mini|Petro Poroschenko (2014) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Petro Poroschenko
Petro Oleksijowytsch Poroschenko ( * 26. September 1965 in Bolhrad, Sowjetunion) ist ein ukrainischer Unternehmer und Politiker. Vom 7. Juni 2014 bis zum 20. Mai 2019 war er Präsident der Ukraine.Petro Poroschenko als neuer Präsident vereidigt. In: Zeit Online, 7. Juni 2014.
Als Inhaber der Unternehmensgruppe Ukrprominvest, zu der Beteiligungen im Auto- und Schiffbau, der Schokoladenherstellung und Rüstung sowie Fernsehsender gehören, wurde Poroschenko zum Milliardär. 2021 listete ihn das Wirtschaftsmagazin Forbes auf Platz sieben der ukrainischen Oligarchen mit einem geschätzten Vermögen von 1,6 Milliarden US-Dollar, demselben Wert wie schon 2013;Full List: European Billionaires Of 2013. In: Forbes Magazine, 7. März 2013 (englisch). 2005 hatte das polnische Nachrichtenmagazin Wprost sein Vermögen noch auf etwa 350 Millionen US-Dollar geschätzt.Poroschenko und Timoschenko schachmatt. In: Konrad-Adenauer-Stiftung, 13. September 2005. Wegen seiner geschäftlichen Tätigkeit im Bereich der Schokoladenherstellung wird er auch „Schokoladenoligarch“ genannt.
Poroschenko ist Parteivorsitzender der ukrainischen Partei Europäische Solidarität, die sich zuvor Block Petro Poroschenko nannte und die im August 2014 aus der 2001 von ihm gegründeten Partei Solidarnist hervorging. Ab 2002 hatte er sich vor allem im 2012 aufgelösten Wahlbündnis Block Unsere Ukraine engagiert. Er bekleidete verschiedene Regierungsämter; von Februar bis September 2005 war er Vorsitzender des „Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats“, von Februar 2007 bis März 2012 Notenbank-Aufsichtsrat und Direktor der Nationalbank der Ukraine und 2009/10 Außenminister. 2012 war er mehrere Monate Wirtschaftsminister, entwickelte sich danach aber zu einem Kritiker des Präsidenten Janukowytsch.
Am 25. Mai 2014 gewann er die Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014 im ersten Wahlgang.; zuletzt abgerufen am 26. Mai 2014 (ukrainisch). Am 21. April 2019 verlor er im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2019 mit dem schlechtesten Wahlergebnis, das je ein Kandidat hier in der Stichwahl erhielt, gegen den politischen Quereinsteiger Wolodymyr Selenskyj.Результати голосування По Україні (deutsch: „Abstimmungsergebnisse in der Ukraine“). In: Вибори Президента України 2019 (deutsch: „Präsidentschaftswahlen der Ukraine 2019“). Auf cvk.gov.ua, abgerufen am 17. April 2026 (ukrainisch).
Herkunft und Ausbildung Poroschenko ist der Sohn des Maschinenbauingenieurs und späteren FabrikdirektorsDer „Schoko-König“ sponsert die Opposition, ksta.de vom 29. Dezember 2004 (abgerufen am 31. März 2014) Oleksij Poroschenko () aus der Oblast Odessa. Er wuchs unter anderem in Bender (Transnistrien, damals Moldauische SSR) auf.Martin Leidenfrost: Wo Petro Poroschenko herkommt. In: der Freitag, 23. Juli 2014. Er besuchte das Bolgrader Gymnasium und studierte im Anschluss von 1982 bis 1985 an der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew und von 1986 bis 1989 an der Fakultät für Internationale Beziehungen und Internationales Recht, die er mit einem Abschluss in Internationaler Ökonomie beendete. In den Jahren 1984 bis 1986 leistete er seinen Wehrdienst bei den sowjetischen Streitkräften ab. Wegen einer Prügelei mit vier Fähnrichen auf dem Militärkommissariat wurde er zur Strafe zum Armeedienst nach Kasachstan geschickt.
Nach seinem Studienabschluss arbeitete Poroschenko als Aspirant am Lehrstuhl für Wirtschaftsbeziehungen am Institut für Internationale Beziehungen und Internationales Recht an der Kiewer Taras-Schewtschenko-Universität. Seine Doktorarbeit veröffentlichte er 2002 an der Odessaer Nationalen Juristischen Akademie unter dem Titel „Die rechtliche Regelung der Verwaltung staatlicher Gesellschaftsrechte in der Ukraine“ (im Original ).
