Ivanie Blondin (* 2. April 1990 in Ottawa) ist eine kanadische Eisschnellläuferin. Sie wurde 2016 und 2020 Weltmeisterin im Massenstart und gewann 2022 eine olympische Goldmedaille in der Teamverfolgung.
In ihrer Jugend gehörte Blondin dem kanadischen Nationalkader im Shorttrack an. Nachdem sie keine Nominierung für die Olympischen Winterspiele 2010 erhalten hatte, wechselte sie zum Eisschnelllauf. Dort feierte sie ihre größten Erfolge im Massenstart: 2015 gewann sie in dieser Disziplin ihre erste WM-Medaille, 2016 und 2020 wurde sie Weltmeisterin. Sowohl im Massenstart als auch auf den Mittel- und Langstrecken (1500, 3000 und 5000 Meter) entschied Blondin Weltcuprennen für sich. Seit dem Winter 2018/19 lief sie außerdem gemeinsam mit ihren Mannschaftskolleginnen Isabelle Weidemann und Valérie Maltais zu Weltcupsiegen und WM-Medaillen in der Teamverfolgung. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 gewann das Trio die Goldmedaille, zudem holte Blondin olympisches Silber im Massenstart.
Sportlicher Werdegang Anfänge im Shorttrack (bis 2010) Blondin begann in ihrer Kindheit in Ottawa mit dem Eislauftraining, wobei sie sich zunächst als Eiskunstläuferin versuchte, ehe sie zum Shorttrack bei den Gloucester Concordes wechselte.Dave Dutton: 19 Ottawa-area athletes competing at Winter Games. In: The Ottawa Sun (Online), 5. Februar 2018. Abgerufen am 6. März 2022 via ProQuest. Bezüglich ihres Wechsels vom Kunst- zum Schnelllauf sagte Blondin später, sie sei nicht besonders anmutig gewesen, sondern eher ein Tomboy. Im Alter von 14 Jahren wurde sie im Dezember 2004 in das kanadische Shorttrack-Junioren-Nationalteam aufgenommen und im gleichen Winter erstmals für Junioren-Weltmeisterschaften nominiert.Darren Desaulniers: Gloucester teen dominates junior time trials: Blondin, 14, easily gets on national team. In: The Ottawa Citizen, 13. Dezember 2004, S. C7. Abgerufen am 6. März 2022 via ProQuest. Zwischen 2005 und 2009 gewann sie als Staffelläuferin drei Junioren-WM-Medaillen: einmal Silber (2009) sowie zweimal Bronze (2005 und 2007). In der Saison 2006/07 war Blondin zwischenzeitlich (für die Heim-Weltcups in Saguenay und Montreal) Teil des kanadischen Teams im Shorttrack-Weltcup.Speedskating: Roberge sweeps trials. In: The Ottawa Citizen, 20. November 2006, S. C5. Abgerufen am 6. März 2022 via ProQuest. Als beste Weltcup-Einzelergebnisse erreichte sie zwei vierte Plätze über 1500 Meter, zudem gewann sie gemeinsam mit Kalyna Roberge, Amanda Overland und Anne Maltais ein Staffelrennen. Kurze Zeit nach diesen Erfolgen stieg Blondin in den Nationalkader auf, zog für das Training nach Montreal und erhielt – als Hoffnungsträgerin für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver gehandelt – finanzielle Förderung durch McDonald’s Kanada.Lynne Bermel: Up to speed; Gloucester skater Ivanie Blondin sets sights on 2010. In: The Ottawa Sun, 6. April 2008, S. 7. Abgerufen am 6. März 2022 via ProQuest. Im Rahmen des McDonald's 2010 Hopefuls program erhielten 26 kanadische Athleten ein Stipendium über 10.000$, vgl. Matthew Sekeres: McDonald's dishes out support. In: The Globe and Mail, 20. März 2008, S. 7. Abgerufen am 6. März 2022 via ProQuest. Über die Zeit in Montreal sagte Blondin später, sie habe sich vom restlichen, weitgehend aus Québec stammenden Team isoliert gefühlt und eine Essstörung entwickelt.The Canadian Press: Olympic dream put Ivanie Blondin back on speedskating track auf cbc.ca. 29. Januar 2018. Abgerufen am 6. März 2022. Außerdem erlitt sie beim Shorttrack fünf Gehirnerschütterungen innerhalb von drei Jahren. Sie erhielt keine weiteren Weltcupeinsätze und fand keine Berücksichtigung im Team für die Winterspiele 2010.Chicco Nacion: Ivanie Blondin has taken a long track to speed skating success auf cbc.ca. 9. Februar 2018. Abgerufen am 6. März 2022.
