Die Formel-2-Europameisterschaft 1982 war die 16. Saison dieser 1967 etablierten Motorsportserie. Die Meisterschaft umfasste 13 Rennen, die in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Schweden abgehalten wurden. Der Meistertitel ging an Corrado Fabi, der für das Werksteam des britischen Rennwagenherstellers March Engineering antrat. Johnny Cecotto wurde Vizemeister. Aufgrund von Streichresultaten wurde bei ihm ein Punkt weniger gewertet als bei Fabi.

Überblick Im Laufe der Saison meldeten sich 24 Teams mit insgesamt 54 Fahrern. Elf Teams traten zu allen Rennen der Meisterschaft an, die übrigen erschienen nur bei einzelnen, einige von ihnen sogar nur zu einem Rennen.

Teams und Konstrukteure

mini|Erfolgreichstes Auto der Saison 1982: March 822 mini|Spirit 201 In diesem Jahr fuhren Fahrzeuge von acht verschiedenen Chassisherstellern: AGS, Lola, March, Maurer, Minardi, Ralt, Spirit und Toleman.

March, AGS, Maurer und Spirit hatten für die Saison 1982 neue Modelle konstruiert, Ralt und Minardi verwendeten dagegen überarbeitete Vorjahresmodelle. Minardi hatte Ende 1981 mit der Entwicklung eines neuen Autos vom Typ 282 begonnen, hatte die Arbeiten aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt, was teilweise auf die „verwirrende Situation in der Frage der Bodenwirkung“David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 192. zurückgeführt wird. Toleman produzierte keine neuen Fahrzeuge mehr, allerdings bot Lola wie bereits im Jahr zuvor einen lizenzierten Nachbau des 1980 entwickelten Toleman TG280 an, der als Lola T850 bezeichnet wurde.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 140. Docking Spitzley Racing überarbeitete zwei bereits im Vorjahr eingesetzte Lola T850 und meldete sie nunmehr als Docking Spitzley DS1.John Starkey, Ken Wells, Esa Illoinen: LOLA - All the Sports Racing 1978-1997, Veloce Publishing, 2000, ISBN 9781901295009. Daneben brachten mehrere Fahrer einige der 1980 hergestellten Toleman TG280 an den Start. Das italienische Team Merzario schließlich, das im Vorjahr noch eigene Autos konstruiert hatte, setzte 1982 mehrere March 822 ein, die allerdings technisch überarbeitet waren und als March-Merzario 282 bezeichnet wurden.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 190.

AGS, March, Maurer, Ralt, Minardi und Spirit unterhielten eigene Werksteams, die die aktuellsten Chassis einsetzten. March und Maurer verkauften außerdem ihre aktuellen Modelle regulär an Kundenteams. Ein March 822 kostete zu Saisonbeginn 19.000 £.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 189. Daneben brachten mehrere Fahrer ältere Modelle von March, Ralt und Minardi an den Start. Das konzeptionell älteste Auto war der Minardi GM75 von Brambilla Racing, der auf einen March 792 von 1979 zurückging.

Das erfolgreichste Auto des Jahres war der March 822. Für das March-Werksteam, das zudem einen werksunterstützten Motor von BMW einsetzte, gewannen Corrado Fabi und Johnny Cecotto acht von 13 Rennen mit ihm. Drei Siege erzielte Thierry Boutsen für Spirit und zwei Stefan Bellof für Maurer.

Motoren Der Vierzylindermotor von BMW (M12) war das am weitesten verbreitete Triebwerk. Das March-Werksteam erhielt exklusiv Motoren, die bei BMW werksseitig vorbereitet wurden; in Anlehnung an ihren Konstrukteur Paul Rosche wurden diese Versionen üblicherweise als BMW-Rosche bezeichnet. Die übrigen BMW-Teams ließen ihre Motoren zumeist bei Heini Mader Racing Components in der Schweiz oder im Falle Maurers bei Max Heidegger in Liechtenstein warten. Ihre Leistung lag bei etwa 315 PS.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S: 189. Einzelne italienische Teams verwendeten auch ältere BMW-Motoren mit Osella-Tuning.

Neben dem BMW-Motor war das Sechszylindertriebwerk von Honda erfolgreich: Es wurde in den Werksteams von Ralt und Spirit eingesetzt. Sie galten als die leistungsstärksten Motoren: Beobachter schätzten, dass sie die Leistung der BMW-Motoren um 20 bis 30 PS übertrafen.

Die älteren Toleman- bzw. Lola-Modelle wurden zumeist von Hart-Motoren angetrieben, die auf dem Cosworth BD basieren und nicht mehr konkurrenzfähig waren. Sie waren gelegentlich auch in älteren Ralt-Konstruktionen zu finden.

