Die Luftangriffe auf Osaka in den letzten neun Monaten des Zweiten Weltkrieges zerstörten die japanische Stadt Osaka zu großen Teilen. In der Zeit von März bis August 1945 war die Stadt siebenmal das Ziel von Bombereinheiten der United States Army Air Forces (USAAF).

Wirtschaftliche Bedeutung der Stadt Im Jahr 1944 war Osaka nach Tokio das bedeutendste Industriezentrum auf den japanischen Hauptinseln. Daneben war sie das traditionelle Handelszentrum Japans sowie der Sitz der Verwaltung der Präfektur Osaka. Zu dieser Zeit hatte die Stadt rund 2,8 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 45.000–130.000 Einwohner pro km². Damit gehörte Osaka zu den drei am dichtesten besiedelten Städten Japans. Das Stadtgebiet und die Agglomeration umfasste eine Fläche von rund 155 km².United States Strategic Bombing Survey: The Effects of Air Attack on Osaka-Kobe-Kyoto. 1947, S. 9–15.

Die Stadt hatte verschiedene große Industrieviertel mit weiträumigen Fabrikanlagen. Daneben existierten über die ganze Stadtfläche verteilt eine Vielzahl von Kleinbetrieben und Heimindustrien. Bei der Stadtverwaltung waren insgesamt 16.155 Unternehmen eingetragen. Osaka war ein wichtiger Standort für die Petrochemie und die Schwerindustrie. Im Stadtgebiet waren verschiedene Stahlwerke und Gießereien für die Zivil- und Rüstungsindustrie angesiedelt. In der Stadt gab es verschiedene Munitionsfabriken sowie verschiedene große Arsenale für das Heer (Armee), die Luftstreitkräfte und die Marine.United States Strategic Bombing Survey: The Effects of Air Attack on Osaka-Kobe-Kyoto. 1947, S. 9–10. In Osaka, insbesondere dem Arsenal Osaka, wurde rund 20 % der Waffen für die Kaiserlich Japanische Armee produziert.Wesley Frank Craven, James Lea Cate (Hrsg.): The Pacific: Matterhorn to Nagasaki. 1953, S. 619.

Osaka verfügte über einen der bedeutendsten Häfen Japans. Der große Tiefwasserhafen umfasste weiträumige Lagerareale und mehrere große Werften. In diesen wurden rund 10 % der Kriegsschiffe für die Kaiserlich Japanische Marine gebaut.Wesley Frank Craven, James Lea Cate (Hrsg.): The Pacific: Matterhorn to Nagasaki. 1953, S. 619. Daneben war Osaka der Eisenbahnknotenpunkt von sechs Hauptlinien sowie der Knotenpunkt von verschiedenen Fernstraßen. Dies machte die Stadt zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkt im ganzen Land.United States Strategic Bombing Survey: The Effects of Air Attack on Osaka-Kobe-Kyoto. 1947, S. 9–15.

Chronologie der Luftangriffe mini|Der Stadtteil Namba nach der Bombardierung mini|In der Nähe von Shinsaibashi nach den Luftangriffen von Osaka Das vorrangige Ziel der Luftangriffe war die Zerstörung der industriellen Kapazität von Osaka. Die Absicht dieser Angriffe war die Schwächung der japanischen Rüstungsindustrie, um die Versorgung der Kaiserlich Japanischen Armee einzuschränken und zu unterbinden.United States Strategic Bombing Survey, Summary Report (Pacific War), S. 18. Das zweite Ziel war die Bevölkerung von der Stadt. Mit der Vernichtung der Arbeitskräfte erhofften sich die Planer massive Einbußen in der Industrieproduktion. Dies sollte zu Versorgungsengpässen beim Militär und der Zivilbevölkerung führen. Weiter wollte man die Moral (Arbeitsmoral, Durchhaltewillen usw.) der Bevölkerung schwächen oder brechen.F. J. Bradley: No Strategic Targets Left. 1999, S. 38.

Osaka wurde bei der strategischen Bombardierung Japans eine geringere Bedeutung als Nagoya und Tokio beigemessen und vorerst nicht angegriffen. Gemäß der von Henry H. Arnold festgelegten Zieldirektive für das XXI Bomber Command hatten die Städte mit Flugzeugwerken die höchste Priorität. Danach folgten die anderen urbanen Gebiete mit Industriezentren in der zweithöchsten Priorität. Die Direktive sah weiter vor, dass Brandbombenangriffe auf die urbanen Gebiete beginnen sollten, sobald ausreichend B-29 Superfortress-Bomber sowie genügend Brandbomben eine intensive Bombardierung ermöglichten.E. Bartlett Kerr: Flames Over Tokyo: The U.S. Army Air Force’s Incendiary Campaign Against Japan 1944–1945. 1991, S. 145–146. Bis dahin wurden weiter die Flugzeugwerke, mit wenig Erfolg, aus großer Höhe bombardiert.Wesley Frank Craven, James Lea Cate (Hrsg.): The Pacific: Matterhorn to Nagasaki. 1953, S. 559–560.

