mini|Konstantin Walerjewitsch Malofejew, 2020 Konstantin Walerjewitsch Malofejew (auch Konstantin Malofeev geschrieben, ; * 3. Juli 1974 in Puschtschino, Oblast Moskau, Sowjetunion) ist ein russischer Oligarch. Er ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Investmentfonds Marshall Capital Partners., abgerufen am 20. Februar 2015 Er ist Mitglied der Organisation „Liga der Internetsicherheit“ (Лига безопасного интернета), von der die staatliche russische Medienaufsicht Roskomnadsor Software und Internetfilter bezieht.Иван Осипов, Роман Баданин: Миноритарий от Бога: путь Константина Малофеева от богатства до обыска. In: Forbes, 21. November 2012. Malofejew wirkt an der Erstellung schwarzer Listen für Internetseiten mit. Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung St. Basilius der Große. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Weltkonzils des Russischen Volkes, Inhaber des nationalistischen Fernsehkanals Zargrad TV und leitet die verschwörungstheoretisch orientierte Denkfabrik Katehon. Sein Privatvermögen wird auf zwei Milliarden US-Dollar geschätzt.„Nachzucht der Unheiligen Allianz“ in Neues Deutschland vom 13. Juni 2014, abgerufen am 20. Februar 2015
Malofejew unterstützt und finanziert nach Informationen des ukrainischen Innenministeriums die Separatisten in der Ostukraine.Der orthodoxe Ritter im Dienst des Kremls. In: Welt Kompakt, 24. Juli 2014. Abgerufen am 20. Februar 2015. Sich selbst bezeichnet Malofejew als „orthodoxen Monarchisten“Die Patruschew Familie und Russlands Monarchisten, 16. Febr. 2024, der Russland als „Rechtsnachfolger des russischen Imperiums“ sieht und aus diesem Grunde das Zarentum wiederbeleben will. Die Ukraine hält er für ein „auf den Ruinen des russischen Imperiums geschaffenes, künstliches Gebilde“.Benjamin Bidder: Ukraine-Krise: Der Kreml und der Fahrplan für den Krieg. In: Spiegel Online, 20. Februar 2015.
Als Finanzier zahlreicher bewaffneter Gruppen verfügt Malofejew laut iStories über eine eigene „Privat-Armee“.
Ansichten Malofejew ist ein Anhänger einer „neurussländischen“ Expansion, die einen Anschluss großer Teile der Ukraine an Russland anstrebt und das Zarenreich als Bezugspunkt nimmt. „Neurussland“ sei ein „sakraler Krieg“ und nur mit Wladimir Putin realisierbar. „Ohne Putin wird es kein Neurussland und keine Wiedergeburt in Russland geben. Nur die volle Unterstützung für Putin als Oberbefehlshaber ist echter Patriotismus“, so Malofejew. Für den russischen Krieg in der Ukraine seien nach Malofejews Meinung die „Kiewer Junta“ und die Vereinigten Staaten verantwortlich. Den „einzigen Weg der Ukraine für ein glückliches Leben in der Zukunft“ sieht er in einer Vereinigung mit Russland.
Er unterstützt die Russisch-Orthodoxe Kirche und kontrastiert den „Geist“ in Ländern wie Russland und dem Iran mit dem „Körperkult“ der Vereinigten Staaten. Im September 2014 lud seine Stiftung zu einem Kongress mit dem Titel „Große Familien und die Zukunft der Menschheit“ in den Kreml und die Christ-Erlöser-Kathedrale ein, bei dem Evangelikale und christliche Fundamentalisten über „Homosexuellenpropaganda“, Gleichstellungspolitik und Schwangerschaftsabbrüche klagten.
