Gauliga (von 1939 bis 1942 Sportbereichsklasse) war der Name der höchsten Spielklasse des deutschen Fußballs von 1933 bis 1945. Mit ihr wurde nach der NS-Machtübernahme zum ersten Mal eine einheitliche oberste Spielklasse im Deutschen Reich eingeführt. Die Gauligen traten an die Stelle verschiedener Regionalmeisterschaften, die nun nicht mehr ausgetragen wurden.
Geschichte Der Begriff Gau zur Bezeichnung des Gebietes einer Fußballliga wurde in einigen Regionalverbänden, besonders in der Ligastruktur des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine, schon vor 1933 verwendet. Der Name „Gauliga“ entsprach den 1933 gebildeten 16 Sportgauen. Er wurde im Laufe der Saison 1939/40z. B. Nordmark ab 1. Januar 1940 lt. Gauverordnungsblatt vom 21. Dezember 1939, Seite 2 wieder abgeschafft und durch „Sportbereichsklasse“ ersetzt. Das geschah vor dem Hintergrund, dass der Reichsbund für Leibesübungen seit 1938 als NSRL der Partei unterstellt war und die Gebietsgrenzen etlicher Sportgaue nicht denen der Parteigaue entsprachen.Dafür konnte die Bezeichnung „Gaue“ fortan für die ehemaligen, 1936 abgeschafften Bezirke Schleswig-Holstein, Groß-Hamburg und Mecklenburg verwendet werden, die als Untergliederungen der Nordmark wieder entstanden (Gauverordnungsblatt vom 21. Dezember 1939, Seite 2).
Im Spieljahr 1931/32 bestanden im Deutschen Reich noch 55 regionale Ligen unter verschiedenen Namen – wie z. B. Bezirksliga und Gauliga – mit Erstligastatus.Dinant Abbink: Germany – Championships 1902–1945. auf der Website von The Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 17. Januar 2008. Im Jahre 1932 forderte der Präsident des DFB, Felix Linnemann, die Einführung einer „Reichsliga“, in der die besten Vereine den Deutschen Meister ausspielen sollten. Auf dem DFB-Bundestag am 16. Oktober 1932 wurden entsprechende Pläne vorgelegt und im Prinzip beschlossen; zu einer genauen Regelung, die im Frühjahr 1933 getroffen werden sollte, kam es wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten allerdings nicht mehr.
Ab 1933 wurde die Fußballmeisterschaft dennoch grundlegend neu organisiert. Mit Beginn des Spieljahres 1933/34 stellten 16 Gauligen die höchste Leistungsstufe im deutschen Fußball dar.
Ligastruktur Die Sieger der einzelnen Gauligen ermittelten in einer Endrunde den deutschen Meister. Dazu wurden sie zunächst in vier Gruppen zu vier Mannschaften eingeteilt, die jeweils in Hin- und Rückspiel gegeneinander antraten. Die Erstplatzierten bestritten anschließend auf neutralen Plätzen die Halbfinals und das Endspiel, ab 1936 auch ein Spiel um den dritten Platz. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde der Modus angepasst.
Die ursprünglichen Fußballgaue waren (in Klammern die ungefähre Anzahl der Fußballvereine im Gau im Jahr 1933nach /und 1937)
mini|Die Gau-Einteilung 1933 Ostpreußen (200/250), unterteilt in zwei Staffeln Pommern (400/426), unterteilt in zwei Staffeln Berlin-Brandenburg (700/699) Schlesien (450/464) Sachsen (700/602) Mitte (950/985) Nordmark (350/372) Niedersachsen (750/829) Westfalen (850/884) Niederrhein (850/851) Mittelrhein (600/646) Hessen (600/610) Südwest (750/766) Baden (550/562) Württemberg (600/543) Bayern (950/1025)
Nach dem Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes an das Deutsche Reich kamen 1938 noch zwei weitere Gauligen dazu.
17. Ostmark 18. Sudetenland
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden in den dem Deutschen Reich angeschlossenen Gebieten neue Gauligen begründet. In der Folge entstanden die folgenden Gauligen.