Minardi erwog zunächst, regelmäßig Ferrari-Motoren an den Start zu bringen. Erste Tests vor Saisonbeginn zeigten allerdings, dass die Leistungsausbeute der Triebwerke nicht dem der BMW- und Honda-Triebwerke entsprach. Daher setzte Minardi für seine Stammfahrer auch in diesem Jahr nahezu durchgängig von Mader getunte BMW-Motoren ein. Die Ferrari-Sechszylinder erschienen letztlich nur bei zwei Rennen; das Team erreichte mit ihnen aber keine Meisterschaftspunkte.

Fahrer mini|Der March 812-Honda von Satoru Nakajima Fahrerseitig gab es gegenüber der Saison 1981 zahlreiche Veränderungen. Geoff Lees, der Europameister der Saison 1981, erhielt 1982 kein Cockpit mehr in der Formel 2. Er ging 1982 nach Japan, wo er an der Japanischen Formel-2-Meisterschaft teilnahm, die er 1983 gewann. Thierry Boutsen, der Vizemeister des Vorjahres, wechselte vom March- zum Spirit-Werksteam, wo auch Stefan Johansson (ehemals Docking Spitzley) unter Vertrag kam. Johnny Cecotto, der 1981 u. a. bei Minardi gefahren war, schloss sich dem March-Werksteam an. Kenny Acheson wechselte von Docking Spitzley zu Ralt. Eje Elgh, der Dritte der Meisterschaft 1981, fand 1982 kein permanentes Cockpit mehr und kam in diesem Jahr nur zu zwei Gaststarts.

Einige Fahrer, die 1981 regelmäßig in der Formel 2 angetreten waren, wechselten in die Formel 1. Zu ihnen gehören Michele Alboreto, der bei Tyrrell unter Vertrag genommen wurde, sowie Manfred Winkelhock (ATS) und Ricardo Paletti (Osella).

Daneben gaben 1982 einige Fahrer ihr Formel-2-Debüt. Der bemerkenswerteste Debütant war der Gießener Rennfahrer Stefan Bellof, der mit Maurer seine ersten beiden Formel-2-Rennen gewann und eineinhalb Monate lang die Fahrerwertung anführte. Infolge einiger technischer Defekte seines Autos setzte sich die Erfolgsserie im Laufe des Jahres nicht fort; Bellof beendete die Saison als Meisterschaftsvierter.

Der japanische Rennfahrer Satoru Nakajima, der die Japanische Formel-2-Meisterschaft des Jahres anführte, startete bei ausgewählten europäischen Rennen. Er fuhr einen Vorjahres-March, der mit einem leistungsstarken Honda-Motor ausgestattet war. Mit dieser Kombination kam er beim Auftaktrennen in Silverstone hinter Bellof als Zweiter ins Ziel.

Andererseits meldeten sich zahlreiche Gelegenheitspiloten zu ausgewählten Rennen. Zu ihnen gehörte Francesco Attaguile, ein sizilianischer Notar, der sich für sein Heimrennen in Enna bei Minardi einkaufte und dort unter dem Pseudonym „Mr. Arriva“ startete. Attaguile wurde in der ersten Hälfte des Rennens disqualifiziert, weil er zu langsam fuhr.

Teams und Fahrer Team Chassis Motor Nr. Fahrer Rennen Ralt RH6/82 Honda-Wakou 1 1-13 2 1-13 March 822 BMW-Rosche 3 1-13 4 1-13 5 1-13 Maurer MM82 BMW-Heidegger 6 1-13 7 1-13 8 1-3 4 5-8, 10-13 9 Docking-Spitzley DS1 Hart 9 1-8, 12-13 Toleman TG280 10 Docking-Spitzley DS1 10 1-8, 10, 13 Minardi Fly 281B BMW 11 1-3, 5-13 Ferrari 4 BMW 12 1-13 14 „Mr. Arriva“ war das Pseudonym des sizilianischen Notars Francesco Attaguile. Attaguile war Hobbyrennfahrer und leitete das sizilianische Motorsportteam Scuderia Etna. 12 Ferrari 5 March-Merzario 282 BMW-Mader 16 1-4 5-9 10-13 17 1-11 12 13 18 1-5, 7-13 March 822 BMW-Mader 19 1, 4-10 2 20 9 42 11 Lola T850 Hart 21 1–3 Toleman TG280 4–9 BMW 12–13 22 1-3 Lola T850 4–9; 11–13 AGS JH19 BMW-Mader 23 1-13 24 1-13 Maurer MM82 BMW 25 1-13 26 1, 3, 5-10, 12-13 2 4 Ralt RT2 26 9 Lola T850 Hart 27 1-2 March 822 BMW 13 Minardi GM75 BMW 28 1-9 10-11 March 822 BMW 30 7-13 Ralt RT4 Ford BDA 31 1 Spirit 201 Honda-Wakou 32 1-13 33 1-13 March 812 BMW 36 1 Toleman TG280 Hart 36 3, 5-11 March 812 Honda-Wakou 37 1, 5-6, 8-9 March 802 BMW 38 1-4 March 812 39 1-4 March 812 BMW-Baier 41 2, 4-5, 8-9 Toleman TG280 Hart 42 1-2, 4-5 Ralt RH6 Hart 44 1 Ralt RH4 BMW 2 March 802 BMW-Mader 45 2 March 802 BMW-Mader 46 2 Ralt RT4 Ford BDA 48 10

