mini|hochkant=1.35|Rötz (2016) mini|hochkant=1.35|Stadtkern mit Pfarrkirche St. Martin (2016) Rötz ist eine Landstadt im Oberpfälzer Landkreis Cham.
Es handelt sich vermutlich um einen slawischen Siedlungsnamen, der vermutlich als Bachname verwendet wurde. Herleiten lässt sich dieser auch durch das altslawische Wort rêka „der Fluss“ bzw. recica „Flüsschen, Bach, Bächlein“.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im Oberpfälzer Wald und im Naturpark Oberer Bayerischer Wald an der Schwarzach. Das Gebiet zwischen Schwarzenfeld und der Landesgrenze wird auch Schwarzach-Bergland genannt. Rötz gehört zum Zollgrenzbezirk und liegt rund 14 Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt.
Nachbargemeinden Im Norden und Westen grenzen der Landkreis Schwandorf mit den Gemeinden Winklarn, Thanstein, Neunburg vorm Wald und Neukirchen-Balbini, im Süden die Gemeinden Stamsried und Pemfling und im Osten die Gemeinden Schönthal und Tiefenbach (alle Landkreis Cham) an die Gemeinde Rötz.
Gemeindegliederung
Die Stadtgemeinde hat 35 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die 15 Gemarkungen Berndorf, Bernried, Diepoltsried, Fahnersdorf, Flischbach (nur Gemarkungsteil 0), Gmünd, Grassersdorf, Heinrichskirchen, Hetzmannsdorf, Hillstett, Pillmersried I, Pillmersried II, Rötz, Schatzendorf und Steegen (nur Gemarkungsteil 0).
Geschichte Von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zum Dreißigjährigen Krieg (1017 bis 1618) Die eigentliche Geschichte von Rötz begann mit einer indirekten urkundlichen Erwähnung des Kaisers Heinrich II. vom 28. April 1017. Jahre später, um 1050, wurde erstmals das Geschlecht der Schwarzenburger erwähnt, die für diese Region eine wichtige Rolle spielten. 1255 wurde in einer Urkunde des Bistums Regensburg die Pfarrei Rötz erstmals genannt. 1299 wurde Rötz („Rehtz“) als Markt (forum) erwähnt. Ende des 13. Jahrhunderts erhielt das Kloster Schönthal das Patronatsrecht über die Pfarrei Rötz, welches einige Jahre später erstmals vollzogen wurde. 1401 wurde in Rötz eine Pfarrkirche errichtet, deren gotischer Chor erhalten ist.
Beim Antritt seiner Herrschaft im Jahr 1505 bestätigte Heinrich von Guttenstein-Vrtba Rötz erstmals Stadtrechte. Somit gilt dieses Jahr als eigentliches Datum der Stadtgründung. Ein Wochenmarkt wurde eingerichtet, und auch eine kirchliche Schule existierte bereits. Durch den Verkauf der Herrschaft Schwarzenburg-Rötz-Waldmünchen durch Heinrich von Guttenstein-Vrtba an den pfälzischen Kurfürsten Ludwig V. und dessen Bruder Friedrich im Jahr 1510 wurde das Gebiet in die beiden Pflegämter Schwarzenburg-Rötz und Waldmünchen aufgeteilt.
Am 9. Dezember 1600 verwüstete der erste aktenkundig überlieferte größere Brand den nördlichen Teil der Stadt.
Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Säkularisation (1618 bis 1803) Auch Rötz hatte unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Im Winter 1620/1621 musste die Stadt die drückende Quartierlast dreier englischer Kompanien ertragen. Auch später, unter anderem 1622 und zwischen 1630 und 1635, erlitt Rötz durch Durchzüge von Soldaten weitere Schäden. 1625 brach die Pest aus und forderte 237 Todesopfer, darunter 140 Kinder. Anfang 1634 wurde Rötz von den Schweden belagert, die die Stadt ausplünderten, die Burg Schwarzenburg zerstörten und von den Bürgern finanzielle Mittel einforderten. Bei einer weiteren Pest kamen im selben Jahr 876 Menschen ums Leben. Ab 1669 wurde die Pfarrei Rötz wieder vom Schönthaler Augustinerkloster betreut.
Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges kam es 1705 auch in Rötz zu Aufständen in der Bevölkerung. Ein Großbrand vernichtete am 28. Januar 1709 über 20 Häuser im Stadtgebiet.
Während des Österreichischen Erbfolgekrieges setzten die Rötzer die inzwischen sehr marode Stadtmauer und die Befestigungsanlagen instand. Trotzdem besetzten die feindlichen österreichischen Truppen 1742 für längere Zeit die Stadt und verursachten durch Vandalismus erhebliche Schäden. Viele Bürger verloren durch Kriegsschäden und Missernten Haus und Hof.
