Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus myurus), auch Klippen-Rüsselspringer oder Östliche Elefantenspitzmaus genannt, ist eine Art der Elefantenspitzmäuse aus der Ordnung der Rüsselspringer (Macroscelidea). Sie kommt im südöstlichen Afrika von Südafrika bis Simbabwe vor. Ihr Lebensraum umfasst die teils trockenen Graslandschaften des Veld, wo sie relativ häufig auftritt. Die Art teilt die für alle Vertreter der Elefantenspitzmäuse charakteristische rüsselartige Nase ebenso wie die langen Hinterbeine und demgegenüber kurzen Vorderbeine. Sie lebt bodenbewohnend und bildet monogame Paare, deren Bindung aber eher schwach ist. Die Fortpflanzung erfolgt abhängig von den Jahreszeiten, ein Wurf besteht aus zwei, teilweise auch nur einem Jungtier. Die Nahrung umfasst überwiegend Insekten, daneben werden deutlich seltener Pflanzen verzehrt. Die Erstbeschreibung der Östlichen Klippen-Elefantenspitzmaus erfolgte 1906 als Unterart der Westlichen Klippen-Elefantenspitzmaus. Als eigenständige Art ist sie erst seit 1935 anerkannt. Der Bestand wird als nicht gefährdet eingestuft.
Beschreibung Habitus Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus ist ein mittelgroßer bis großer Vertreter der Elefantenspitzmäuse und erreicht eine Gesamtlänge von 20,2 bis 29,2 cm. Davon nimmt der Schwanz zwischen 10,1 und 16,0 cm ein, was etwa – oder etwas mehr (110 %) als – der restlichen Körperlänge entspricht. Das Gewicht variiert von 41 bis 98 g. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zwischen den Geschlechtern liegt nicht vor. Männliche Tiere wiegen im Durchschnitt 60,9 g, weibliche 60,0 g. Eine Untersuchung von mehr als 115 Individuen im Goro-Wildreservat im nordöstlichen Südafrika ergab im Mittel ein Gewicht von 51,1 g für Männchen und 51,9 g für Weibchen. Allgemein ähnelt die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus den anderen Elefantenspitzmäusen und zeichnet sich durch einen großen Kopf mit verlängerter, rüsselartiger Nase sowie kurzen Vorder- und langen Hinterbeinen aus. Das Fell ist weich und wollig. Die einzelnen Haare können am Rücken bis zu 13 mm lang werden. Sie sind glänzend schwarz gefärbt, die Spitze erscheint dagegen gelblichbraun. Im Fell verstreut treten lange, vollständig schwarze Haare auf, die möglicherweise eine Tastfunktion haben. Der Rücken und die Oberseite des Kopfes zeigen eine insgesamt gelblichgraubraune Färbung, die zu den Seiten und nach unten mehr grau wird. Der Bauch hebt sich durch eine hellgraue bis weißliche Tönung ab. Die Schnauze besitzt eine ausgewaschene bis fahlgraue Farbe. Die Ohren sind 18 bis 30 mm lang und an den Spitzen leicht gerundet. Ihre überwiegend braune Farbe wird nur an den Innenrändern der Ohrmuschel durch hellgraue oder weißlich-graue Haare unterbrochen, die an der Basis teils schiefergrau wirken. Hinter den Ohren befindet sich ein gelblichbrauner Fleck, der aber nicht so deutlich ausgeprägt ist wie bei der Westlichen Klippen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus rupestris). Die Augen sind groß und werden von einem schmalen, weißlich grauen Ring umrahmt. Der lange, schmale Schwanz ist oberseits dunkel, unterseits hell gefärbt, zur Spitze hin aber vollständig dunkel. Er hat abweichend von der Westlichen Klippen-Elefantenspitzmaus nur eine spärliche Fellbedeckung bestehend aus kurzen Haaren. Außerdem fehlt ihm der für diese Art oder auch für die Kap-Elefantenspitzmaus (Elephantulus edwardii) charakteristische Haarbüschel am Ende. Die Vorder- und Hinterbeine enden in fünfstrahlige Hände und Füße, die kurze, gekrümmte Krallen tragen. Die Oberseite ist zumeist hellgrau bis weißlich gefärbt, die Unterseite ist mit einem dicken, schwarzfarbenen Hautpolster versehen. Die Hinterfußlänge beträgt 29 bis 42 mm.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel ist durchschnittlich 38,5 mm lang, seine Breite an den Jochbögen liegt bei 20,4 mm. Die Länge des Nasenbeins beträgt etwa 15 mm. Die Paukenblase zeichnet sich durch eine deutliche Schwellung aus. Die Knochennaht zwischen dem Mittelkieferknochen und dem Oberkiefer verläuft leicht geschwungen. Das Gebiss setzt sich aus 40 Zähnen zusammen und besitzt folgende Zahnformel: . Der innere Schneidezahn (I1) der oberen Zahnreihe ist deutlich größer als die beiden äußeren. Der Eckzahn besitzt nur eine geringe Größe und ist spitz. Dem ersten oberen Prämolaren fehlen im Gegensatz zur Westlichen Klippen- und zur Trockenland-Elefantenspitzmaus (Elephantulus intufi) die zungenseitigen Höckerchen auf der Kauoberfläche. Am zweiten oberen Prämolar tritt meist nur ein zungenseitiges Höckerchen auf, das sich manchmal aber auch in zwei, eng zusammenstehende teilt. Dieses ist zudem nur halb so hoch wie die Höckerchen auf der Zahnwangenseite. Die gesamte obere Zahnreihe vom ersten Schneidezahn bis zum letzten Molaren erreicht 20,6 mm.
