mini|hochkant=1.2|Fred Dibnah in seinem blauen Arbeitskittel vor den rauchenden Überresten eines umgelegten Schornsteins

Frederick „Fred“ Dibnah MBE (* 28. April 1938 in Bolton, Lancashire; † 6. November 2004 ebenda) war ein englischer Schornsteinbauer und ein Fernsehmoderator für technikgeschichtliche Sendungen. Er brachte ohne Zuhilfenahme von Sprengstoff 90 Schornsteine zu Fall.

Leben und Wirken Kindheit und Jugend Fred Dibnah war der Sohn von Frank und Betsy Dibnah, geb. Travis, die anfangs in einer Chemiefabrik arbeiteten.Don Haworth: Did You Like That? Fred Dibnah in his own words BBC Books, 1993, ISBN 0-563-36950-7. S. 12 Er wuchs in der Industriestadt Bolton auf und begeisterte sich schon als Kind für die dortigen Maschinen und Industriegebäude.David Hall: Fred. Bantam Press, 2006, ISBN 0-593-05664-7.

In der Schule fokussierte er sich auf Kunst, da seine Lese- und Schreibkünste als mangelhaft eingeschätzt wurden, und ging anschließend drei Jahre auf ein Kunstkolleg, wo seine Werke Maschinen, Kohlengruben und Webereien thematisierten.

Dibnah beobachtete die Tätigkeiten der in England Steeplejack genannten Schornsteinbauer seit seiner Kindheit und sah das erste Umlegen eines Schornsteins aus dem väterlichen Schrebergarten in der Nähe des Hunderennplatzes von Bolton in Raikes Park. Das Abrissunternehmen entfernte erst die obere Hälfte des Schornsteins und schlug dann ein Loch in seine Basis, das mit hölzernen Streben abgestützt wurde. Diese Streben wurden dann durch ein Feuer zerstört, so dass der Schornstein kollabierte. Unglücklicherweise fiel der Schornstein bei dieser Gelegenheit in die falsche Richtung auf die Hundezwinger des Rennplatzes, auf ein Café und auf eine Stromleitung.

Im Alter von 17 oder 18 Jahren kletterte er wegen einer Wette über 10 Schilling auf einen 80 m hohen Schornstein in Barrow Bridge und befestigte dort zwei Union-Jack-Fahnen am Blitzableiter. Die Bolton Evening News berichteten über den Vorfall mit einem Foto, nahmen aber an, dass es sich um einen Streich der Studenten der nahegelegenen Manchester University gehandelt habe.

mini|Dibnahs Schornstein auf dem Haus seiner Mutter

Zur gleichen Zeit entschloss sich Dibnah, den Schornstein auf dem Haus seiner Mutter in Alfred Street durch einen selbst entworfenen zu ersetzen, weil seine Mutter nur noch einen der vier Züge benutzte. Da die Öffnung oben nur etwa 10 cm Durchmesser hatte, musste er regelmäßig gereinigt werden. Als Dibnah eines Tages einen zum Schornsteinkehren mit Backsteinen gefüllten Sack an einer Leine in den Schornstein hinunterließ, riss der Sack auf und zerstörte mehrere Wasserrohre aus Blei, so dass die mütterliche Küche unter Wasser gesetzt wurde. Das Haus wurde nach dem Tod der Mutter verkauft und der Schornstein unter Denkmalschutz gestellt.

Im Alter von 22 Jahren wurde Dibnah zum Militärdienst nach Aldershot und Catterick eingezogen, wo er im Küchendienst arbeitete. Mit dem Kavallerieregiment der 14th/20th King’s Hussars wurde er in die Bundesrepublik Deutschland geschickt, wo er auf seinen Wunsch Tätigkeiten bei der Gebäudeinstandhaltung übernahm.

Schornsteinabriss Nach der Rückkehr aus dem Militärdienst holte Dibnah 1962 seine Werkzeuge aus dem Lager, kaufte sich für 21 Guineen ein altes A.J.S.-Motorrad mit 350 cm³ aus dem Jahr 1927 und suchte nach Aufträgen.

Bolton war zu dieser Zeit aber von einem post-industriellen Verfall betroffen: Von 1957 bis 1965 wurden siebzig Textilfabriken geschlossen und teilweise abgerissen, so dass es neben 50 stillgelegten nur noch 37 betriebsfähige Textilfabriken gab. Dibnah hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, bis er sich seine eigenen Leitern kaufen konnte und einen Schornstein einer lokalen Brauerei instand setzte. Dabei traf er einen Schweißer, der Dibnah darüber informierte, dass der Vikar von Bolton einen Reparaturauftrag für die Wetterfahnen der Kirche von Bolton vergeben wolle. Dibnah erhielt den Auftrag, über den in der Lokalpresse berichtet wurde. Er freundete sich während dieses Projektes mit dem Vikar an, was auch zu Folgeaufträgen auf anderen Kirchtürmen führte.

