mini|Erster Unternehmenssitz in Berlin-Schöneberg, Viktoria-Luise-Platz 9
Boswau & Knauer war ein 1892 in Berlin gegründetes, später in Düsseldorf ansässiges deutsches Bauunternehmen. Als Aktiengesellschaft ging es in den 1980er Jahren auf die Walter Thosti Boswau (WTB) mit Sitz in Augsburg über.Vergleiche die Angaben der Deutschen Nationalbibliothek Das Unternehmen arbeitete mit Architekten wie Albert Froelich zusammen, berlin.friedparks.de, Historische Persönlichkeiten auf Berliner Friedhöfen, in Kooperation mit dem Verein Grabstättenerhaltung Berlin e. V. beschäftigte zeitweilig auch eigene Architekten wie etwa Otto Rehnig oder baute nach Plänen fremder Architekten wie Johann Emil Schaudt oder Bernhard Sehring insbesondere Großbauten. Es war in den 1920er Jahren Marktführer der deutschen Bauwirtschaft.Patenschaft W 56 Bibliothekssignatur 4° Ny 1234 5 / Geschäftshaus der Firma Boswau & Knauer. Inhaber Hermann Knauer. Berlin W. 30. Victoria Luise-Platz 9. – (Berlin: Lezius), auf der Seite des Vereins Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.
Geschichte Das Unternehmen wurde 1892 ursprünglich als Stuckateurbetrieb von dem Architekten Paul Boswau und dem Kaufmann Hermann Knauer gegründet, zunächst in der Rechtsform einer Offenen Handelsgesellschaft. Paul Boswau schied schon 1893 wieder aus der Gesellschaft aus, Hermann Knauer leitete sie bis zu seinem Tod 1909, zu dieser Zeit wurde sie in der Fachpresse als Industriebetrieb der Baukunst kritisiert.Deutsche Bauzeitung, 8. Mai 1909, 43. Jahrgang 1909, Nr. 37, S. 252; . Trotz Knauers Ausscheiden und des von Architekten kritisierten früheren Geschäftsmodells wurde die Firma Boswau & Knauer beibehalten, das zwischenzeitlich als GmbH geführte Unternehmen wurde zu Beginn der Weimarer Republik 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Spätestens ab 1924 war Max Knüttel Vorstand der AG.Knüttel, Max. Bundesarchiv, mit Daten aus den Akten der Reichskanzlei für die Zeit der Weimarer Republik (1919–1933).
Eines der Arbeitsgebiete des Unternehmens waren ursprünglich vergängliche, kurzzeitige Ausstellungsbauten wie etwa Alpenpanoramen in Rabitzbauweise.Silke Haps: Vom Faux Terrain zum begehbaren Alpenpanorama. Vergnügungsarchitektur an der Wende zum 20. Jahrhundert. In: Archimaera, 2010, Ausgabe 3 (Themenheft Ephemere Architektur), S. 97–107 (); archimaera.de (PDF; 5,8 MB).
mini|Aktie über 1000 RM der Boswau & Knauer AG vom November 1940
Das Unternehmen hatte in den 1920er Jahren seinen Sitz im Gebäude der Mohrenstraße 9 (heute: Anton-Wilhelm-Amo-Straße) in der Berliner Friedrichstadt und war nun spezialisiert auf Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau. Es betrieb seinerzeit Zweigstellen in Brandenburg an der Havel, Düsseldorf, Gleiwitz, Hamburg, Hannover und Köln. Daneben betrieb es Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerke in Hüfingen und Unterlüß.Vergleiche die des Werbeblattes mit einer Fotoreproduktion des Verwaltungsgebäudes auf der Seitebochumer-bunker.de vom Verein Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Boswau & Knauer „erhebliche Kriegsverluste“ verzeichnete, wurde der Sitz 1949 nach Düsseldorf verlegt. Das Unternehmen, das Anfang der 1960er Jahre bei einem Kapitalstock von knapp 10 Millionen DM rund 160 Millionen Mark Gesamtumsatz machte und rund 3000 Mitarbeiter beschäftigte, geriet unter dem Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Hänchen insbesondere bezüglich der Bilanzierung der Kölner Tochtergesellschaft Artur Simon Baugesellschaft mbH in die Schlagzeilen. 1967 war das Kapital bei einem Umsatz von mehr als 200 Millionen DM auf rund 40 Millionen Mark angestiegen, Boswau & Knauer schrieb dennoch rote Zahlen und machte, seinerzeit weitgehend in der Hand der gewerkschaftseigenen Deutsche Bauhütten GmbH, trotz Entlassung von 1000 Arbeitnehmern durch langjährige Nichtzahlung von Dividenden von sich reden.kw: Boswau & Knauer / Ein Ärgernis. In: Die Zeit, Nr. 42/1967.