Karriere als Unternehmer mini|hochkant=0.6|Roshen-Schokolade Den Grundstein für seinen wirtschaftlichen Aufstieg legte Poroschenko in den Umbruchzeiten der 1990er-Jahre. Laut Eigenangaben handelte er mit Kakaobohnen, dann erwarb er mehrere Süßwarenfabriken, die er 1996 zu dem Konzern Roshen (eine Wortkreation aus Poroshenkos Nachnamen) verschmolz. Im Jahr 2013 produzierte Roshen laut Eigenangaben 450.000 Tonnen Konfekt und erwirtschaftete über 40 Prozent seines Umsatzes in Russland sowie den GUS-Staaten. Der Süßwarenhersteller Roshen verhalf Poroschenko zu seinem Spitznamen „Schokoladenkönig“ oder „Zuckerbaron“.
mini|links|Granatwerfer UAG-40 aus Poroschenkos Waffenproduktion Leninska Kuznya (Ukrprominvest)Automatic grenade launcher UAG-40, lk.com (abgerufen am 18. Mai 2014) Er war stellvertretender Direktor in der „Vereinigung kleiner Unternehmer und Unternehmen Respublika“, seit 1991 Generaldirektor der Aktiengesellschaft „Börsenhaus Ukraina“, bevor er – „zusammen mit seinem Vater und anderen“ – die in Kiew ansässige Geschlossene Aktiengesellschaft Ukrprominvest (ukr. ) gründete, einen inzwischen auch aus Panama heraus operierendenUkrprominvest Holding Ltd, S.A., panama-companies.com, eingelesen am 3. Februar 2016 Investment- und Mischkonzern, zu dem unter anderem das Schiffbau- und Rüstungsunternehmen Leninska Kuznya, ein Rüben-, Korn- und Samenhandelsunternehmen, über 100.000 Hektar an Ländereien, Automobilunternehmen, eines der größten Taxi-Unternehmen in Kiew sowie Anteile an einer Versicherung gehören. Poroschenko war dort bis 1998 Generaldirektor. Der inzwischen verstorbene Vater Poroschenkos, Oleksij Poroschenko, war der Geschäftsführer von Ukrprominvest und leitete die Familiengeschäfte.politrada.com Dossier Poroschenko Alexey (Порошенко Алексей Иванович), (abgerufen am 31. März 2014)Petro Poroschenko – Wahlkampf im Verborgenen DIE ZEIT, Nº 19/2014 vom 10. Mai 2014 (abgerufen am 16. Mai 2014)
Über seine Anteile an der Holding Ukrprominvest kontrolliert Poroschenko ebenfalls eine Mediengruppe mit TV- und Radiosendern, darunter den Fernsehsender Kanal 5 (5.ua) sowie die Nachrichtenmagazine Bigmir.net und Korrespondent.net.Interview mit Poroschenko, KyivPost vom 2. Juni 2011, abgerufen am 31. März 2014. Die Bekanntgabe, seine TV-Sendeanstalt Kanal 5 nach der Wahl zum Präsidenten behalten zu wollen, wurde von der OSZE-Beauftragten für die Freiheit der Medien Dunja Mijatović mit der Begründung: „Das ist nicht gut. Als Präsident muss Poroschenko den Fernsehkanal verkaufen“ kritisiert.Ukrinform: OSZE fordert von Poroschenko Verkauf seines Fernsehkanals vom 27. Mai 2014 (abgerufen am 3. Juni 2014)
Poroschenko gab Anfang April 2014 in einem Interview mit der Bildzeitung bekannt, sollte er die Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014 gewinnen, würde er den Roshen-Konzern verkaufen.Ukraines Wahlfavorit Poroschenko, Bild.de, 2. April 2014. Tatsächlich schien Nestlé um einen Betrag von einer Milliarde Dollar Interesse zu bekunden, dies bei einem Wert von 3 Milliarden. Aufgrund der schweren Verkäuflichkeit wurde die Idee eines „Blind Trust“ lanciert, dessen Existenz und Unabhängigkeit jedoch im April 2016 nicht gesichert war.Poroschenkos zu grosses Versprechen, NZZ, 6. April 2016Der machtlose Schokokönig Tages-Anzeiger, Schweiz vom 27. Mai 2014 (abgerufen am 3. Juni 2014)
Im Wahlkampf 2014 versprach Poroschenko den Bürgern, dass er bei einem Wahlsieg seine Unternehmen verkaufen und nur dem Wohl des Landes dienen werde. Das Versprechen löste Poroschenko danach jedoch nicht ein. Dafür führte Poroschenko Gründe an, der Krieg habe die Wirtschaft stark schrumpfen lassen, für große Investitionen habe jetzt niemand Geld und ausländische Käufer würden das Risiko fürchten und unter Wert wollte er seine Unternehmen nicht verkaufen.Der tiefe Fall des Hoffnungsträgers Poroschenko, Die Welt, 6. April 2016Der machtlose Schokokönig Tages-Anzeiger, Schweiz vom 27. Mai 2014 (abgerufen am 3. Juni 2014)
