mini|hochkant|Coverabbildung der deutschen Ausgabe Krähenmädchen Krähenmädchen (schwedischer Originaltitel: Kråkflickan) ist ein Roman des schwedischen Autorenduos Erik Axl Sund, bestehend aus Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist. Bei dem Thriller handelt es sich um den ersten Band der mit dem Spezialpreis (Specialpris) der Schwedischen Krimiakademie ausgezeichneten Victoria-Bergmann-Trilogie, der 2010 in Schweden und 2014 in Deutschland erschien.

Der in zahlreiche kurze Kapitel gegliederte Roman behandelt vordergründig die Ermittlungen eines mehrfachen Mordes an misshandelten Kindern in Stockholm. Im Zentrum der Handlung steht dabei jedoch vor allem die Protagonistin Victoria Bergmann, die als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde und dadurch eine schwere, multiple Persönlichkeitsstörung entwickelte. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und avancierte international zum Bestseller, die Filmrechte wurden zudem an eine amerikanische Filmgesellschaft verkauft. Die Kritiken vergleichen den Roman und die Trilogie in der Regel mit der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson und unterstreichen vor allem die Spannung und Komplexität des Romans, zugleich stellen sie jedoch auch die außerordentliche Brutalität der Handlungen des Romans in Frage.

Allgemeines und formaler Aufbau Der Roman ist in zahlreiche unnummerierte, teilweise sehr kurze Kapitel gegliedert, die mit den jeweiligen Orten der Handlung überschrieben sind. Ausnahmen stellen Kapitel dar, die mit „Damals“ überschrieben sind und kurze Rückblicke in vergangene Erlebnisse der Personen Victoria Bergmann und Sofia Zetterlund geben. Das gesamte Buch wird aus der Position eines Erzählers wiedergegeben, der sowohl Einblicke in die konkrete Handlung wie auch in die Gedanken der Personen, ihren Inneren Monolog, hat. Die Geschichte und die einzelnen Erzählstränge selbst finden in der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse statt, aus der die beschriebenen Rückblicke ausbrechen.

Er trägt eine Widmung auf dem Vorblatt, die „Zur Erinnerung an eine Schwester“ lautet, und wird vor dem Beginn der Handlung durch ein Zitat des schwedischen Literatur-Nobelpreisträgers Harry Martinson aus dessen Werk Die Nesseln blühen eingeleitet:

mini|Ein Zitat des schwedischen Literatur-Nobelpreisträgers Harry Martinson (hier links, mit Ivar Lo-Johansson) wird dem Roman vorangestellt.

Die Handlung des Romans spielt vor allem in Stockholm, wo sich das Polizeirevier, die Praxis der Psychologin Sofia Zetterlund sowie die Wohnungen der Hauptpersonen und die Auffindungsorte von Opfern einer Mordserie befinden. Die Autoren spielen auf zahlreiche real stattgefundene historische Ereignisse wie die Belagerung von Sarajevo während des Bosnienkriegs sowie den Bürgerkrieg in Sierra Leone an, an denen einzelne Personen der Handlung teilgenommen haben. Im Mittelpunkt des Romans und der gesamten Romantrilogie steht Victoria Bergmann, die als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde und dadurch eine schwere Persönlichkeitsstörung mit Schizophrenie entwickelte.

Das Buch Krähenmädchen ist der erste Teil der Victoria-Bergmann-Trilogie, die zwei weitere Bücher umfasst: Narbenkind (Original: Hungerelden (Victoria Bergmans svaghet, #2); Schweden 2011, Deutschland 2014) und Schattenschrei (Original: Pythians anvisningar: [„mord och psykoterapi“] (Victoria Bergmans svaghet, #3); Schweden 2012, Deutschland 2014). Der Romantitel Krähenmädchen, eine wörtliche Übersetzung des schwedischen Titels Kråkflickan, bezieht sich auf die Eigenbezeichnung der Hauptfigur Victoria Bergmann, die diese einnimmt, wenn sie in ihre Schutzidentität flieht.

Handlung Kern der Handlung im Krähenmädchen sind die Ermittlungen an einer brutalen Mordserie an Jungen durch die Kommissarin Jeanette Kihlberg gemeinsam mit der Psychologin Sofia Zetterlund. Nebenstränge der Handlung sind die Entwicklung von Victoria Bergmann, die in ihrer Wohnung den Flüchtlingsjungen Gao Lian zu einem Kämpfer trainiert und ihn dazu bringt, andere Jungen zu töten, sowie die persönliche Entwicklung der Kommissarin Kihlberg und ihrer Familie und ihre beginnende Liebesbeziehung mit Sofia Zetterlund. Durch die Kernhandlung werden diese Stränge teilweise miteinander verwoben, verlaufen jedoch bis zum Ende des Romans weitgehend parallel.

