mini|Görsdorf-Wulfersdorfer Fließ Wulfersdorf ist ein Wohnplatz im Ortsteil Giesensdorf der Gemeinde Tauche im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). Die ursprünglich selbständige Gemeinde wurde bereits 1938 nach Giesensdorf eingemeindet; die Eingliederung wurde aber 1945 wieder rückgängig gemacht. Zum 1. Januar 1962 wurde Wulfersdorf erneut nach Giesensdorf eingemeindet und war zunächst Ortsteil. Seit der Eingliederung von Giesensdorf in die Gemeinde Tauche 2001 ist Wulfersdorf „nur“ noch ein Wohnplatz von Giesensdorf.
Geographie Wulfersdorf liegt knapp 10 Kilometer Luftlinie südwestlich von Beeskow, etwa 17 km südöstlich von Storkow (Mark) und nur etwa 1 Kilometer Luftlinie vom Ortskern von Giesensdorf entfernt. Wulfersdorf ist zwar nach Giesensdorf eingemeindet, die Gemarkung Wulfersdorf wurde jedoch nicht mit Giesensdorf vereinigt und entspricht dem früheren Gemeindegebiet von Wulfersdorf. Die Gemarkung von Wulfersdorf grenzt im Norden an die Gemarkung von Falkenberg, im Osten an die Gemarkung von Tauche, im Süden an die Gemarkung von Giesensdorf, im Südwesten an den zur Gemarkung Kossenblatt gehörenden Großen Kossenblatter See, und im Westen an Görsdorf. Der Ort ist durch die K6725 mit Giesensdorf verbunden, die durch den Ort hindurch weiter nach Görsdorf führt.
Südwestlich vom Ort liegt der Große Kossenblatter See, südlich und südöstlich des Ortskerns hat sich durch Flutung von Feuchtwiesen wieder ein See gebildet (Giesensdorfer Teich), der vor der Trockenlegung der Feuchtwiesen der nordöstliche Ausläufer des Großen Kossenblatter See war. Höchster Punkt der Gemarkung ist ein flacher Hügel im östlichen Teil der Gemarkung mit , tiefster Punkt der Seespiegel des Großen Kossenblatter Sees mit etwa . Von Nordosten und der Gemarkung Falkenberg kommend zieht das Kossenblatter Mühlenfließ durch die Gemarkung, das jedoch von der Gemarkungsgrenze bis nördlich des Ortskerns durch eine Serie von Fischteichen aufgestaut ist. mini|Giesensdorfer Teich, liegt zur Hälfte auf der Gemarkung von Wulfersdorf Geschichte Der Ort wird erstmals in einer Urkunde von 1448 als Wulwirssdorf erwähnt. Der Name ist vom deutschen Personennamen Wulfherr/Wolfherr abgeleitet. Nach seiner Dorfstruktur war es ein Angerdorf mit Gut. mini|Giesensdorf und Wulfersdorf auf dem Urmesstischblatt 3850 Kossenblatt von 1846 Besitzgeschichte In Wulfersdorf hatten sich im 15. Jahrhundert zwei Besitzanteile heraus gebildet. Zum einen Besitzanteil gehörte der Lehnschulze mit dem (Nieder-)Gericht (vier Hufen) und ein Lehngut mit vier Hufen, das von einem Lehnmann bewirtschaftet wurde. Zum zweiten Besitzanteil gehörten die Dienste der Bauern und Kossäten. Der Ort gehörte im ausgehenden Mittelalter zum Hausbesitz der Biebersteiner, den Besitzern der Herrschaft Beeskow.
1448 verkaufte Friedrich von Bieberstein dem Heinrich Gwiß (Queis) die Lehngüter in Ahrensdorf und in Wulfersdorf für 50 Schock Groschen. Schon vor 1518 war der Anteil an Baltzar Seifertitz genannt Fuchs in Wendisch Rietz gegangen. Baltzer Seifertitz verkaufte seinen Anteil an Hans von Maltitz in Klein Rietz. 1556 besaß sein Sohn Nickel von Maltitz diesen Anteil.
1486 lieh sich Hans von Bieberstein 200 rheinische Gulden von der Kasse des Altars Unser Lieben Frauen in Beeskow gegen eine Rente aus der Schlosskammer zu Beeskow. Er verpfändete dazu den Wulfersdorfer See (der Kleine Kossenblatter See?) und die Walkmühle bei Beeskow. 1487 bestätigte Hans von Bieberstein dem Caspar Kuchmeister die Verpfändung von 15 Schock Geldrenten in den Dörfern Bornow und Wulfersdorf. 1518 hatten auch die von Luckowin neben dem Caspar Küchenmeister einige Geldabgaben in Wulfersdorf. 1525 gestattete Bischof Georg von Lebus dem Hauptmann von Beeskow, Christoph von der Zauche, verschiedene von Wenzel und Ulrich von Bieberstein verpfändete Renten in den Dörfern Kohlsdorf, Herzberg, Bornow und Wulfersdorf für sich einzulösen. Die Besitzanteile der von Luckowin sollen um 1550 an Ludwig von Schapelow in Stremmen gekommen sein.