14a. Elsass 19. Danzig-Westpreußen Wartheland Generalgouvernement im besetzten Polen Böhmen-Mähren
Im weiteren Verlauf des Krieges wurde die Organisation weiter Auswärtsfahrten zusehends erschwert, was unter anderem an der kriegsbedingten Treibstoffknappheit und dem Mangel an Transportmöglichkeiten lag. Daher unterteilte man die größeren Gaue noch einmal, es wurden
aus Schlesien die Gauligen Niederschlesien (21.) und Oberschlesien (23.) aus Nordmark die Gauligen Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg, aus Niedersachsen die Gauligen Weser-Ems, Südhannover-Braunschweig und Osthannover aus Mittelrhein die Gauligen Köln-Aachen und Moselland (einschließlich Luxemburg) aus den Gauligen Hessen und Südwest die Gauligen Kurhessen, Hessen-Nassau und Westmark (einschließlich Lothringen) aus Bayern die Gauligen Nordbayern und Südbayern
Auch andere Gaue wurden in mehreren Staffeln aufgeteilt, deren Sieger jedoch noch vor der Meisterschafts-Endrunde untereinander den Gaumeister ermittelten.
Letztendlich stieg die Zahl der Endrundenteilnehmer auf bis zu 31 an. Ab 1942 wurde daher der Meister auch ohne Gruppenspiele im K.-o.-System ermittelt. Die Gegner wurden einander nicht durch das Los, sondern nach geographischen Gesichtspunkten zugeordnet.
Meisterschaftsendspiele JahrMeisterFinalistErgebnisDatumSpielortStadion1934 FC Schalke 04 1. FC Nürnberg 2:1 24. Juni 1934 Berlin Poststadion1935 FC Schalke 04 VfB Stuttgart 6:4 23. Juni 1935 Köln Müngersdorfer Stadion1936 1. FC Nürnberg Fortuna Düsseldorf 2:1 n. V. 21. Juni 1936 Berlin Poststadion1937 FC Schalke 04 1. FC Nürnberg 2:0 20. Juni 1937 Berlin Olympiastadion1938 Hannover 96 FC Schalke 04 3:3 n. V.4:3 n. V. 26. Juni 19383. Juli 1938 BerlinBerlin OlympiastadionOlympiastadion1939 FC Schalke 04 Admira Wien 9:0 18. Juni 1939 Berlin Olympiastadion1940 FC Schalke 04 Dresdner SC 1:0 21. Juli 1940 Berlin Olympiastadion1941 Rapid Wien FC Schalke 04 4:3 22. Juni 1941 Berlin Olympiastadion1942 FC Schalke 04 First Vienna FC 2:0 5. Juli 1942 Berlin Olympiastadion1943 Dresdner SC FV Saarbrücken 3:0 27. Juni 1943 Berlin Olympiastadion1944 Dresdner SC LSV Hamburg 4:0 18. Juni 1944 Berlin Olympiastadion1945 vorzeitig abgebrochen (Zweiter Weltkrieg)
Übersicht aller Gaumeister Gauliga 1933/34 1934/35 1935/36 1936/37 1937/38 1938/39 1939/40 1940/41 1941/42 1942/43 1943/44 1944/45 Ostpreußen Preußen Danzig Yorck Boyen Insterburg SV Hindenburg Allenstein SV Hindenburg Allenstein Yorck Boyen Insterburg SV Hindenburg Allenstein VfB Königsberg VfB Königsberg VfB Königsberg VfB Königsberg VfB Königsberg abgebrochen Pommern Viktoria Stolp Stettiner SC Viktoria Stolp Viktoria Stolp Stettiner SC Viktoria Stolp VfL Stettin LSV Stettin LSV Pütnitz LSV Pütnitz HSV Groß Born abgebrochen Berlin-Brb. BFC Viktoria 1889 Hertha BSC Berliner SV 1892 Hertha BSC Berliner SV 1892 Blau-Weiß 90 Berlin SC Union Oberschöneweide Tennis Borussia Berlin Blau-Weiß 90 Berlin Berliner SV 1892 Hertha BSC abgebrochen Schlesien Beuthener SuSV 09 Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Beuthener SuSV 09 Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Vorwärts-Rasensport Gleiwitz Niederschlesien Breslauer SpVgg 02 LSV Reinecke Brieg STC Hirschberg abgebrochen Oberschlesien Germania Königshütte Germania Königshütte Germania Königshütte abgebrochen Sachsen Dresdner SC PSV