Anfang November 1944 wurde die Twentieth Air Force (20th AF) unter Brigadegeneral Curtis LeMay mit den ersten Chargen AN-M69-Napalm-Streubomben beliefert. Dieser Brandbombentyp war eigens für den Angriff auf japanische Städte entwickelt worden.National Defense Research Committee (NDRC): Summary Technical Report of Division 11, Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers. 1946. Nach den ersten Flächenbombardements von Tokio, Nagoya und Kōbe mit diesem Bombentyp, stand Osaka auf der Zielliste des XXI Bomber Command. Aufgrund der vorherrschenden Bauweise und der schwach ausgeprägten Zivilverteidigung war Osaka durch den Einsatz von Brandbomben stark gefährdet. Das städtische Gebiet war überaus dicht bevölkert und die meisten Gebäude aus leicht entflammbaren Materialien wie Holz oder Papier errichtet. Zusätzlich lagen Industrie- und Militäranlagen mitten in dicht besiedelten Gebieten.Wesley Frank Craven, James Lea Cate (Hrsg.): The Pacific: Matterhorn to Nagasaki. 1953, S. 610 und 623.Richard B. Frank: Downfall. The End of the Imperial Japanese Empire. 1999, S. 48. Neben den Flächenbombardements der Wohngebiete flog die Twentieth Air Force auch Präzisionsangriffe gegen einzelne Fabriken und es erfolgten ebenso trägergestützten Luftangriffe durch die US Navy.

13. März 1945 Mit der Mission 42 der Twentieth Air Force (20th AF) erfolgte das erste große nächtliche Flächenbombardement auf Osaka. An der Operation Peachblow I beteiligten sich B-29-Bomber der Geschwader 73rd, 313th und 314th Bombardment Wings. Die Bomber waren im Durchschnitt mit je 5.443 Kilogramm AN-M47-Brandbomben oder M18 (E28)-Streubomben mit je 38 AN-M69-Napalmbomben beladen. Nachdem eine B-29 unmittelbar nach dem Start ins Meer stürzte, erreichten von 110 auf den Marianen gestarteten Flugzeugen 94 Osaka. 15 Bomber mussten den Einsatz wegen technischer Probleme und heftiger Höhenwinde frühzeitig abbrechen.Twentieth Air Force Association. Zugriff: 25. Februar 2015. Kurz nach Mitternacht erreichten neun vorausfliegende Bomber vom 314th Bombardment Wing bei starker Bewölkung das Zielgebiet. Diese markierten mit Radarhilfe das Stadtzentrum, südlich der Burg Ōsaka mit AN-M47-Brandbomben.F. J. Bradley: No Strategic Targets Left. 1999, S. 35. Die nachfolgenden Formationen bombardierten daraufhin während rund drei Stunden das markierte Zielgebiet mit AN-M69-Napalmbomben. Der Angriff erfolgte aus einer Flughöhe von 1.524–2.865 m. Fünf Bomber konnten das Zielgebiet nicht ausmachen und luden die Bomben ungezielt über der Stadt ab. Bei diesem Einsatz wurden 50,8 Tonnen AN-M47- sowie 1.616,6 Tonnen AN-M69-Brandbomben abgeworfen.National Defense Research Committee (NDRC): Summary Technical Report of Division 11, Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers. 1946, S. 21. Diese entfachten innerhalb kurzer Zeit ausgedehnte Flächenbrände in dem dichtbebauten Stadtzentrum. Die überforderte Feuerwehr und vorgängig angelegte Brandschneisen konnten nicht verhindern, dass 21 km² städtischer Wohnraum komplett niederbrannte. 134.744 Wohnhäuser sowie 4.222 Geschäfte und Betriebe wurden ein Raub der Flammen.United States Strategic Bombing Survey: The Effects of Air Attack on Osaka-Kobe-Kyoto. 1947, S. 30. Darunter waren 119 als kriegswichtig eingestufte Industriebetriebe.Wesley Frank Craven, James Lea Cate (Hrsg.): The Pacific: Matterhorn to Nagasaki. 1953, S. 620. Gemäß japanischen Angaben forderte der Angriff in der Stadt 3.696 Tote, 8.466 Verletzte und 678 Vermisste. 500.404 Personen wurden durch den Angriff obdachlos. Weitere 425.343 Personen wurden nach dem Angriff evakuiert oder verließen die Stadt eigenmächtig.United States Strategic Bombing Survey: The Effects of Air Attack on Osaka-Kobe-Kyoto. 1947, S. 36. Der Angriff stieß nur auf schwache japanische Gegenwehr. Während des Luftangriffes zählten die B-29-Besatzungen neben schwachem Flakfeuer 40 Attacken durch japanische Jagdflugzeuge, welche 13 Bomber beschädigten. Nach dem Angriff vermeldeten die Amerikaner den Abschuss eines japanischen Flugzeuges. Bei diesem Einsatz gingen zwei B-29 aus unbekannten Gründen verloren und 13 weitere wurden beschädigt. Zugriff: 25. Februar 2015.Kit C. Carter, Robert Mueller: U.S. Army Air Forces in World War II: Combat Chronology 1941–1945. 1991, S. 645–646.Mark Lardas: Japan 1944–45 LeMay’s B-29 strategic bombing campaign. 2019, S. 50.

1. Juni 1945 mini|Eine B-29 der 6th Bomb Group (313th Bombardment Wing) am 1. Juni 1945 über Osaka mini|In Iwo Jima stationierte P-51 Mustang der 15th Fighter Group (VII Fighter Command) als Begleitschutz im Juni 1945