mini|St. Venantius Wertheim mini|Wertheim St.Venantius, Kircheninneres vor der Renovierung des Inneren im November 2014 mini|Kircheninneres nach der im Jahr 2016 abgeschlossenen Innenrenovierung St. Venantius ist die 1840 bis 1842 erbaute römisch-katholische Stadtpfarrkirche von Wertheim im Main-Tauber-Kreis. Die Gemeinde ist dem Erzbistum Freiburg zugeordnet. Die Kirche trägt das Patrozinium des jugendlichen Märtyrers Venantius von Camerino, der während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius durch Enthauptung hingerichtet wurde. Sein Gedenktag ist der 18. Mai.
Am 1. Januar 2015 wurde die Seelsorgeeinheit Wertheim zur römisch-katholischen Kirchengemeinde Wertheim mit drei Pfarreien und einer Filialpfarrei umbildet. Zum Bereich der Pfarrei St. Venantius gehören die Innenstadt Wertheims, die Stadtteile Wartberg, Reinhardshof (mit der Bestenheider Höhe) und Vockenrot sowie die Orte Nassig und Sonderriet. Die Pfarrei St. Lioba umfasst den Stadtteil Eichel/Hofgarten sowie die Orte Urphar, Lindelbach, Dietenhan, Kembach, Bettingen und Dertingen. Zur Pfarrei St. Elisabeth gehören der Stadtteil Bestenheid, die Ortschaft Grünenwört und die Filialpfarrei St. Martin Mondfeld., abgerufen am 5. Juli 2019. Die vier Pfarreien bilden die Kirchengemeinde Wertheim. St. Venatus umfasst ca. 2800 Katholiken.Katholische Kirchengemeinde Wertheim, St. Venatus, abgerufen am 5. Juli 2019.
Geschichte Stiftskirche und Chorstift Wertheim Graf Johann I. von Wertheim schuf im Jahr 1384 mit dem Baubeginn der heutigen evangelischen Stiftskirche und damaligen katholischen Stadtpfarrkirche St. MarienJörg Paczkowski, Kurt Bauer, Stefanie Zwicker: Wertheim, Stadt an Main und Tauber. Gerchsheim 2012, S. 14–18. die Voraussetzungen für die Anlage einer Familiengrablege in der Stadt Wertheim. Im Jahr 1481 wurde die Pfarrkirche zur Stiftskirche St. Marien erhoben. Ab dem Jahr 1547 wurde für das gesamte Vermögen des Wertheimer Kollegiatstiftes eine eigene Verwaltungsbehörde geschaffen, das sogenannte Chorstift. Das Stift diente als zentrale kirchliche Finanzstelle der Grafschaft Wertheim und war für die Besoldung der seit der Reformation evangelischen Pfarrer sowie der Schul- und Kirchendiener verantwortlich.Thomas Wehner: Wertheim, in: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Bd. IV, Münster 1992, hrsg. von Anton Schindling und Walter Ziegler, S. 214–232.Judith Wipfler: Der Chor der Wertheimer Stiftskirche als herrschaftliche Grablege, Die Epitaphien der Regenten bis ins frühe 17. Jahrhundert, in: Wertheimer Jahrbuch 1996, S. 87–178.
Lutherische Reformation mini|Evangelische Stiftskirche Wertheim, ehemals katholische Pfarrkirche St. Marien der Stadt Wertheim, Inneres In der Hoffnung auf eine Intensivierung der eigenen Staatlichkeit und auf eine Abgrenzung von den mächtigen Nachbarn, dem Erzstift Mainz und dem Hochstift Würzburg, stellte sich Graf Georg II. von Wertheim bereits sehr früh auf die Seite der Reformation. Vermutlich Mitte des Jahres 1518 ließ Graf Georg unter dem Eindruck von Martin Luthers 95 Thesen ein Schriftstück gegen kostspielige kirchliche Begräbnisfeiern und Seelenmessen an der Tür der Wertheimer Stiftskirche St. Marien anheften. Auf dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521 hatte der junge Wertheimer Graf erstmals Gelegenheit, Luther persönlich kennenzulernen. Im Folgejahr bat Graf Georg Luther um die Empfehlung eines geeigneten Predigers des „reinen Evangeliums“ für die Wertheimer Stiftskirche. Im Jahr 1526 kam der Theologe Johann Eberlin von Günzburg als Vertrauter Graf Georgs nach Wertheim und wurde von ihm zum Superintendenten der Grafschaft Wertheim berufen. In den Jahren 1527/1528 verfasste Eberlin eine neue Kirchenordnung für die Grafschaft, im Jahr 1528 wurden die kirchlichen Feiertage reduziert und die kirchlichen Güter erstmals systematisch inventarisiert. Als Graf Georg im Jahr 1530 starb, konnte die Reformation in der Grafschaft allerdings noch nicht als abgeschlossen gelten. Es bestanden sowohl die traditionelle katholische als auch die neue protestantische Lehre lutherischer Prägung nebeneinander, aber der Protestantismus hatte in Wertheim bereits eine solide Grundlage erhalten.
