mini|Franz Johann Joseph von Reilly: Des Herzogthums Oberbayern ... Rentamt Burghausen (1792) Das Rentamt Burghausen mit Sitz auf der Burg zu Burghausen war zwischen 1507 und 1802 ein Rentamt des Herzogtums, später des Kurfürstentums Bayern. Gemeinsam mit München bildete es das „Oberland“. Das Vitztumsamt Burghausen bestand bereits mindestens seit 1392.

Zwischen 1802 und 1919 war Rentamt Burghausen der Name der örtlichen Finanzbehörde und damit Vorläufer des heutigen Finanzamts.

Geschichte Bereits seit dem 13. Jahrhundert amtierten im Herzogtum Bayern Vitztume (vom lateinischen vicedominus), die die Rechte des Herzogs in Teilen des Landes wahrnahmen, in denen der Herzog nicht dauerhaft präsent war. Da die Aufgaben dieser Viztume im Laufe der Zeit immer weiter zunahmen, bekamen diese Rentmeister als unterstützende Beamte zugeordnet. Da diese u. a. das Finanzwesen der herzoglichen Landgerichte und anderer Unterbehörden kontrollierten und mit diesen Aufgaben zunehmend bedeutender wurden als die Viztume selbst, wurden die Viztumämter um 1500 als Rentämter oder Rentmeisterämter bezeichnet.

Der älteste überlieferte Nachweis eines Vitzedoms in Burghausen stammt vom 7. September 1392. Dieses Datum gilt heute als die Geburtsstunde des Vitztumsamtes Burghausen. Die ersten Jahrzehnte des Bestehens sind schlecht dokumentiert – für 1392 als Gründungsjahr spricht die Tatsache, dass in diesem Jahr (nach dem Tode Herzog Stephans II.) eine Landesteilung in Bayern-Ingolstadt, Bayern-München und Bayern-Landshut stattgefunden hat. Im Zuge dessen wurde auch die Verwaltung neu organisiert.

Nach der Wiedervereinigung Bayerns durch den Ausgang des Landshuter Erbfolgekrieges wurde das Herzogtum um 1507 durch eine Verwaltungsreform neu geordnet. In Burghausen wurde dabei – wie auch in Landshut und Straubing – eine Regierung eingerichtet. Diese Kollegialbehörde hatte weitgehende administrative, juristische und finanzielle Befugnisse im ihr anvertrauten Amtsbezirk. Ihre bedeutendste Aufgabe erfüllte sie, wenn sie als Hofgericht zusammentrat. Dieses bildete die zweite Instanz für Verfahren vor den untergeordneten Land- und Pfleggerichten und die erste Instanz für Personen mit privilegiertem Gerichtsstand (also insbesondere Adel und Klerus). Die Mitglieder der Regierung (die Regierungsräte) verteilten sich auf die Ritterbank (für Adelige) und die Gelehrtenbank (für studierte Juristen). An der Spitze der Regierung stand als Vertreter des Herzogs der Viztum, der in Burghausen bis ca. 1625 als Hauptmann bezeichnet wurde und der Ritterbank angehörte. Der Gelehrtenbank stand der Kanzler vor, der für die Schriftverwaltung zuständig war. Der bedeutendste Beamte der Regierung war allerdings der Rentmeister. Dieser beaufsichtigte die der Regierung unterstehenden Behörden. Wichtigstes Instrument dazu waren regelmäßige Inspektionsreisen, die sogenannten Rentmeisterumritte. Außerdem übte er die Viztumwändel aus, durch die Leibstrafen in Geldstrafen umgewandelt werden konnten. Daneben gehörten der Regierung noch der Rentschreiber (Stellvertreter des Rentmeisters), der Hofkastner (zuständig für die herzoglichen Güter) sowie der Mautner und der Forstmeister an.

Ihren Sitz hatte die Regierung zunächst auf der Burg zu Burghausen, bevor sie später in ihr eigenes Gebäude am Stadtplatz zog, das heute als Stadtsaal benutzt wird.

