mini|hochkant=1.6|Marlygarten mit Blick auf die Friedenskirche

Der Marlygarten ist ein Gartenbereich im Potsdamer Park Sanssouci.

Geschichte Der Garten wurde 1715 für den Friedrich Wilhelm I. als Küchengarten für das Potsdamer Stadtschloss angelegt, jedoch in einiger Entfernung von diesem, nördlich der Stadt am Fuß des Bornstedter Höhenzuges, über den der Weg zum Krongut Bornstedt führt. Das zu dieser Zeit berühmteste Lustschloss Europas mit einem prachtvollen Barockgarten hatte 1679–1686 der französische König Ludwig XIV. nahe von Versailles anlegen lassen, das Schloss Marly-le-Roi. Von ihm kursierten Kupferstiche auch am preußischen Hof. Der sparsame „Soldatenkönig“ nannte seinen Küchengarten daher ironisch „mein Marly“. Davon hat der vergleichsweise bescheidene Garten seinen Namen „Marlygarten“.

Bei Aufenthalten in diesem Garten soll Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich der Große, den Gedanken gefasst haben, eines Tages ein eigenes Lustschloss auf der Höhe des Bornstedter Höhenzuges zu errichten, der damals ein gerodeter Sandhügel war, auf dem eine Mühle stand. Unmittelbar neben dieser ließ er fünf Jahre nach seiner Thronbesteigung von 1745 bis 1747 das Schloss Sanssouci nach Plänen Georg Wenzeslaus von Knobelsdorffs erbauen.

Nach Friedrich Wilhelms I. Tod wurde der Marlygarten weiter als Küchengarten genutzt. Erst durch den Bau der Friedenskirche unter Friedrich Wilhelm IV. erhielt er eine andere Funktion und wurde in den 1840er-Jahren durch Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer in einen Landschaftsgarten umgestaltet.

Da der Marlygarten in die Parkanlage mit einbezogen wurde, kann der ehemalige Küchengarten, „wenn auch indirekt, [als] Grundstein der Gartenanlagen von Sanssouci“Michael Seiler: Der Marlygarten […]. In: Nichts gedeiht ohne Pflege. Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärtner. Potsdam 2001, S. 140. gesehen werden.

Der Marlygarten steht als Einzeldenkmal innerhalb des Denkmalbereichs Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft unter DenkmalschutzSatzung zum Schutz des Denkmalbereichs Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, gemäß Eintragung in die Liste des Kulturerbes der Welt (World Heritage List der UNESCO) vom 1. Januar 1991, Verwaltungsbereich Potsdam, Denkmalbereichssatzung vom 30. Oktober 1996, Anlage 3. und gehört als Teil des Parks Sanssouci seit 1990 zum Welterbe der UNESCO.

Lage mini|Lage des Marlygartens auf dem Plan des friderizianischen Parks Sanssouci von F. Z. Saltzmann, 1772

Der Marlygarten liegt auf der Ostseite des Parks Sanssouci, südöstlich des friderizianischen Lustgartens. Entlang der nördlichen und der südlichen Grenze verläuft eine Mauer. Im Osten wird er durch das Gebäudeensemble der Friedenskirche mit dem Pfarr- und dem Schulhaus sowie dem Friedensteich begrenzt. Das auf der Ostseite des Ensembles stehende Kavaliershaus wird scherzhaft auch als Schloss Marly bezeichnet.

Im Westen grenzen die Villa Illaire und das Gartendirektionsgebäude mit ihren Gartenanlagen an. Parallel zur südlichen Begrenzungsmauer verläuft die Allee „Am Grünen Gitter“, die vom Eingang des Parks Sanssouci am Grünen Gitter nach einem Knick nach Norden zwischen dem Gartenkassenhaus und dem Haus der Gartendirektion bis zur großen Fontäne vor Schloss Sanssouci führt.

Namensgebung Friedrich Wilhelms I. Vater, Friedrich I., hatte eine Meierei bei Oranienburg errichten lassen. Als Vorbild diente ihm die Meierei des französischen Schlosses Marly-le-Roi von Ludwig XIV., das über großartige Garten- und Parkanlagen verfügte. Mit der ironisch gemeinten Bezeichnung „mein Marly“ für den Potsdamer Küchengarten, der zugleich als einfacher Lustgarten diente, wollte Friedrich Wilhelm I. seine Bescheidenheit zum Ausdruck bringen und sich von seinem prachtliebenden Vater distanzieren.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 10.

