mini|Airbus Helicopters H145 D-2 mit Rettungswinde mini|Airbus Helicopters H135 Die DRF Stiftung Luftrettung gGmbH (vormals Deutsche Rettungsflugwacht e. V.) mit Sitz in Filderstadt ist eine gemeinnützige Organisation zur Durchführung der zivilen Luftrettung in Deutschland und angrenzenden Regionen. Die DRF Luftrettung ist mit 33 Luftrettungsstationen in Deutschland, 3 Ambulanzflugzeugen und 7 Luftrettungsstationen ihrer Tochterfirmen eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas.

Geschichte Der Unfalltod des Jungen Björn Steiger am 3. Mai 1969 machte eine Verfügbarkeitslücke in der schnellen medizinischen Soforthilfe deutlich. Seine Eltern, Ute und Siegfried Steiger, gründeten daraufhin die Rettungsdienst-Stiftung Björn Steiger e. V. (heute Björn Steiger Stiftung).

Nach Vorträgen bei den Polizeidienststellen im Einsatzradius um Mainz initiierte Ina von Koenig in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (Generalsekretariat Bonn) und unter der medizinischen Leitung von Rudolf Frey (Universität Mainz) einen ersten Pilotversuch der Luftrettung. Dabei kam ein voll ausgerüsteter Rettungshubschrauber vom Typ Alouette III zum Einsatz, der erstmals über einen zusammenhängenden Zeitraum von sechs Wochen betrieben wurde.

Nach einem weiteren Versuch im August 1971 in Stuttgart wurde auf Initiative und Einladung von Ina von Koenig die „Deutsche Rettungsflugwacht German Air-Rescue e. V. (abgekürzt DRF)“ gegründet.„Deutsche Rettungsflugwacht German Air-Rescue e. V. (abgekürzt DRF)“: Amtsgericht Nürtingen, Vereinsregister, VR 325, ehem.; nach Umwandlung 2008, Amtsgericht Stuttgart, HRB 727649, DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG, Filderstadt; Gemeinsames Registerportal der Länder

Am 19. März 1973 erfolgte der erste Rettungseinsatz des in Stuttgart stationierten Hubschraubers der DRF.

Im Jahr 1999 erschütterte ein durch den Spiegel aufgedeckter Skandal sowohl DRF als auch Björn Steiger Stiftung.Jürgen Dahlkamp, Udo Ludwig: Hilfsorganisationen. Eine ehrenwerte Gesellschaft. In: Der Spiegel, Nr. 20 und 21, Hamburg 1999 (spiegel.de spiegel.de)

2001 wurde mit der ARA Flugrettung eine Tochtergesellschaft für Stationen in Österreich gegründet.

Nach ihrer Umorganisierung 2008 heißt die Organisation heute DRF Luftrettung. Sie besteht aus einem Förderverein, dessen Präsident Rudolf Böhmler ist, und einer Stiftung, die beide gemeinnützig sind. Zusammen betreiben sie die DRF Stiftung Luftrettung gGmbH, die den Betrieb der Rettungsstationen mit deren Hubschraubern durchführt.

Zum 1. Januar 2015 wurde die bisherige Tochtergesellschaft HSD Luftrettung gGmbH in die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige GmbH eingebunden und aufgelöst.

Am 15. September 2016 gab die DRF Luftrettung bekannt, dass die bis dahin bestehende Tochtergesellschaft HDM Luftrettung gemeinnützige GmbH rückwirkend zum 1. Januar 2016 in die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige GmbH eingegliedert wurde. Damit gingen alle Stationen der HDM Luftrettung an die DRF über und werden auch von ihr betrieben.HDM Luftrettung geht vollständig in DRF Luftrettung auf, rth.info

Im Dezember 2017 wurde von der DRF Luftrettung, der ARA Flugrettung und der Schweizer Alpine Air Ambulance AG (AAA) die AP³ Luftrettung als gemeinsame Gesellschaft gegründet. Sie betreibt eine Station in Liechtenstein.

Am 23. Januar 2018 kam es zu einem Unglück mit einem Rettungshubschrauber der DRF, nachdem dieser vom Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden aus zu einem Übungsflug gestartet war. Nahe Oberhausen-Rheinhausen (Landkreis Karlsruhe) stieß der Hubschrauber in der Luft mit einem Kleinflugzeug aus ungeklärter Ursache zusammen. Bei dem Unglück gab es vier Tote, in den beiden Luftfahrzeugen befanden sich jeweils zwei Personen. Das Kleinflugzeug kam aus Basel und war unterwegs nach Speyer.

