Der Bahnhof Neustadt (Dosse) ist ein Durchgangsbahnhof in der Stadt Neustadt (Dosse) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin an der Berlin-Hamburger Bahn. Er wurde 1846 eröffnet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Bahnhof zu einem Knotenpunkt, da er Ausgangs- bzw. Zielpunkt dreier weiterer Strecken war. Von denen ist heute die Bahn über Pritzwalk nach Meyenburg für den Personenverkehr in Betrieb, die Strecke nach Neuruppin wird für den Güterverkehr vorgehalten, die Strecke nach Rathenow ist stillgelegt. „Bahnhofsgebäude“, „Kesselfüllwasserturm“ (am ehemaligen Güterbahnhof), und „Lokschuppen mit Drehgestell“ (Drehscheibe) stehen unter Denkmalschutz.

Lage Der Bahnhof befindet sich am Streckenkilometer 75,4 der Berlin-Hamburger Bahn, die im Bereich Neustadt etwa von Südosten nach Nordwesten verläuft. Richtung Norden zweigt die Bahnstrecke in Richtung Meyenburg ab. Im separaten Städtebahnhofsteil begannen die bis 1945 privaten Strecken in Richtung Osten nach Neuruppin von der Ruppiner Kreisbahn erbaut und Richtung Süden nach Rathenow, von der Brandenburgischen Städtebahn erbaut. Der Bahnhof liegt knapp zwei Kilometer südöstlich der Innenstadt von Neustadt (Dosse). Die angrenzenden Straßen sind die Bahnhofstraße und die Kampehler Straße. Nächster Bahnhof in Richtung Westen an der Berlin-Hamburger Bahn ist seit der Schließung des acht Kilometer entfernten Bahnhofs Zernitz der 16 Kilometer von Neustadt entfernte Bahnhof Breddin. In Richtung Südosten ist es der Bahnhof Friesack (Mark), der etwa 14 Kilometer entfernt ist. Der Bahnhof Neustadt (Dosse) liegt im Bereich des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg.

Geschichte

Allgemein Am 15. Oktober 1846 wurde der Bahnhof an der Strecke von Berlin nach Hamburg in Betrieb genommen, 1887 folgte die Strecke über Kyritz und Pritzwalk nach Meyenburg. Mit der Eröffnung der Strecke der Ruppiner Kreisbahn nach Neuruppin im Jahr 1902 und der Brandenburgischen Städtebahn nach Rathenow 1904 wurde Neustadt endgültig zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Die Anlagen des Bahnhofs wurden erweitert, für die Strecke nach Rathenow und Neuruppin wurde ein eigener Bahnhof, der Städtebahnhof gebaut.

Neustadt war Umsteigepunkt zwischen den Bahnstrecken und bis in die 1990er Jahre Fernverkehrshalt. Danach entfielen die Schnellzughalte im Bahnhof, jedoch wurde Neustadt Halt von vertakteten Regionalexpresszügen nach Berlin. Der Personenverkehr in Richtung Rathenow wurde 2001 eingestellt, und die Strecke in den folgenden Jahren stillgelegt und abgebaut. Im Jahr 2006 endete auch der Personenverkehr nach Neuruppin.

Der Güterverkehr in Neustadt nahm seit den 1990er Jahren stark ab. Seit 1997 wird versucht, ein Logistiknetz in der Prignitz aufzubauen. Im Projekt HUB 3/12 nimmt der Bahnhof eine wichtige Stellung ein. in der Märkischen Allgemeinen, abgerufen am 27. Februar 2015

Etwa zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Bahnhof umfangreich saniert. Ein neuer Fußgängertunnel mit Aufzugsanlagen ist entstanden, der einen barrierefreien Zugang ermöglicht. mini|Denkmalgeschützter Wasserturm

Im Oktober 2025 wurde eine nicht mehr genutzte Eisenbahnbrücke im Südkopf des Bahnhofs abgerissen.

Im Rahmen des 740-Meter-Netzes sollen die Gleise 3 und 4 für 740 m lange Güterzüge ertüchtigt werden. Hierzu sind Signalversetzungen und der Einbau zusätzlicher Weichen vorgesehen. Das Vorhaben sollte im Rahmen der Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg umgesetzt werden.

