The Speckled Band oder The Adventure of the Speckled Band ist eine Sherlock-Holmes-Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle, die erstmals im Februar 1892 im Strand Magazine erschien und von Sidney Paget illustriert wurde. Die Geschichte wurde im Oktober 1892 mit elf anderen Geschichten in den Sammelband The Adventures of Sherlock Holmes (dt. Die Abenteuer des Sherlock Holmes) aufgenommen und im August 1905 erneut unter dem Titel The Spotted Band in der New York World veröffentlicht. Deutsche Übersetzungen wurden unter verschiedenen Titeln wie beispielsweise Das gefleckte Band oder Das getupfte Band veröffentlicht.Übersetzungen ins Deutsche erschienen auch unter dem Titel Die Geschichte mit dem gesprenkelten Bande. Vgl. Das gesprenkelte Band. Auf: Sherlock Holmes Wiki. Abgerufen am 15. Februar 2015.
In dieser Erzählung Doyles mit der Detektivfigur des Sherlock Holmes als Hauptperson geht es um die Aufklärung eines rätselhaften Todesfalles und die Verhinderung eines befürchteten Mordanschlags auf die Zwillingsschwester des Opfers.
Handlung mini|Helen Stoner bittet Holmes um Hilfe; Illustration von Sidney Paget in der Erstausgabe im Strand 1892 Im April 1883 werden Sherlock Holmes und sein Freund Dr. Watson eines Morgens in dem von ihnen gemeinsam bewohnten Apartment 221 b Baker Street von einer gewissen Helen Stoner aufgesucht, die Holmes um Rat und Unterstützung bittet. Seit dem Tode ihrer Mutter vor acht Jahren lebt Helen Stoner bei ihrem Stiefvater Dr. Roylott, der früher lange Zeit als Arzt in Indien tätig war. Nach einer längeren Freiheitsstrafe wegen Totschlags im Affekt aufgrund eines Diebstahls in seinem Hause kehrte er nach England zurück, wo er seitdem ein exotisches Leben führt. Von den Nachbarn hat sich Dr. Roylott, der als streitsüchtig und jähzornig gilt, völlig isoliert; er unterhält einzig freundschaftliche Beziehungen zu herumziehenden Zigeunern, raucht starke indische Zigarren und hält auf seinem Grundstück einen Jagdleoparden und einen Pavian, die er zum Schrecken der Dorfbewohner frei auf dem Gelände laufen lässt. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er von einem Vermögen, das Helens Mutter ihm hinterlassen hat, allerdings unter der Bedingung, dass ihren Töchtern nach deren Heirat jedes Jahr eine größere Geldsumme ausgezahlt würde. mini|Die beiden Schwestern vor Julias Tod; Illustration von Sidney Paget in der Erstausgabe im Strand 1892 Helens Zwillingsschwester Julia starb kurz vor ihrer geplanten Hochzeit mit einem Marineoffizier zwei Jahre zuvor in einer stürmischen Nacht. Unmittelbar vor ihrem Tod hatte sie Helen noch von einem geheimnisvollen Pfeifen berichtet, das sie nachts in ihrem Zimmer hören konnte. Auch Helen glaubt, zum Zeitpunkt von Julias Tod ein leises Pfeifen und ein metallenes Geräusch in dem Zimmer ihrer Schwester vernommen zu haben. Julias letzte abgebrochene Worte über „das gesprenkelte Band“ („The Speckled Band“) zusammen mit einem Zeichen in Richtung des Schlafzimmers ihres Stiefvaters blieben allerdings mehrdeutig und unverständlich; eine genauere Untersuchung der rätselhaften Todesumstände durch den Gerichtsarzt führte zu keinem Ergebnis. Das Zimmer, in dem Julia sich vor ihrem Tode aufhielt, war fest verschlossen und von außen nicht zugänglich; Julia war vor ihrem Tod offensichtlich allein in ihrem Zimmer; es waren auch keinerlei Anhaltspunkte für eine äußere Gewaltanwendung oder Fremdeinwirkung festzustellen.
Helen beabsichtigt nun ebenfalls in Kürze zu heiraten. Unter dem Vorwand, es seien Reparaturarbeiten in ihrem Zimmer erforderlich, ist sie zwischenzeitlich von ihrem Stiefvater in das frühere Zimmer ihrer Zwillingsschwester umquartiert worden und wird dort nachts durch dasselbe Pfeifen geängstigt. Sie vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Geräusch und Julias Tod und fürchtet mittlerweile um ihr eigenes Leben. Aus diesem Grunde sucht sie Holmes auf, der verspricht, ihr zu helfen.
