mini|300px|Ühlingen-Birkendorf auf einer Luftaufnahme vom 31. Januar 2015. Vorne Berau, dahinter von links nach rechts Hürrlingen, Riedern am Wald und Ühlingen.
Ühlingen-Birkendorf ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg und liegt auf einer Hochfläche zwischen der Hochrheinebene und dem Südschwarzwald. Ühlingen war von alters her der Hauptort des von tiefen Schluchten abgegrenzten Gebiets, Birkendorf war bereits in der Vorkriegszeit beliebter Ferienort und im Jahre 1973 Bundessieger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden.
Geographie Die Flächengemeinde am Südhang des Schwarzwalds liegt zwischen 450 und 1000 Meter Höhe, ihr Gebiet erstreckt sich über vier Täler – der Schwarza im Westen, über die Mettma und die Schlücht bis hin zur Steina im Osten (Ausdehnung Nord-Süd-Richtung 10 km, West-Ost-Richtung 15 km).
mini|Hochebene um Ühlingen
Dabei bildet die Ebene aus „Muschelkalk östlich der Linie Birkendorf–Gutenburg einen geschlossenen Block, [… die] meridonale Zertalung der Abdachungsfläche“ begünstigt Nord-Süd-Verbindungen, während Ost-West-Wegführungen eingeschränkt sind.Hrsg.: Landkreis Waldshut: Die Chronik des Kreises Waldshut. Geographie·Geschichte·Kultur·Wirtschaft, Karl Friedrich Wernet: Natur und Landschaft im Kreise Waldshut, Vocke Verlag, Waldshut 1957, S. 151. Die Lage begünstigte schon früh den klassischen Ferienbetrieb, den Erholungsurlaub mit festem Standort und Ausflugszielen.
Siehe Touristisches Profil
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Schluchsee im (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), an Grafenhausen und Bonndorf, im Osten an die Stadt Stühlingen und die Gemeinde Eggingen, im Süden an die Gemeinde Wutöschingen und die Stadt Waldshut-Tiengen. Im Westen an Weilheim und Höchenschwand.
Gemeinde Die Gemeinde Ühlingen-Birkendorf besteht aus den acht Ortsteilen Berau, Birkendorf, Brenden, Hürrlingen, Obermettingen, Riedern am Wald, Ühlingen und Untermettingen mit insgesamt 43 weiteren Siedlungsplätzen: Weilern, Zinken, Höfen und traditionellen Flussgewerbeorten (Mühlen und Sägen).
Die Ortsteile bilden zugleich sowohl Wohnbezirke als auch Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Ühlingen war schon in älterer Zeit der Bezugsort der meisten heutigen Ortschaften; das Zusammengehen 1975 mit Birkendorf grenzte den Bereich auch geographisch nach Norden hin ab. Die alte Straße von der Wutach bei Horheim (von Rheinheim und Bechtersbohl kommend) bis Untermettingen und von hier aus nach Grafenhausen bis Rothaus und zum Schluchsee war ein alter Handelsweg Rhein–Schwarzwald und wurde nach archäologischen Befunden erstmals in römischer Zeit ausgebaut.
Während Birkendorf von Touristen bevorzugt wird (die ganze Gemeinde wird noch als Kurort geführt), wurde in Ühlingen das Verwaltungszentrum eingerichtet und das Gewerbegebiet ausgebaut.
Projekte der Gemeinde Ortskernsanierungen Im Juni 2021 fand die Ortskernsanierung Ühlingen mit einer Einweihung des Mehrgenerationenparks, dem ehemaligen Kurpark ihren Abschluss. Der erste Bauabschnitt begann vom nördlichen Ortseingang aus bis in die Ortsmitte, es folgte der zweite Abschnitt 2015 von dort bis zur Schlüchttalbrücke. Der dritte Bauabschnitt ab 2018 berührte das Vorderdorf und das Umfeld von Rathaus und Kirche. Eine 180 Jahre alte Blutbuche musste wegen desolatem Zustand gefällt werden und wurde eine 20-jährige Buche gleicher Art ersetzt.
Auch die Ortskernsanierung in Löhningen, Teil der Ortschaft Untermettingen, wurde 2021 mit dem dritten Bauabschnitt beendet.
