Der Kampf um Debalzewe war ein im Januar und Februar 2015 vier Wochen andauernder Kampf um die 25.000 Einwohner zählende Stadt Debalzewe im Donbass in der Ukraine. Er entwickelte sich im Rahmen des Ukraine-Kriegs seit 2014 zwischen ukrainischen Truppen und den Milizen, die für die international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk kämpften, sowie weiteren verdeckten Streitkräften Russlands.«Wir wussten, es geht in die Ukraine» NZZ, 3. März 2015 Er fand teilweise parallel zu und auch noch nach dem Abschluss des Abkommens Minsk II statt und endete mit einer Niederlage für die Ukraine.

Vorgeschichte mini|links|Lage nach Minsk I. Blau: Regierungskontrolle; rot: Von bewaffneten Regierungsgegnern kontrollierte Ortschaften der Ukraine. Man beachte die ausgesetzt-keilförmige Lage des gelben Sektors.

In der ersten Jahreshälfte 2014 wurde Debalzewe von bewaffneten Milizen besetzt, die sich nach der Bildung einer Übergangsregierung in der Ukraine mit russischer Unterstützung gebildet hatten. In einer Offensive im Sommer 2014 erkämpfte die ukrainische Armee das Gebiet zurück,Ukraine – Debalzewe – der nächste militärische Hotspot der Ostukraine in Tiroler Tageszeitung vom 29. Januar 2015, abgerufen am 8. März 2020. das seitdem einen Keil zwischen den proklamierten Volksrepubliken Donezk und Lugansk im Osten der Ukraine bildete und die direkte Fernstraßen- und Bahnverbindung zwischen den sogenannten Volksrepubliken unterbrach.

Da sich in Debalzewe ein für die Region wichtiger Bahnhof an der Bahnverbindung zwischen Donezk und Luhansk befindet und dort auch die beide Städte verbindende Fernstraße M 04 verläuft, war die Stadt von strategischer Bedeutung.

Kampf 2015 mini|Strategisch wichtige Fernstraßenkreuzung bei Debalzewe Ende Januar 2015 mini|links|Rückzug aus dem Kessel von Debalzewe Der Ort Debalzewe liegt etwa auf halber Strecke an der Staatsstraße M 04 zwischen Donezk und Luhansk. Nach Norden führt die Staatsstraße M 03 nach Bachmut (ehemals Artemiwsk), die bis Februar 2015 unter ukrainischer Kontrolle war. Ab Januar 2015 griffen die feindlichen Truppen die Regierungstruppen an der M 03 mit schweren Waffen an und es drohte die Einschließung.Kremlin-backed separatists rain death down on Debeltseve Kyiv-Post vom 20. Januar 2015; abgerufen am 22. Februar 2015. Am 5. Februar meldeten die regierungsfeindlichen Kräfte die Eroberung von Wuhlehirsk,Miliz verkündet volle Kontrolle über Uglegorsky Lenta.ru vom 5. Februar 2015, abgerufen am 4. März 2015.Wuhlehirsk: Stadt fast vollständig zerstört korrespondent.net vom 5. Februar 2015, abgerufen am 4. März 2015. und am 9. Februar die des an der M 03 liegenden Dorfes Lohwynowe ( ). Am 17. Februar 2015, also am dritten Tag nach dem offiziellen Beginn der in „Minsk II“ ausgehandelten Waffenruhe, drangen Bewaffnete in den Ort ein.Schlacht um Debalzewe – Zahlreiche Gefangene und viele Tote in FAZ vom 17. Februar 2015, abgerufen am 22. Februar 2015. Nachdem mehreren tausend Soldaten der ukrainischen Streitkräfte die vollständige Einkesselung drohte, verließen sie unter weiterem Beschuss der prorussischen Milizen die Stadt in Richtung Bachmut, unter Zurücklassung von Teilen ihres Materials.Hier lachen die Rebellen den Waffenstillstand aus, auf Bild.de vom 20. Februar 2015, abgerufen am 4. März 2015. Am 18. Februar gab der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko den Rückzug der ukrainischen Armee aus der Stadt bekannt, die seither unter Kontrolle der Milizen steht.Poroschenko verkündet Rückzug aus Debalzewe Süddeutsche Zeitung am 18. Februar 2015. Von den ukrainischen Soldaten, denen die Einkreisung drohte, starben mehr als 100 beim Rückzug bzw. Durchbruch durch Umzingelung.

Bei den Kämpfen kamen auch Kampfpanzer vom Typ T-72 der Russischen Streitkräfte zum Einsatz. Die Besatzungen bestanden aus russischen Soldaten, die wussten, dass es zum Kampf in der Ukraine geht, als ihre Gruppen zusammengestellt worden waren.Bericht eines russischen Soldaten aus der Ukraine FAZ.net vom 12. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015

Rechtliche Einordnung Der Angriff und die Eroberung war eine doppelte Verletzung seitens der prorussischen Milizen, und zwar sowohl des Minsk-I-Abkommens als auch des aktuell ausgehandelten Minsk-II-Abkommens, welches das abtrünnige Gebiet auf den Umfang vom 16. September 2014 festgelegt hat.Länder-Analysen Nr. 146 Seite 7

Zu diesem Zeitpunkt gehörte Debalzewe erstens nicht zum von der sogenannten „Volksrepublik Donezk“ besetzten Gebiet.Shifting Lines: Russia-Backed Rebels Claim New Territory in Ukraine, Wall-Street-Journal vom 18. Februar 2015, abgerufen am 1. März 2015. Zweitens bestand zum Zeitpunkt der Eroberung schon seit mehreren Tagen mit Minsk II ein bereits in Kraft getretener Waffenstillstand, der von den Rebellenmilizen ignoriert wurde.

Gemäß ukrainischen Quellen wurde im Kampf auch das System TOS-1 „Pinocchio“ eingesetzt. Gemäß dem Genfer Protokoll III über Brandwaffen von 1980 ist der Einsatz eines solchen Systems in der Nähe von ziviler Infrastruktur oder gar Zivilisten verboten.Protokoll über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes von Brandwaffen Der Bundesrat, 31. Mai 2013: Es ist unter allen Umständen verboten, die Zivilbevölkerung als solche, einzelne Zivilpersonen oder zivile Objekte zum Ziel von Angriffen mit Brandwaffen zu machen.

Folgen Die Ukraine musste das Gebiet Debalzewe den regierungsfeindlichen Truppen überlassen, die nun über eine direkte Bahnverbindung zwischen den Städten Donezk und Luhansk verfügen und das von ihnen beanspruchte Gebiet auf Kosten der Ukraine erweitert haben.

Die Städte Debalzewe und Wuhlehirsk wurden weitgehend zerstört. Bei den Kämpfen starben auf Seite der Ukrainer nach offiziellen Angaben 179 Soldaten, 81 sind noch vermisst und 110 gerieten in Gefangenschaft. Gemäß russischen Oppositionellen um Boris Nemzow sollen in Debalzewe u. a. 70 Russen, die formal ihren Austritt aus der Armee erklärt hatten, gefallen sein, davon 17 aus einer Fallschirmjäger-Einheit aus Iwanowo.Открытая Россия: S. 23

Weblinks

Einzelnachweise

Debalzewe Debalzewe Kategorie:Konflikt 2015 Kategorie:Debalzewe Kategorie:Volksrepublik Donezk Kategorie:Ereignis in der Ukraine Kategorie:Geschichte (Oblast Donezk)