Kurz nach Helens Besuch erscheint Dr. Roylott unangekündigt bei Holmes, um herauszufinden, was seine Stieftochter vorhat. Mit massiven Drohungen und Einschüchterungen versucht er Holmes davon abzubringen, sich in die Angelegenheit einzuschalten und weitere Nachforschungen anzustellen. Dieser lässt sich jedoch von Roylotts Auftritt nicht beeindrucken und beschließt, noch am selben Tag mit seinem Freund Dr. Watson das Anwesen Roylotts während dessen Abwesenheit in Augenschein zu nehmen.
Zuvor nimmt Holmes in der Gerichtsregistratur Einblick in das Testament von Helens Mutter und stellt fest, dass das hinterlassene Anlagevermögen seit deren Tode erheblich an Wert verloren hat. Die testamentarisch verfügte jährliche Auszahlung einer größeren Geldsumme an die Töchter im Falle ihrer Eheschließung würde für Roylott daher eine empfindliche finanzielle Einbuße bedeuten und seinen bisherigen Lebensunterhalt gefährden. Damit verstärkt sich der Verdacht gegen Roylott, der allerdings selber keine Einwände gegen eine Heirat vorgebracht hatte. mini|Holmes und Watson machen sich auf den Weg zu Roylotts Wohnsitz; Illustration von Sidney Paget in der Erstausgabe im Strand 1892 Bei der anschließenden Besichtigung des Wohnsitzes von Roylott findet Holmes eine Reihe merkwürdiger Hinweise. So gibt es beispielsweise zwischen Julias früherem Schlafzimmer und Dr. Roylotts Zimmer ein Luftloch mit einem Ventilator, obwohl eine Belüftung des Raumes problemlos von außen möglich ist. An dem Luftloch ist die Attrappe eines Klingelzuges ohne Glocke befestigt, dessen Schnur auf Julias Bett herabhängt. Das Bett ist außerdem ohne ersichtlichen Grund am Boden festgeschraubt. Die Veränderungen in dem Schlafzimmer der Schwestern wie die Scheinklingel und das Luftloch wurden zudem erst nachträglich installiert, ohne dass Julia oder Helen zuvor gefragt wurden. mini|Holmes nimmt Roylotts Zimmer in Augenschein; Illustration von Sidney Paget in der Erstausgabe im Strand 1892 In Dr. Roylotts Zimmer bemerkt Holmes auf einem Schrank eine Untertasse mit Milch; allerdings gibt es in der Wohnung keine Hauskatze, für die die Milch bereitgestellt worden sein könnte. Ebenso entdeckt er einen Käfig, dessen Inhalt jedoch nicht weiter untersucht wird. mini|Holmes schlägt auf den Klingelzug; Illustration von Sidney Paget in der Erstausgabe im Strand 1892 Holmes scheint bereits eine Erklärung für die mysteriösen Zusammenhänge zu haben und bittet Helen, die darauffolgende Nacht in ihrem alten Schlafzimmer zu verbringen, ohne dass Roylott davon Kenntnis erhält. Er und Dr. Watson wollen unterdessen heimlich in Julias Zimmer Wache halten. Gegen drei Uhr morgens hören die beiden ein sanftes Zischen und ein helles Pfeifen. Holmes schlägt auf den Klingelzug ein; kurze Zeit später stößt Dr. Roylott in seinem Zimmer auf der anderen Seite des Ventilators einen ohrenbetäubenden Schrei aus.
Holmes begibt sich mit Dr. Watson in Roylotts Zimmer. Dort finden sie Roylott tot auf. Wie Holmes Dr. Watson erläutert, ist er von einer äußerst giftigen indischen Sumpfnatter gebissen worden, die er mit Milch und Pfeifen darauf abgerichtet hatte, durch den Ventilator auf den Klingelzug und von dort aus auf Helens Bett zu kriechen. Bei Julia war sein mörderisches Vorhaben erfolgreich; als er nun Helen auf dieselbe Weise töten wollte, wurde ihm die Giftschlange selber zum Verhängnis, die durch Holmes' Hiebe auf den Klingelzug gereizt worden war.
Während der Rückfahrt nach London rekapituliert und analysiert Holmes nochmals die Zusammenhänge des Falles in den einzelnen Details.
