Grafenhausen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg und staatlich anerkannter Luftkurort.
Geografie Geografische Lage Das Gebiet um Grafenhausen gehört nicht mehr in den Bereich des Übergangs vom Hochrheintal in den Südschwarzwald, sondern von seiner Landschaftsform noch eindeutig zum Hochschwarzwald.R. Caspers: Grafenhausen, 1985, S. 12 f. Es liegt auf der sogenannten Grafenhausener Platte, einer weiten Hochfläche, die etwas nach Südosten geneigt ist. Das Plateau wird durch die tief eingeschnittenen Täler der dem Hochrhein zustrebenden Flüsse Schlücht, Mettma und Steina mit ihren Zuflüssen gegliedert. Bis zum Hauptort dominieren somit auch die Verkehrsverbindungen von Süd nach Nord, die erst in ihren Oberläufen einfache Ost-West-Routen zulassen. In ihrem Oberlauf fließen die genannten Gewässer zunächst in östlicher oder südöstlicher Richtung und „verraten damit ihre frühere Zugehörigkeit zum Flußsystem der Urdonau, die in grauer Vorzeit auf dem Feldberg entsprang.“ Diese Verhältnisse prägten auch historische Umstände. Im auch durch Eiszeitgletscher beeinflussten Norden treten „die Urgestein Gneis und Granit an der Oberfläche auf, während nach Süden hin die deckenden Buntsandstein- und Kalksteinschichten noch nicht abgetragen wurden.“
„Zwischen dem tiefsten Punkt der Gemarkung im Erlenbachtal (ungefähr 760 m) und dem höchsten Punkt der Gemeinde beim Faulenfürster Eck (ca. 1100 m)“ kennzeichnen zuerst Laub- und Mischwald die Landschaft, ab 1000 Meter Nadelwald. Etwa 62 Prozent des Gemeindegebietes sind bewaldet. Das Klima bestimmt „der Regenschatten des Feldbergs“ und aufgrund seiner Höhe liegt Grafenhausen „vor allem bei Inversionswetterlagen über dem Nebelmeer der Täler“ und verfügt damit „über zusätzliche Sonnentage. Diesem Umstand kommt hinsichtlich des Fremdenverkehrs einige Bedeutung zu.“Zitate im Kapitel: R. Caspers: Grafenhausen, 1985, S. 12 f.
Siehe: Touristisches Profil
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Grafenhausen zählen die Ortsteile Mettenberg und Staufen.
Nachbargemeinden Grafenhausen grenzt im Norden und Westen an die Gemeinde Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, im Osten an die Stadt Bonndorf im Schwarzwald und im Süden an Ühlingen-Birkendorf.
Geschichte Nach Artur Riesterer deutet der Name „auf den Gerichtssitz eines Grafen, vermutlich des Grafen Ulrich, des Schwagers Karl des Großen, hin“ und wäre somit schon im 9. Jahrhundert zu verorten. In der Literatur ist die Angabe jedoch nicht belegt.Artur Riesterer: Städte und Gemeinden. Grafenhausen. In: Norbert Nothhelfer (Hrsg.): Der Kreis Waldshut. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-8062-0124-2, S. 248. Es handelt sich um den Grafen Udalrich I., wohl in seiner Eigenschaft als Graf des Alpgau.
Gründung Als gesichert gilt die Gründung eines befestigten Ortes mit Namen Grafenhausen im Jahre 1078 von einem Grafen von Nellenburg. Der Graf Eberhard I. starb 1078, er hatte an Stelle einer schon bestehenden Siedlung das Vorhaben geplant, doch wurde der Ausbau von seinem Sohn, Graf Burkhard von Nellenburg, vorgenommen. Durch Burkhard erfolgte 1082 auch die Einrichtung der Klosterzelle Sankt Fides zu Grafenhausen als „Filialgründung“ des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Die Aktivitäten sind Teil einer raschen Entwicklung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse seit Beginn des 11. Jahrhunderts:
Siehe auch: Gründung Grafenhausens im Schaffhauser Stifterbuch
Hintergrund Die Bodensee-Schwarzwald-Region entlang des Hochrheins war seit der römischen Kultivierung im 1. Jahrhundert nach den Verwüstungen der Völkerwanderungszeit wiederum infolge der Christianisierung und den zahlreichen Klostergründungen ab dem 8. Jahrhundert eine Kernlandschaft zwischen Alpen und Main, der ehemaligen Limes-Linie. Die Raumschaft war auch die bedeutendste Ost-West-Verbindung, die allerdings im 10. Jahrhundert durch die Ungarneinfälle und die mehrfachen -Durchzüge der Reiterheere zu einer weitgehenden Vernichtung der Städte und Dörfer mit ihrer Bevölkerung führte. Auch nach der Niederlage der Magyaren in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 dauerte die Agonie der Verhältnisse noch jahrzehntelang an. Erst wieder die ...
