Karl Wilhelm August Backhausen (* 30. Juli 1869 in Hattorf; † 13. September 1924 in Arosa) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pastor und Sozialpädagoge. Als Autor trat er für eine „jugendgemäße“ Pädagogik einJens Schmidt-Clausen: Backhausen ... (siehe Literatur) und hatte großen Einfluss auf die Jugendwohlfahrt. Immer auf den Vorrang des erzieherischen Gesichtspunktes bedacht, war er entscheidend an der Vorbereitung der Gesetze zur Reform der Fürsorgeerziehung in der Weimarer Republik beteiligt.Erich Weniger: Backhausen ... (siehe Literatur)
miniatur|hochkant=1.5|Lithographie mit verschiedenen Aspekten des Stephansstifts, um 1902, von Carl Grote
Leben Familie Wilhelm Backhausen war der Sohn des in Hattorf tätigen Lehrers Karl Heinrich August Backhausen und der Johanna Sophie Dorothee Elisabeth (1825–1906), der Tochter des Barnstorfer Bauern Andreas Heinrich Siedentop und der Sophie Elisabeth Schmidt. Er war väterlicherseits der Enkel des Hattorfer Lehrers Carl Heinrich Backhausen und der Henriette Gerloff. Mit seiner Ehefrau Agnes (1879–1971), einer Tochter des Verlagsbuchhändlers Alexander Wolff und der Emma Mirow, hatte Backhausen einen Sohn und vier Töchter. Seine Tochter Margrit (1908–1997) heiratete 1937 den Schokoladenfabrikanten und Kunstmäzen Bernhard Sprengel (1899–1985) und gründete mit ihm das Sprengel Museum Hannover.
Werdegang Wilhelm Backhausen trat 1899Davon abweichend nennt das Stadtlexikon Hannover (s. Literatur) das Datum 1. Juli 1901 als Eintrittsdatum als Vikar zur Ableistung seines Vikariats in das Stephansstift vor Hannover ein. Zuvor wurde er während seines Studiums 1889 Mitglied der Straßburger Burschenschaft Arminia.125 Jahre Straßburger Burschenschaft Arminia. Festschrift zum 125jährigen Bestehen. Tübingen 2011, S. 115. Nachdem das Preußische Gesetz über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger vom 2. Juli 1900Vergleiche Max Schultzenstein: Das deutsche Vormundschaftsrecht und das preußische Gesetz über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger vom 2. Juli 1900: nebst den dazu gehörigen preußischen nebengesetzen und allgemeinen Verfügungen, Textausgabe mit Erläuterungen und Sachregister, 2. Auflag, Berlin: Guttentag, 1901 (509 Seiten) in Kraft getreten war, begann Backhausens Tätigkeit als 2. Anstaltsgeistlicher und Leiter der Erziehungsarbeit am 17. November 1901 bis in sein Todesjahr 1924.
Ab 1912 – und ebenfalls bis 1924 – übernahm Backhausen den Vorsitz des Allgemeinen Fürsorgeerziehungstages (AFET), „der Vertretung aller an der Fürsorgeerziehung beteiligten Organisationen“ im damaligen Deutschland.
Mitten im Ersten Weltkrieg gründete Wilhelm Backhausen 1915 ein Erziehungsheim für männliche aus der Schule entlassene Jugendliche auf dem Kronsberg bei Laatzen, wo er hierfür das Rittergut Kronsberg mit dem Stephansstift verband.Helmut Zimmermann: Backhausenweg. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 32 Im September desselben Jahres übernahm Backhausen auch die dortige Heimleitung – und veröffentlichte ebenfalls 1915 seine Schrift Unsere Fürsorgezöglinge und der Krieg.
Aufbauend auf den Ideen von Johann Hinrich Wichern für die evangelische Anstaltserziehung, entwickelte Backhausen die Ausgestaltung in Theorie und Praxis fort unter Berücksichtigung der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs. Er setzte sich mit modernen pädagogischen Reformbestrebungen auseinander und schrieb zahlreiche Abhandlungen in verschiedenen Fachblättern. So half er insbesondere bei der Überwindung des überlieferten Misstrauens der evangelischen Anstaltserzieher gegen die Psychiatrie. Als Leiter des AFET konnte Backhausen die Vertreter der verschiedenen weltanschaulichen Richtungen für die Reform der Fürsorgeerziehung ausgleichend zusammenhalten, ohne dabei seinen eigenen Standpunkt zu verleugnen.
Posthum wurde die Immobilie am Kronsberg erst 1962 vom Stephansstift verkauft.
Ehrungen Laut dem Adressbuch der Stadt Hannover von 1953 wurde der im Jahr zuvor 1952 angelegte Backhausenweg im hannoverschen Stadtteil Mittelfeld nach dem Pastor und Pädagogen benannt.
Schriften (Auswahl) Wilhelm Backhausen: Unsere Fürsorgezöglinge und der Krieg, Heymanns, 1915 Johannes Steinwachs, Wilhelm Backhausen, Johannes Voigt: Die evangelische Anstaltserziehung mit besonderer Berücksichtigung der Fürsorgeerziehung: Leitfaden zur Ausbildung von Erziehern in Anstalten für männliche Zöglinge, Hannover: Verlag des Stephansstifts, 1922
Literatur
Johannes Wolff: Wilhelm Backhausen, ein evangelischer Erzieher, Hannover: Buchhandlung des Stephansstiftes, 1927 Festschrift zum 125. Jahresfest des Stephansstiftes, 1994. Jens Schmidt-Clausen: Backhausen, Karl Wilhelm August. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 41.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Lutherischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Diakonie) Kategorie:Person des Christentums (Hannover) Kategorie:Person der sozialen Arbeit Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Burschenschafter (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1869 Kategorie:Gestorben 1924 Kategorie:Mann