Zugehörigkeit mini|links|Denkmalgeschützter Lokschuppen

Der Bahnhof Neustadt (Dosse) gehörte der Reichsbahndirektion Schwerin an. Das zugehörige Reichsbahnamt befand sich in Wittenberge, aber Bahn- und Streckenmeisterei waren am Ort. Signal- und Fernmeldeamt, Hochbaumeisterei, Bahnbetriebswerk, Bahnbetriebswagenwerk, Starkstromunterhaltungsstelle und Wegemeisterei waren ebenso in Wittenberge beherbergt. Von jenen Einrichtungen befanden sich in Neustadt Außenstellen. Er wurde als Bahnhof der Rangklasse II eingestuft.

Gleichzeitig unterstanden dem Bahnhof Neustadt der Bahnhof Barsikow an der Strecke nach Neuruppin, die Abzweigstelle Köritz, die Schrankenposten in Schäferberg und der Haltepunkt Hohenofen an der Strecke nach Rathenow.

Neustadt diente auch als Zugbildungsbahnhof für Güterzüge, die nach Nauen, Wittenberge, Pritzwalk, Neuruppin und Rathenow fahren.

Anlagen

Aufbau mini|Städtebahnhof (2014), 2021 abgerissenEnde von 120 Jahren Eisenbahngeschichte: Städtebahnhof in Neustadt abgerissen. Märkische Allgemeine, 20. Januar 2021, abgerufen am 23. Januar 2021.

Die Betriebsstelle besteht aus drei Bahnhofsteilen:

nordwestlicher Teil: Personenbahnhof südöstlicher Teil: Güterbahnhof nordöstlicher Teil: Städtebahnhof

Der Personenbahnhof liegt nordwestlich des ehemaligen Bahnüberganges Kampehler Straße, über die früher die Bundesstraße 102 verlief, Güter- und Städtebahnhof südöstlich. Ein Graben am ehemaligen Gleis 7 trennt beide Teile. Im Personenbahnhof halten die Züge auf der Berlin-Hamburger Bahn und es starten bzw. enden dort die Züge nach Meyenburg über Pritzwalk. Der Ausgangspunkt der Strecken nach Herzberg (Mark) und Treuenbrietzen war im Städtebahnhof.

Güter- und Städtebahnhof sind über ein Verbindungsgleis miteinander verbunden. Seit Ende der 1990er Jahre gibt es auch ein Verbindungsgleis vom Städtebahnhof direkt in den Personenbahnhof.

Empfangsgebäude Das Empfangsgebäude ist im klassizistischen Stil erbaut. Auf der Straßenseite befinden sich zwei Eingänge, die über kleine Treppen erreichbar sind. Diese führten in die Eingangshalle, in der auch Schalter und Warteräume untergebracht waren. An der seitlichen Tür befand sich der Aufgang zu den Wohnungen im Obergeschoss. Vermutlich um 1874 wurde das gesamte Bahnhofsgebäude wegen mangelnden Platzes erweitert. Zwei Achsen wurde beidseitig angefügt, wodurch die symmetrischen Strukturen erhalten blieben. Als 1999 die Strecke zunächst auf 160 km/h ausgebaut wurde, folgte auch eine Instandsetzung des Gebäudes.

Heute steht das Gebäude mit etwa 1000 m² Nettogeschossfläche leer. Es befindet sich in einem baulich sehr schlechten Zustand. auf mil.brandenburg.de (PDF-Datei S. 7–8), abgerufen am 28. Februar 2015

Bahnsteige und Gleise Heute verfügt der Bahnhof über insgesamt drei Bahnsteiggleise, davon einen Mittelbahnsteig und einen Seitenbahnsteig. Der Städtebahnhofsteil ist in Kopfform angelegt, seine zwei Bahnsteiggleise sind derzeit ungenutzt.

Die folgenden Tabellen stellen das Gleisnetz aus dem Jahr 1972 dar. Die Hauptgleise sind hier blau, die Nebengleise orange unterlegt. Die Längen sind in Metern abgegeben.

