Der Taijiquan-Meister Cheng Wing Kwong (; * 1903 in Sanxiang, Zhongshan, Provinz Guangdong, China; † 1967 Hongkong) war einer der Meisterschüler des Wu-Stil-Begründers Wu Jianquan.
Leben Cheng emigrierte im Alter von 13 Jahren nach Hongkong. Nach Absolvierung seiner Ausbildung wurde er Geschäftsmann. Als junger Mann trat Cheng dem Hong Kong Chinwoo Athletic Association () bei und begann, Taijiquan von Chiu Sau Chien (), dem Neffen von Wu Jianquan, zu lernen. Wu Jiangquan selbst kam 1937 nach Hongkong, um in der damaligen South China Athletic Association, kurz SCAA (, kurz ) den Wu-Stil des Taijiquan zu unterrichten. Bald darauf nahm er Cheng als Schüler an. Dieser wurde Angehöriger des inneren, quasi familiären, Schülerkreises () und von Wu zum Vizepräsidenten der Wu Jianquan Taiji Academy Hong Kong () ernannt.
Cheng erlangte nicht zuletzt dank seiner Fähigkeiten im Tuishou sowie durch Demonstrationen seiner Neigong-Fähigkeiten – er forderte z. B. gerne berühmte Boxer auf, ihn zu schlagen, und zeigte sich dann unbeeindruckt von deren Angriffen – größere Berühmtheit in Kanton (heute Guangzhou), Singapur und Malaysia, wo er zusammen mit Wu Jianquans Sohn Wu Gongyi () Schulen aufbaute. Sein Beiname war „Meister vom wohlriechenden Hafen“, das heißt „Meister aus Hongkong“ ( oder ).Zhao Qing „Hui Guan“: Spezielle Ausgabe der Zhao Qing „Hui Guan“. Absolventenverzeichnis der Tai-Qi-Schule für die 10. Jahresfeier. Singapur 1967.
Cheng starb infolge einer Erkrankung am 31. Oktober 1967 im Hong Kong Sanatorium & Hospital () in Hongkong.
Werk und Einfluss Von 1948 bis 1952 unterrichtete Cheng Wu-Taijiquan für die South China Athletic Association, Hongkong. Im Jahr 1952 gründete er die „Wing Kwong Akademie für Fitness“ (), also das heutige „Wing Kwong Tai-Chi-Akademie“ () in Causeway Bay, Hongkong. 1962 wurde Cheng vom Chinwoo Athletic Association Selangor and Kuala Lumpur in Malaysia () eingeladen, Wu-Stil-Taijiquan zu lehren. Er unterrichtete dort etwa fünf Jahre lang viele Taijiquan-Schüler aus Malaysia und Singapur, von denen später viele selbst bekannte Taiji-Meister wurden. Zhao Qing „Hui Guan“: Spezielle Ausgabe der Zhao Qing „Hui Guan“. Absolventenverzeichnis der Tai Qi Schule für die 10. Jahresfeier. Singapur 1967. Cheng hatte entweder schon vor seiner Schülerschaft bei Wu Jianquan direkt von Sun Lutang selbst oder später von einem von Suns Schülern die Kampfkünste Xingyiquan und Baguazhang gelernt und grundlegende Techniken in sein Training aufgenommen. Dan Docherty: Fragrant Harbour Master. In: Tai Chi Chuan & Oriental Arts Magazine of the Tai Chi Union for Great Britain. Band 37, 2011. S. 12–13. Einige Kampfkünstler in seiner Linie, insbesondere um den Meisterschüler Woo Hsing, geben diese Traditionen bis heute als festen Bestandteil des Curriculums weiter.
Cheng war von seinem intensiven Interesse an Qi-Arbeit auch zur Inneren Alchemie geführt worden und praktizierte neben verschiedenen esoterischen Qi-Meditationen auch alte Varianten der Shaolin-Qigong-Übung Yijinjing () sowie des ebenfalls aus Shaolin stammenden Qigong-Übungssets Xianjia Baduanjin. Cheng, Wing Kwong / Zheng, Rongguang: Ba duan jin, tai ji quan, yi jin jing hui kan. Xianggang 1954. Vgl. auch Dan Docherty: Fragrant Harbour Master. In: Tai Chi Chuan & Oriental Arts Magazine of the Tai Chi Union for Great Britain. Band 37, 2011. S. 12–13.