Im April 2019 hat die DRF Luftrettung rückwirkend zum 1. Januar 2019 die Gesellschafteranteile der Northern HeliCopter GmbH (NHC) in Emden von der AG Ems zu 100 % übernommen.DRF Luftrettung neue Gesellschafterin von NHC, 11. April 2019, abgerufen am 23. Mai 2019.

Anfang Oktober 2022 wurde bekannt gegeben, dass die DRF Luftrettung über ihr Tochterunternehmen Northern HeliCopter den Werftbetrieb in Sande und den Seelotsenversatz sowie zwei Hubschrauber vom Typ Airbus Helicopters H145 D-2 der insolventen Wiking Helikopter Service GmbH übernimmt.

Im Jahr 2025 leistete die DRF Luftrettung insgesamt 36.407 Einsätze.

Aufgaben Das Unternehmen verpflichtet sich seit seiner Gründung am 6. September 1972 der schnellen Hilfe von Notfallpatienten. In den Anfängen betrieb die DRF Luftrettung in Deutschland zunächst nur Luftrettung mit Rettungshubschraubern. Seit den 1980er Jahren stellt sie zudem mehrere Intensivtransporthubschrauber, die auch im sog. Dual-Use auch bei Notfalleinsätzen zum Einsatz kommen können. Insgesamt fliegen die Hubschrauber und Flugzeuge der DRF-Gruppe an 41 Stationen in Deutschland, Österreich und Liechtenstein (Stand Juli 2026).

Außerdem werden mit Ambulanzflugzeugen Rückholungsflüge aus dem Ausland durchgeführt. Diese Leistung wird den Fördermitgliedern des DRF e. V. gewährt, die für ihre Mitgliedschaft jährliche Beiträge leisten und im Rahmen dieser Fördermitgliedschaft entsprechend versichert sind. Auch Urlauber, Geschäftsleute und andere können diese Leistung gegen entsprechende Bezahlung in Anspruch nehmen. Koordiniert werden die Einsätze von der DRF-eigenen Einsatzzentrale, die am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden beheimatet ist.

Organisation Die DRF Luftrettung besteht aus einer Stiftung des bürgerlichen Rechts und einer gemeinnützigen GmbH sowie einem gemeinnützigen Förderverein. Alle Teilorganisationen der DRF Luftrettung haben ihren Sitz in Filderstadt.

Die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige GmbH ist die operative Einheit der DRF Luftrettung mit den Tochtergesellschaften ARA Flugrettung gemeinnützige GmbH (Klagenfurt, Österreich) und Northern Helicopter GmbH (Emden). Diese bilden die DRF-Gruppe. Die gemeinnützige GmbH kooperiert in der gemeinnützigen Stiftung AP³ Luftrettung Liechtenstein (Balzers, Liechtenstein) mit der österreichischen ARA Flugrettung und der schweizerischen AAA Alpine Air Ambulance AG, einer Tochtergesellschaft der Lions Air Group (Wollerau, Schweiz).

Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden betreibt die gemeinnützige GmbH das Operation-Center mit eigener Flugzeugwerft. Das Operation-Center ist insbesondere zuständig für Ausbildung, Modifikation und Betrieb der Hubschrauber und Flugzeuge sowie die Koordination weltweiter Einsätze. Die Werft bietet 15 Plätze zur Instandhaltung von Hubschraubern und Ambulanzflugzeugen.

Das Regierungspräsidium Stuttgart überwacht die Stiftung.

Der Deutsche Rettungsflugwacht Förderverein e. V., kurz DRF e. V. unterstützt die Stiftung und die gemeinnützige GmbH. Sie generiert ihre finanziellen Mittel überwiegend durch ca. 400.000 Fördermitglieder (Stand 2024) und Spenden.

Tag der Luftretter Der Tag der Luftretter fand erstmals am 19. März 2020 statt. Er wurde von der DRF Luftrettung ins Leben gerufen, um über die Arbeit der Luftretter aufzuklären und zu informieren.

Der jährlich stattfindende Aktionstag soll Fragen um den Alltag, den Ablauf von Einsätzen und zu Erlebnissen der Luftretter beantworten und Interessierten einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Aufgrund der Maßnahmen zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie fand er im ersten Jahr ausschließlich online auf den Social-Media-Kanälen statt: mit Videos, Storys und Interviews von und mit den Crewmitgliedern der einzelnen Stationen.

Ausstattung mini|Airbus Helicopters H145 D-3 Die DRF Luftrettung betreibt über 30 Hubschrauber des Typs Airbus Helicopters H145 D-3 sowie mehrere Airbus Helicopters H135. Nach eigenen Angaben verfügt sie damit über die modernste Rettungshubschrauberflotte Europas (Stand: Ende 2025).

