Dieser Artikel behandelt die Gerichtsorganisation im Königreich Sachsen.
Vor 1835 Verantwortlich für die Justizverwaltung war die Landesregierung und später das Landesjustizkollegium. Das oberste Gericht des Königreichs war das Sächsische Appellationsgericht in Dresden, gegründet 1559.Karlheinz Blaschke: Das kursächsische Appellationsgericht 1559–1835 und sein Archiv; Aus der Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung, teildigitalisat Dieses war gemäß dem Mandat von 13. März 1822 erste und letzte Instanz in Lehensachen, Angelegenheit der königlichen Familie und anderen Personen mit privilegierten Gerichtsstand. In anderen Zivilsachen war es ein Gericht zweiter und letzter Instanz. Daneben bestand das Oberhofgericht Leipzig, gegründet 1483, als allgemeiner Gerichtshof in Zivilsachen. Daneben wurde das Verfahren der Aktenversendung genutzt. Hierzu bestand ein Schöppenstuhl an der Universität Leipzig, Rechtsgutachten konnten auch bei der dortigen Juristenfakultät eingeholt werden.
Eingangsgerichte waren die königlichen Justizämter und Gerichte sowie die Patrimonialgerichte. Gerichtliche Funktionen hatten auch die Konsistorien, die Bücher-Kommission in Leipzig, das Universitätsgericht in Leipzig, das Handelsgericht in Leipzig sowie die Gesamtregierung und das Gesamtkonsistorium in Glauchau. Daneben bestanden Militärgerichte.Königlich Sächsischer Hof-, Civil- und Militär-Staat: im Jahre 1828, S. 15, Digitalisat
Justizreform 1835 Mit dem Gesetz, die höheren Justizbehörden und den Instanzenzug in Justizsachen betreffend vom 28. Januar 1835Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 1835, S. 62 ff. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) wurde die sächsischen Ober- und Mittelgerichte neu organisiert.
An der Spitze des Instanzenzugs stand nun das neu gebildete Königliche Oberappellationsgericht Dresden. Darunter waren mehrere Appellationsgerichte angesiedelt. Deren Sprengel beschrieb die Ausführungsverordnung vom 28. März 1835Ausführungsverordnung vom 28. März 1835, Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, S. 213 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Appellationsgericht Sitz Sprengel Appellationsgericht Dresden Dresden der Meißnische Kreis ohne die Ämter Oschatz und Stolpen und mit dem Amt Dippoldiswalde Appellationsgericht Budissin Budissin die Oberlausitz und das Amt Stolpen Appellationsgericht Leipzig Leipzig den Leipziger Kreis einschließlich der Schönburgschen Lehnsherrschaften Penig, Rochsburg und Wechselburg, das Amt Oschatz und das Amt Nossen Appellationsgericht Zwickau Zwickau der Rest des Erzgebirgischen Kreises sowie den Vogtländischen Kreis
Das Appellationsgericht Dresden war gleichzeitig Lehenshof.
Den Appellationsgerichten waren eine Vielzahl unterschiedlicher Gerichte nachgeordnet.
A) Königliche Justizämter sowie Königliche Gerichte:
Art des Gerichtes Ort Appellationsgericht Anmerkungen Königliches Justizamt Altenberg Altenberg siehe Dippoldiswalde Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Annaberg Annaberg siehe Wolkenstein Augustusburg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Borna Borna Appellationsgericht Leipzig Kreisamt Budissin Budissin Appellationsgericht Budissin Kreis-Amt für den unterm Schloss Ortenburg gelegenen Stadtteil und einige Landortschaften Königliches Justizamt Chemnitz Chemnitz Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Colditz Colditz Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Dippoldiswalde Dippoldiswalde mit Altenberg Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Dresden Dresden I. Abteilung Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Dresden II. Abteilung Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Eibenstock Eibenstock Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Frankenberg Frankenberg mit Sachsenburg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Frauenstein Frauenstein Appellationsgericht Dresden Kreisamt Freiberg Freiberg Appellationsgericht Dresden Erb-Amt Grimma Grimma Appellationsgericht Leipzig Landesschulenamt Grimma Grimma Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Großenhain siehe Hain Königliches Justizamt Grillenburg Grillenburg zu Tharandt Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Grünhain Grünhain Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Hain Hain oder Großenhain Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Hohnstein Hohnstein mit Lohmen Appellationsgericht Dresden Königliches Gericht Kirchberg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Laußnitz Laußnitz siehe Radeberg Königliches Justizamt Lauterstein Lauterstein Appellationsgericht Zwickau Kreisamt Leipzig Leipzig Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Leisnig Leisnig Appellationsgericht Leipzig Königliches Gericht der Stadt Lommatzsch Appellationsgericht Leipzig Kreisamt Meißen Meißen Appellationsgericht Dresden Prokuraturamt Meißen Appellationsgericht Dresden Landesschulenamt Meißen Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Moritzburg Moritzburg Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Mügeln Mügeln mit Sornzig Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Mutzschen Mutzschen zu Wermsdorf Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Nossen Nossen Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Oberwiesenthal Oberwiesenthal Appellationsgericht Zwickau Königliches Gericht Königliches Gericht Oederan Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Oschatz Oschatz Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Pausa