Interpretationsansatz Zu Beginn von The Speckled Band liefert Holmes wie in zahlreichen anderen Geschichten eine Probe seiner überragenden, schier übermenschlichen Denkleistungen sowie seiner genialen Imaginationskraft. Zeigt er an anderer Stelle Watson zu dessen Verblüffung, dass er scheinbar Gedanken lesen kann, so setzt er sich hier seiner Klientin gegenüber ins richtige Licht, indem es ihm gelingt, die von der Besucherin benutzten Verkehrsmittel auf ihrer Reise nach London anhand von Indizien zu erschließen. Diese Form der Exposition fungiert als eine Art curtain raiser und stimmt nicht nur die Klientin, sondern auch den Leser auf das zu erwartende Außergewöhnliche ein.
Zugleich wird Holmes in der Eröffnungsszene mit wenigen charakteristischen Eigenschaften gekennzeichnet. Er liebt es, morgens lange auszuschlafen, ohne dass dies negativ zu verstehen wäre. Trotz seines durchaus vorhandenen Selbstbewusstseins zeigt er im Hinblick auf seine beruflichen Erfolge eine eher bescheidene Zurückhaltung. Als Angehöriger der akademischen Berufsgruppe der professional people ist er weitgehend finanziell unabhängig und zeigt sich dem Verhaltenskodex seines sozialen Standes entsprechend als gentleman, der seine Dienstleistungen nicht ausschließlich gegen Entgelt anbietet, sondern auch uneigennützig zur Verfügung stellt. So ist er ohne Zögern bereit, der augenblicklich mittellosen Helen Stoner („Ich habe freilich jetzt kein Geld ...“) notfalls auch ohne Bezahlung oder Belohnung zu helfen und betont ausdrücklich: „Über die Geldfrage möchte ich Sie beruhigen, meine Belohnung finde ich einzig in meiner Tätigkeit selbst“. Allerdings schränkt er im Nachsatz diese Selbstlosigkeit ein für den Fall, dass seine Klientin in Zukunft über entsprechende finanzielle Mittel verfügen sollte („doch steht es Ihnen frei, mir meine etwaigen Auslagen bei gelegener Zeit zu ersetzen“).Vgl. Karl Heinz Göller: Doyle · The Speckled Band. In: Karl Heinz Göller und Gerhard Hoffmann (Hrsg.): Die englische Kurzgeschichte, S. 72.
Im Gegensatz zu anderen Geschichten, in denen Holmes sich Frauen gegenüber eher abweisend oder wenig einfühlsam verhält und teilweise in einer derart misogynen Weise über sie spricht, dass selbst sein Freund Watson Anstoß nimmt und vorsichtige Kritik äußert, zeigt sich Holmes in The Speckled Band der weiblichen Protagonistin gegenüber äußerst zuvorkommend und hilfsbereit.Vgl. Karl Heinz Göller: Doyle · The Speckled Band. In: Karl Heinz Göller und Gerhard Hoffmann (Hrsg.): Die englische Kurzgeschichte, S. 72f.
Das Geschehen und die Ereignisse in The Speckled Band werden wie in dem überwiegenden Teil der Holmes-Geschichten aus der eingeschränkten Perspektive Watsons geschildert. Dieser kann als Freund und Bewunderer des Detektivs zwar den äußeren Ablauf der Geschehnisse im Ermittlungsprozess berichten, verfügt aber nicht über die gleichen detaillierten Beobachtungen und Informationen wie Holmes und ist ihm daher in seinen Schlussfolgerungen stets unterlegen. Watson fungiert damit als vermittelnde Instanz zwischen dem überaus scharfsinnigen, wohlinformierten Detektiv und dem uneingeweihten Leser; aus seiner eigenen begrenzten Sicht kann er außerdem als treuer Begleiter die überragenden analytischen Fähigkeiten von Holmes lobend hervorheben und so den Status des Detektivs als herausragender Ermittler aufwerten, ohne dass der Eindruck einer unangemessenen Beweihräucherung entsteht. Beim Leser wird zudem das Gefühl einer Überlegenheit gegenüber Watson erzeugt, der wohl sehen, nicht aber präzise beobachten und analytisch schlussfolgern kann. Auf diese Weise wird dem Leser gleichzeitig suggeriert, die mysteriösen Begleitumstände des Falles durch eigene Wahrnehmungen oder Überlegungen entwirren und sich an der Auflösung des Rätsel selber beteiligen zu können.Vgl. dazu auch Karl Heinz Göller: Doyle · The Speckled Band. In: Karl Heinz Göller und Gerhard Hoffmann (Hrsg.): Die englische Kurzgeschichte, S. 73f.