Worpswede () ist eine Gemeinde im Landkreis Osterholz in Niedersachsen, an der Hamme nordöstlich von Bremen, mitten im Teufelsmoor gelegen, und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Der Ort liegt an der 54,4 Meter hohen Erhebung des Weyerbergs, der die flache Umgebung überragt. Erste Spuren der Besiedlung reichen bis in die Bronzezeit zurück.

Der Ort ist bekannt für die Künstlerkolonie Worpswede als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Künstlern. Die Stipendiatenstätte Künstlerhäuser Worpswede gehörte bis 2009 zu den größten Deutschlands. In Worpswede finden sich zahlreiche Kultureinrichtungen und Galerien.

Geografie Gemeindegliederung und Eingemeindungen Auf dem Gebiet der heutigen Einheitsgemeinde Worpswede befanden sich ursprünglich 24 Dörfer, die alle eine eigene Gemeinde bildeten. 1929 sowie 1936 wurden zahlreiche Gemeinden zusammengelegt, so dass sich die Anzahl auf acht reduzierte. Am 1. März 1974 wurden die anderen sieben nach Worpswede eingegliedert. Diese acht ehemaligen Gemeinden bilden heute die Ortschaften von Worpswede:Die Ortschaften der Gemeinde Worpswede. In: Website der Gemeinde Worpswede. Abgerufen am 17. November 2014. Worpswede (mit Bergedorf, Nordwede, Ostendorf, Osterwede, Südwede, Weyerdeelen, Weyermoor, Wörpedahl und Worpheim) Hüttenbusch (mit Fünfhausen, Heudorf und Hüttendorf) Mevenstedt (mit Winkelmoor) Neu Sankt Jürgen Ostersode (mit Meinershagen und Nordsode) Schlußdorf Überhamm Waakhausen (mit Viehland)

Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Gemeinde Worpswede sind im Nordosten die Gemeinde Gnarrenburg, im Osten die zur Samtgemeinde Tarmstedt gehörenden Gemeinden Breddorf, Hepstedt und Tarmstedt, im Süden die Gemeinden Grasberg und Lilienthal, im Westen die Stadt Osterholz-Scharmbeck und im Nordwesten die zur Samtgemeinde Hambergen gehörende Gemeinde Vollersode.

Geschichte Mittelalter Im 11. Jahrhundert erfolgte die Gründung einer Fischersiedlung auf dem Besitz des Klosters Osterholz. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes war 1218.

Von 1600 bis 1750 Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Worpswede ab 1627 von den katholischen kaiserlichen Truppen des Erzstifts Bremen regiert. 1630 übernahmen die Schweden die militärische Macht in dem Gebiet um Worpswede. 1648 wurde Worpswede an Friedrich von Hessen-Eschwege abgetreten.

Von 1750 bis 1850 Im Auftrag des hannoverschen Kurfürsten begann Jürgen Christian Findorff um 1750 mit der großflächigen Trockenlegung und Kolonisation im Teufelsmoor, dabei entstanden auch die Orte Heudorf (1756, heute Heudorfer Straße), Hüttendorf (1776, heute Hüttendorfer Straße) und Schlußdorf (1800). Das 1764 gegründete und mit 13 Anbaustellen besiedelte Dorf Nordwede wurde im Volksmund „Sniederdorp“ (Schneiderdorf) genannt, weil der erste Ansiedler ein Schneider war.Jakob Wellbrock (1864–1935): Erinnerungen aus der Vergangenheit Nordwedes. 1928.

Von 1850 bis heute 1889 gründete sich die Künstlerkolonie Worpswede durch die Düsseldorfer Kunststudenten Fritz Mackensen und Otto Modersohn, die an einem späten Augusttag auf der Bergedorfer Brücke die Natur betrachteten. Es war ein grauer Tag mit einem Licht wie auf Bildern des Malers Millet und sie beschlossen zu bleiben und zu malen.Ludwig Harig: "Schön in der Stille" - Durch Heide, Moor und durch Worpswede, Die Zeit vom 22. November 1991, S. 81 Und damit begann durch Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen und Paula Modersohn-Becker eine wechselvolle Geschichte des kleinen Moordorfes im Teufelsmoor.

Der Torfabbau wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stark betrieben; eine Wartungswerkstatt der Torfbahn ist Zeugnis dieser Zeit.

