mini|Porträt von Johann Evangelist Fürst Johann Evangelist Fürst (* 28. Dezember 1784 in Frauendorf bei Vilshofen; † 11. November 1846 in Au) war ein bayrischer Zollbeamter, Unternehmer und Autor.
Leben und Familie Johann Evangelist Fürst wurde am 28. Dezember 1784 in Frauendorf bei Vilshofen als sechstes Kind des Bauern Michael Fürst (* 1744) und seiner Frau Katharina, geborene Huber, der Tochter eines Bauern aus Hagenham, geboren.H. Haushofer: Fürst, Johann Evangelist. In: Neue Deutsche Biographie. 5 (1961), S. 692 f., abgerufen am 19. Februar 2015.Kirchenbuch Vilshofen Taufen 4 1743-1804, Seite 311 Sein Urgroßvater, ein Landwirt und Schneider, hatte im Jahr 1701 den Glockenhof, einen kleinen Bauernhof in Frauendorf gekauft, der seitdem von der Familie Fürst bewirtschaftet wurde.
Johann Fürsts Mutter starb zwei Jahre nach seiner Geburt.R. Schmid: Biografie von Johann-Evangelist-Fuerst auf der Homepage des Bezirksverbandes für Gartenbau & Landespflege Niederbayern e. V., abgerufen am 16. Februar 2015. Sein Vater brachte ihm als Kind Lesen bei. Da der abgelegene Weiler Frauendorf nur aus vier Gehöften bestand, konnte Johann keine öffentliche Schule besuchen und erhielt stattdessen zunächst unregelmäßig Privatunterricht.C. Gröschel: auf der Homepage: Gartenkunst im Passauer Land, abgerufen am 23. Februar 2015. Er besuchte sogenannte Winkelschulen in den umliegenden Dörfern und legte vor dem Pfarrer von Vilshofen eine Prüfung ab. Da er sich dabei als guter Schüler erwies, erhielt er ab 1797 zur Vorbereitung auf das Gymnasium trotz des anfänglichen Widerstands des Vaters Unterricht beim Stiftskaplan und im Folgejahr bei Pfarrer und Dekan Georg Fürst in Aicha vorm Wald, einem Verwandten der Familie.R. Maier: Johann Evangelist Fürst und die Praktische Gartenbaugesellschaft in Bayern. In: Der Bayerische Wald. Dezember 2008, S. 65–75. Ab dem Herbst 1799 besuchte er das bischöfliche Gymnasium in Passau, wo er bald der zweitbeste Schüler der Klasse war. In Passau machte er die Bekanntschaft des Buchhändlers und Bibliothekars Anton Pustet, dem Vater seines späteren Freundes und Verlegers Friedrich Pustet.
Im Herbst 1803 wechselte Johann Fürst im Alter von 19 Jahren gegen den Willen seines Vaters an das (heutige) Wilhelmsgymnasium in München, das er 1804 abschloss.Leitschuh, Max: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, 4 Bde., München 1970-1976; Bd. 3, S. 224 Da er hier in München seine spätere Ehefrau Barbara Lobwasser kennenlernte, brach er die Ausbildung zum Geistlichen ab und wechselte auf das weltliche Lyzeum, auf dem er Kurse in Logik, Mathematik und Philosophie belegte, um sich auf ein Studium an der Universität vorzubereiten. Als jedoch bekannt wurde, dass er eine Beziehung zu Barbara Lobwasser unterhielt, verwies ihn der Schuldirektor Cajetan von Weiller, ein katholischer Theologie- und Philosophieprofessor, der Schule, vermittelte ihm aber eine Stelle in der Hofbibliothek. Dadurch war es Johann Fürst möglich, das Lyzeum weiter als Volontär zu besuchen und Kurse in Ästhetik, Naturlehre, Pädagogik, Moralphilosophie, Theologie, Mineralogie, Physik und Chemie zu belegen. Durch seine Arbeit in der Bibliothek lernte er einige einflussreiche Männer der Münchner Aufklärung persönlich kennen, darunter den Direktor der Bücherzensurkommission Lorenz Westenrieder.
1805 fand Fürst Anstellung als Beamter bei der Zollverwaltung in München und heiratete am 12. Oktober 1805 Barbara Lobwasser. Ab 1808 arbeitete er als Obermaut- und Hallamts-Kontrolleur in Lauingen an der Donau, zwei Jahre später wechselte er als Beimaut-Beamter nach Medlingen und danach als erster Wagmeister nach Augsburg. 1815 trat er schließlich eine Stelle als Halloberbeamter (Zollamtsvorstand) in Straubing an.