Bei seinen Reparaturarbeiten an Schornsteinen bemerkte Dibnah den Bedarf für den Abriss von Schornsteinen. Er bot die von ihm in Bolton beobachtete Methode an, die ohne Sprengstoff auskommt, und wurde dafür landesweit bekannt. Im Laufe seines Berufslebens brachte er insgesamt 90 Schornsteine zum Einsturz, indem er Teile des Sockels herausschnitt und vorübergehend mit Stempeln aus Holz ersetzte, die anschließend in Brand gesetzt wurden. Falls der Schornstein dennoch nicht fiel, wurden Hydraulikstempel auf der gegenüberliegenden Seite angesetzt, mit denen er angehoben und umgeworfen werden konnte.

Erste Ehe mini|Dibnahs viktorianisches Torhaus in der Radcliffe Road in Bolton Nach Unstimmigkeiten darüber, wer zur Hochzeit eingeladen werden sollte, reisten Dibnah und die 19-jährige Friseurin Alison Mary Foster 1967 nach Gretna Green, um dort zu heiraten. Dibnah hatte Alison zum ersten Mal von der Spitze eines Schornsteins aus gesehen und später in einem Pub wiedergetroffen. Sechs Wochen danach verlobten sie sich. Sie hinterließen Briefe an ihre Eltern und nahmen den Zug nach Carlisle und von dort aus Busse nach Dumfries. Sie mussten mindestens 21 Tage dort wohnen, um heiraten zu dürfen, und Dibnah entschloss sich, für Kost und Logis den First eines Hotels neu zu verfugen. Am 19. Mai 1967 heirateten die beiden in der Kirche von Gretna Green und kehrten ins Haus von Dibnahs Mutter zurück. Später zogen sie in ein viktorianisches Torhaus auf dem Gelände des Earl of Bradford ganz in der Nähe von Bolton. Dibnah renovierte das Gebäude in mehrjähriger Arbeit und errichtete einen Anbau. Das Ehepaar erwarb das Haus für 5000 £, obwohl weitere Reparaturen zur Stabilisierung der Rückwand erforderlich waren.

Ihre erste Tochter, Jayne, wurde im Juni 1968 geboren. Alison war anfangs über das Berufsrisiko ihres Ehemanns besorgt, aber lernte damit umzugehen und ihm zu vertrauen. Sie übernahm die Buchführung und kümmerte sich um die Debitoren.

Dampfmaschinen Seit seiner Kindheit interessierte sich Dibnah für Dampfmaschinen und Dampflokomotiven und fuhr schon früh im Führerstand auf Lokomotiven mit. Er kaufte sich für 175 £ ein eigenes Lokomobil in der Nähe von Warrington, das ursprünglich dem Flintshire County Council gehört hatte, und nahm es wieder in Betrieb. Gleichzeitig kaufte er auch einen Bauwagen, den er restaurierte, um seine Familie auf lokale Dampfmaschinentreffen mitzunehmen.

Sein nächster Kauf war im Herbst 1980 eine Dampfwalze von Aveling & Porter aus dem Jahr 1921 für 2.300 £. Er baute sich eine von einer Dampfmaschine angetriebene Werkstatt in seinem Garten, in dem er verschiedene von Textilfabriken ausgemusterte Teile wiederverwendete, einschließlich einer Dampfmaschine vom Textilwerk in Oldham. Die Dampfwalze wurde im Juli 2010 für 240.000 £ versteigert.

mini|Einzylinderdampfmaschine von Glynllifon 1988 führte er im Auftrag der Gemeindeverwaltung von Caernarfon Ausbesserungsarbeiten am Schornstein von Glynllifon aus.Neil Carney: "'On the buses’ to 'up the ladders'". In: Keith Langston (Hrsg.): Fred Dibnah MBE Remembered: The life & times of a Great Briton 1938–2004. Mortons Media Group, 2005, ISBN 978-0-9542442-6-2. Unterhalb des Schornsteins stand eine heruntergekommene Einzylinderdampfmaschine aus dem Jahr 1854. Dibnah überführte diese zur Reparatur im Winter 1988/89 nach Bolton. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Neil Carney arbeitete er 6 Monate an der Dampfmaschine und gewann schließlich einen Preis für die Qualität der Arbeit. Etwas später reparierte er innerhalb von 7 Monaten die Dampfmaschine und die Ton-Mischmaschine der Wetheriggs County Pottery bei Penrith in Cumbria.

