mini|1710 von Ph. Schweitzer gegossene Glocke Johann Philipp Schweitzer (* 6. März 1683 in Werdorf; † 1754) war ein deutscher Glockengießer aus Aßlar-Werdorf. Er goss einige Glocken für Mittelhessen und bisweilen die weiter entfernte Umgebung, von denen wenige erhalten sind.
Geschichte Graf Wilhelm von Solms-Greifenstein hatte Philipp Schweitzers Urgroßvater, der als Pfarrer aus Ulm nach Werdorf gezogen war, eine „Erb- und immerwehrende“ Freiheit von allen Fron- und Herrendiensten und sämtlichen Abgaben für ihn und alle seine Nachkommen verliehen.Die Werdorfer Pfarrer (PDF) Philipp Schweitzer wurde am 6. März 1683 in Werdorf geboren. auf einer privaten Internetseite Um 1708 stieg er in den Gießerbetrieb seines Schwiegervaters Dilman Schmid, dessen Tochter Anna Kunigunda er geheiratet hatte, ein.
Im Jahr 1709 wurden Schmid und er als Sachverständige angehört, um eine von der Frankfurter Gießerfamilie Schneidewind gefertigte und von Hanau bemängelte Glocke für die Marienkirche zu beurteilen.
Schweitzer übernahm um 1715 den Gießerbetrieb. Nachdem 1729 seine Ehefrau Anna Kunigunda gestorben war, heiratete er 1730 Anna Margaretha Benderin aus Griedel, was er in der Inschrift dreier für die dortige Kirche gegossenen Glocken verewigte. Schweitzer hatte mit ihr eine Tochter namens Margaretha Constantina Sophia und 1737 einen Sohn namens Conrad. Schweitzer starb in Werdorf 1754.
Charakteristika Schweitzer übernahm für seinen Glockenguss die meisten Merkmale seines Lehrmeisters, etwa die Inschrift in Barock-Antiqua in Versalien, die Zierringe auf dem Wolm samt verschiedentlicher Zierfriese an der Haube, teils Heiligenbilder auf den Flanken und eine gewöhnliche Sechshenkelkrone mit fast kreisrunden, im Querschnitt quaderförmigen Henkeln. Klanglich folgte er der Rippe seines Lehrmeisters Schmid und goss somit hauptsächlich leicht bis unmerklich vom Ideal abweichende Molloktavglocken.
Werke In den beiden Weltkriegen wurden viele Glocken zu Rüstungszwecken eingeschmolzen oder durch Brände zerstört. Einige kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Glockenlager in Hamburg („Glockenfriedhof“) zurück. Manche wurden bereits im 18. oder 19. Jahrhundert umgegossen.
Die folgende Liste gibt einen – sicherlich unvollständigen – Überblick über die Glocken von Philipp Schweitzer.
Jahr Aufhängungsort (aktuell) Gebäude/Nutzung Schlagton Masse Durchmesser Erhalten Bemerkung 1705 Büttelborn Ev. Kirche g1 645 kg 1.000 mm Ja Gemeinsames Werk mit Dilman Schmid 1705 Stockstadt am Rhein Ev. Kirche b1 450 kg 889 mm Ja Gemeinsames Werk mit Dilman Schmid 1707 Neukirchen (Braunfels) Ev. Kirche NeinHellmut Schliephake: Glockenkunde des Kreises Wetzlar. In: Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Lahntal e. V. 12. Jahrbuch. 1989, S. 5–150, Im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen 1708 Oberstedten Ev. Kirche e2 Ja 1709 Mohnhausen Ev. Fachwerkkirche fis² Ja Zweite Glocke aus selbem Jahr wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Nein 1710 Gambach Ev.-ref. Kirche a1 Ja Vertiefte Prime e1 993 kg 1.180 mm Ja Gemeinsames Werk mit Dilman Schmid 1712 Bettenhausen Ev.-ref. Kirche 710 mm Ja Vermutlich Dreiergeläut, mittlere Glocke 1823 umgegossenWalbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 14f. Nein 800 mm Ja 1718 Bellersheim Ev. Kirche NeinDehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 95. Im Zweiten Weltkrieg eingezogen 1718 Kroppach Ev. Kirche UnbekanntPfarrgemeinde Kroppach, aus: Geschichte der Grafschaft Sayn von Matthias Dahlhoff, Dillenburg 1874, Neudruck 1972 bei SändigOHG, Walluf Laut weiterer Quelle aus dem Jahr 1723 1725 Wölfersheim Ev.-ref. Kirche h1 Ja Molloktavglocke. 1690 goss Schmid bereits eine Glocke für diese Kirche 1727 Remscheid Ev. Stadtkirche Nein 1764 umgegossenDie Glocken der Remscheider Pfarrkirche Nein 1729 Ranstadt Ev. Kirche a1 850 mm Ja Archivakten der Kirchengemeinde Ranstadt 1730 Nein 1730 Griedel Ev. Kirche as1 Ja Dreiergeläut. Erwähnung seiner Hochzeit in der Inschrift. Zwei Glocken vermutlich 1792 und 1862 umgegossen Nein Nein 1731 Leidhecken Ev. Kirche NeinRundgang Leidhecken (PDF, 1 MB) S. 3 1732 Alsberg Kath. Kirche Hl. Kreuz Nein 1888 umgegossenGlockendaten des Bistums Fulda 1733 Altenstadt Ev. Kirche St. Nicolai gis1 Ja Heinrich Wagner: Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Büdingen. Darmstadt 1890, S. 7 (Online-Version der Heidelberger Universitätsbibliothek) 1736 Niederlemp Ev. Kirche NeinEintrag im Ortsfamilienbuch Kölschhausen/Dreisbach/Niederlemp/Breitenbach/Bechlingen, Bemerkung zur Taufe von Maria Katharina Tröster am 16. Dezember 1736: „An diesem Tage wurde die neu gegossene Glocke zu Niederlemp, welche Meister Philipp Schweitzer von Werdorf gegossen hatte, erstmalig zum Gottesdienst geläutet.“ (siehe Genealogienetz.de) 1738 Trais-Horloff Ev. Kirche 680 mm Nein 1929 umgegossen 1739 Herborn Unbekannt 1741 Daubhausen Ev. Kirche Nein Französische Inschrift 1752 Bechlingen (Aßlar) Ev. Kirche Nein 1762 Daubhausen Ev. Kirche Nein Heimatverein Seelbach Ablesefehler der Jahreszahl oder Guss durch seinen Sohn. Unsicher, da gemäß historischer Quelle (1836) nur eine Glocke von 1741 vorhanden war. Nein
Weblinks
Einzelnachweise
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