siehe Plauen Königliches Justizamt Pegau Pegau Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Pirna Pirna Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Plauen Plauen mit Pausa Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Radeberg Radeberg mit Laussnitz Appellationsgericht Dresden Königliches Justizamt Rochlitz Rochlitz Appellationsgericht Leipzig Königliches Justizamt Sachsenburg Sachsenburg siehe Frankenstein Kreisamt Schwarzenberg Schwarzenberg Appellationsgericht Zwickau Criminal- und Forstjustizamt Schwarzenberg Schwarzenberg Appellationsgericht Zwickau Amt Königliches Justizamt Sornzig siehe Mügeln Königliches Justizamt Stollberg Stollberg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Stolpen Stolpen Appellationsgericht Budissin Königliches Justizamt Voigtsberg Voigtsberg Appellationsgericht Zwickau Königliches Gericht Werdau Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Wiesenburg Wiesenburg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Wolkenstein Wolkenstein mit dem Mühlenamt Annaberg Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Wurzen Wurzen Appellationsgericht Leipzig Königliches Gericht Zschopau Appellationsgericht Zwickau Königliches Justizamt Zwickau Zwickau Appellationsgericht Zwickau
B) Magistratualische Gerichte (Stadträte oder Stadtgerichte)
Ort Appellationsgericht Adorf Appellationsgericht Zwickau Altenberg Appellationsgericht Dresden Annaberg Appellationsgericht Zwickau Aue Appellationsgericht Zwickau Berggießhübel Appellationsgericht Dresden Bischofswerda Appellationsgericht Budissin Borna Appellationsgericht Leipzig Brand Appellationsgericht Dresden Buchholz Appellationsgericht Zwickau Budissin Appellationsgericht Budissin Kamenz Appellationsgericht Budissin Chemnitz Appellationsgericht Zwickau Colditz Appellationsgericht Leipzig Crimmitschau Appellationsgericht Zwickau Dippoldiswalde Appellationsgericht Dresden Döbeln Appellationsgericht Dresden Dohna Appellationsgericht Dresden Grünstädtel Appellationsgericht Zwickau Dresden Appellationsgericht Dresden Ehrenfriedersdorf Appellationsgericht Zwickau Eibenstock Appellationsgericht Zwickau Elterlein Appellationsgericht Zwickau Frankenberg Appellationsgericht Zwickau Freiberg Appellationsgericht Dresden Geithayn Appellationsgericht Leipzig Geier Appellationsgericht Zwickau Geringswalde Appellationsgericht Leipzig Gottleuba Appellationsgericht Dresden Grimma Appellationsgericht Leipzig Großenhayn Appellationsgericht Dresden Grünhain Appellationsgericht Zwickau Hartha Appellationsgericht Leipzig Hohnstein Appellationsgericht Dresden Jöhstadt Appellationsgericht Zwickau Johanngeorgenstadt Appellationsgericht Zwickau Kirchberg Appellationsgericht Zwickau Königsbrück Appellationsgericht Dresden Königstein Appellationsgericht Dresden Lausick Appellationsgericht Leipzig Leipzig Appellationsgericht Leipzig Leisnig Appellationsgericht Leipzig Löbau Appellationsgericht Budissin Marienberg Appellationsgericht Zwickau Kloster Marienthal Appellationsgericht Budissin Markranstädt Appellationsgericht Leipzig Meißen Appellationsgericht Dresden Mittweida Appellationsgericht Leipzig Mügeln Appellationsgericht Leipzig Mutzschen Appellationsgericht Leipzig Neukirchen Appellationsgericht Zwickau Neustadt Appellationsgericht Budissin Neustädtl Appellationsgericht Zwickau Nossen Appellationsgericht Leipzig Oberwiesenthal Appellationsgericht Zwickau Oederan Appellationsgericht Zwickau Oelsnitz Appellationsgericht Zwickau Oschatz Appellationsgericht Leipzig Pausa Appellationsgericht Zwickau Pegau Appellationsgericht Leipzig Pirna Appellationsgericht Dresden Plauen Appellationsgericht Zwickau Rabenau Appellationsgericht Dresden Radeberg Appellationsgericht Dresden Rochlitz Appellationsgericht Leipzig Roßwein Appellationsgericht Leipzig Schandau Appellationsgericht Dresden Scheibenberg Appellationsgericht Zwickau Schellenberg Appellationsgericht Zwickau Schlettau Appellationsgericht Zwickau Schneeberg Appellationsgericht Zwickau Schöneck Appellationsgericht Zwickau Schwarzenberg Appellationsgericht Zwickau Sebnitz Appellationsgericht Dresden Stollberg Appellationsgericht Zwickau Stolpen Appellationsgericht Budissin Tharandt Appellationsgericht Dresden Thun Appellationsgericht Zwickau Waldheim Appellationsgericht Leipzig Wehlen Appellationsgericht Dresden Werdau Appellationsgericht Zwickau Wolkenstein Appellationsgericht Leipzig Wurzen Appellationsgericht Budissin Zittau Appellationsgericht Budissin Zwenkau Appellationsgericht Leipzig Zwickau Appellationsgericht Zwickau Zwönitz Appellationsgericht Zwickau
Gemäß dem Gesetz über privilegierte Gerichtsstände und einige damit zusammenhängende Sachverhalte vom 28. Januar 1835Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 1835, S. 75 ff. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) regelte die privilegierte Gerichtsstände. Als spezielle Gerichte bestanden danach das Universitätsgericht der Universität Leipzig die Berggerichte die Militärgerichte bei den einzelnen Truppenteilen, das Stabskriegsgericht Dresden und das Kriegsgericht auf der Festung Königstein.
Weiterhin bestanden PatrimonialgerichteEine Liste der zuletzt noch bestehenden Patrimonialgerichte findet sich in: Königlich sächsischer Hof-Civil-und Militär-Staat, 1854, S. 98 ff., Digitalisat Der Staat bemühte sich um die Übernahme der Patrimonialgerichte. Dort, wo dies gelang, wurde diese Gerichtsbarkeit auf königliche Gerichte übertragen. Das erste, so entstandene, Königliche Gericht war das Königliche Gericht Kohren.