Das Pharmakartell (Originaltitel: Das Pharmakartell – Wie wir als Patienten betrogen werden) ist ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 von Christian Esser und Astrid Randerath. Der Film beleuchtet anhand zahlreicher, mit Betroffenen wie Insidern aus Anti-Korruptionsbehörden, Pharmaindustrie und Medizin geführter Interviews und investigativer Recherchen die Produkte und Geschäftspraktiken der Pharmaindustrie.

Filminhalt Die Autoren Christian Esser und Astrid Randerath zeigen die Innenansicht des „Pharmakartells“:

Aufgrund des Selbstmordes der Frau des Witwers Lothar Schröder, welche zuvor positive Produktdarstellungen eines Antidepressivums in der Apotheken Umschau gelesen hatte und sich daraufhin das Präparat verschreiben ließ, gründen die Autoren eine Scheinfirma. Sie mieten Büroräume, lassen eine Hochglanzbroschüre drucken und laden Vertreter verschiedener – auch scheinbar seriöser – Zeitschriften (so auch der Apotheken-Umschau) ein, um zu recherchieren, ob dieselben ungeprüft, auch über ggf. hoch riskante Präparate, positiv berichten würden. Mit Erfolg. Esser und Randerath zeigen die Aufnahmen Jörg Schaaber (Herausgeber „Gute Pillen – Schlechte Pillen“), abgerufen am 20. Februar 2015 und Stefan Etgeton (Verbraucherzentrale Bundesverband). Beide sind bestürzt. Mit versteckter Kamera werden auch ebenso die Aufnahmen mit der Mitarbeiterin einer Selbsthilfeorganisation (ADHS Deutschland) gedreht, weil auf deren Webseite ein Rote-Hand-Brief mit Hinweis auf Selbstmorde als Nebenwirkung nicht veröffentlicht wurde.

Die Autoren verfolgen die Spur des Antidepressivums der Frau von Lothar Schröder und anderer Präparate gleichen Wirktyps bis in die USA, wo unter anderem ein Betroffener und dessen Anwalt zu Wort kommen. Original-Filmaufnahmen der US-Arzneimittelbehörde FDA ergänzen diesen Teil der Dokumentation. Betroffene sowie Insider aus Anti-Korruptionsbehörden, Pharmaindustrie, Medizin und selbst Politik werden zwischenzeitlich dazu befragt. Sie berichten offen darüber, wie und mit welchen – z. T. brutalen – Methoden die Konzerne Medikamente auf den Markt drücken, deren Wirkstoffe nicht selten schwere und z. T. schwerste Nebenwirkungen haben. Sie decken auf, wie Pharmaunternehmen Ärzte und Beamte bestechen, unabhängige Experten bedrohen, Politiker hofieren und beeinflussen, Medien kaufen und Selbsthilfegruppen unterwandern. Ein Interview mit Horst Seehofer über das gescheiterte Projekt einer Positivliste für Arzneimittel, ein Bericht über Drehtüreffekte zwischen Politik und Pharmaindustrie sowie die Aufnahme einer gemeinsamen Bootsfahrt bei gemütlichem Essen zwischen beiden Seiten, runden die Dokumentation ab.

(ZDF Text: „Bei jeder Tablette geht es weniger um die Gesundheit, als vor allem ums Geschäft.“ In der Frontal21-Dokumentation Das Pharmakartell – Wie wir als Patienten betrogen werden sprechen ehemalige Manager und Mitarbeiter der Pharmaindustrie erstmals offen darüber, mit welchen brutalen Methoden die Konzerne seit Jahren Medikamente auf den Markt drücken, deren Wirkstoffe schwere Nebenwirkungen haben.)

Erstausstrahlung und Sendetermine Die Erstausstrahlung des Films fand am 9. Dezember 2008 von 21:00–21:45 im ZDF statt.

Interviewpartner Horst Seehofer (Politiker, CSU) Bruno Müller-Oerlinghausen (Arzneimittelkommission deutsche Ärzteschaft) Uwe Dolata (Kriminalhauptkommissar, BDK) Peter Schönhöfer (Arzneitelegramm) Leonhard Hansen, (damals Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVN)) John Virapen, (langjähriger Geschäftsführer Eli Lilly Schweden) Wolf-Dieter Ludwig (damals Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft)Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft – Wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer, Kurzbiografie: Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, abgerufen am 17. Februar 2015 Lothar Schröder (Witwer) Marc Rimbert (Angehöriger, New Mexico, USA) Fred Shepherd (Rechtsanwalt, USA) Edda Würdemann (Zentrum für Sozialpolitik, Bremen) Klaus Skrotzki, (Kinderarzt) Jörg Schaaber (Herausgeber „Gute Pillen – Schlechte Pillen“), abgerufen am 20. Februar 2015 Stefan Etgeton (Verbraucherzentrale Bundesverband)

Weitere Interviewpartner, deren Namen nicht genannt werden, kommen während des Drehs mit versteckter Kamera zu Wort. Die Aufnahmen werden im Originalton nachgesprochen.

Zitate

Kritiken

Auszeichnungen 2009: Beste Wirtschaftsjournalisten des Jahres 2009. In einer Umfrage der Zeitschrift Wirtschaftsjournalist unter 276 Fachjournalisten und Chefredakteuren wurden Christian Esser und Astrid Randerath für die ZDF-Dokumentation Das Pharma-Kartell in der Kategorie TV/Radio als beste Wirtschaftsjournalisten des Jahres 2009 ausgezeichnet.http://www.presseportal.de/pm/7840/1611504/zdf-frontal-21-redakteure-astrid-randerath-und-christian-esser-beste-wirtschaftsjournalisten-2009 ZDF-„Frontal 21“-Redakteure Astrid Randerath und Christian Esser beste Wirtschaftsjournalisten 2009 Presseportal, presseportal.de, 10. Mai 2010, abgerufen am 17. Februar 2015

2009: Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für „Das Pharmakartell“. Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis ging an die Autoren Astrid Randerath und Christian Esser, der eigentliche Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ging an den Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender.Preisträger 2009: Nikolaus Brender, Astrid Randerath und Christian Esser, hanns-joachim-friedrichs.de, abgerufen am 17. Februar 2015 (Hinw.: ZDF meldet unter http://www.zdf-jahrbuch.de/2009/dokumentation/fernsehpreise-auszeichnungen.php falsch: Ezer)

Siehe auch Pharmaunternehmen: Kritik Liste von Pharmazie-Skandalen Beispiele für Marktrücknahmen aufgrund unerwünschter Arzneimittelwirkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2008 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Pharmakritischer Film