1771 vernichtete ein Brand große Teile der Stadt. Auch das marode und 1753 bereits teilweise eingestürzte Rathaus fiel mit der gesamten Registratur den Flammen zum Opfer. 1789 wurde die Stadt erneut durch ein Feuer weitgehend vernichtet. Als Konsequenz dieser Katastrophen drängte die Regierung 1790 zur Einhaltung der Bauvorschriften und zu Brandschutzmaßnahmen. Während der Koalitionskriege zogen österreichische, französische und russische Truppen durch Rötz, was erneut Einquartierungen mit sich brachte.
1804 gab es schwere Belastungen durch Einquartierungen von Truppen, Seuchen und Kontributionen. 1808 gründeten 17 brauberechtigte Bürger im ehemaligen Pflegschloss die Genossenschaftsbrauerei Rötz, die heute noch besteht.
Von der Säkularisation bis zum Ersten Weltkrieg (1803 bis 1914) Im Zuge der Säkularisation wurden 1803 das Augustinerkloster Schönthal und damit das Priorat der Pfarrei Rötz aufgelöst. Mit der Schaffung des königlich bayerischen Landgerichts Waldmünchen (ab 1862 Bezirksamt, ab 1939 Landratsamt genannt) wurde das Pflegamt Rötz trotz Protesten der Bürger abgeschafft.
In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1840 wurde Rötz von der bis dahin verheerendsten Brandkatastrophe heimgesucht. Der größte Teil der Bebauung wurde ein Raub der Flammen, lediglich der Chor der Stadtpfarrkirche aus dem frühen 15. Jahrhundert (heutiger Hochaltarraum) und der Kirchturm sowie wenige Hauptgebäude und die Stadel vor den Stadttoren blieben erhalten. Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte nach einem Generalbauplan mit verändertem Grundriss, Verbreiterung der Straßen und traufseitiger Ausrichtung der Häuser zur Straße hin. Der Wiederaufbau der Privatgebäude konnte bereits zwei Jahre später vollendet werden, die Wiederherstellung der öffentlichen Gebäude zog sich dagegen noch über mehrere Jahre hin. 1846 wurde der königliche Getreidekasten (heutiger Fürstenkasten), 1847 das Schulhaus (heutiges Rathaus) und 1851 das Langhaus der Pfarrkirche fertiggestellt. Als Rathaus wurde aufgrund von Finanzierungsproblemen ein Provisorium genutzt.
Die Freiwillige Feuerwehr Rötz wurde als erste und somit älteste im Gemeindebereich am 19. November 1868 gegründet. 1892 fand mit dem Schauspiel Kunz von Kaufungen oder der sächsische Prinzenraub auf dem Schwarzwihrberg zum ersten Mal eine Theateraufführung statt. 1901 erhielt die Stadtpfarrkirche feierlich vier neue Glocken, die 1942 der „Verstärkung der Kriegsmetallreserve“ zum Opfer fielen.
Das Kriegerdenkmal, ein bayerischer Krieger mit einer erbeuteten französischen Fahne, wurde 1905 zum Andenken an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 vom Veteranen- und Kriegerverein errichtet. Ab 1906 begann schrittweise der Ausbau der Kanalisation, 1908 wurde der erste öffentliche Fernsprecher eingerichtet.
Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gebietsreform (1914 bis 1972) 1915 konnte die neue Schwarzachbrücke nach einjähriger Bauzeit dem Verkehr übergeben werden. Der Erste Weltkrieg machte sich auch in Rötz durch Lebensmittelknappheit und Arbeitskräftemangel bemerkbar. Am 7. August 1915 wurde nach dreißigjährigem Ringen und dreijähriger Bauzeit die ersehnte Bahnverbindung von Neunburg vorm Wald nach Rötz fertiggestellt. Der Rötzer Bahnhof enthielt ein Bahnhofsgebäude mit Wartesaal, eine Güterhalle, einen Lokschuppen, Nebengebäude und Rangiergleise. Auch in Hillstett befand sich ein kleines Bahnhofsgebäude. 1916 wurde die Wasserversorgung der Stadt durch eine Hochquellenleitung verbessert.