Er veröffentlichte 2022 unter dem Titel Das Imperium eine Schrift in drei Bänden, in der er die Weltgeschichte als Kampf zwischen den dunklen Kräften Kanaans und den leuchtenden des Imperiums darstellte. Unter Stalin sei 1945 die Sowjetunion zum Dritten Rom geworden.Antoine Arjakowsky: Die orthodoxe Religion als politische Waffe In: Stephane Courtois; Galia Ackermann (Hrsg.): Schwarzbuch Putin, 2. Auflage. Piper, München 2023, ISBN 978-3-492-07098-0, S. 415
Zur Europäischen Union steht Malofejew kritisch und sieht die Aufgabe Russlands darin, Europa aus der vermeintlichen Gottlosigkeit und amerikanischen Dominanz zu retten. „Dostojewskij meinte, dass Russen das alte Europa mehr lieben als die Europäer“, behauptet Malofejew. „Das Europa, das die gottlose EU jetzt baut, mit Bürokraten, die niemand gewählt hat, und das aus Amerika geführt wird, lieben wir nicht.“ Das Ende der EU sah Malofejew mit der Flüchtlingskrise 2015/2016 gekommen.
Verbindungen
Nationalisten, Dugin Im Mai 2014 organisierte Malofejew in Wien eine Konferenz, zu der mehrere Nationalisten, religiöse Fundamentalisten und Rechtsextremisten aus Russland und Europa eingeladen waren. Ehrengast war der Neo-Eurasist Alexander Dugin, der darüber sprach, den russischen Einfluss in Europa auszudehnen. „Wir müssen Europa erobern und anschließen“, so Dugin. Weitere Gäste waren Marion Maréchal-Le Pen und Aymeric Chauprade vom Front National, Heinz-Christian Strache, Johann Gudenus und Johann Herzog von der FPÖ und Wolen Siderow von der Ataka.Bernhard Odehnal: Gipfeltreffen mit Putins fünfter Kolonne. In: Tages-Anzeiger, 3. Juni 2014. Abgerufen am 20. Februar 2015.Stephan Löwenstein und Reinhard Veser: Treffen der Rechten in Wien: Eurasische Internationale. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juni 2014. Abgerufen am 10. Mai 2022. Dugin ist außerdem „Chefideologe“ für Malofejews Fernsehsender „Zargrad“ und hat eine eigene Sendung namens „Dugins Weisung“, in der er u. a. erzählt, dass die Europäische Union Menschen zur Toleranz gegenüber Migranten zwinge, „die alles vergewaltigen, was ihnen unter die Augen kommt.“ Laut Malofejew sei Dugin „ideal“ für die Position und habe als „brillanter russischer Philosoph der Moderne den Weg zu einer multipolaren, postamerikanischen Welt bereitet, an der wir jetzt arbeiten.“Friedrich Schmidt: Oligarch Malofejew: Zurück zu Zar und Bismarck. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2016. Malofejew ist seit 2016 Präsident des Aufsichtsrats der konservativen Denkfabrik Katehon.Katehon think tank, (abgerufen am 10. Mai 2022).
Front National Jean-Marie Le Pen hat Malofejew durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt. Er bestreitet jedoch Medienberichte, die ihn mit einem russischen Millionenkredit für den Front National in Verbindung bringen.
Kontakte zur AfD In Deutschland unterhält Malofejew Kontakte zur AfD, die seiner Ansicht nach ein „prodeutsches“ Programm verfolgt. Besonders positiv hebt er den AfD-Politiker Alexander Gauland hervor, der im Ukraine-Krieg nach 2014 Partei für Putin ergriff und in einem AfD-Positionspapier die Wiederbelebung der Bismarckschen Rückversicherungspolitik gegenüber Russland forderte. Auf Einladung (und auf Kosten) von Malofejews Stiftung reiste Gauland 2015 nach Sankt Petersburg. Malofejew ist der Meinung, dass „die Auftritte Doktor Gaulands signalisieren, dass Deutschland wieder zu Deutschland wird, so wie Russland unter Putin wieder Russland wird.“
Separatisten Malofejew ist mit den wichtigsten russischen Separatistenführern verbunden. So war Alexander Borodai, Ex-Ministerpräsident der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, sein PR-Berater und Igor Girkin alias „Igor Strelkow“, ehemals Anführer des Militär- und Sicherheitsbereichs der „Volksrepublik“, sagt von sich, er sei Leiter des Sicherheitsdienstes bei Marshall Capital Partners, dem Investmentfonds von Malofejew gewesen. Am 17. Juli 2014 feierte Girkin den Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs im Internet, distanzierte sich aber später von seinem Interneteintrag, nachdem klar geworden war, dass es sich um ein malaysisches Passagierflugzeug handelte. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte Aufnahmen, auf denen Malofejew im Gespräch mit Girkin und Borodaj zu hören sein sollen, was Malofejew bestreitet. Sergej Aksjonow, den „Präsidenten der Krim“, begleitete Malofejew im Juni 2014 zu einem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Nachdem Igor Girkin als Militärchef der Separatisten zurückgetreten war, traf er sich am 28. August 2014 mit Alexander Dugin, Sergei Rudow, Pawlo Hubarjew und Malofejew im Kloster Walaam.