Alle Hubschrauber der DRF Luftrettung sind grundsätzlich nachtflugfähig und verfügen über ein Glascockpit, einen Vier-Achsen-Autopiloten, ein Kollisionswarnsystem sowie ein Wetterradar. Die medizinische Ausstattung geht über die geltenden Normen hinaus und umfasst unter anderem Geräte zur Blutgasanalyse, zudem verfügen alle Einsatzhubschrauber über selbstaufblasende Rettungsbojen (Restube) für die Wasserrettung.

Die Hubschrauber des Typs Bölkow Bo 105 wurden um die Jahrtausendwende aus dem aktiven Einsatzdienst genommen, die Hubschrauber des Typs Bell 412 wurden Ende 2015 ausgemustert.

1996 war die DRF Luftrettung der erste Luftrettungsbetreiber weltweit der EC 135, des Nachfolgemusters der Bölkow Bo 105 Weiterhin übernahm die DRF Luftrettung 2014 ebenfalls als weltweit erster Betreiber eine Maschine des Typs Airbus Helicopters H145, die an der Station in München in Betrieb ging. Im Jahr 2020 übernahm die DRF Luftrettung die erste von vier auf fünf Rotorblätter umgerüstete Maschine. Im Laufe des Jahres 2021 kamen noch fünf fabrikneue H145 D-3 dazu. Des Weiteren wurde u. a. der Hubschrauber mit der Kennung D-HDSL und weitere Hubschrauber vom Typ H145 D-2 von den Technikern der DRF Luftrettung selbständig von vier auf fünf Rotorblätter umgerüstet. Vorteile gegenüber der H145 D-2 mit Vierblattrotor sind eine geringere Leermasse, ein gesteigerter Auftrieb sowie ein ruhigeres Flugverhalten. Die Maschine bietet damit bei gleicher Leistung eine um 150 kg höhere mögliche Nutzlast.

Seit 2022 wurden jährlich weitere H145 D-3 an die DRF Luftrettung geliefert.

Die Umstellung der BK117, der EC135, der EC145 sowie der H145 D-2 Flotte auf die Typen H135 und H145 D-3 wurde 2025 abgeschlossen.

Im Juli 2025 gab die DRF Luftrettung bekannt, dass sie einen Kaufvertrag zur Anschaffung von zehn Hubschraubern des Typs Airbus Helicopters H140 abgeschlossen hat. Diese sollen ab 2028 in Dienst gestellt werden und Schritt für Schritt die bis dato genutzten Hubschrauber des Typs H135 ablösen.

Für weltweite Repatriierungen von erkrankten und verletzten Personen setzt die DRF Luftrettung außerdem drei Ambulanzflugzeuge ein. Zwei Ambulanzflugzeuge mit den Registrierungen D-CCCB und D-CDRF sind vom Typ Learjet 35A. Das dritte Ambulanzflugzeug mit der Registrierung D-CAID ist vom Typ Cessna Citation Sovereign+. Die Maschinen wurden hierfür speziell umgebaut und mit intensivmedizinischer Ausstattung aufgerüstet. Die Ambulanzflugzeuge sind am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden stationiert.

Besatzung Die Besatzung besteht grundsätzlich aus mindestens einem Piloten (Pilot in Command), einem Notarzt und einem Notfallsanitäter. Bei Dunkelheit werden an den 24-Stunden-Stationen der DRF Luftrettung aus Sicherheitsgründen zwei Piloten eingesetzt. Die eingesetzten Notfallsanitäter verfügen über eine Zusatzausbildung als HEMS Technical Crew Member und sind entweder bei der DRF Luftrettung angestellt oder kommen von der Bundeswehr, von Hilfsorganisationen oder Feuerwehren.

Die Notärzte sind Fachärzte aus den Bereichen Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin, Innere Medizin und Kardiologie. Sie sind grundsätzlich hauptberuflich in den Kliniken tätig, an die die jeweiligen Luftrettungsstationen angebunden sind. Während ihrer Dienstzeit auf dem Rettungshubschrauber halten sie sich an der Luftrettungsstation auf, um im Einsatzfall ohne zeitliche Verzögerung verfügbar zu sein. Alle Notärzte verfügen über eine intensiv- und notfallmedizinische Expertise sowie Erfahrungen in der bodengebundenen Rettung.

Bei Windeneinsätzen kann der Hubschrauberpilot die Einsatzstelle, über der er schwebt, nicht direkt einsehen. In diesen Fällen übernimmt der Windenoperator an der geöffneten Tür die Rolle des „Auges“ und Navigators für den Piloten. Er dirigiert den Hubschrauber in die korrekte Position und seilt die medizinische Crew über dem Einsatzort ab. In der Regel wird diese Aufgabe von einem HEMS Technical Crew Member mit Zusatzqualifikation Winde (TC HHO) übernommen.