Johann Fürst hatte auch während seiner Beamtentätigkeit stets ein Interesse an der Landwirtschaft. An seinen wechselnden Dienststellen konnte er in den verschiedenen Gegenden Bayerns unterschiedliche landwirtschaftliche Wirtschaftsweisen kennenlernen. Auch nach dem Kauf des väterlichen Gutes Frauendorf von seinem Bruder behielt er zunächst seine Anstellung als Beamter, um den Kauf finanzieren und den Bruder auszahlen zu können. 1819 wurde er allerdings in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, weil ihm vorgeworfen wurde, zur Finanzierung des Druckes seines ersten Buches Amtsgelder veruntreut zu haben. 1823 wurde er zwar begnadigt, aber endgültig aus dem Staatsdienst entlassen.
Fürsts Ehefrau Barbara starb am 14. März 1817, nachdem sie erst im November des Vorjahres in Straubing eine Tochter entbunden hatte. Am 9. Dezember 1821 heiratete Fürst in zweiter Ehe Therese Sailer (* 1795), die Tochter des Hofbesitzers und Badinhabers Peter Sailer aus Adelholzen im Chiemgau. Sein Schwiegervater betrieb ebenfalls Obstbau und bewirtschaftete seinen Hof mit fortschrittlichen landwirtschaftlichen Methoden. Er veröffentlichte später Artikel in Fürsts Garten- und Bauernzeitung.Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, herausgegeben von dem historischen Vereine von und für Oberbayern. 27. Band, Königliche Hofdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn, München 1866–1867, S. 31f.
Im Alter litt Johann Evangelist Fürst zunehmend an Krankheiten und reiste im Herbst 1846 nach München, um sich dort von seinem Sohn Karl August (* 1807) untersuchen und behandeln zu lassen. Er starb am 11. November 1846 im Alter von 61 Jahren in Au bei München.
Von seinen zwischen 1806 und 1835 geborenen Kindern überlebten vier aus der ersten und acht aus der zweiten Ehe. Seine 1806 geborene Tochter Anna gab eine Ergänzung zu Fürsts Buch heraus, sein Sohn Eugen (* 1822, † 1877) führte nach seinem Tod den Hof und die Gartenbaugesellschaft in Fürsts Sinne weiter.
Gut Frauendorf mini|Idealplan des Mustergutes Frauendorf von 1841 Bereits im März 1802 übertrug Michael Fürst den Hof an seinen ältesten Sohn Simon. Johann Evangelist und seine Schwester erhielten für ihren Erbteil jeweils 700 Gulden ausbezahlt, die Fürst zur Finanzierung seines Schulbesuches verwendete.
Schon wenige Jahre nach der Hofübernahme geriet Simon Fürst mit der Bewirtschaftung des väterlichen Hofes in finanzielle Schwierigkeiten und konnte die Austragszahlungen für den Vater nicht mehr leisten, weshalb dieser ab 1806 bei Johann Evangelist wohnte. Simon bat seinen Bruder mehrmals um Geld; da dieser aber nur ein kleines Beamtengehalt bezog und zudem seine eigene wachsende Familie unterhalten musste, konnte er dem Bruder nicht helfen.
In München hatte Johann Evangelist die Theorie der Physiokratie kennengelernt, nach der die landwirtschaftliche Produktion die Basis für den Wohlstand eines Staates bildet. Er kannte außerdem die Theorien zur rationelleren Landwirtschaft von Albrecht Daniel Thaer. Fürst war der Meinung, dass die schlechte wirtschaftliche Situation der ländlichen Bevölkerung vor allem auf die veralteten Wirtschaftsmethoden in der Landwirtschaft zurückzuführen waren, was wiederum an der fehlenden Bildung und dem mangelnden Fachwissen lag. Da der Beruf des Landwirtes anderes als bei Handwerksberufen kein Lehrberuf war, wurde das Wissen lediglich vom Vater an den Sohn weitergegeben, weshalb sich neue Erkenntnisse und Anbaumethoden kaum in der landwirtschaftlichen Praxis niederschlugen.