Erste Erfolge im Eisschnelllauf (bis 2014) Schon in ihrer Zeit bei den Gloucester Concordes in Ottawa hatte Blondin anfangs Eisschnelllaufrennen (auf 400-Meter-Eisbahnen) bestritten, sich aber dann über mehrere Jahre vollständig auf Shorttrack konzentriert. Im Januar 2009 entschied sie sich aus einer Laune heraus, an den nationalen Juniorenmeisterschaften auf der längeren Bahn in Richmond teilzunehmen. Sie belegte den zweiten Rang, qualifizierte sich für die Junioren-WM in ZakopaneMartin Cleary: Blondin covers the long, short of it; Gloucester skater will be first junior woman to represent Canada at both worlds. In: The Ottawa Citizen, 4. Februar 2009, S. B7. Abgerufen am 8. März 2022 via ProQuest. und lief dort auf mehreren Strecken unter die besten Zehn. Nachdem sie als Shorttrackerin 2010 die Olympiateilnahme verpasst hatte, kehrte Blondin zunächst nach Ottawa zu ihren Eltern zurück. Ihr Vereinstrainer Mike Rivet überzeugte sie davon, ihre Eislaufkarriere nicht zu beenden, sondern zum Eisschnelllauf zu wechseln. Er vermittelte sie nach Calgary, wo das Nationalteam im Olympic Oval trainierte.
Blondin stieg innerhalb eines Jahres in die erste kanadische Mannschaft auf: Sie debütierte im November 2010 im Eisschnelllauf-Weltcup, holte im Januar 2011 über 5000 Meter ihren ersten nationalen Meistertitel und vervollständigte das vierköpfige kanadische Team um die erfahrenen Christine Nesbitt, Cindy Klassen und Brittany Schussler bei der Mehrkampf-WM 2011 auf der Heimbahn in Calgary.Laurence Heinen: Canadian speedskaters confident heading into world event in Calgary: Canadians are brimming with confidence. The Canadian Press. Abgerufen am 8. März 2022 via ProQuest. Zusammen mit Nesbitt und Schussler feierte sie im Dezember 2012 ihren ersten Weltcupsieg in der Teamverfolgung. Zudem erreichte sie im Winter 2012/13 zwei zweite Plätze in der kurz zuvor eingeführten Disziplin Massenstart. Blondin bezeichnete den Massenstart später als ihre Lieblingsdisziplin, weil er „so aggressiv“ seiVicki Hall: Canada's Ivanie Blondin settling into life atop speed-skating world. In: The Calgary Sun, 12. November 2015. Abgerufen am 8. März 2022 via ProQuest. und sie die direkte Auseinandersetzung mit den Konkurrentinnen schätze. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi zählte er noch nicht zum Wettkampfprogramm. Dort – bei ihrer ersten Olympiateilnahme – startete Blondin über 3000 Meter (24. Rang), 5000 Meter (14. Rang) und in der Teamverfolgung (5. Rang). Im kanadischen Eisschnelllauf-Nationalteam der Frauen war Blondin Mitte der 2010er-Jahre zeitweise die einzige Langstreckenspezialistin. Sie trainierte in der olympischen Saison 2013/14 in Calgary gemeinsam mit fünf Männern, darunter etwa Jordan Belchos, unter Anleitung von Mark Wild.Donna Spencer: Blondin gets a boost racing against the boys. In: The Province [Vancouver], 21. Oktober 2013, S. A29. Abgerufen am 8. März 2022 via ProQuest.