Güterbahnhof Nummer Länge Zweckbestimmung 16 800 Einfahrgleis aus Richtung Personenbahnhof und Ausfahrgleis in Richtung Nauen 1 800 Einfahrgleis aus Richtung Personenbahnhof und Ausfahrgleis in Richtung Nauen 2 825 Durchgehendes Hauptgleis 5 870 Durchgehendes Hauptgleis 6 820 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Nauen und Personenbahnhof 7 750 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Nauen und Personenbahnhof 8 740 Ausfahrgleis in Richtung Personenbahnhof 9 740 Richtungsgleis 10 676 Richtungsgleis 11 637 Richtungsgleis 12 635 Richtungsgleis 13 510 Richtungsgleis 14 440 Richtungsgleis 15 440 Übergabegleis I. und II. Lok 20 590 Richtungsgleis 21 245 Sammelgleis 22 150 Sammelgleis 31 210 Sammelgleis 32 440 Sammelgleis 33 220 Zufahrt zum Schuppen 24 480 Sammelgleis 25 Gleise der Waschanlage 26 26 a 27 60 Gleisverbindung 28 225 Sammelgleis 29 220 Verbindungsgleis zum Ablaufberg 30 178 Einfahrgleis zum Ablaufberg ohne Nr. 600 Ausziehgleis am AblaufbergPersonenbahnhof Nummer Länge Zweckbestimmung 1 450 Einfahrgleis aus Richtung Nauen, Zernitz und Wusterhausen sowie Ausfahrgleis aus Richtung Nauen und Zernitz 2 435 durchgehendes Hauptgleis 3 360 Ein- und Ausfahrgleis aus Richtung Nauen, Wusterhausen und Zernitz 4 350 Durchfahrtsgleis aus Richtung Güter- und Städtebahnhof 81 180 Abstellgleis für Lok 82 275 Rangiergleis für II. Ranglok bei Bedienen der Zusatzanlagen des Personenbahnhofs 83 130 Rangiergleis für II. Ranglok bei Bedienen der Zusatzanlagen des Personenbahnhofs 84 130 Güterschuppengleis 85 112 Feuerrampe 86 112 Ladestraße 87 65 Kopframpe 88 132 Ladestraße 89 138 Anschlussgleis DSG und VEAB ohne Nr. 78 Anschlussgleis Molkerei 90 55 Gleisverbindung zur Ladestraße 91 70 Abstellgleis ohne Nr. 115 Ausziehgleis 93 200 Lokbehandlung 94 60 LokbehandlungStädtebahnhof Nummer Länge Zweckbestimmung 7 S 655 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Rathenow und Nauen 6 S 655 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Rathenow und Nauen 5 S 570 Schadwagengleis 4 S 570 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Rathenow, Neuruppin, Nauen und Personenbahnhof 1 S 500 Einfahrgleis aus Richtung Rathenow und Neuruppin sowie Ausfahrgleis in Richtung Rathenow 2 S 500 Ein- und Ausfahrgleis in Richtung Neuruppin 3 S 360 Ausziehgleis für Ladestraße II. 9 S 120 Abstellgleis 10 S 110 Ladestraße 11 S 100 Ladestraße ohne Nr. 222 Anschlussgleis

mini|hochkant=0.8|Bahnsteiggleisemini|hochkant=0.8|Empfangsgebäude, Gleisseitemini|hochkant=0.8|RE 2 der ODEGmini|hochkant=0.8|Warnung vor schnellen Zugfahrten

Verkehr Fahrgastzahlen Etwa um das Jahr 2005 wurden täglich ca. 750 Fahrgäste in Neustadt verzeichnet.

Anbindung Linie Verlauf Takt (min) EVU RE 8 Wismar – Schwerin Hbf – Ludwigslust – Wittenberge – Neustadt (Dosse) – Nauen – Falkensee – Berlin-Spandau – Berliner Stadtbahn – Berlin Ostbahnhof – Flughafen BER 60(BER–Wittenberge)120(Wittenberge–Wismar) ODEG RB 73 Neustadt (Dosse) – Kyritz – Kyritz Am Bürgerpark – Blumenthal (Mark) – Pritzwalk Mo–Fr: 60(Neustadt–Kyritz)4 Zugpaare (Kyritz–Pritzwalk)Sa–So:4 Zugpaare (Neustadt–Kyritz)3 Zugpaare (Kyritz–Pritzwalk) HANS Stand: 15. Dezember 2024

Literatur Erich Preuß: Neustadt (Dosse). In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 34. Ergänzungsausgabe). GeraNova Zeitschriftenverlag, München 2001, (1 Bl., 4 S.).

Weblinks

Fotos, Gleispläne und Auszüge aus Bahnhofsbüchern auf norbert-weise.de Fotogalerie auf bahnbilder.de

Einzelnachweise

Neustadt (Dosse) Kategorie:Baudenkmal in Neustadt (Dosse) Kategorie:Bauwerk in Neustadt (Dosse) Neustadt NeustadtDosse