Rennkalender 1982 fanden 13 Formel-2-Rennen statt: vier in Italien, je drei in Deutschland und Großbritannien sowie je eines in Frankreich, Belgien und Schweden. Alle Rennen hatten Meisterschaftsstatus. Anders als in früheren Jahren, wurden 1982 keine weiteren Rennen ohne Meisterschaftsstatus ausgetragen.

Nr. Datum Rennen(Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde Gesamtführender Fahrer 1 21. März BRDC International Trophy (Silverstone) 221,746 (Maurer) (Ikuzawa) (Maurer) (Spirit) (March) (Maurer) 2 4. April Deutschland-Trophäe (Hockenheim) 203,7 (Maurer) (Spirit) (March) (Maurer) (Maurer) 3 12. April British Automobile Drivers Club „200“ (Thruxton) 208,56 (March) (Ralt) (Spirit) (Spirit) (March) 4 25. April Eifelrennen (Nürburgring-Nordschleife) 205,51 (Spirit) (March) (March) (Docking Spitzley) (Maurer) 5 9. Mai Gran Premio del Mugello (Mugello) 220,290 (March) (March) (Spirit) (Spirit) (March) (March) (March) 6 16. Mai Gran Premio di Roma (Vallelunga) 208 (Motul GPA Nogaro) (Motul GPA Nogaro) (Spirit) (Maurer) (March) 7 31. Mai Grand Prix de Pau (Pau) 206,88 (March) (Spirit) (Horag) (Spirit) (Ralt) (March) 8 13. Juni Grand Prix de Formule 2 Belgique (Spa-Francorchamps) 157,59 (Spirit) (March) (Horag) (Spirit) (Horag) 9 20. Juni Rhein-Pokalrennen(Hockenheim) 203,91 (March) (Maurer) (Maurer) (Spirit) (March) (March) 10 4. Juli Donington „20.000“(Donington) 220,5 (March) (March) (Ralt) (Ralt) (March) 11 18. Juli Mantorp Park F2 Trofén (Mantorp) 203,125 (March) (Motul GPA Nogaro) (Maurer) (March) (March) 12 1. August Gran Premio del Mediterraneo(Enna-Pergusa) 222,750 (Spirit) (Maurer) (March) (Spirit) (Maurer) 13 7. August Gran Premio dell’Adriatico(Misano) 209,28 (March) (Minardi) (Maurer) (March) (Maurer) (March)

Rennberichte B.R.D.C. International Trophy Platz Fahrer Team Zeit 1 1:11:51,38 2 1:12:12,64 3 1:12:12,76 PP 1:20,91 SR 1:29,35

Die 34. BRDC International Trophy war das Auftaktrennen der Saison. Es fand am 21. März auf dem Silverstone Circuit statt. Die International Trophy ging über 47 Runden zu je 4,718 km und hatte eine Gesamtdistanz von 221,46 km.Zum Rennen meldeten sich 18 Teams mit 31 Fahrern. Die Poleposition fuhr Stefan Johansson im Werks-Spirit heraus. Er war dabei drei Sekunden schneller gewesen als sein Teamkollege Thierry Boutsen, der Startplatz zwei belegte.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 191. Der Meisterschaftslauf fand bei anhaltenden Regenschauern statt. Die schnellste Runde legte Christian Danner im March 822 des March-Werksteams heraus. Er konnte das Rennen allerdings nicht beenden; wegen einer defekten Benzinleitung fiel er nach 27 Runden aus. Sieger war Stefan Bellof im Werks-Maurer, der hier sein erstes Formel-2-Rennen bestritt. Den zweiten Platz belegte Satoru Nakajima, der Gewinner der japanischen Formel-2-Meisterschaft 1981, der hier in einem Kunden-March von 1981 sein Europa-Debüt gab. Dritter wurde Bellofs Teamkollege Beppe Gabbiani. Insgesamt kamen 18 der 31 gestarteten Fahrer ins Ziel.

Deutschland-Trophäe Platz Fahrer Team Zeit 1 1:03:03,44 2 1:03:08,23 3 1:03:16,34 PP 2:02,05 SR 2:04,21