Verbreitung miniatur|hochkant|Verbreitungsgebiet (blau) der Östlichen Klippen-Elefantenspitzmaus
Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus ist endemisch in Afrika verbreitet, wo sie im südöstlichen Teil des Kontinents vom östlichen Südafrika über den Südwesten von Mosambik, den Südosten von Botswana bis nach Simbabwe vorkommt. In Eswatini konnte die Art bisher nicht nachgewiesen werden. Ursprünglich in den 1990er Jahren auch aus dem westlichen Lesotho belegt, fehlt sie dort in den Feldstudien seit dem Jahr 2000. Ihr Lebensraum umfasst die halbtrockenen Graslandschaften des Highveld und die Sambesi-Waldland-Biozone. Dort bewohnt sie vor allem felsige Landschaften an Hügel- und Berghängen, Kopjes oder auf Geröllfeldern, in denen aber Felshöhlen- und -spalten als Grundvoraussetzung für die Anwesenheit der Tiere vorhanden sein müssen. Zudem sind überhängende Felsen oder gebietsweise Vegetation notwendig, die während der Aktivitätsphasen Schutz vor Greifvögeln und anderen Beutegreifern gewährleisten können. Lokal kann die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus sehr häufig auftreten, die jeweilige Populationsdichte ist aber von ökologischen Faktoren abhängig. In Zeiten mit erhöhtem Niederschlag und daraus resultierend großem Nahrungsangebot kann ein Hektar bis zu 88 Individuen beherbergen. Diese hohe Dichte löst sich dann meist mit Beginn der Trockenzeit in isolierte Gruppen auf. Teilweise überschneidet sich das Verbreitungsgebiet mit dem der Kurznasen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus brachyrhynchus), die aber sandigere und ebenere Habitate bevorzugt.
Lebensweise Territorialverhalten miniatur|Landschaft des Highveld bei Johannesburg
Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus ist hauptsächlich tagaktiv mit einer Hauptphase während der Dämmerungszeit. Sie kann aber auch nachts auftreten. Die Zeiten mit der geringsten Aktivität umfassen dadurch die Stunden um und bis weit nach Mitternacht (23:00 bis 05:00 Uhr) sowie vom Mittag bis zum späten Nachmittag (12:00 bis 17:00 Uhr). Vor allem in den frühen Morgenstunden tätigen die Tiere ausgiebige Sonnenbäder auf Felsblöcken. Sie sind schnelle (cursoriale) Bodenläufer, die sich teils vierfüßig springend fortbewegen. Dabei können sie Abstände von bis zu einem Meter zwischen zwei Felsblöcken springend überwinden. Die einzelnen Individuen unterhalten Aktionsräume, innerhalb derer sich zahlreiche Unterschlüpfe in Form von Felsspalten, -löchern oder -überhängen befinden. Spezielle Nester werden aber nicht angelegt. Die Grenzen der Streifgebiete sind stark variierend. Gemäß Untersuchungen im Weenen-Naturreservat in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal beträgt die Größe bei Männchen für einen monatlichen Aktivitätszyklus circa 0,4 ha, bei Weibchen etwa 0,2 ha. Innerhalb von fünf Monaten kann die genutzte Fläche bei Männchen durchschnittlich 1 ha, bei Weibchen rund 0,36 ha betragen. Vergleichbare Werte ergaben sich während einer vierjährigen Studie im Goro-Wirltierreservat in der Provinz Limpopo. Hier weisen die Männchen eine Reviergröße von durchschnittlich 0,68 ha und Weibchen von 0,5 ha auf. Variationen ergeben sich vor allem während der Fortpflanzungsphase. Dann wächst ihre Ausdehnung auf nahezu das Doppelte an, was möglicherweise durch den höheren Energiebedarf während dieser Zeit verursacht wird. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Aktivitätszentren der Reviere beträgt 114 m. Auffallend hier ist, dass weibliche Tiere eine deutlich höhere Distanz zueinander halten, als es unter männlichen der Fall ist. Bei Untersuchungen nördlich von Bethulie in der südafrikanischen Provinz Freistaat in rund 1600 m Geländehöhe konnten durchschnittlich größere Reviere beobachtet werden, die bei Männchen bis zu 3,96 ha, bei Weibchen rund 1,1 ha erreichten. Als Besonderheit erwiesen sich die Aktionsräume in steilen Hängen mit dichter Buschvegetation als markant kleiner mit nur einem Fünftel der Größe von denen in flachen Ebenen.