Siege im Massenstart und zweite Olympiateilnahme (2014 bis 2018) Im Massenstart etablierte sich Blondin dauerhaft in der Weltspitze. Ihren ersten Einzel-Weltcupsieg feierte sie in dieser Disziplin im November 2014 in Obihiro, einen Monat später wiederholte sie den Erfolg im Heerenveener Thialf. Sie entschied die Gesamtwertung der Serie 2014/15 vor Irene Schouten für sich und gewann bei den Einzelstrecken-WM 2015 im Thialf Silber hinter der Niederländerin. 2016 wurde Blondin Massenstart-Weltmeisterin in Kolomna, während sie in der Weltcupwertung Rang zwei hinter Schouten belegte. Blondin sagte Anfang 2016, trotz einiger körperlicher Auseinandersetzungen auf dem Eis sehe sie ihre niederländische Hauptgegnerin nicht als „Feindin“ und bemühe sich um einen entspannten Umgang.Tim Baines: Orleans speed skater Ivanie Blondin continues to thrive in physical mass-start races. In: The Ottawa Sun, 25. Februar 2016. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest. „Over the past couple of years, there have been physical moments with Netherlands star skater Irene Schouten, but Blondin says they are not enemies.[…] ‚I try and joke around with her.‘“ Während sie im Massenstart konstant vordere Ergebnisse erzielte, waren Blondins Resultate über 3000 Meter und 5000 Meter wechselhafter: Bei der WM 2016 blieb sie über 3000 Meter mit einer Zeit von 4:15,52 Minuten deutlich hinter ihren vorherigen Leistungen zurück und platzierte sich auf Rang 17, woraufhin sie auf das 5000-Meter-Rennen verzichtete.Vicki Hall: Speedskater Ivanie Blondin digs deep after forgettable 2015-16 worlds. In: The Edmonton Sun, 20. Oktober 2016. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest. Ein Jahr später gewann Blondin bei der WM in Gangwon Bronze über 5000 Meter und wurde Vierte über 3000 Meter. Sie wurde in diesen Jahren (ab 2016) von Bart Schouten betreut und trainierte in einer Gruppe unter anderem mit Ted-Jan Bloemen.John Matisz: Canadian speed-skating team aims for fast times at Calgary World Cup. In: The Calgary Sun, 1. Dezember 2017. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest.
Blondin qualifizierte sich auf beiden Langstrecken sowie im Massenstart und in der Teamverfolgung für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Wegen ihrer Saisonvorleistungen – mehreren Podiumsergebnissen, darunter ihr erster Weltcupsieg über 3000 Meter – sprachen ihr Beobachter Aussichten auf mehrere Medaillen zu. Diese Erwartungen erfüllte sie nicht: Auf den beiden Langdistanzen belegte sie die Positionen fünf (5000 Meter) und sechs (3000 Meter), im Team verpassten die Kanadierinnen als Vierte um eine halbe Sekunde Bronze und im Massenstart stürzte Blondin im Halbfinale, wodurch sie nicht in den Endlauf einzog.Rosie DiManno: Canadian medal hopeful Ivanie Blondin falls victim to chaos of mass start speedskating. In: The Toronto Star, 24. Februar 2018. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest. Das medaillenlose Abschneiden bei Olympia wirkte sich negativ auf Blondins psychische Gesundheit aus. Sie berichtete später, sie habe nach den Winterspielen an Depression gelitten und sich in einer Abwärtsspirale wiedergefunden. Geholfen habe ihr vor allem die Aufnahme von Pflegehunden: Das Sorgen um die hilfsbedürftigen Tiere habe in gewisser Weise dazu beigetragen, dass sie sich wieder um sich selbst gekümmert habe.Sarah Rieger: Fostering dogs helped this Olympic speed skater fight depression and get back on track auf cbc.ca. 29. Dezember 2019. Abgerufen am 12. März 2022. „"I would bring dogs home that needed special care, or puppies that weren't quite ready for adoption quite yet and I would take care of them. And, in a way, it helped me take care of myself," she said. "It got me back into the mental state that I needed to perform."“
Olympiagold mit dem Team und weitere Einzelmedaillen (seit 2018) mini|Kanadisches Trio in der Teamverfolgung: Ivanie Blondin, Valérie Maltais und Isabelle Weidemann (von links nach rechts) Mit Beginn der Saison 2018/19 übernahm der Niederländer Remmelt Eldering die Betreuung der kanadischen Langstreckenläuferinnen. Zu Blondins neuen Trainingskolleginnen gehörte die fünf Jahre jüngere Isabelle Weidemann, die ebenfalls aus Ottawa stammte und bei den Gloucester Concordes angefangen hatte.Donna Spencer: Canada's Weidemann pushes her way into speed-skating elite. In: The Globe and Mail. 3. Januar 2019, S. B16. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest. Weidemann, Blondin und Valérie Maltais – eine frühere Shorttrackerin, die 2018 zum Eisschnelllauf gewechselt war – bildeten in den folgenden Jahren das kanadische Trio in der Teamverfolgung. Für Aufmerksamkeit sorgten die physischen Unterschiede insbesondere zwischen der etwa 1,60 Meter großen Blondin und der fast 30 Zentimeter (=knapp einen Fuß) größeren Weidemann. Obwohl die abweichenden Körpermaße als leichter aerodynamischer Nachteil galten, feierten die drei Athletinnen im Dezember 2019 den ersten kanadischen Teamsieg seit sieben Jahren.Canada's Ivanie Blondin, Isabelle Weidemann and Valerie Maltais revive speedskating tradition. In: The Hamilton Spectator, 6. Februar 2020. Abgerufen am 12. März 2022 via ProQuest.