Im Zuge der Reformen des Ministers Maximilian von Montgelas wurden die Rentämter 1802 aufgelöst.Regierungsblatt 1802, Spalte 89 Die Gebiete Ober- und Niederbayerns wurden dabei der neugeschaffenen Generallandesdirektion München unterstellt. Seit 1779 war Burghausen schon Grenzstadt zwischen Kurpfalzbaiern und Österreich geworden. Als Bayern 1808 in Kreise (die Vorläufer der späteren Regierungsbezirke) aufgeteilt wurde, kam die Stadt Burghausen zunächst zum Salzachkreis, bis die Zahl der Kreise vermindert und der Rest des Salzachkreises 1817 zwischen Isarkreis und Unterdonaukreis aufgeteilt wurde, welche 1838 in Oberbayern und Niederbayern umbenannt wurden.

Daneben existierte auch weiter ein Rentamt Burghausen. Dabei handelte es sich allerdings um eine nur noch für das Gebiet des gleichnamigen Landgerichts zuständige Unterbehörde der Finanzverwaltung. Mit dem alten Rentamt hat sie also im Wesentlichen nur den Namen gemein.

Der Verein „Herzogstadt Burghausen“ feiert seit 1969 das „Rentamtsfest“ („Burgfest“) in Erinnerung an die Zeit, in denen das Land diesseits und jenseits von Salzach und Inn zum Rentamt Burghausen gehörte.

Gliederung Zum Rentamt Burghausen gehörten neben dem eigenen Stadtgericht die Gerichte Julbach, Kling, Kraiburg, Mörmoosen, Neuötting, Trostberg, Braunau, Friedburg, Mattighofen, Mauerkirchen, Ried im Innkreis, Schärding, Uttendorf und Wildshut an.

Durch den Frieden von Teschen von 1779 verlor das Rentamt Burghausen das Innviertel und damit etwa die Hälfte seines Gebiets. Um dies auszugleichen, erhielt es im Zuge der Aufteilung des Rentamtes Landshut die Landgerichte Eggenfelden, Griesbach, Hals, Neumarkt, Pfarrkirchen und Vilshofen, außerdem wurde es um die bisher zum Rentamt München gehörenden Gerichte Marquartstein, Reichenhall und Traunstein erweitert. Nach der Wiedergründung des Rentamtes Landshut 1784 musste es an dieses die Gerichte Eggenfelden, Neumarkt und Pfarrkirchen zurückgeben.