Nach dem Bau der Friedenskirche und der Umgestaltung des Gartens in den 1840er Jahren bürgerte sich in der Bevölkerung für den westlich der Kirche gelegenen Marlygarten der Name Friedensgarten ein. Als dies König Friedrich Wilhelm IV. zu Ohren kam, befahl er offiziell, den Garten auch weiterhin Marlygarten zu nennen, um mit dieser Namensgebung an die Bescheidenheit seines Vorfahren Friedrich Wilhelm I. zu erinnern, der den einfachen Küchengarten einem prächtigen Schaugarten vorgezogen hatte.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 22 f.

Geschichte

Anlage durch Friedrich Wilhelm I. mini|hochkant|Reste der Schießmauer (Kugelfang) des Schießstandes im Marlygarten im Kreuzgang der Friedenskirche

Kurz nach seinem Regierungsantritt 1713 hatte Friedrich Wilhelm I. den bisherigen Lustgarten am Potsdamer Stadtschloss zu einem Exerzierplatz umbauen lassen. Im Jahr 1715 ließ er daraufhin außerhalb der Stadt, nordwestlich des Brandenburger Tors, auf einem Gelände, das bisher von Potsdamer Bürgern als Gartenfläche genutzt worden war, den Marlygarten anlegen. Dieser sollte ihm als einfacher, in der Unterhaltung nicht zu kostspieliger Lustgarten dienen, aber vor allem als Nutzgarten die Küche des Hofes mit Früchten und Gemüse beliefern. Ernteüberschüsse wurden im nahe gelegenen Berlin an „vornehme Militair- und Civil-Verdiente“, für die eine Abnahmeverpflichtung bestand, zu durch den König festgesetzten Preisen verkauft.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 17. Für die gärtnerische Betreuung des Küchengartens bestimmte Friedrich Wilhelm I. 1720 den Hofgärtner Franz Wilhelm Baumann und nach dessen Tod 1731 den Hofgärtner Johann Heinrich Müller.

Auf dem etwa 20 Morgen umfassenden Gartenareal verlief entlang der Mittelachse ein von Obstbäumen gesäumter Hauptweg, von dem Seitenwege abzweigten. Auf den dazwischen liegenden Beeten wurde Gemüse angepflanzt. Die Schnittpunkte der Wege schmückten Kinder und Jahreszeiten darstellende Statuen aus Sandstein. Am Garteneingang auf der Westseite stand ein einfaches, grottiertes Lusthaus. Das Haus hatte ein Hintergebäude aus Fachwerk mit zwei viereckigen Türmen. Der Raum im Erdgeschoss diente als Schießstand und der von West nach Ost führende Hauptweg als Schießbahn. Auf der Ostseite des Gartens, an der Stelle der Brunnenquelle im Kreuzgang der später erbauten Friedenskirche, befand sich deshalb eine sogenannte Fangmauer, an der die Schießscheiben angebracht wurden. Teile dieser Mauer sind heute noch erhalten. Im Garten befanden sich außerdem eine Kegelbahn, ein Treibhaus zur Anzucht von Melonen und ein Orangeriehaus anstelle des zum Marstall umgebauten Pomeranzenhauses am Stadtschloss. Die hierin überwinternden Orangenbäume bildeten später den Grundstock der Orangenbäume Friedrichs des Großen.Adelheid Schendel, Jerzy Prrzytański: Die Neuen Kammern im Park Sanssouci. Potsdam-Sanssouci 1987, S. 7

Aus den Memoiren der Tochter von Friedrich Wilhelm I., Prinzessin Wilhelmine von Preußen (1709–1758), der späteren Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth, ist bekannt, dass der König mit seiner gesamten Familie in den Sommermonaten täglich gegen 3 Uhr nachmittags eine Spazierfahrt nach Marly unternahm und sich dort bis zum Abend aufhielt.Karl Ludwig Haeberlin: Sanssouci, Potsdam und Umgegend: […], 1855, S. 17. Die Prinzessin beschrieb diese Nachmittage in ihren Aufzeichnungen als langweilig und empfand die sommerliche Hitze als sehr unangenehm, da es in dem Garten keine schattenspendenden Bäume gab, die den Wuchs des dort gezogenen Gemüses hätten behindern können. Entgegen der üblichen Gewohnheit der königlichen Familie, am Abend nicht zu speisen, ließ der König bei den Besuchen in Marly häufig ein Abendessen servieren und bereitete dabei oft sogar den Salat selbst zu.D. Fassmann: Leben und Thaten des Allerdurchlauchtigsten und Großmächtigsten Königs von Preußen Friederici Wilhelmi: Biß auf gegenwärtige Zeit aufrichtig beschrieben. Band 1, Hamburg und Breslau 1735, S. 864 f.

