand hier ein baufälliges Häuschen, 1800 auch Fischerhaus genannt. 1800 und 1817 war hier auch eine (Neben-)Zollstelle. 1846 wurde die Lokalität an das Amt Zehdenick abgegeben. Flecken Zechlin (heute Ortsteil der Stadt Rheinsberg). 1237 schenkte Niklot von Werle 50 Hufen Land an die Zisterzienser Mönche von Bad Doberan. Sie errichteten einen Klosterhof. Zwischen 1306 und 1320 wurde am Nordufer des Schwarzen Sees eine Burg errichtet. Das Gebiet gehörte bis 1320 zu Mecklenburg. 1320 ging die Burg in den Besitz des Bischofs von Havelberg über. 1548 ging das Tafelgut an die Brandenburgischen Kurfürsten. Die Burg wurde 1640 Sitz des Amtes Zechlin. Am Giesenschlag, Teerofen (auch Kehrbergofen) (existiert nicht mehr, lag am Südostende des Giesenschlagsees, ca. 2 km östlich von Luhme). 1484 wird hier ein freier Hof der v. Krusemark erwähnt. Später war dieser Hof im Besitz des Bischofs von Havelberg und gelangte 1571 an das Amt Zechlin. 1707 wurde ein Teerofen an dieser Stelle genannt, der nach dem Besitzer J. Kehrberg auch Kehrbergofen genannt wurde. 1849 erscheint der Teerofen letztmals in den Urkunden.