Fernsehdokumentation mini|Rathaus von Bolton Im Jahr 1978 führte Dibnah Reparaturen an den 16 Säulen des Glockenturms des Rathauses von Bolton aus. Während er in großer Höhe auf seinem Bootsmannstuhl saß und arbeitete, informierte ihn der Pressesprecher des Rathauses, dass BBC Look North West ihn interviewen wolle. In der folgenden Woche kam das Kamerateam, und Alistair MacDonald führte das Interview vom Obergeschoss des Gebäudes durch, während Dibnah draußen auf dem Gerüst arbeitete. Seine einfache und offenherzige Art zusammen mit seinem Enthusiasmus und dem breiten Lancashire-Dialekt machten ihn schnell beliebt, und daraufhin wurde er vom Produzenten Don Haworth gefragt, ob er eine Dokumentarsendung gestalten wolle. Die Filmarbeiten begannen an der Spitze des 75 m hohen Schornsteins von Shaw and Crompton, einer Textilfabrikstadt bei Oldham. Die Filmarbeiten zogen sich in unregelmäßigen Abständen über 18 Monate hin und zeigten Dibnah mit seinem Assistenten Donald Paiton auf zahlreichen Gebäuden, im Familienumfeld und bei seinen Hobbys. Einer der beeindruckendsten Momente war der Fall des Schornsteins von Rochdale im Jahr 1979, bei dem Dibnah nur Meter von der Basis des Schornsteins entfernt stand und sich erst zurückzog, als dieser bereits zu wanken begann. Sein Ausruf „Did you like that?“ (Hat Euch das gefallen?) machte ihn bei den Zuschauern beliebt.

Fred Dibnah, Steeplejack gewann 1979 den BAFTA-Award für die beste Dokumentation, und Haworth kam mehrmals zurück, um weitere Dokumentationen zu filmen.

Einige Jahre später wurden Dibnah und seine Familie während einer Ferienreise nach Blackpool gefilmt, auf der Dibnah die Arbeit nicht sein lassen konnte. Zusammen mit seiner Frau Alison legte er einen kleinen Schornstein eines dortigen Betriebes um. Da er sich nicht zu weiteren Ferienreisen überreden ließ, buchte seine Frau für sich und die drei Kinder Jayne, Lorna and Caroline eine Reise nach Griechenland. Dibnah blieb zu Hause zurück und zeigte sich überrascht, als sie bei der Rückkehr die Scheidung der 18-jährigen Ehe einreichte.David Hall: Fred. Bantam Press, 2006, ISBN 0-593-05664-7. S. 122–124. Im Oktober 1985 kam Dibnah von einer Ausstellung für Kohle und Briketts aus Bury zurück und bemerkte, dass Alison das Haus mit den Kindern, dem Hund und einigen Einrichtungsgegenständen verlassen hatte. Da er knapp bei Kasse war, musste er daraufhin seinen geliebten A.J.S.-Motorrad-Oldtimer verkaufen. Er fand das Leben ohne Familie beschwerlich, aber nahm sie in Schutz, weil der Druck einfach zu groß für sie geworden sei.

Zweite Ehe Dibnah lernte seine zweite Frau Susan (Sue) Lorenz, eine 28-jährige Sekretärin, auf einer Dampfmaschinen-Rallye in Cheshire kennen. Er lud sie später zum Umlegen eines Schornsteins in Oldham ein und dann zu einem Vortrag für seine Fans in Halifax (West Yorkshire), die sich unter dem Namen The Fred Dibnah Appreciation Society trafen. Am 27. Februar 1987 heiratete er sie; er ließ sich für sie einen Bart wachsen und gab das Rauchen auf. Er hatte mit ihr zwei Söhne, Roger und Jack.

Alter Im Jahr 1996 reparierte Dibnah den 80 m hohen Schornstein in Barrow Bridge, den er als Jugendlicher für die Wette mit Fahnen geschmückt hatte, und richtete dort ein Nest für Wanderfalken ein. Er setzte sich daraufhin dafür ein, dass der Schornstein unter Denkmalschutz gestellt wurde. Als bemerkenswerter Erzähler wurde er zunehmend als After-Dinner-Speaker zu förmlichen Veranstaltungen eingeladen, und trug dabei seine für ihn charakteristische Schiebermütze selbst zum Smoking.

Seine exzentrischen Aktivitäten belasteten die Ehe, und nachdem Susan einen anderen Mann kennengelernt hatte, zog sie mit ihrem Sohn Roger aus, aber ließ ihren Sohn Jack bei Dibnah.

Dritte Ehe Im Jahr 1997 lebte Dibnah allein mit wenig Arbeit und einem geringen Einkommen. Es besuchte ihn Sheila Grundy, eine frühere Assistentin eines Zauberers, zusammen mit ihren Eltern und ihrem Sohn, um sich den Hinterhof von Dibnah anzuschauen. Sie zog 1998 bei ihm ein und heiratete ihn am 26. September 1998.

Fernsehmoderation