1982 wurde Boswau & Knauer durch die Thosti AG übernommen, die im Folgejahr 1983 auf die Augsburger Walter Thosti Boswau (WTB) fusionierte. mini|Industriepalast am Schlesischen Tor in Berlin, Blick von der Spree mini|Hansa-Haus in Hannover mini|Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin nach Plänen von Johann Emil Schaudt, kurz nach der Fertigstellung mini|Grand Hôtel Esplanade in Berlin nach Plänen von Otto Rehnig, 1920er Jahre mini|Oestertalsperre
Bauten 1895: Arabisches Café in Düsseldorf 1897: Wohn- und Geschäftshaus, Bahnhofstraße 9, Aue i. S.Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 1899, Nr. 12, Tafel 84; zlb.de 1900–1902: Baumwollbörse in Bremen 1901–1902: Unternehmenssitz in Berlin-Schöneberg, Viktoria-Luise-Platz 9 / Motzstraße 55 (unter Denkmalschutz) 1904–1905: Schauspielhaus DüsseldorfBildbeschreibung zu Schauspielhaus Düsseldorf: Errichtung durch Baufirma Boswau & Knauer, die ihrerseits den Architekten Bernhard Sehring betraute. In: Rhein und Düssel, 22. Oktober 1905, Nr. 43, S. 8; ub.uni-duesseldorf.de 1905–1906: Neues Schauspielhaus in Berlin-Schöneberg 1906: Thalia-Theater in Wuppertal 1905–1906: Büro- und Geschäftshaus Hansa-Haus in HannoverHelmut Knocke, Hugo Thielen: Aegidientorplatz 4. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 75. 1905–1906: Warenhaus Leonhard Tietz in Aachen 1905–1907: Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin nach Plänen von Johann Emil Schaudt 1905–1907: Übernahme des zuvor von anderen Bauunternehmen begonnenen, jedoch durch Konkurs bisher nicht fertiggestellten Baus der Oestertalsperre (eingeweiht am 31. Juli 1907) 1905–1909: Hotel Excelsior in Berlin nach Plänen von Otto Rehnig 1905–1907: Haus Puricelli, Düsseldorf, nach Plänen des Münchner Architekten Gabriel von Seidl bis 1907: Rheinhof, Düsseldorf 1907: Bismarckturm in Aachen um 1907: Industriepalast am Schlesischen Tor in Berlin Ahlberg Metalltechnik GmbH, mit einer Fotodokumentation. 1907–1908: Grand Hôtel Esplanade in Berlin nach Plänen von Otto Rehnig 1930–1931: VDE-Haus in Berlin nach Plänen des Architekten Hans HertleinSiehe Kategorie mit Abbildungen in Commons.
Schriften Boswau & Knauer GmbH (Hrsg.): Bauausführungen 1–2. Berlin u. a. o. J. [um 1905]. Geschäftshaus der Firma Boswau & Knauer. Inhaber Hermann Knauer. Berlin W. 30. Victoria Luise-Platz 9, (Berlin: Lezius), ; unkommentierte „Visitenkarte“ als fotografische Präsentation auf 39 Bildtafeln des Firmensitzes
Literatur Silke Haps: Industriebetriebe der Baukunst. Generalunternehmer des frühen 20. Jahrhunderts. Die Firma Boswau & Knauer. Dissertation, Technische Universität Dortmund, 2008. (hdl:2003/33887)
Walther Weber: Auf das falsche Feld geschoben. Schachzüge lösen keine Bewertungsprobleme. Lehren aus dem Fall Boswau & Knauer. In: Die Zeit, Nr. 48/1963. kw: Boswau & Knauer. Ein Ärgernis. In: Die Zeit, Nr. 42/1967.
Weblinks
Betriebsabbrüche und -stilllegungen: a) Firma Boswau & Knauer A.G. / 1923, Archivalie im Staatsarchiv Freiburg, A 96/1 Nr. 3736 Albert Gieseler: Boswau & Knauer Aktiengesellschaft. Private Website rund um Firmen mit Dampfmaschinen
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliges Bauunternehmen (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Berlin) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Düsseldorf) Kategorie:Unternehmensgründung 1892 Kategorie:Ehemalige Aktiengesellschaft in Deutschland