Viztume und Rentmeister

Viztume Name Amtszeit Wilhelm von Frauenberg 1487–1508 Kuno von Walprunn 1509–1517 Wolf von Puchberg 1517–1522 Alban von Closen 1522–1525 Wolfgang von Schellenberg 1525–1530 Hans Rorbach 1530–1533 Sigmund von Pfeffenhausen 1533–1541 Wolf von Maxlrain 1541–1561 Hans von Trenbach 1562–1567 Wiguleus Zenger 1567–1580 Wolf Wilhelm von Maxlrain 1581–1595 Rudolf zu SulzSulz war Obersthofmeister der Herzogsgattin in München und damit in Burghausen nicht anwesend 1596–1598 Wolf Sebastian HöhenkircherHöhenkircher fungierte als Hauptmannsamtsverwalter für Sulz 1597–1598 Christoph NeuburgerNeuburger war lediglich Hauptmannsamtsverwalter, da das Amt selbst vakant war 1598–1599 Johann Joachim Fugger von Kirchberg und Weißenhorn 1599–1624 Graf Georg IV. zu Ortenburg 1625–1627 Rudolph von Donrsperg 1628–1640 Ferdinand Lorenz von Wartenberg 1641–1649 Viktor Adam von Seyboltstorff 1649–1657 Johann Maximilian von Preysing 1657–1666 Albrecht Wilhelm Lösch 1666 Franz von Neuhaus 1666–1677 Johann Ferdinand Albrecht von Orth 1677–1683 Timon Viktor von Weichs 1683–1686 Johann Wolf von Taufkirchen 1687–1698 Johann Joseph Wiguleus von WeichsWeichs war 1706 – 1715 von den Amtsgeschäften ausgeschlossen. 1698–1718 Joseph Herwarth von HohenburgHohenburg amtierte als Viztumamtskommissär für Weichs 1706–1715 Joseph Franz Xaver von Seyboltstorff 1718–1720 Franz Joseph Ignaz von Taufkirchen 1720–1726 Karl Adam Felix von Freyberg 1726–1736 Adam Johann Joseph Anton von Taufkirchen 1736–1758 Karl Maximilian Albert von TaufkirchenTaufkirchen war der Sohn seines Vorgängers; er amtierte ab 1779 als Erster Viztum 1758–1780 Johann Nepomuk von DachspergDachsperg war bis 1779 Viztum in Landshut und wurde nach Auflösung seiner Regierung zum Zweiten Viztum von Burghausen bestellt; ab 1780 übte er das Amt alleine aus und kehrte nach der Wiederherstellung der Regierung Landshut in seine alte Position dorthin zurück. 1779–1784 Karl von Berchem 1784–1799 Maximilian von BerchemBerchem war zunächst Rentmeister, bevor er nach der faktischen Abschaffung dieses Amtes 1799 zum Viztum ernannt wurde; ab 1800 trug den Titel Regierungspräsident statt Viztum. 1799–1802Rentmeister Name Amtszeit Heinrich Seiberstorffer 1521–1529 Hans Suntheimer 1530–1541 Kaspar Offenhaimer 1541–1545 Christoph Frennkinger 1546–1560 Christoph Kneittinger 1560–1564 Leonhard Simon Eck 1564–1575 Wolf Stockhamer 1576–1588 Johann Franz Reichwein 1589–1596 Hans Prew 1597–1604 Phillip Eichenhauser von und zu Eichenhausen 1604–1626 Hans Georg PrewSohn von Hans Prew 1626–1629 Hans Sigmund von Thumbperg 1629–1658 Hans Wilhelm Scharffeder 1659–1669 Maximilian Ernst von Gözengrien 1669–1683 Adam Ludwig Plank von Plankenberg 1683–1697 Dominicus Karl von Widnman 1697–1706 Johann Michael von Reichwein 1706–1708 Dominicus Karl von WidnmanWidnmans zweite Amtszeit 1708–1714 Johann Michael von ReichweinReichweins zweite Amtszeit 1715–1728 Johann Joseph Viktor HarscherRentamtsverweser 1728–1729 Maximilian Franz von Berchem 1730–1771 Karl von BerchemBerchem war der Sohn seines Vorgängers 1771–1777 Franz Ferdinand von PrielmayrPrielmayr war ab 1780 Bauamtsinspektor in München und konnte sein Amt daher nicht mehr ausüben. 1777–1787 Joseph von ArmanspergJoseph von Armansperg vertrat als Rentamtskommissär den abwesenden Prielmayr 1780–1785 Franz von ArmanspergFranz von Armansperg vertrat als Stellvertretender Rentamtskommissär den abwesenden Prielmayr; eigentlicher Rentamtskommiär war der Viztum Karl von Berchem, der das Amt wegen seiner sonstigen Pflichten nicht ausüben konnte. 1786–1787 Maximilian von Berchem 1787–1799

Literatur Georg Ferchl: Bayerische Behörden und Beamte 1550-1804 in: Oberbayerisches Archiv Band 53 (1908–12) Alois Buchleitner, Johann Dorner, Max Hingerl, Josef Pfennigmann: Sechshundert Jahre Rentamt Burghausen. Stadt Burghausen, Burghausen 1992 (Burghauser Geschichtsblätter 47, ).

Weblinks Der Landesdefensionkongreß zu Braunau („Braunauer Parlament“)

Einzelnachweise

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