Die Sozialstruktur besteht aus monogamen Paaren. Die Reviere der gebundenen Tiere überschneiden sich häufig, wobei das des Weibchens vom assoziierten Männchen verteidigt wird. Über die Fortpflanzung hinausgehende gemeinsame Aktivitäten finden jedoch kaum statt. Nach dem Tod oder Verschwinden eines Partners kommt es schnell zu neuen Paarbildungen mit ungebundenen, teilweise aber auch mit gebundenen Tieren, wodurch sich auch in der Regel die Reviergrenzen verschieben. Eventuell besteht unter Männchen eine größere Konkurrenz um ungebundene Weibchen, was auch die auffallend größeren Aktionsräume der männlichen Tiere erklären könnte. Diese überlappen sich deutlich häufiger mit den Streifgebieten der weiblichen Tiere als umgekehrt, was den Männchen die Möglichkeit gibt, die Grenzen ihrer Gebiete nach freiwerdenden Weibchen abzusuchen. Insgesamt können die Paarbindungen innerhalb der Östlichen Klippen-Elefantenspitzmaus als eher schwach angesehen werden.
Die innerartliche Kommunikation findet auf verschiedenen Wegen statt. Typisch ist ein katzenartiges „Miau“ bei einer Frequenz von 1,47 kHz, das bis zu 468 ms anhält. Beim Ausstoßen des Lautes streckt ein Tier den Kopf nach oben, zieht die rüsselartige Nase zurück und hält das Maul geöffnet. Daneben kommt ein charakteristisches Trommeln zum Einsatz, das mit Schlägen der Hinterfüße auf den Boden erzeugt wird. Dieses Fußtrommeln besteht aus eine Folge von 3 bis 4 regelmäßigen Schlägen mit einem Abstand von 25 bis 40 ms, der sich eine weitere Folge nach einer Pause von 250 bis 350 ms anschließt. Eine gesamte Serie derartiger trommelartiger Geräusche kann zwischen 5 und 20 Sekunden, teilweise aber auch mehrere Minuten andauern.
Ernährung Die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus ernährt sich hauptsächlich von Insekten. Untersuchungen von Kotresten in den Grasländern des Highveld bei Marondera im nordöstlichen Zimbabwe ergaben, dass die Nahrung zu rund 90 % aus Wirbellosen besteht. Etwa 22,4 % der konsumierten Nahrungsmenge umfassten Ameisen, weitere 19,5 % Termiten. Darüber hinaus werden auch Käfer gefressen, die 15,1 % ausmachten. Unter diesen dominierten weitgehend Schwarzkäfer und Rüsselkäfer. Vergleichsweise gering war der Anteil der sonstigen Wirbellosen, die hauptsächlich Gliederfüßer wie Webspinnen, Schmetterlinge oder Zweiflügler darstellten. Die restlichen 10 % der Nahrungsmenge verteilten sich auf Pflanzenreste. Hier dominierten vor allem Süßgräser und Samen von Kräutern. Zur Nahrungssuche verwenden die Tiere ihren ausgezeichneten Geruchssinn und stöbern mit ihren langen Nasen in Felsspalten und zwischen Geröllen nach Beute. Die Aufnahme der Beute erfolgt mit der langen Zunge. Größere Beutetiere wie Grashüpfer fängt die Östliche Klippen-Elefantenspitzmaus mit kurzen Sprüngen und verzehrt sie an versteckten Plätzen. Wie in ihrem gesamten Habitat bevorzugt sie steinigen Untergrund für die Nahrungssuche und meidet Sandflächen.