Unterbrochen wird die Handlung durch zahlreiche Rückblicke auf vergangene Ereignisse im Leben von Victoria Bergmann und der Psychologin Sofia Zetterlund, die sich zum Ende des Romans als zwei getrennte Persönlichkeiten derselben Person erkennen.

Aufklärung der Mordserie Zu Beginn der Kernhandlung um die Kindermorde wird die Polizistin Jeanette Kihlberg an den Fundort einer verstümmelten Kinderleiche nahe der U-Bahn-Station Thorildsplan gerufen. Gemeinsam mit ihren Kollegen und dem Rechtsmediziner Ivo Andrić nimmt sie die Ermittlungen auf und beginnt, nach potenziellen Tätern zu suchen. Während der Verhandlungen stoßen Jeanette Kihlberg und ihre Kollegen auf mehrere verdächtige Männer, die teilweise wegen brutaler Sexualdelikte vorbestraft sind. Darunter befinden sich der ehemalige UN-Soldat Jimmie Furugård, Karl Lundström sowie Bengt Bergmann, gegen die Kihlberg Ermittlungen aufnimmt. Der Pathologe Andrić stellt derweil bei seinen Untersuchungen der Misshandlungsspuren Parallelen zu Hundekämpfen fest und lässt den Leichnam auf Beruhigungsmittel testen. Dabei wird das bei Zahnärzten übliche Lidocain gefunden, das als lokales Betäubungsmittel genutzt wird. Kurze Zeit später wird auf der Insel Svartsjölandet, Ekerö, eine zweite verstümmelte Kinderleiche entdeckt und als Einwanderer und Waisenkind Juri Krylov aus Weißrussland identifiziert. Ebenso wie die erste Kinderleiche wurde er vor seinem Tod durch Schläge misshandelt und noch lebendig kastriert, auch bei ihm findet man Lidocain im Gewebe. Eine dritte, diesmal einbalsamierte und ebenfalls kastrierte Kinderleiche findet sich schließlich am Danvikstull.

Zur gleichen Zeit führt die Psychologin Sofia Zetterlund, die auf die Behandlung von Kindheitstraumata und Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist, eine erfolgreiche Praxis in Stockholm. Sie betreut unter anderem die schizophrene Patientin Victoria Bergmann, die als Kind missbraucht wurde. Außerdem interviewt sie Täter in Missbrauchsfällen wie Tyra Mäkelä, die am Missbrauch und Mord ihres am Fragilen X-Syndrom erkrankten Sohnes beteiligt war, und den Familienvater Karl Lundström, der seine Tochter Linnea jahrelang missbraucht hat. Sofia lebt in einer Beziehung mit Mikael, trauert jedoch auch ihrem früheren Partner Lasse nach. Besonders intensiv arbeitet sie an den Tonaufzeichnungen von den Sitzungen mit Victoria Bergmann, auf denen diese von Ereignissen aus ihrer Vergangenheit berichtet und dabei regelmäßig ihre Persönlichkeiten wechselt. Etwa zeitgleich mit den Morden beginnt Sofia ihre ersten Sitzungen mit dem ehemaligen Kindersoldaten Samual Bai, der ihr, aufgrund ihrer Kenntnisse der in seiner Heimat verbreiteten Sprache Krio, Vertrauen schenkt und sich auf die Behandlung einlässt. Bei einer Sitzung wechselt Samual in eine aggressive Persönlichkeit, die Sofia angreift und sie würgt, statt in seine Normalpersönlichkeit (Samual Common) oder in die freundliche, verspielte Version (Frankly Samual).

In den Mittelpunkt der polizeilichen Ermittlungen rückt der inhaftierte Karl Lundström, der einem Kreis von Kinderschändern angehörte und über seine Frau, eine Zahnärztin, Zugang zu dem Betäubungsmittel Lidocain hätte. Da Lundström von Sofia Zetterlund befragt wurde, nimmt Jeanette Kontakt mit der Psychologin auf, um an weitere Informationen zu kommen. Später gerät auch Bengt Bergmann, der Vater von Victoria Bergmann, in den Fokus der ermittelnden Beamten, und Kommissarin Kihlberg nimmt telefonisch Kontakt mit der Tochter auf, ohne von ihrer Verbindung zu Sofia Zetterlund zu wissen. Jeanette trifft sich mit der Psychologin und während des Gesprächs freunden sich die beiden Frauen an – später entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen ihnen. Karl Lundström, der weiterhin der Hauptverdächtige ist, erhängt sich in seiner Zelle und kann im letzten Moment gerettet werden, liegt jedoch im Koma. Er ist nicht mehr vernehmungsfähig und weitere Ermittlungen gegen andere Verdächtige verlaufen im Sande.