Vollendet wurde die protestantische Reformation der Grafschaft Wertheim erst unter Graf Michael III. Im Jahr 1552 unterstellte dieser die Klöster Grünau und Holzkirchen der Aufsicht der gräflichen Verwaltung. Die Ordensleute und Stiftsherren wurden aus den Klöstern vertrieben, die Erträge und Güter fielen teilweise an den Grafen, teilweise an das Chorstift der Stiftskirche sowie das Wertheimer Hospital (heute Wertheimer Kulturhaus). Im Jahr 1552 konvertierte der im Jahr 1548 gewählte Abt des Klosters Bronnbach, Clemens Leusser, aus eigener Überzeugung zum reformatorischen Bekenntnis. Damit hinterließ Graf Michael III. im gräflichen-wertheimischen Territorium eine verhältnismäßig gefestigte evangelische Landeskirche lutherischer Prägung.Leonhard Scherg: Zur Geschichte der Zisterzienserabtei Bronnbach, in: Peter Müller (Hrsg.): Kloster Bronnbach 1153 – 1803. 650 Jahre Zisterzienser im Taubertal. Wertheim 2003, S. 11–35, bes. S. 24ff.Hermann Ehmer: Luther und Wertheim, in: Wertheimer Jahrbuch 1977/78, 79-97.Matthias Simon: Zur Reformationsgeschichte der Grafschaft Wertheim, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 29 (1960), 121-144 (mit einer Edition der wichtigsten Quellen aus den Standbüchern des Staatsarchivs Würzburg).
Gegenreformation und Dreißigjähriger Krieg Auch wenn die Erben der Grafschaft Wertheim, die Grafen Ludwig zu Stolberg-Königstein und Ludwig III. von Löwenstein, als überzeugte Protestanten eine Rekatholisierung energisch zu verhindern suchten, konnte der Katholizismus gegenreformatorische Erfolge erzielen: Im Jahr 1561 konnte der Abt von Fulda die Rückgabe der Propstei Holzkirchen an die katholische Konfession erreichen, auch wenn das Kirchenpatronat über die Klosterpfarreien bei der Grafschaft Wertheim verblieb. Im Kloster Bronnbach konnte im Jahr 1572 die katholische Messe wieder eingeführt werden.
Nach dem Tode Graf Ludwigs von Stolberg-Königstein im Jahr 1574 trat der Konflikt mit dem Hochstift Würzburg in eine neue Runde. Die sogenannte Würzburger Fehde bedeutete für die Grafen von Löwenstein-Wertheim einen empfindlichen Machtverlust. Nach annähernd einhundert Jahren dauernden Streitigkeiten zwischen dem Kloster Bronnbach, das vom Hochstift Würzburg unterstützt wurde, und den Grafen von Löwenstein-Wertheim um die drei Dörfer Reicholzheim, Nassig und Dörlesberg fielen diese im Jahr 1673 fast vollständig dem Kloster Bronnbach zu.Hermann Ehmer: Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989, bes. S. 181f.
Zusätzlich verschärft wurde der konfessionelle Konflikt mit dem Übertritt des Grafen Johann Dietrich zum Katholizismus. Johann Dietrich unternahm ab dem Jahr 1631 den Versuch, die Alleinherrschaft in der Grafschaft an sich zu reißen und diese wieder zu rekatholisieren. So konnte am 24. Juli 1631 in der Apsis der Stiftskirche nach langer Zeit wieder eine Heilige Messe zelebriert werden. Die Rekatholisierungsmaßnahmen wurden allerdings durch den über Wertheim hereinbrechenden Dreißigjährigen Krieg und den Einfall der Schweden zunichtegemacht. Graf Johann Dietrich musste fliehen, und im Kloster Bronnbach wurden alle Heiligenbilder radikal zerstört. Nach dem Abzug der Schweden blieb es bei der gemeinschaftlichen Regierung der Grafschaft Wertheim durch die beiden Linien Löwenstein-Wertheim-Rochefort und Löwenstein-Wertheim-Virneburg. Ab dem Jahr 1651 wurde die Stiftskirche für fast zwei Jahrhunderte als konfessionelles Simultaneum sowohl von evangelischen als auch katholischen Gläubigen zu Gottesdiensten genutzt.Thomas Wehner: Wertheim, in: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Bd. IV, Münster 1992, hrsg. von Anton Schindling und Walter Ziegler, S. 214–232.Hellmuth Rößler: Graf Johann Dietrich von Löwenstein, in: Wertheimer Jahrbuch 1953, S. 27–42.Paul A. Veith: Kirchengeschichte Löwensteins, in: Karl-Heinz Dähn (Red.): 700 Jahre Stadt Löwenstein. Löwenstein 1987, S. 295–310.