Mit der Veröffentlichung der Panama Papers wurde bekannt, dass Poroschenko am 21. August 2014, zwei Monate nach seiner Wahl, die Briefkastengesellschaft Prime Asset Partners Ltd. auf den Britischen Jungferninseln für sich gründen ließ, als „Holding für zypriotische und ukrainische Firmen der Roshen-Gruppe“ mit ihm als einzigem Anteilseigner.Ukraine’s leader set up secret offshore firm as battle raged with Russia, The Guardian, 4. April 2016 Diese gründete CEE Confectionery Investments Ltd., eine Briefkastengesellschaft auf Zypern und die wiederum gründete Roshen Europe BV in den Niederlanden.Die Journalisten haben sich geirrt: Roshen ist im Blind Trust, 4. April 2016 Poroschenko begründete die Konstruktion damit, dass er seine geschäftlichen von politischen Interessen habe trennen wollen, und verteidigt das Vorgehen damit, dass die Offshore-Holding dazu diene, sein Vermögen in einen Trust zu überführen. Die Finanzbehörden hätten stets von den in den Gesellschaften geparkten Vermögenswerten gewusst. Poroschenko hatte die Idee eines „Blind Trust“ für den Süßwarenkonzern Roshen lanciert und am 7. April bestätigte die „Treuhandgesellschaft Rothschild Trust“ des Bankhauses Rothschild & Co, dass sie seit Januar 2016 für Poroschenko dessen Süßwarenkonzern Roshen in einem „Blind Trust“ führt – die Laufzeit sei an Poroschenkos präsidiale Amtszeit geknüpft.http://www.ft.com/fastft/2016/04/07/panama-papers-rothschild-defends-poroshenko Die investigativen Journalisten von Hromadske TV kamen zu dem Schluss, dass Poroschenko die anspruchsvollen Finanzstrukturen erschuf, um zu vermeiden, Steuern an den ukrainischen Staat zahlen zu müssen.Der tiefe Fall des Hoffnungsträgers Poroschenko, Die Welt, 6. April 2016 Die Experten der Antikorruptionsorganisation Transparency International wiesen darauf hin, dass ein Gesetzesverstoß vorliege, denn Poroschenko hätte bestimmte Informationen veröffentlichen müssen. Die ukrainische Staatsanwaltschaft erklärte, dass man noch keinen Tatbestand sehe.
Die Panama Papers belegen, dass Poroschenko in Verbindung zur Offshore-Gesellschaft Intraco Management Ltd., ein weiteres Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln, steht. Die Gesellschaft wurde 2002 gegründet, und ukrainische Medien berichteten bereits 2015Ulrich Heyden: Poroschenko in der Zange, Telepolis, 28. September 2015, dass der Abgeordnete Ihor Kononenko (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Partei des Präsidenten, Geschäftsmann und enger Vertrauter von Poroschenko) Verbindungen zu dieser Gesellschaft habe. Darüber seien sowohl Geld an Kononenkos Tochter Daria Kononenko geflossen als auch Poroschenkos Privatjet bezahlt worden. Außerdem soll Intraco Geschäfte mit dem russischen Gaskonzern Gazprom abwickeln. In wessen Besitz die Intraco ist, blieb aber auch in den Panama Papers im Dunklen.
Poroschenko ist der LeiterKonrad-Adenauer-Stiftung (abgerufen am 18. Mai 2014) der von ihm gegründeten Stiftung Petro Poroschenko, die unter anderem mit der Denkfabrik European Policy Centre (EPC) assoziiert ist.EPC Mitgliederliste (abgerufen am 18. Mai 2014)Spinelli-Gruppe und Bertelsmann-Stiftung: nützliche Werkzeuge des Empire solidaritaet.com Nr. 21, 21. Mai 2014 (abgerufen am 18. Mai 2014) Vorsitzende dieser Stiftung ist seine Ehefrau Maryna Poroschenko.
Politische Karriere Parteiämter Von Oktober 1998 bis Februar 2002 war Poroschenko Mitglied des Politbüros der „Vereinten Sozialdemokratischen Partei der Ukraine“. Poroschenko war von Juli bis November 2000 Vorsitzender der Fraktion Solidarnist („Solidarität“), anschließend stellvertretender Vorsitzender in der Partei der Arbeitssolidarität der Ukraine. 2000 gründete Poroschenko die Fraktion Solidarnist, die er noch im selben Jahr mit vier weiteren Parteien zu einer neuen Partei zusammenführte – diese wurde im März 2001 als Partei der Regionen registriert und Poroschenko zum Stellvertreter des Vorsitzenden Mykola Asarow gewählt.Neuer Wirtschaftsminister – Petro Poroschenko, Bundeszentrale für politische Bildung, 21. Mai 2012. Schon kurz darauf trat er jedoch aus und gründete Solidarnost als Partei neu.