Eine Abbildung des Lusthauses existiert nicht. An Tagen, an denen militärische Paraden stattfanden, pflegte König Friedrich Wilhelm I. jedoch zusammen mit seiner Familie und den Offizieren seines Regiments im Lusthaus zu Mittag zu essen. Aus der großen Anzahl der Personen, die hier offenbar bewirtet werden konnten, kann geschlussfolgert werden, dass das Haus relativ groß gewesen sein muss. Auch veranstaltete der König hier zu besonderen Anlässen offizielle Feierlichkeiten. So fand im Jahr 1728 zu Ehren eines Besuches von August dem Starken ein Preisschießen im Marlygarten statt, bei dem unter anderem ein als Hanswurst verkleideter, lebender Bär als Preis ausgelobt war. Auch die Vermählung von Prinzessin Friederike Luise von Preußen mit dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach im Mai 1729 wurde im Marlygarten mit einem Bankett und einem Preisschießen gefeiert.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 12.

Der Marlygarten nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. mini|Marlygarten, Ausschnitt aus dem Plan des friderizianischen Parks Sanssouci, 1772

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. im Jahr 1740 wurde der Marlygarten nicht mehr als Lustgarten genutzt, aber von Hofgärtner Müller weiterhin als Küchengarten bewirtschaftet.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 16. Bereits 1744 ließ Friedrich der Große das Lusthaus abreißen, um von Süden eine weite Sicht auf die Weinbergterrassen und das Schloss Sanssouci zu ermöglichen. Das Abbruchmaterial wurde 1746 im Rehgarten für den Bau des Wohnhauses des Fasanenmeisters verwendet.Das Fasanenmeisterhaus nutzte nach einem 1804 erfolgten Umbau der Hofgärtner Johann Zacharias Saltzmann als Dienstwohnung. Nach einem weiteren Umbau 1841–1842 durch Ludwig Persius bezog es Hofgärtner Hermann Sello. 1910 wurde das Haus für den Bau der Jubiläumsterrasse an der Maulbeerallee, südlich des Orangerieschlosses, abgerissen. Vgl. SPSG: Preußisch Grün. Hofgärtner in Brandenburg-Preußen. Potsdam 2004, S. 217 f. Der Schießstand blieb stehen und diente als Wohnraum für Gärtnerburschen. Anstelle des Lusthauses ließ Friedrich II. durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff 1752–1753 zwei sich gleichende, die Wegeachse zum Schloss flankierende Wohnhäuser, vorzugsweise für Hofgärtner errichten.

Der Küchengarten wurde 1748 dem Hofgärtner Johann Samuel Sello unterstellt. Die mittlerweile herangewachsenen Obstbäume gaben so viel Schatten, dass die Ernte an Gemüse zunehmend nachließ. Für die Frühtreiberei von Obst und Gemüse wurden im Marlygarten eine 690 Fuß lange Talutmauer mit 83 Fenstern für die Kultur von Aprikosen, Pfirsichen und Weinreben, zwei Bohnenhäuser, ein großes Treibhaus von 235 Fuß Länge für Apfikosen, Pfirsiche und Pflaumen sowie mehrere Mistbeetkästen zum Anbau von Gemüse und Küchenkräutern angelegt.L. Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. […] – III. Der Küchengarten Marly, S. 18.

Als Johann Samuel Sello im April des Jahres 1787 starb, übernahm sein Sohn Carl Sello die Hofgärtnerstelle. Im harten Winter 1788/89 erfroren die meisten Obstbäume des Marlygartens, die zwar durch Neuanpflanzungen ersetzt wurden, aber wohl aufgrund des ausgelaugten Bodens hohe Ausfälle zeigten. Der Garten und seine Ausstattung waren in die Jahre gekommen, das ab 1791 eine umfassende Renovierung nötig machte. 1795 wurde ein weiteres Pfirsichtreibhaus angelegt und das alte, inzwischen schadhafte Treibhaus repariert, alle Spalierbäume erneuert sowie an der Südseite des Gartens eine Mauer gesetzt und davor Reben und Spalierobst gepflanzt. Nach dem Tod des Hofgärtners Sello 1796 übernahm Joachim Heinrich Voß dessen Amt im Marlygarten.