mini|Die europäischen Mächte des 11. Jahrhunderts
Machtgrundlage der Nellenburger Dieser durch Raumstrukturen begründete ökonomische Vorgang wurde in jener Zeit im 11. Jahrhundert durch die Machthaber im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ gefördert: am 10. Juli 1045 verlieh Kaiser Heinrich III. dem Grafen Eberhard von Nellenburg das Münzrecht in dessen villa Scâfhusun.Anm. 86 bei Gallmann, S. 182: „Erste Nennung des Ortsnamens in einer [Königsurkunde].“ Die Urkunde: Ersterwähnung von Schaffhausen im Stadtarchiv Schaffhausen.ch abgerufen am 26. März 2022. Durch diese einfache Form der Finanzierung entwickelte sich die Stadt relativ rasch, auch das neugegründete Eigenkloster der Nellenburger nahm einen raschen Aufschwung.Heinz Gallmann: Das Schaffhauser Stifterbuch. UVK Universitätsverlag Konstanz, 1995, ISBN 3-87940-520-4, S. 84.
Nachdem Graf Eberhard noch vor 1050 die „namensgebende Burg auf dem Nenziger Berg bei Stockach“ gebaut hatte, stiftete er das dann „Allerheiligen“ genannte Kloster, das am 22. November 1049 von Papst Leo IX. – „ein Onkel des Stifters“ – persönlich durch eine Altarweihe legitimiert wurde: „Bereits im Jahr 1050 war das Kloster im Bau.“Gallmann, Anm. 90, S. 182 zu einer Urkunde zur Entnahme von Sand und Steinen auf Grundstücken des Bistums Bamberg, Anfang März 1050, in: Gamper: Studien zu den schriftlichen Quellen des Klosters Allerheiligen. Zitate im Abschnitt auf S. 105 und 85 f.
Zusätzlich verlieh Eberhard der im Reich nachfolgende „König Heinrich IV. […] ihm 1059 das Münzrecht zu Kirchheim im Neckargau, dessen Grafschaft er ebenfalls innehatte.“ Damit erschloss sich der Graf Wirtschaftsbeziehungen auf einer Nord-Süd-Achse mit dem Mittelpunkt Schaffhausen bis über die Alpen zur „Grafschaft Chiavenna mit dem Brückenzoll“ im Bistum Como, die er ebenfalls besaß und später (1065) gegen Königsgüter im Elsass eintauschte. Infolge der Absicherung dieser ‚Nord-Süd-Achse‘ geriet im Zusammenhang mit dem Investiturstreit Grafenhausen in das Blickfeld der Nellenburger.
Da Grafenhausen Gerichtssitz war, wurde das Haus des rechtsprechenden Grafen vermutlich zum Namensgeber des Ortes, der so erstmals 1095 bezeichnet wurde. An die Vergangenheit als Gerichtsplatz erinnert noch heute die Justitia im Wappen der Gemeinde.kath-schluechttal.de: . Abgerufen am 21. Juli 2012.
Besitzwechsel nach St. Blasien und Schaffhausen 1285 gelangte der Ort in den Besitz des Klosters und erhielt das Stadtrecht.
Nach der Reformation gelangte Grafenhausen in den Besitz der Stadt Schaffhausen. Durch einen Landtausch gegen die Ortschaften Schleitheim und Beggingen kam das Dorf 1530 zusammen mit Birkendorf an die Landgrafschaft Stühlingen. Beim Landtausch blieben etwa 360 Hektar Wald auf Grafenhausener Gemarkung im Besitz von Schaffhausen. So ist es bis heute; der Wald wird durch einen vom Kanton Schaffhausen besoldeten Förster bewirtschaftet.
Nach weiteren Besitzerwechseln ging Grafenhausen im Jahre 1609 an die Reichsherrschaft Bonndorf des Klosters St. Blasien und mit ihr im Zuge der Säkularisation an die Herrschaft Heitersheim, die vom Großpriorats des Malteserordens regiert wurde.
mini|hochkant=1.6|Blick auf Grafenhausen Im Jahr 1791 gründete Martin Gerbert, der Fürstabt von St. Blasien, die Brauerei in Rothaus. 1806 kam Grafenhausen nach einjähriger Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg über die Rheinbundakte zum neu geschaffenen Großherzogtum Baden.