Ansiedelung von Kapuzinern
Im Jahr 1631 holte Graf Johann Dietrich zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort Kapuziner zur Rückgewinnung der Seelen der Wertheimer Bevölkerung zum katholischen Glauben nach Wertheim. Aufgrund der Bestimmungen des Westfälischen Friedens mussten sie die Stadt aber bereits 1649 wieder verlassen. Der spätere Fürst Maximilian Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort berief 1682 erneut Kapuziner als Hofkapläne nach Wertheim und wies ihnen das nahe der Stiftskirche gelegene "Klösterle" als Niederlassung zu. Die Kapuziner feierten bis ins 19. Jahrhundert Heilige Messen im Chorbereich der durch die Reformation evangelisch gewordenen Stiftskirche. Die kleine Kapuzinerniederlassung Wertheim, die zwei bis vier Ordensbrüder beherbergte, wurde von der Löwenstein-Wertheim-Rosenbergischen Standesherrschaft mit Naturalien und Finanzmitteln versorgt. Die Brüder wurden von ihren Konventen auf Zeit nach Wertheim entsandt; ca. alle drei Jahre erfolgte ein Wechsel. Mit der Zurruhesetzung des letzten Präses Venantius Arnold im Jahr 1834 und dessen Tod im Jahr 1836 erlosch das Kapuzinerhospiz Wertheim.
Pater Venantius Arnold (1754–1836) hatte über 35 Jahre als Hofkaplan und katholischer Stadtpfarrer in Wertheim gewirkt. Venantius Arnold war als Lorenz Arnold am 14. August 1754 im katholisch geprägten Freudenberg am Main unter dem Geburtsnamen Lorenz Arnold als Sohn des Ehepaares Christoph Arnold und dessen Frau Maria Eva (geb. Schureck) geboren worden. Arnold war im Alter von ungefähr 22 Jahren in den Kapuzinerorden eingetreten und am 20. März 1779 zum Priester geweiht worden. Elf Jahre später, am 6. August 1790, kam er als Pater in die protestantisch geprägte Stadt Wertheim. Am 25. August 1797 wurde Venantius Arnold Präses der Ordensniederlassung in Wertheim. Seit dem Jahr 1808 war Venantius Arnold der letzte in der Wertheimer Ordensniederlassung lebende Pater. Erst im Jahr 1829, im Jahr seines 50-jährigen Priesterjubiläums, wurde Pater Venantius ein weltgeistlicher Kooperator beigesellt. Pater Venantius versah sein Amt in Wertheim noch bis zum Jahr 1832. Er starb am 15. Oktober 1836 im Alter von 82 Jahren. Ein großes Anliegen war ihm der Bau einer eigenen katholischen Kirche gewesen. Zum Bau einer katholischen Schule in Wertheim hatte er die Summe von 5.000 Gulden gestiftet.leo-bw.de: Kapuzinerkloster Wertheim, abgerufen am 13. Dezember 2014.Erich Langguth: P. Venantius Arnold, Präses und Pfarrer, in: Main-Tauber-Post. Mittwoch, 1. April 1954. Das Grabmal von Pater Venantius Arnold befindet sich heute rechts neben dem Turmportal der St. Venantius-Kirche.
Wiedererstarken des Katholizismus im 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert siedelten sich erstmals seit der Reformation wieder vermehrt Katholiken in Wertheim an, jedoch stellten diese bis Mitte des Jahrhunderts nur etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Im Jahr 1837 zählte man 571 Katholiken in der Stadt. Zunächst gehörten die Gemeindeglieder zur Pfarrei Reicholzheim, die seit dem Jahr 1673 wieder katholisch geworden war. Den Katholiken stand als Gottesdienstraum nur ein Kapellenraum in der fürstlichen Hofhaltung zur Abhaltung von Gottesdiensten zur Verfügung oder sie konnten sich im Chorbereich der evangelischen Stiftskirche zur Heiligen Messe zusammenfinden, was allerdings aufgrund der dort aufgestellten Grabdenkmale nur eingeschränkt möglich war. Darüber hinaus war den Katholiken die Benutzung der Glocken und der Orgel nicht gestattet. Die Abhaltung der Heiligen Messe durfte nur nach dem Ende des evangelischen Gottesdienstes erfolgen. Pater Venantius Arnold war die Wiedergründung der katholischen Pfarrei Wertheim und der Bau einer katholischen Schule gelungen. Seit dem Jahr 1831 hatte man konkrete Pläne zum Bau einer eigenen katholischen Pfarrkirche in Wertheim ins Auge gefasst.