Wasserversorgung „Seit 1. Januar 2021 ist Ühlingen-Birkendorf Partner der Stadtwerke Waldshut-Tiengen […] Verträge mit der Wasserversorgung Höchenschwander Berg und Hochschwarzwald sichern der Gemeinde auch in Notfällen die Wasserversorgung.“ Die neue Kooperation bedeutet Leittechnik und Fernwartung in Ühlingen und Waldshut, verbunden mit zentraler Qualitätskontrolle und genereller Aufbereitung durch eine UV-Anlage, insbesondere auch anstatt erhöhter Chlorzugabe bei Starkregen oder Hitze.Elisabeth Baumeister: Investition in die Wasserversorgung, Albbote, 24. September 2021.
Mit dem Neubau zweier Wasserhochbehälter bei Berau zusammen mit der Erneuerung des dortigen Abwassersystems steht „die größte Investitionsmaßnahme der kommenden Jahre“ an. Die Ortsteile Berau und Brenden werden über den Abwassersammler im Schlüchttal an die Verbandskläranlage Klettgau-West in Tiengen angeschlossen.
Soziales Zentrum In Ühlingen wird ein denkmalgeschütztes „ortsbildprägendes“ Großgebäude mit neuem Anbau für die Sozialstation eingerichtet – mit 16 Tagespflegeplätzen, dem Dienst Essen auf Rädern und mit barrierefreiem Wohnraum. Im Herbst 2022 soll das Soziale Zentrum „in Betrieb gehen.“Allgemein Kapitel Projekte: Werner Steinhart: Gemeinde stemmt einige Bauprojekte, Albbote, 31. Dezember 2021.
Windkraftanlage Der Gemeinderat stimmte im Februar 2022 der Empfehlung des Gemeindeverwaltungsverbandes Oberes Schlüchttal „zum Erstellen eines räumlichen und sachlichen Teilflächennutzungsplanes zur Steuerung der Zulässigkeit von Windkraftanlagen im Außenbereich“ zu. Die Flächen befinden sich ausschließlich auf der Gemarkung Grafenhausen.Ursula Ortlieb: Klare Regeln für den Bau von Windrädern, Albbote, 1. März 2022.
Breitbandversorgung Die Arbeiten gehen hier in den sechsten Bauabschnitt, dabei werden bei Untermettingen gelegene Höfe sowie Löhningen versorgt, „im Anschluss kommen Riedern am Wald, Hürrlingen, Brenden, Birkendorf-Igelschlatt und ein Teil Ühlingens zum Zuge.“
Gewerbestandort und Wirtschaft mini|Das Porphyrwerk Detzeln im Steinatal unterhalb von Krenkingen und dem Weiler Raßbach liegt auf Ühlinger Gemarkung Die Gemeinde ist „traditionell kein Standort für das große Gewerbe oder gar Industrie.“ Im Gewerbegebiet Baumwiesen „finden sich in der Hauptsache Handwerksbetriebe“, zuletzt auch eine „Neuansiedlung von jungen, innovativen Betrieben.“ Besitzer der Betriebe und Gründer stammen häufig aus der Gemeinde. Aktuell (Mitte 2021) wird eine Erweiterung erörtert.Sandra Holzwarth: Gespräch mit Bürgermeister Gantert: Das Gebiet hat sich hervorragend entwickelt, in: Südkurier, 28. Juli 2021. Ühlingen bietet mehrere Hundert Arbeitsplätze; die Gemeinde ist mit 110 Beschäftigten größter Arbeitgeber. Dabei sind neben Traditionsbetrieben Firmen für Umwelt- und Wasserstofftechnik, ein Hofgut und ein weiterer Landwirtschaftsbetrieb folgen den Auflagen von Demeter.Ursula Ortlieb: Gemeinde zum Erholen und Arbeiten, Alb-Bote, 27. März 2021.
Mobilfunkanlagen in zwei Gemeinden Die Deutsche Telekom möchte in Berau einen Mobilfunkmast erreichten. Der Gemeinderat gab ein Immissionsgutachten in Auftrag;Werner Steinhart: Standortsuche für Mobilfunkmasten, Alb-Bote, 28. April 2021. Gutachten für Berau und Birkendorf liegen seit Januar 2022 vor.Mobilfunkausbau in Berau und Birkendorf
Politik Die Ortsteile bilden zugleich sowohl Wohnbezirke als auch Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.