Schüler von Cheng Wing Kwong Zu den namhaften Wu-Stil-Taijiquan-Schülern von Cheng gehören:
Cheng Pui Ki (1927–2004) – Chengs ältester Sohn Cheng Tin Hung (1930–2005) – Chengs Neffe Cheung Yiu Keung Liu Kang Chee Liu Kwong Sum Ma Tin Yik Sim Tai Chen Tang Mong Hun Tsang Kim Chau Woo Hsing / Wu Sing
Werke Cheng Wing Kwong (Pinyin Zheng Rongguang): Tai Chi Chuan Hui Pian. Taijiquan Compilation. 1949. Cheng Wing Kwong (Pinyin Zheng Rongguang): Baduanjin, taijiquan, yi jin jing hui kan. Hongkong 1954.
Literatur Dan Docherty: Instant Tao. The Tai Chi Discourse and Canon. Red Cinnabar, London 1995, ISBN 0-9525716-0-9. Dan Docherty: The Tai Chi Bible: The Definitive Guide to Decoding the Tai Chi Form. Godsfield Press, Alresford 2014, ISBN 978-1-84181-433-9 (). Tem Horwitz, Susan Kimmelman, Hubert H. Lui: T'ai chi chʿuan. The Te;chnique of Power. Rider, London 1976, ISBN 0-09-136731-X (2004-Ausgabe: ISBN 0-9742013-0-8). Tinn-Chan Lee: The Wu Style of Tai Chi Chuan. Unique Publications, Burbank (CA) 1982, ISBN 0-86568-022-1. Markus Maria Wagner: Taijiquan. Klassische Schriften, Praxiskonzepte und Beziehungen zum Daoismus. Lotus Press, Lohne 2014, ISBN 978-3-945430-22-4. Spezielle Ausgabe der Zhao Qing „Hui Guan“. Absolventenverzeichnis der Taiji-Schule () für die 10. Jahresfeier, Singapur 1967.
Weblinks Offizielle Website – Wing Kwong Tai Chi Academy Hong Kong (chinesisch) Offizielle Website – Wing Kwong Tai Chi Academy Hong Kong (englisch) Stammbaum des Wu-Taichi-Stil (englisch) Offizielle Website – Chinwoo (Jingwu) Athletic Association Shanghai – Dachorganisation – (chinesisch) Dan Docherty – In: taichichuan.co.uk (englisch)
Anmerkungen Die Hong Kong Chinwoo Athletic Association (). Chiu Sau Chien aka Zhao Shoucun (). Die South China Athletic Association, kurz SCAA (, kurz ). Der indoor disciple () bezeichnet traditionell ein „Schüler des inneren Kreises“, der quasi im familiären Kreis des Meisters (Lehrmeister) aufgenommen wird. Die Wu Jianquan Taiji Academy Hong Kong (). Wu Gongyi () ist der Sohn vom Taichi-Meister Wu Jianquan. Der Beiname „Meister vom wohlriechenden Hafen“ (, alternative Schreibung ) ist schlicht die wörtliche Übersetzung von „Meister aus Hongkong“. Das Hong Kong Sanatorium & Hospital () ist ein Krankenhaus auf Hong Kong Island. Das historische Wing Kwong Gymnasium (). Die heutige Wing Kwong Tai Chi Academy () ist der das Nachfolgeinstitut vom historischen Wing Kwong Gymnasium. Die Chinwoo Athletic Association Selangor and Kuala Lumpur in Malaysia (). Das bekannte Yijinjing () ist ein historisches Werk, das Qigong-Übungen der Shaolin-Mönche erklärt und beschreibt. Cheng Pui Ki (; 1927–2004). Cheng Tin Hung (; 1930–2005) der Begründer des Taijiquan-Stils Wudang Tai Chi Chuan. Sim Tai Chen (). Tang Mong Hun ().
Einzelnachweise Fragrant Harbour Master. In: Tai Chi Chuan & Oriental Arts Magazine of the Tai Chi Union for Great Britain. Band 37, 2011, S. 12–13 (englisch).
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