Die Sozialdemokratische Huntschak-Partei (, abgekürzt ՍԴՀԿ bzw. SDHK, , , deutsch auch kurz „Huntschaken“ oder „Hentschaken“) ist die zweitälteste armenische politische Partei (nach der 1885 gegründeten Armenakan) und war die erste sozialistische Partei im Osmanischen Reich und in Persien.. Sie ist neben der Demokratisch-Liberalen Partei („Armenakan“) und der Armenischen Revolutionären Föderation („Dachnakzutjun“ oder „Daschnaken“) eine der drei großen westarmenischen Parteien.
Geschichte Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Sie wurde im Jahre 1887 von einer Gruppe aus Studenten der Universität Genf in der Schweiz gegründet.Lebanon a Country Study, By Federal Research Division - S. 185. Sie hatte zunächst den Charakter einer Geheimgesellschaft. Ihr Anführer war Avetis Nazarbekian. Ziel der Gruppierung war, die armenischen Provinzen aus dem osmanischen Reich herauszulösen und einen unabhängigen armenischen Staat zu schaffen, der zu einer künftigen sozialistischen Welt gehören sollte.Wolfdieter Bihl: Die Kaukasus-Politik der Mittelmächte. Böhlau, Wien 1975, S. 166. Obwohl marxistisch ausgerichtet, wurde auch der Gebrauch terroristischer Mittel befürwortet, um ihr Ziel zu erreichen.Norman M. Naimark: Flammender Hass. Ethnische Säuberungen im 20. Jahrhundert. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51757-9, S. 34. Als gangbare Methoden erwählte die Gruppe „Propaganda, Agitation, Terror, Organisation und Bauern- und Arbeiteraktionen“. Sie plante nicht nur Attentate auf osmanische Würdenträger, sondern auch auf Armenier, die mit der osmanischen Regierung kooperierten und daher als „Spione und Verräter“ angesehen wurden.Edward J. Erickson: Ottomans and Armenians. A Study in Counterinsurgency. Palgrave Macmillan, New York/Basingstoke (Hampshire) 2013, S. 11. Die Partei hatte zunächst keinen offiziellen Namen. Sie wurde nach dem Namen ihrer Zeitung bezeichnet, die Huntschak (oder Hntschak, armenisch für „Glocke“ oder „Fanfare“) hieß, und ab November 1887 in Genf erschien. Erst ab 1890 trat sie als „Revolutionäre Huntschak-Partei“ auf.Louise Nalbandian: The Armenian Revolutionary Movement. The Development of Armenian Political Parties through the Nineteenth Century. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1963, S. 115.
Am 27. Juli 1890 organisierten die Mitglieder Harutiun Jangülian, Mihran Damadian und Hampartsum Boyadjian die Kumkapı-Proteste in Istanbul. Der Zeytun-Widerstand 1896 und 1915 wurde ebenso wie der Widerstand von Şebinkarahisar von der Huntschak-Partei organisiert.
Viele Mitglieder der Partei wurden während des Völkermordes an den Armeniern getötet. Bekannt geworden ist unter anderem die Hinrichtung von 20 Aktivisten am 15. Juni 1915..
Prominente Mitglieder waren unter anderem Levon Larents, Smbat Biurat, Murat von Sivas und Antranik Pascha.
Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert Nach der Unabhängigkeit Armeniens von der Sowjetunion konnte sich die Partei wieder offiziell in Armenien registrieren, was sie 1991 tat.https://web.archive.org/web/20151222133232/https://wikileaks.org/plusd/cables/04YEREVAN1678_a.html Noch in den 1990ern musste die Publikation der parteinahen Zeitung „Huntschak Hajastani“ wegen finanzieller Probleme wieder eingestellt werden. Die Partei suchte Mitte der 1990er Jahre die Kooperation mit der damals dominierenden Armenischen Allnationalen Bewegung und befürwortete die Regierungsführung durch Lewon Ter-Petrosjan. Später unterstützte sie Robert Kotscharjan, bis sich die Partei einer Allianz von 16 Parteien anschloss, um Kotscharjans Hauptrivalen Stepan Demirtschjan bei der Präsidentenwahl 2003 zu unterstützen, was innerparteilich umstritten war. In diesem Jahr trat der Parteivorsitzende George Hakobian zurück.
Außer in Armenien ist die Partei auch im Libanon aktiv, wo viele Armenier leben. Dort ist sie mit 2 Sitzen im Parlament vertreten.
Abgeordnete in der armenischen Nationalversammlung (seit 1990) mini|hochkant|Ernest Soghomonjan (2009) Norair Ischanjan (1990–1995) Mechak Mchitarjan (1990–1995) Rafael Melkonjan (1990–1995) Jeghia Natscharjan (1995–1999) Ljudmila Sargsjan (2012–2017) Ernest Soghomonjan (1995–1999, 2007–2012) Quelle: Webseite der Nationalversammlungparliament.am (Abruf am 12. Dezember 2019)
Literatur
Siehe auch Liste der politischen Parteien in Armenien Liste der politischen Parteien im Libanon
Weblinks
Facebook-Präsenz der Partei für Armenien (armenisch) Webseite des US-amerikanischen Parteizweiges (englisch) Partei-thematischer YouTube-Kanal (armenisch)
Einzelnachweise
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