Bei der Reichstagswahl im März 1933 entfielen in Worpswede 66 Prozent der Stimmen auf die NSDAP und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (Vergleichswert für das gesamte deutsche Reich: 52 Prozent). Die Sozialdemokraten und Kommunisten erhielten dagegen nur 16 Prozent (Vergleichswert: 31 Prozent).Meike Gusowski, Charlotte L. Lihl, Dorothee Ringen: In: www.geschichtsatlas.de. Abgerufen am 19. November 2018. Diese Entwicklung wurde in Worpswede deutlich verstärkt durch den Heimat- und Naturkult der Worpsweder Künstler und Künstlerinnen, voran Fritz Mackensen, Carl Uphoff und Martha Vogeler (geb. Schröder), die der völkischen Idee huldigten, während politisch Linke wie Heinrich Vogeler und Gustav Regler, der Vogelers Tochter Mieke geheiratet hatte, zur Emigration gezwungen waren. Der Heimat- und Naturkult ging letztlich auf „die große konservativ-nationale Strömung der deutschen Geistesgeschichte“ zurück, „an deren Anfang Herder und die Romantiker stehen“, wie der niederdeutsche Sprachforscher Claus Schuppenhauer schreibt und wurde zur „Perversion des unbedingten Glaubens an Rasse, Blut und Boden“, so Strohmeyer/Artinger/Krogmann in ihrer Studie von 2000.Arn Strohmeyer, Kai Artinger, Ferdinand Krogmann: Landschaft, Licht und Niederdeutscher Mythos. Die Worpsweder Kunst und der Nationalsozialismus. VDG Weimar, Weimar 2000, ISBN 3-89739-126-0.Ferdinand Krogmann: Worpswede im Dritten Reich 1933–1945. Donat-Verlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-938275-89-4.Arn Strohmeyer: Der Mitläufer. Manfred Hausmann und der Nationalsozialismus. Bremen 1999. Einen besonderen Blick auf die Situation und Vertreibung jüdischer Einwohnerinnen und Einwohner bietet die Darstellung von Anning Lehmensiek „Juden in Worpswede“Anning Lehmensiek: Juden in Worpswede. Bremen: Donat 2014, ISBN 978-3-943425-35-2.

Seit dem 9. November 1976 ist der Ortsteil Worpswede ein Staatlich anerkannter Erholungsort.

Der Asteroid (9742) Worpswede wurde am 2. April 1999 nach der Gemeinde benannt.

Einwohnerentwicklung Gemeinde1910Einwohner1910Einwohner1939Bergedorf 4132706Nordwede 81Ostendorf 365Osterwede 209Südwede 106Weyerdeelen 67Weyermoor 66Wörpedahl 46Worpheim 145Worpswede 813Fünfhausen 32909Heudorf 284Hüttenbusch 333Hüttendorf 167Mevenstedt 171211Winkelmoor 98Neu St. Jürgen 419 437Meinershagen 121321Nordsode 87Ostersode 155Schlußdorf 291 225Überhamm 186 181Viehland 60102Waakhausen 122

Politik

Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Worpswede besteht aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9.001 und 10.000 Einwohnern. Die 24 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Die vergangenen Gemeinderatswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen:

WahljahrCDUSPDUWGGrüneLinkeFDPGesamt202185541124 Sitze2016976 -1124 Sitze__________________________UWG: Unabh. Wählergemeinschaft Worpswede

Bürgermeister mini|hochkant=0.6|links|Bürgermeister Stefan Schwenke (2016)

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Worpswede ist seit 2001 der parteilose Jurist Stefan Schwenke,Stefan Schwenke. In: www.teufelsmoor.eu. Abgerufen am 21. Dezember 2016. zuletzt wiedergewählt 2021 als Amtsinhaber mit einem Gegenkandidaten mit 65,07 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 66,23 %.Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen. Abgerufen am 14. November 2014 (PDF; 457 kB). Schwenke trat seine weitere Amtszeit am 1. November 2021 an.