Kurz nach dem Selbstmordversuch wird auf dem Dachboden eines Hauses im Monumenten-Viertel die aufgehängte und verstümmelte Leiche von Samual Bai gefunden. Als Tatverdächtiger wird der Rechtsradikale Petter Christoffersson festgenommen, der die Tat jedoch nicht begangen hat. Andrić, der Pathologe, stellt Parallelen zum vermeintlichen Selbstmord von Lasse her, dem früheren Partner von Sofia Zetterlund. Da auch Samual ein Patient von Sofia Zetterlund war, informiert Jeanette die Psychologin und möchte sie mit dem Hauptverdächtigen konfrontieren, was diese jedoch vermeidet. Christoffersson gibt der Polizei einen Hinweis, nach dem Samual Bai eine Frau begleitet haben soll, die er bereits kannte und für die er eine Wohnung ausgebaut hatte. Beiden Hinweise geht die Polizei allerdings nicht nach. Die Mordermittlungen werden eingestellt, und Karl Lundström wird von der Staatsanwaltschaft und dem Polizeichef als Täter der Kindermorde betrachtet. Dem Mord an Samual wird nicht weiter nachgegangen.

Victoria Bergmann und Sofia Zetterlund Ein weiterer Handlungsstrang zeichnet das Leben von Victoria Bergmann nach: Der Roman beginnt mit der Beschreibung ihrer Wohnung, in dem sie einen Raum entsprechend ihren Wünschen schalldicht umbauen lässt. Sie sperrt einen Jungen in den Raum, den sie in einem Regionalzug kennengelernt und mit Morphium betäubt hat. Später wird dargestellt, wie sie den Jungen Gao Lian in ihrer Wohnung formt und zu ihrem Werkzeug, nach ihrer Interpretation zu ihrem Körper, macht. Gao wird von ihr erzogen, sie durch Zufügung von Schmerzen zu befriedigen, und später, gemeinsam mit ihr andere Kinder zu töten. Victoria selbst präpariert die getöteten Jungen für eine Leichenkonservierung und kastriert sie, danach bringt sie sie gemeinsam mit Gao Lian an den späteren Leichenfundort.

Während sich die Psychologin Sofia Zetterlund immer mehr mit den vermeintlich aufgezeichneten Interviews mit ihrer Patientin Victoria Bergmann beschäftigt, kommt diese zur Überzeugung, dass die psychologische Behandlung für sie wenig Sinn ergibt, und möchte sie beenden. Im weiteren Verlauf der Geschichte stellt sich jedoch zunehmend heraus, dass beide Persönlichkeiten – Victoria Bergmann und Sofia Zetterlund – Teile derselben Person sind, ohne voneinander Kenntnis zu haben. Nach dem Zwischenfall mit Samual Bai, nach dem Zetterlund an ihre Vergewaltigung in Sierra Leone durch Kindersoldaten erinnert wird, und dessen Besuch in ihrer Wohnung, dringt die Persönlichkeit der Victoria Bergmann zunehmend in das Bewusstsein von Sofia Zetterlund. Sie versteht, dass sie und Victoria Bergmann eine Person sind, und kann sich nun auch in der Persönlichkeit als Sofia an den Missbrauch durch ihren Vater und weitere Begebenheiten ihrer Vergangenheit erinnern. Gemeinsam mit Gao Lian tötet sie Samual Bai und bringt ihn auf den Dachboden des Rechtsradikalen Petter Christoffersson, wo sie ihn mit Säure entstellen.

Später beschließt Victoria Bergmann, ihre Eltern in deren Haus in Grisslinge zu töten. Sie schleicht sich in das Haus, während sich ihre Eltern in der Sauna befinden, und geht zuerst in ihr ehemaliges Kinderzimmer, um eine Schachtel mit Erinnerungsstücken an ihre Kindheit und vor allem eine Videokassette mit einem Film ihres Initiationsritus im Internat zu holen. Danach blockiert sie die Tür der Sauna und zündet das Haus an, in dem ihre Eltern verbrennen. Sie beerdigt die Urne mit der Asche ihrer Eltern später auf dem Stockholmer Friedhof Skogskyrkogården.

Beziehungsentwicklung der Jeanette Kihlberg