Er führte auch die wirtschaftlichen Probleme seines Bruders darauf zurück, dass dieser den Hof mit unmodernen und unrentablen Methoden bewirtschaftete, weshalb er ihm wiederholt praktische Verbesserungsvorschläge unterbreitete. So schlug er vor, neben dem traditionellen Getreide- und Futterbau, auch Hopfen, Gemüse und Obst anzubauen sowie eine Imkerei zu betreiben. Doch erst mit der Agrarkrise, die 1816/17 nach Missernten zu Hungersnöten, einer Verknappung und damit extremen Teuerung von Getreide und schließlich zu einem Höfesterben führte, war Simon bereit, die Ratschläge seines Bruders anzunehmen. Johann Fürst stellte Mitte Juli 1816 Johann Nepomuk Schönberger, einen Gärtner aus Straubing sowie einen Gärtnergehilfen ein, die Simon bei der Bewirtschaftung und Umstrukturierung des Hofes helfen sollten.J. E. Fürst: Gründungsgeschichte Frauendorfs mit all seinen Institutionen und Zwecken. Verlag von Friedrich Pustet, Regensburg 1841, Band 1, S. 55ff. Dem Anstellungsvertrag nach unterstand Schönberger direkt den Anweisungen Johann Fürsts und sollte neben den gärtnerischen Tätigkeiten an Feiertagen und während der Winterzeit Simons Kinder in Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in Religion und Obstbau und Imkerei unterrichten. Simon Fürst widersetzte sich aber schon bald den geplanten Modernisierungen, weshalb sich die Brüder 1816 einigten, dass Johann Fürst seinem Bruder den verschuldeten Hof für 4.000 Gulden, die in vier Jahresraten zu je 1.000 Gulden zu zahlen waren, abkaufte. Für diese Zeit sollte Simon mit seiner Familie weiter auf dem Hof wohnen und diesen verwalten.
Fürst begann, den Hof zum Mustergut nach dem Vorbild des Gutes Hofwil des Schweizers Philipp Emanuel von Fellenberg auszubauen. Insbesondere pflanzte er Obstbäume und Beerenobst an. Schon 1818 kaufte er für 2.500 Gulden einen zweiten Hof in Frauendorf. Sein Bruder Simon boykottierte jedoch die beiden angestellten Gärtner, weshalb sie schließlich kündigten. Nach Ablauf der vereinbarten vier Wirtschaftsjahre konnte Johann Fürst, der in der Zwischenzeit nach Vilshofen gezogen war, ab 1820 endlich allein über das Gut verfügen, das nach der Entlassung aus dem Staatsdienst nun seine hauptsächliche Einnahmequelle war.
Im August 1825 und im März 1826 kaufte Fürst die beiden anderen Frauendorfer Höfe für 3.000 bzw. 4.000 Gulden, womit er der alleinige Besitzer des Ortes Frauendorf war. Zum Gut gehörte damit eine Fläche von rund 119 Hektar Grund (350 Tagwerk). Das Gut entwickelte sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor für die ansonsten strukturschwache Region. Trotzdem war die wirtschaftliche Situation nicht immer einfach; durch das große Gut hatte Fürst auch enorme Ausgaben zu bestreiten. So beschäftigte er bis zu 150 Mitarbeiter, die zum überwiegenden Teil als Tagelöhner angestellt wurden. Er unternahm erhebliche Investitionen in den Ausbau des Frauendorfer Mustergutes, dessen Bodenqualität nur mäßig war. So ließ er große Waldflächen roden, um sie als Ackerland zu nutzen, leitete 1827 einen Bach zur Bewässerung seiner Plantagen-Anlagen um und ließ die Straße nach Frauendorf ausbauen.
In einem Bericht an den Passauer Regierungsdirektor Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg aus dem Jahr 1827 berichtete Fürst, dass er die Grundstücke in Frauendorf für insgesamt 17.000 Gulden gekauft hatte und dann insgesamt 70.000 Gulden für den Ausbau des Gutes investiert hatte. Dem standen Einnahmen von 30.000 Gulden gegenüber; der Hof war mit 9.000 Gulden Schulden belastet. Bis 1832 wuchsen die Hypothekenschulden auf 16.000 Gulden. Dies war vor allem durch die in den 1830er Jahren stark rückgängigen Einnahmen aus dem Obstbaum- und Zeitschriftenverkauf bedingt. Fürst bat den Staat mehrfach um finanzielle Unterstützung, die ihm jedoch nur ein einziges Mal im Zusammenhang mit der Genehmigung der Zeitschrift Der Obstbaumfreundes im Juli 1827 gewährt wurde, als er zur Einrichtung einer eigenen Druckerei ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3.000 Gulden aus dem Industriefonds erhielt. Die Rückzahlung wurde Ende 1832 ausgesetzt, erst Johann Evangelists Sohn Eugen tilgte diese Belastung durch Aufnahme eines Bankkredits im Jahr 1875.