mini|US-Senator Matt Klein (2017): Das Smartphone ist mit der Seite des Bildschirms auf den Tisch gelegt. Die Geste kann verwendet werden, um Gesprächspartnern zu signalisieren, dass eine Ablenkung unerwünscht ist.

Als Handy-Etikette (auch Smartphone-Etikette) werden allgemeine Verhaltensregeln und Verhaltensnormen im Umgang mit Mobiltelefonen im Alltag bezeichnet. Die Handy-Etikette ist in Deutschland ein aktuelles Thema bei Etikette-Trainern,APEC: Handy-Etikette beachten, abgerufen am 1. März 2015 wird in Benimmbüchern für das 21. Jahrhundert beschrieben und ist darüber hinaus Ausbildungs- und Prüfungsgegenstand im kaufmännischen Bereich und bei der Ausbildung im Bürobereich.

Geschichte Bereits lange vor der Einführung digitaler Medien gibt es in Tischzuchten Regeln zum Nachrichtenkonsum in Gesellschaft. So findet sich etwa die Anweisung, das Lesen von Briefen bei Tisch zu unterlassen, bei Giovanni Della Casa im 16. Jahrhundert.

Der Bedarf an Verhaltensregeln für die Nutzung von Mobiltelefonen im Alltag stieg durch das verstärkte Aufkommen und die damit verbundene Verwendung von Mobiltelefonen Mitte der 1990er Jahre an. Ein Großteil der Deutschen beklagte um die Jahrtausendwende herum das störende Klingeln von Mobiltelefonen und störend wirkende Gespräche mit dem Mobiltelefon im Alltag.Mehrheit der Deutschen für Handy-Verbotszonen, Artikel von n-tv vom 16. März 2001, abgerufen am 9. April 2015.

Der zunehmend verantwortungslose Umgang mit Mobiltelefonen im Alltag und Geschäftsleben sorgte Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre für das Einrichten von Verbotszonen für Mobiltelefone.71 Prozent fordern Verbotszonen für Handys, Tagesspiegel, Artikel vom 21. Februar 1998, abgerufen am 9. April 2015. Daraufhin wurde der Umgang mit Mobiltelefonen beim Autofahren und auch beim Radfahren gesetzlich reglementiert. Mobiltelefonverbote an Schulen, in Kirchen und auf Friedhöfen, in Theatern und Konzerthäusern und in Krankenhäusern wurden durch die jeweilige Hausordnung einzeln bestimmt. Einige der Verbote wurden Mitte der 2010er Jahre wieder aufgehoben.

Heute gehört die Handy-Etikette zur kaufmännischen Ausbildung , abgerufen am 9. April 2015. und wird von Etikette-Trainern als Seminar für Firmen angeboten., abgerufen am 9. April 2015. Darin werden den Teilnehmern Verhaltensweisen im Umgang mit Mobiltelefonen nahegelegt. Ein Informationszentrum Mobilfunk wurde eingerichtet und gab Regeln für den richtigen Gebrauch von Mobiltelefonen heraus., www.izmf.de. − Das Informationszentrum Mobilfunk stellte seine Tätigkeit zum Jahresende 2015 ein.

Eine Institutionalisierung sozialwissenschaftlicher Forschung zur Mobilkommunikation durch Fachzeitschriften und Fachgesellschaften hat bereits begonnen.Bernad Batinic, Markus Appel Medienpsychologie, Kapitel: Mobilkommunikation: Psychologische Nutzungs- und Wirkungsdimensionen, Springer Verlag, 31. August 2008, S. 226. Dabei werden in psychologischen Studien konstruktive und destruktive Nutzungsweisen von Mobilmedien und Kriterien für Mobilmedienkompetenz herausgearbeitet, die dann auch im Unterricht an Kinder oder Arbeitnehmer vermittelt werden.Bernad Batinic, Markus Appel Medienpsychologie, Kapitel: Mobilkommunikation: Psychologische Nutzungs- und Wirkungsdimensionen, Springer Verlag, 31. August 2008, S. 228.