Chemnitz PSV Chemnitz BC Hartha BC Hartha Dresdner SC Dresdner SC Dresdner SC Planitzer SC Dresdner SC Dresdner SC abgebrochen Mitte FC Wacker Halle 1. SV Jena 1. SV Jena SV Dessau 05 SV Dessau 05 SV Dessau 05 1. SV Jena 1. SV Jena SV Dessau 05 SV Dessau 05 SV Dessau 05 abgebrochen Nordmark Eimsbütteler TV Eimsbütteler TV Eimsbütteler TV Hamburger SV Hamburger SV Hamburger SV Eimsbütteler TV Hamburger SV Eimsbütteler TV Hamburg SC Victoria Hamburg LSV Hamburg Hamburger SV Mecklenburg TSG Rostock LSV Rerik abgebrochen Schleswig-Holstein Holstein Kiel Holstein Kiel abgebrochen Niedersachsen Werder Bremen Hannover 96 Werder Bremen Werder Bremen Hannover 96 VfL Osnabrück VfL Osnabrück Hannover 96 Werder Bremen Weser-Ems SpVgg Wilhelmshaven SpVgg Wilhelmshaven abgebrochen Südhannover-Braunschweig Eintracht Braunschweig Eintracht Braunschweig abgebrochen Osthannover WSV Nebeltruppe Celle abgebrochen Westfalen FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 FC Schalke 04 abgebrochen Niederrhein VfL Benrath VfL Benrath Fortuna Düsseldorf Fortuna Düsseldorf Fortuna Düsseldorf Fortuna Düsseldorf Fortuna Düsseldorf TuS Helene Altenessen Hamborn 07 Westende Hamborn KSG SpV/48/99 Duisburg abgebrochen Mittelrhein Mülheimer SV 06 VfR Köln 04 rrh. Kölner CfR VfR Köln 04 rrh. SV Beuel 06 SpVgg Sülz Mülheimer SV 06 VfL Köln 1899 Köln-Aachen VfL Köln 1899 SV Victoria Köln KSG VfL 1899/SpVgg Sülz abgebrochen Moselland FV Stadt Düdelingen Tus Neuendorf TuS Neuendorf abgebrochen Hessen Borussia Fulda FC Hanau 93 FC Hanau 93 Spielverein 06 Kassel FC Hanau 93 CSC 03 Kassel CSC 03 Kassel Borussia Fulda Kurhessen Reichsbahn SG Borussia Fulda Spielverein 06 Kassel Reichsbahn SG Borussia Fulda abgebrochen Hessen-Nassau Kickers Offenbach Kickers Offenbach Kickers Offenbach abgebrochen Südwest Kickers Offenbach FC Phönix Ludwigshafen Wormatia Worms Wormatia Worms Eintracht Frankfurt Wormatia Worms Kickers Offenbach Kickers Offenbach Westmark 1. FC Kaiserslautern FV Saarbrücken KSG Saarbrücken abgebrochen Baden SV Waldhof Mannheim VfR Mannheim SV Waldhof Mannheim SV Waldhof Mannheim VfR Mannheim VfR Mannheim SV Waldhof Mannheim VfL Neckarau SV Waldhof Mannheim VfR Mannheim VfR Mannheim SV Waldhof Mannheim Württemberg Union Böckingen VfB Stuttgart Stuttgarter Kickers VfB Stuttgart VfB Stuttgart Stuttgarter Kickers Stuttgarter Kickers Stuttgarter Kickers Stuttgarter Kickers VfB Stuttgart SV Göppingen abgebrochen Bayern 1. FC Nürnberg SpVgg Fürth 1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg 1. FC Schweinfurt 05 1. FC Nürnberg TSV 1860 München 1. FC Schweinfurt 05 Nordbayern 1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg abgebrochen Südbayern TSV 1860 München FC Bayern München abgebrochen Ostmark SK Admira Wien SK Rapid Wien SK Rapid Wien First Vienna FC First Vienna FC First Vienna FC abgebrochen Sudetenland Warnsdorfer FK NSTG Graslitz NSTG Prag LSV Olmütz MSV Brünn NSTG Brüx abgebrochen Elsaß FC Mülhausen SG SS Straßburg FC Mülhausen FC Mülhausen abgebrochen Danzig-Westpreußen Preußen Danzig HUS Marienwerder SG Neufahrwasser LSV Danzig abgebrochen Wartheland LSV Posen SG OrPo Litzmannstadt BSG DWM Posen BSG SDW Posen abgebrochen Generalgouv. LSV Boelcke Krakau LSV Adler Deblin LSV Mölders Krakau abgebrochen Böhmen-Mähren MSV Brünn abgebrochen
Weblinks Tabellenarchiv der Gauligen
Einzelnachweise