Strategiepapier Die Nowaja gaseta veröffentlichte ein Strategiepapier, das nach Angabe der Zeitung von Malofejew mitverfasst und das zwischen dem 4. und 12. Februar 2014 dem russischen Präsidenten vorgelegt wurde. In dem Strategiepapier heißt es, dass die Regierungszeit des damaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch wegen der Euromaidan-Proteste jederzeit enden könne und dass die russische Regierung deshalb einen „Anschluss“ der Krim, der Oblast Donezk, Luhansk, Charkiw, Saporischschja und anderer ost- und südukrainischer Gebiete an Russland initiieren müsse. Der Unterhalt dieser Gebiete werde zwar zu höheren Staatsausgaben führen, jedoch könne Russland damit die Kontrolle über das Gas-Transport-System der Ukraine behalten, einen slawisch-westlichen Migrationsstrom nach Russland bewirken, die geopolitische Situation in Mittel- und Osteuropa verändern und Russland wieder als Hauptakteur etablieren. Um diesem Prozess eine „politische Legitimation und moralische Rechtfertigung“ zu geben, müsse eine PR-Strategie geschaffen werden, welche die russischen Handlungen als erzwungene Reaktion darstellt. Darüber hinaus solle auf der Krim und den anderen angeschlossenen Gebieten die Durchführung von Referenda zum Beitritt in die Russische Föderation vorbereitet werden. Äußerst wichtig sei, dass die Weltöffentlichkeit möglichst wenig Gründe hat, die Legitimität und Echtheit dieser Referenda anzuzweifeln.Андрей Липский: «Представляется правильным инициировать присоединение восточных областей Украины к России» (dt. „Richtig erscheint, den Anschluss der westlichen Oblaste der Ukraine an Russland zu initiieren“). In: Новая газета, 25. Februar 2015.Julian Hans: Destabilisierung der Ukraine: Wie Moskau den Ukraine-Konflikt geplant haben soll. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Februar 2015. Malofejew drohte der Nowaja gaseta mit einer Klage und bestritt eine Autorschaft.Steffen Dobbert, Christo Grosev und Meike Dülffer: Strategiepapier: Putin und der geheime Ukraine-Plan. In: Zeit Online, 26. Februar 2016.
CitizenGo Durch 2021 geleakte Dokumente wurde bekannt, dass Malofejew die 2013 gegründete rechtskonservative Plattform CitizenGo von Anfang an großzügig finanzierte. Die geleakten Strategiepapiere offenbaren eine über die Jahre professionalisierte Organisation, die sich weltweit vernetzt, um auf die Politik Einfluss zu nehmen.
Forum of the International Anti-Globalist League Im Herbst 2025 finanzierte Malofejew die Gründungsversammlung des Forum of the International Anti-Globalist League. Unter anderem trat dort der Putin-nahe Vordenker Alexander Dugin auf. An dem Treffen nahmen nach Eigenangaben 50 Delegierte von 15 Gruppen teil, darunter der britische Neonazi Mark Collett, der französische Publizist Alain de Benoist, der Holocaust-Leugner Alain Soral, die italienische Forza Nuova sowie die AfD-Mitglieder Robert Risch und Olga Petersen.
Sanktionen und Strafverfahren Malofejew steht seit dem 30. Juli 2014 auf der Sanktionsliste der EU und ist mit einem Einreiseverbot und dem Einfrieren seiner Vermögenswerte im Ausland sanktioniert.Der Oligarch Gottes – Porträt auf Euromaidanpress, abgerufen am 20. Februar 2015.