Mobiltelefonverbote

Mobiltelefonnutzung im Auto Bereits seit 2001 ist das Telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung in Deutschland verboten. Verstöße werden seit dem Jahr 2004 mit einem Bußgeld geahndet.Günter Burkhart: Handymania: Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat, Campus Verlag, 21. Mai 2007, S. 96 In den Jahren 2014 und 2017 wurden die Richtlinien verschärft.Bußgeld Handyverbot am Steuer, abgerufen am 9. April 2015 Das Verbot betrifft das Lesen von SMS oder der Uhrzeit, sämtliche Bedienfunktionen beim Benutzen des Mobiltelefons als Navigationsgerät und das Wegdrücken oder Diktieren. Handy im Auto: Das ist erlaubt oder verboten, abgerufen am 9. April 2015 Seit der Verschärfung im Jahr 2017 betrifft das Verbot nicht mehr ausschließlich Mobil- und Autotelefone, sondern alle elektronischen Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen, wie beispielsweise Tablet-PCs, Navigationsgeräte, Diktiergeräte und E-Books. Abs. 1a StVO Ein Verstoß gegen das Nutzungsverbot von Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen, wird mit einem Bußgeld von 100 Euro und der Eintragung eines Punktes im Fahreignungsregister geahndet. Bei Verstößen mit einer Gefährdung Anderer oder mit einem Verkehrsunfall erhöht sich das Bußgeld auf 150 Euro bzw. 200 Euro. Zudem werden in diesen Fällen zwei Punkte im Fahreignungsregister eingetragen und zusätzlich ein einmonatiges Fahrverbot verhängt. Das Verbot soll das Unfallrisiko minimieren.

Auch für Radfahrer ist das Halten eines Mobiltelefons oder das Telefonieren damit während der Fahrt gesetzlich verboten und wird mit Bußgeldern geahndet.Beim Radfahren ist das Handy tabu Straßenverkehrsamt.de, abgerufen am 9. April 2015

Darüber hinaus wird diskutiert, ob aufgrund der nahezu flächendeckenden Smartphonenutzung in Deutschland auch ein Mobiltelefonverbot für Fußgänger und damit auch Ordnungsgelder eingeführt werden sollen, da auch diese Mobiltelefonnutzung den Straßenverkehrsteilnehmer ablenkt und ihn gefährden kann. Artikel vom BR vom 15. März 2015, abgerufen am 9. April 2015 In China wurden dafür bereits spezielle Smartphone-Wege eingerichtet.

2016 gaben bei einer UmfrageFast jeder zweite Autofahrer liest SMS am Steuer. Bitkom-Presseinformation vom 5. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016. 42 Prozent der Autofahrer an, dass sie mit dem Mobiltelefon am Ohr ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. 44 Prozent lesen Kurznachrichten, 23 Prozent schreiben während der Fahrt selbst Nachrichten über die Tastatur, 25 Prozent lesen E-Mails auf dem Mobiltelefon, und 8 Prozent tippen E-Mails.Fast jeder zweite Autofahrer liest SMS am Steuer. Computerwoche vom 8. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016.

Mobiltelefonnutzung im Krankenhaus Bei Gebrauch von Mobiltelefonen in Krankenhäusern kam die Gefahr hinzu, durch die Signale, die von Mobiltelefonen gesendet werden, empfindliche Geräte in ihrer Funktionalität zu beeinflussen. Falsche Werte können zum Tod des Patienten führen. Moderne medizinische Maschinen sind gegen Funkwellen weitestgehend abgesichert., Untersuchung vom 18. April 2007 Die Verbote wurden mit dem Aufkommen moderner Geräte gelockert. Einige Krankenhäuser und Arztpraxen behalten das Mobiltelefonverbot jedoch bei, da die meisten Patienten Ruhe zur Genesung brauchen und Gespräche mit Mobiltelefonen störend wirken., Artikel vom 10. Juni 2013, abgerufen am 9. April 2015

Mobiltelefonnutzung in Kirchen und öffentlichen Einrichtungen Grundsätzliches Mobiltelefonverbot gilt in Bibliotheken. Fast alle Kirchen und Friedhöfe verbieten heute das Nutzen von Mobiltelefonen auf dem Grundstück. Hier gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Es gilt das Hausrecht des Eigentümers. Regionale Mobiltelefonverbote gibt es auch an einigen Schulen oder für Konzerthäuser, Kinos und Theater. Diese sind nicht gesetzlich geregelt, sondern werden durch die jeweiligen Hausordnungen bestimmt., abgerufen am 9. April 2015 Ein 2001 gefordertes generelles Mobiltelefonverbot für Restaurants, In: test / Stiftung Warentest 05/2001 hat sich nie durchgesetzt und blieb den individuellen Verhaltensmaßstäben des Einzelnen überlassen.

Mehrere Staaten haben Regelungen zum Verbot oder zur Einschränkung der Nutzung von Mobiltelefonen an Schulen eingeführt.

In den Vereinigten Staaten sind derartige Regelungen im Jahr 2024 in mindestens acht Bundesstaaten – Kalifornien, Idaho, Indiana, Louisiana, Minnesota, Ohio, South Carolina und Virginia – eingeführt oder erweitert worden.