Im Ersten Weltkrieg hatte die Pfarrei Rötz 63 Gefallene und acht Vermisste zu beklagen. Der 1. FC Rötz wurde im Herbst 1919 – noch ohne nutzbaren Sportplatz – gegründet. Das Rötzer Stromversorgungsnetz wurde ausgebaut, 1924 erfolgte die Errichtung einer elektrischen Straßenbeleuchtung. Im Zuge der Renovierungsarbeiten erhielt die Stadtpfarrkirche Rötz 1920 ein großflächiges Wandbild des Jüngsten Gerichtes über dem Chorbogen, für das Rötzer Bürger Modell standen.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte auch für Rötz tiefgreifende Änderungen. Der vom Stadtrat in seinem Amt bestätigte bisherige Bürgermeister Johann Kraus wurde von Jakob Stichaner abgelöst. Auch die Stadträte der Bayerischen Volkspartei, die stets bessere Wahlergebnisse als die NSDAP erzielte, wurden entfernt. Auf dem Rathaus wehte die Hakenkreuzfahne, und mehrere Plätze und Straßen erhielten neue Namen. So wurde beispielsweise der Marktplatz zum Hindenburgplatz.
Erstmals nach der Schließung des Rötzer Krankenhauses 1920 wurde 1934 wieder ein ordentlicher Krankenhausbetrieb aufgenommen. Nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht wurden 1935 die ersten Angehörigen der Jahrgänge 1914 und 1915 in der Turnhalle Waldmünchen gemustert. 1937 erfolgten bei Wehrmachtsmanövern erste Einquartierungen von über 1000 Mann.
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und dem Überfall auf Polen trafen die ersten polnischen Kriegsgefangenen in der Stadt ein, die bei Landwirten in Rötz und Umgebung eingesetzt wurden. Ende 1941 befanden sich insgesamt 238 Soldaten aus Rötz auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Immer öfter trafen Meldungen von Gefallenen ein. Erste Flüchtlinge aus dem zerbombten Hamburg wurden 1943 untergebracht und verpflegt. Ab Anfang 1944 wurde die Schwarzachbrücke durchgehend bewacht und Volkssturmgruppen gebildet.
Im Frühjahr 1945 zogen viele Soldaten, Ausländer und Flüchtlinge durch die Stadt. Ausgehungerte und erschöpfte KZ-Häftlinge wurden im Rahmen der sogenannten „Todesmärsche“ von Flossenbürg kommend von SS-Mannschaften durch die Stadt getrieben. 420 namenlose Tote wurden auf einem Friedhof bei Pillmersried sowie den Friedhöfen in Rötz und Bernried beerdigt, ehe sie im Mai 1957 auf den KZ-Friedhof Flossenbürg umgebettet wurden. Am 23. April 1945 nachmittags trafen die ersten Panzer der 3. US-Armee auf dem Marktplatz ein und beendeten damit den Zweiten Weltkrieg für Rötz. 136 Gefallene und Vermisste waren zu betrauern. In Rötz bestand von 1945 bis 1993 ein Sicherheits-Camp der US-amerikanischen Militärregierung in Bayern an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei.
Mit der Einführung der bayerischen Verfassung fanden 1946 auch die ersten freien Wahlen von Bürgermeister und Gemeinderäten statt. Es erfolgten mehrere Eingemeindungen. Die 1950 neu initiierten Schwarzenburgfestspiele hatten mit dem Guttensteiner und dem Märchen Rübezahl mit 15.000 Besuchern einen unerwarteten Erfolg, wurden jedoch neun Jahre später wieder eingestellt. 1951 wurde die Erweiterung des Krankenhauses abgeschlossen. Außerdem erhielt die gesamte Ortsdurchfahrt eine neue Pflasterung. 1952 wurde nach zwei Jahren Bauzeit das neue Schulgebäude eingeweiht. Das bisherige Schulhaus konnte 1965 nach dem Umbau als Rathaus der Stadtverwaltung übergeben werden.
Nachdem der unter „Streng vertraulich“ entworfene 3-Stufen-Plan der Deutschen Bundesbahn zu Streckenstilllegungen bekannt geworden war, traten 1965 Bürgermeister und Stadtrat von Rötz aus Protest gegen die geplante Stilllegung dieser Strecke im Grenzgebiet zurück, „um auf das rücksichtslose Verhalten der Bundesbahn und der Bundesregierung aufmerksam zu machen“.Straßen statt Schienen, Markus Beck, Hamburg 2011, S. 172, Dissertation, ISBN 978-3-8300-6079-6
Die neue Turnhalle wurde 1968 eingeweiht und steht seitdem der Schule und den Sportvereinen zur Verfügung. Nach dem Niedergang der ehemals wirtschaftlich bedeutenden und oberpfalzweit größten Großviehmärkte im Zweiten Weltkrieg ging Anfang der 1970er Jahre mit der Einstellung der zunehmend erfolglosen Ferkelmärkte eine jahrhundertealte Rötzer Markttradition zu Ende.
Von der Gebietsreform bis zur Deutschen Einheit (1972 bis 1990)