Wappen und Flagge mini|120px|Flagge der Gemeinde Worpswede

Gemeindepartnerschaften Worpswede ist im Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen vertreten. Worpswede unterhält seit Juni 2025 eine Städtepartnerschaft mit Olevano Romano in Italien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Wohn- und Wirtschaftsgebäude Straßentor 2 von 1525 und 1904 Wohn- und Wirtschaftsgebäude Im Rusch 8 von 1785 in Fachwerk, auch Haus Bertelsmann Wohn- und Wirtschaftsgebäude Weyerdeelen 1 von um 1790 in Fachwerk Wohn- und Wirtschaftsgebäude Bergedorfer Straße 23 von um 1800 in Fachwerk Bötjersche Scheune von 1841 in Fachwerk; heute Veranstaltungssaal Brünjeshof als Hofanlage Ostendorfer Straße 25 von 1852 und 1913, zeitweise Atelier von Paula Modersohn-Becker, dann Clara Rilke und ab 1911 Carl Emil Uphoff Wohn- und Wirtschaftsgebäude Am Bergedorfer Schiffgraben 16 von um 1850 in Fachwerk Wohn- und Wirtschaftsgebäude Bauernreihe 1 von 1853, heute Teil des Rathauses Worpswede Villa Monsees von 1875, heute Galerie Alte Schule Worpswede von 1895, An der Kirche 5, heute Kirchengemeindezentrum Hofanlage Bauernreihe 6 von 1900 in Backstein Wohn- und Wirtschaftsgebäude Bauernreihe 2 von um 1900 in Backstein Wohnhaus Bergstraße 18 von 1905; Architekt: Heinrich Vogeler Wohnhaus Lindenallee 23 von 1907 mit Anbau von 1925, Architekt Alfred Schulze Wohnhaus Bahnhofstraße 13 von 1909; Architekt: Heinrich Vogeler Wohnhaus Bergstraße 9 von 1910 für den Maler Wilhelm Bartsch; Architekt: Heinrich Vogeler Bahnhof Worpswede von 1910; Architekt: Heinrich Vogeler, heuite auch Restaurant Wohn- und Geschäftshaus Bergstraße 11 von 1910 für die Künstlerinnen Sophie Wencke und Clara Wencke; Architekt Alfred Schulze Töpferei Hinterm Berg 12a von 1921; Architekt: Bernhard Hoetger Haus Hoetger von 1922; Architekt: Bernhard Hoetger Logierhaus Worpswede von 1926; Architekt: Bernhard Hoetger Jugendherberge Worpswede aus den 1920er Jahren Philine-Vogeler-Haus, Galerie von 1928; Architekt: Bernhard Hoetger Brücke Hammeweg von 1958 über die Hamme in Höhe Neu Helgoland

Historische Kulturlandschaft Das Teufelsmoor um Worpswede ist eine 31 km² große historische Kulturlandschaft von landesweiter Bedeutung innerhalb des Kulturlandschaftsraums Hamme-Wümme-Niederung mit Teufelsmoor. In dem Gebiet liegt Worpswede mit dem Weyerberg. Diese Zuordnung zu den Kulturlandschaften in Niedersachsen hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2018 getroffen. Ein besonderer, rechtlich verbindlicher Schutzstatus ist mit der Klassifizierung nicht verbunden.Christian Wiegang: HK19 Teufelsmoor um Worpswede in: Kulturlandschaftsräume und historische Kulturlandschaften landesweiter Bedeutung in Niedersachsen. Landesweite Erfassung, Darstellung und Bewertung, Hannover, 2019, S. 102–103

Niedersachsenstein mini|Niedersachsenstein Der am Weyerberg gelegene Niedersachsenstein ist ein 18 Meter hohes Monument aus Ziegelsteinen, das den Eindruck eines Adlers erweckt. Die Bauskulptur erinnert an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Es wurde 1922 nach einem Entwurf des Architekten Bernhard Hoetger errichtet und gilt als einzige expressionistische Großplastik Deutschlands von besonderer kunsthistorischer Bedeutung.Niedersachsenstein bei kulturland-teufelsmoor.de, abgerufen am 7. Januar 2024.

Barkenhoff mini|Barkenhoff (Ostseite)

Der Barkenhoff (niederdeutsch Birkenhof) – ursprünglich ein Worpsweder Bauernhof – wurde 1895 vom Künstler Heinrich Vogeler gekauft und innerhalb weniger Jahre zu einem beeindruckenden Gebäude des Jugendstils umgebaut. Bald wurde er zum Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung und somit der gesamten „Künstlerkolonie Worpswede“. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Barkenhoff 1919 zur Kommune und Arbeitsschule Barkenhoff und von 1923 bis zur Schließung 1932 zu einem Kinderheim der Roten Hilfe.

1932 wurde der Barkenhoff an den Gartenarchitekten und Anthroposophen Max Karl Schwarz (1895–1963) verkauft, der durch den Lebensreformer Leberecht Migge nach Worpswede kam. Dort gründete er von 1932 bis 1936 zusammen mit dem Ingenieur Martin Schmidt (1892–1964) die Gartenbau- und Siedlungsschule Worpswede, an der mit anthroposophisch orientierten Lehrern die biologisch-dynamische Arbeit gelehrt und erforscht wurde. Schwarz gilt als Pionier des biologisch-dynamischen Land- und Gartenbaus, der Kompostierung sowie als Entwickler und Förderer der Gärtnerhof-Idee. 1954 gestaltete Schwarz den Landschaftspark am Goetheanum in Dornach.