Wappen der ehemaligen Gemeinden
mini|Rathaus von Ühlingen-Birkendorf in Ühlingen
Bürgermeister Bürgermeister ist seit Dezember 2012 Tobias Gantert. Seine Wiederwahl fand im September 2020 statt.
Gemeinderat In Ühlingen-Birkendorf wurde der Gemeinderat 2019 erstmals nach der 2016 beschlossenen Abschaffung der unechten Teilortswahl neu gewählt. Der Gemeinderat in Ühlingen-Birkendorf umfasst 18 gewählte ehrenamtliche Gemeinderäte und den Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FW Freie Wähler Ühlingen-Birkendorf 70,15 13 62,2 11 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,85 5 37,8 7 Gesamt 100 18 100 18 Wahlbeteiligung 67,33 % 64,6 %
Verwaltungsverband Die Gemeinde ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands „Oberes Schlüchttal“, dem Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf angehören.
Haushalt 2022 Der Haushaltsentwurf 2022 erreicht mit Investitionen von „12,24 Millionen Euro ein neues Rekordniveau.“ von Steuer- und Beitragserhöhungen „und auch von Kreditaufnahmen kann abgesehen werden.“ Auszahlungen von 26 Millionen Euro stehen 23,3 Millionen an Einzahlungen gegenüber, die Differenz wird durch Rücklagen ausgeglichen. Schuldenstand Ende 2022: 410.000 Euro.Werner Steinhart: Wasserversorgung als Schwerpunkt, Albbote, 21. Dezember 2021.
mini|Partnerschaftstafel in der Partnergemeinde Machecoul zum 40-jährigen Bestehen
Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Ühlingen-Birkendorf unterhält seit 1973 partnerschaftliche Beziehungen zu Machecoul-Saint-Même in der Region Pays de la Loire in Frankreich. 1992 ist sie außerdem eine Partnerschaft mit Asahi-son in der Präfektur Yamaguchi im Süden der japanischen Hauptinsel Honshū eingegangen; Asahi wurde jedoch am 6. März 2005 nach Hagi eingemeindet (jetzt Akiragi-chiku und Sasanami-chiku innerhalb Hagis). Auf einer von der Botschaft Japans veröffentlichten Liste japanisch-deutscher Gemeindepartnerschaften ist Ühlingen-Birkendorf zusammen mit Hagi aufgeführt;Liste japanisch-deutscher Gemeindepartnerschaften auf der Partnergemeindenliste Ühlingen-Birkendorfs hingegen findet sich „Asahi“ statt „Hagi“..
Migration In der Gesamtgemeinde wohnten 2021 „67 Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Marokko, Nigeria, Somalia und Guinea.“Werner Steinhart: Zufrieden mit dem Erreichten, Albbote, 18. Januar 2022.
mini|Pfarrkirche St. Ursula in Ühlingen
Religiöse Gemeinden Die katholische Pfarrkirche St. Ursula in der Nähe des Rathauses wurde 1591 eingeweiht. 1990 wurde die evangelische Kirche an der Ortsausfahrt Ühlingen in Richtung Riedern am Wald eingeweiht.
Kultur und Sport „15 Vereine prägen das kulturelle Leben“, es gibt den Kugelwaldpfad, ein Narrenmuseum, einen Abenteuerspielplatz und „Sportbegeisterte finden mit Skaterbahn, Tennis- und Fußballplätzen, sowie Sporthalle gute Angebote.“ In Witzhalden „haben auch bis zu 25 Polopferde ihr Winterquartier.“U. Ortlieb: Gemeinde zum Erholen und Arbeiten, Albbote, 27. März 2021.
mini|Wanderweganzeiger in Hürrlingen bei der Antonius-Kapelle
Touristisches Profil Die Region ist Teil des Naturpark Südschwarzwald. Nach der letzten Erhebung gab es 2016 in der Gemeinde 426 Betriebe mit 1.186 Betten, 16.386 Gästeankünfte zu 60.483 Übernachtungen mit einer Aufenthaltsdauer von 3,7 Tagen. Gegenüber den 1960/70er-Jahren sind die Zahlen stark rückläufig, in den letzten Jahren stiegen sie wieder an.Tourismusbericht Landkreis Waldshut: Bericht 2016 (pdf). Abruf am 3. Februar 2022.
Historischer Überblick