In Deutschland ist die private Nutzung von Mobiltelefonen an Schulen in Hessen ab dem Schuljahr 2025/26 untersagt, in der Stadt Bremen ab dem 1. Juni 2025. Es gelten Ausnahmen für besondere Situationen sowie für höhere Jahrgangsstufen.

Gesetzlich nicht geregelte Verhaltensmaßstäbe Lautes Sprechen Mehrere StudienPh. D. Rich Ling: Fornebu 2004, S. 5 über Handy-Etikette haben ergeben, dass gezwungenes Mithören als erhebliche Beeinträchtigung empfunden wird.Danah Boyd: Es ist kompliziert: Das Leben der Teenager in sozialen Netzwerken, Redline Wirtschaft, 10. Oktober 2014, S. 259 ff. Vor allem das laute Sprechen und Gestikulieren ohne erkennbares Telefon oder Mikrofon bei Smartphone mit Kopfhörern wirkt auch Mitte der 2010er Jahre noch irritierend.Günter Burkhart: Handymania: Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat, Campus Verlag, 21. Mai 2007, S. 8 Heute wird das laute Sprechen zwar – zumindest unter jungen Leuten – nicht mehr als Problem angesehen,Günter Burkhart: Handymania: Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat, Campus Verlag, 21. Mai 2007, S. 78 dennoch raten die Etikette-Trainer dazu, in der Öffentlichkeit Gespräche nur leise zu führen und diese kurz zu halten,, abgerufen am 1. März 2015 sich bei einem Anruf in Gesellschaft von dieser zu entfernen, um das Telefonat an einem (ggf. leiseren Ort) entgegenzunehmen, abgerufen am 1. März 2015 und für das Hören von Musik mit dem Mobiltelefon Kopfhörer zu verwenden., abgerufen am 1. März 2015

In neuerer Zeit verbreitet sich immer mehr die Unsitte, in der Öffentlichkeit (z. B. bei Fahrten mit Bahn, Bus etc.) die Freisprecheinrichtung des Mobiltelefons zu nutzen, wodurch die Umgebung nicht nur den Sprechenden mithört, sondern auch die Stimme des Gegenüber. Und der weiß möglicherweise nichts davon, dass eine Vielzahl von Leuten dem Gespräch lauschen muss. Ähnlich lästig ist das laute Anhören von Musik oder Ansehen von Videos unter Nutzung des Lautsprechers.

Klingeln Ebenso wird das laute Klingeln mit verschiedensten Klingeltönen als unangenehm oder gar als Eindringen in die Privatsphäre betrachtet, wie Ling mit Blick auf Goffman ausführt.Ph. D. Rich Ling: Fornebu 2004, S. 9 Dass lautes Klingeln als Störung empfunden wird, bestätigt auch eine explorative Studie, die 2002/2003 in Finnland, Deutschland, Italien und Spanien durchgeführt wurde.Höflich, Joachim R. / Gebhardt, Julian (Hrsg., 2005): Mobile Kommunikation: Perspektiven und Forschungsfelder. Berlin: Peter Lang, zitiert nach Joachim R. Höflich: Nähe und Distanz – Mobile Kommunikation und das situative Arrangement des Kommunikationsverhaltens, In: Petra Grimm, Rafael Capurro: Tugenden der Medienkultur: Zu Sinn und Sinnverlust tugendhaften Handels in der medialen Kommunikation, Franz Steiner Verlag 2005, S. 91 Mit dem spontanen Ausbruch des Klingelns müssen demnach alle Umstehenden neue Rollen für sich definieren, Gespräche pausieren, den Blick der Person zuwenden, die nach dem Telefon sucht. Der Telefonierende indes bereitet sich darauf vor, mit einem parallelen Teil seines Lebens umzugehen, auf eine völlig andere Situation zu reagieren. Dieses Klingeln kann für eine Person auch die Gefahr bergen, das Gesicht zu verlieren.Ph. D. Rich Ling: Fornebu 2004, S. 10 Durch die Mobiltelefonnutzung wird laut J. Höflich der öffentliche Raum als sozial geregelter Raum zunehmend privatisiert.Joachim R. Höflich: Nähe und Distanz – Mobile Kommunikation und das situative Arrangement des Kommunikationsverhaltens, In: Petra Grimm, Rafael Capurro: Tugenden der Medienkultur: Zu Sinn und Sinnverlust tugendhaften Handels in der medialen Kommunikation, Franz Steiner Verlag 2005, S. 81 ff. Tugenden der reinen Höflichkeit, wie beispielsweise sich auf seinen Gegenüber zu konzentrieren, ohne sich mit dem Mobiltelefon abzulenken, gingen damit verloren.