Kreisreform 1973 Durch die Kreisreform 1973 kam Grafenhausen vom aufgelösten Landkreis Hochschwarzwald in den vergrößerten Landkreis Waldshut.Reinhard Caspers: Die Gemeinde Grafenhausen in: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut 1986, Band XI, Südkurier-Verlag, Konstanz 1985, ISBN 3-87799-069-X.
Eingemeindungen 1934 wurden die bis dahin selbständigen Orte Geroldshofstetten, Rippoldsried und Rötenberg eingemeindet, im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform wurden zudem am 1. Mai 1972 Mettenberg und am 1. April 1974 Staufen eingemeindet.
Zur Gemeinde Grafenhausen in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehörten die Dörfer Grafenhausen, mit den Ortsteilen Geroldshofstetten und Rippoldsried, den Weilern Amertsfeld, Balzhausen, Dürrenbühl, Ebersbach, Rötenberg und Schaffhauser Säge, die Weiler Brünlisbach, Rothaus mit dem Hüsli und Signau, die Höfe Schlüchtseehof vorm. Bleiche und Tannenmühle und die Häuser Holzhäusle und Schlüchtmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Mettenberg gehörten die Ortsteile Mettenberg, Buggenried und Seewangen und die Häuser Kaßlett. Zur ehemaligen Gemeinde Staufen gehörten die Ortsteile Staufen, der Weiler Bulgenbach und die Häuser Heidenmühle und Klausenmühle.
In der damaligen Gemeinde Grafenhausen lagen die Wüstungen Glashütte, Hettistal, Lanzenfurt, Lantzenhoven und Scheuerhof. Im Gebiet der Gemeinde Staufen lag die Wüstung Bürgle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 1004–1007.
Politik Verwaltungsverband Grafenhausen gehört dem Gemeindeverwaltungsverband „Oberes Schlüchttal“ mit Sitz in Ühlingen-Birkendorf an.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Grafenhausen besteht aus den 12 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 69,7 % (2019: 69,5 %).
Bei der Kommunalwahl 2019 waren noch drei Listen angetreten: CDU: 54,4 %, 7 Sitze Freie Wähler: 37,1 %, 5 Sitze SPD: 8,5 %, 1 Sitz
Bürgermeister Seit 2010 ist Christian Behringer Bürgermeister der Gemeinde. Zuvor amtierte von 1978 bis 2010 Erich Kiefer.
Wappen
Wappen der früheren Gemeinden
Partnerschaften Grafenhausen unterhält seit 1973 partnerschaftliche Beziehungen zu Combrit-Sainte Marine in der Bretagne in Frankreich. Am 21. Mai 2004 wurde zudem eine Freundschaftsurkunde zwischen der Gemeinde Grafenhausen und Dörnthal, einem Ortsteil der Stadt Olbernhau, im Freistaat Sachsen unterzeichnet.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Der Fremdenverkehr ist die Haupteinnahmequelle der örtlichen Wirtschaft. Der „Fremdenverkehr“ wurde in Grafenhausen seit Beginn des letzten „Jahrhunderts in zunehmendem Maße mit Erfolg betrieben“ und Mitte der 1980er-Jahre lag die Quote „bei 200.000 Übernachtungen pro Jahr.“R. Caspers: Grafenhausen, 1985, S. 18. Nach eigenen Angaben verbucht die Gemeinde mit ihren 2040 Gästebetten jährlich ungefähr 110.000 Übernachtungen.
Größter der 136 Gewerbebetriebe in der Gemeinde ist die Badische Staatsbrauerei Rothaus.
Öffentliche Einrichtungen Die Freiwillige Feuerwehr Grafenhausen sorgt seit ihrer Gründung im Jahr 1869 für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.
Bildung Im Ort befinden sich ein Kindergarten, eine Grundschule und eine Werkrealschule. Weitere Schulen des sekundären Bildungsbereiches finden sich in den umliegenden Orten, wie z. B. in St. Blasien, in Bonndorf, in Waldshut-Tiengen und die innovative Alemannenschule Wutöschingen.
Verkehr Grafenhausen wird durch zwei Buslinien im Verkehrsverbund Waldshut an die Bahnhöfe in Waldshut, Tiengen (Hochrhein), von denen aus direkt Freiburg im Breisgau, Basel, Singen (Hohentwiel) erreichbar sind. Eine Buslinie führt zum Bahnhof Seebrugg am Schluchsee. Er ist Endbahnhof des Freiburger Verkehrsnetzes (S-Bahn-Linie S 1).
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