Nach Petersen soll das Vorwerk in Wulfersdorf 1556 im Besitz des Nickel von Maltitz gewesen sein. Es müsste der Anteil gewesen sein, den sein Vater Hans von Maltitz von Baltzer Seiffertitz gekauft hatte. Das Amt Beeskow hatte 1560 von seinem Besitzanteil noch zwei Hüfner und zehn Kossäten an die von Maltitz abgetreten, im Tausch gegen den Besitz von Premsdorf. Um 1580 gehörte ganz Wulfersdorf dem Hans von Maltitz, Sohn des Nicol von Maltitz. 1615 starb Hans von Maltitz, nur ein Jahr später dessen 12-jähriger Sohn Albrecht von Maltitz. Die Inschriftgrabsteine der beiden sind in der Kirche in Giesensdorf aufgestellt. 1661 saß Nicol von Maltitz auf Wulfersdorf. In einer Specification von den angesehenen Leuten ..., so vor diesem im Kriege gedient, aufgenommen 1663, ist auch ein Hans von Maltitz zu Wolfersdorf aufgeführt, der als Leutnant unter General von Götzen gedient hatte. Der familiengeschichtliche Zusammenhang zwischen den beiden ist bisher nicht geklärt.
Die von Maltitz konnten diesen Besitztitel bis 1684 behaupten. 1684 kam der Lehnssekretär Stephani in Besitz des Anteils der von Maltitz. Danach kam der Ort noch für drei Jahre auf Wiederkauf an Wolf Friedrich von Burgsdorf. 1698 wurde dieser Anteil als heimgefallenes Lehen eingezogen und zum Amt Beeskow gegeben. Somit war das Amt Beeskow im Besitz des gesamten Dorfes.
1810 wurde das Vorwerk in Wulfersdorf in Erbpacht verpachtet. Es umfasste damals 587 Morgen, 175 Quadratruten Acker, 10 Morgen 135 Quadratruten Gärten und 50 Morgen 26 Quadratruten Wiesen sowie massive Gebäude. Ab 1849 bildete das Vorwerk einen eigenen Gutsbezirk. Die kommunale Eigenständigkeit des Gutsbezirkes Wulfersdorf wurde 1882 aberkannt und der Gutsbezirk in den Gemeindebezirk eingegliedert. Ab 1825 (nachgewiesenerweise) war das Vorwerk an den Amtmann Georg Binder verpachtet. Er hatte das Gut bis mindestens 1855 inne. Um 1843 legt er eine Maulbeerbaumplantage an. 1849 war er offenbar in finanzielle Schwierigkeiten geraten; ein Garten in seinem Besitz wurde zwangsversteigert. 1879 gehörte das Gut in Wulfersdorf dem Robert Kunicke. Das Gut hatte eine Fläche von insgesamt 153,62 ha. Davon entfielen 130,53 ha auf Ackerland, 15,62 ha auf Wiesen und 7,47 ha auf Hutung (Weiden). Der Grundsteuerreinertrag belief sich auf 2133 Mark. 1885 gehört das Gut in Wulfersdorf dem Robert Kunicke. Durch Zukauf maß es nun 157 ha, 136 ha Ackerland, 13 ha Wiesen, 7 ha Hutung und 1 ha Wasser. Der Grundsteuerreinertrag war auf 1980 Mark angesetzt. Schon 1893 hatte mit Robert Rabert der Besitzer gewechselt. Nach Niekammer’s Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg gehört das Gut in Wulfersdorf immer noch Hans Rabert. Er hatte sich auf die Zucht von Elite-Ähren, die Rindviehzucht und die Bereitstellung von Saatkartoffeln spezialisiert. Durch weitere Zukäufe hatte das Gut nun eine Fläche von 177 ha erreicht. Davon waren 150 ha Ackerland, 17 ha Wiesen, 9 ha Weide etwa 1 ha entfiel auf Gehöft, Unland und Wasser. In den Ställen standen 14 Pferde, acht Fohlen, 102 Rindvieh, davon 28 Milchkühe und 12 Schweine. Der Grundsteuerreinertrag belief sich auf 2310 Mark.
1914 betrug der Grundsteuerreinertrag von Hans Rabert 2507 Mark, er verfügte über 177 ha Fläche, davon 150 ha Ackerland, 26 Wiesen, 1 ha Gehöft, 14 Pferde, acht Fohlen, 90 Stück Rindvieh, davon 28 Milchkühe, 12 Schweine, keine Schafe dafür aber eine Rindviehzucht, außerdem betrieb er den Anbau von Saatkartoffeln.
1923 gehörte der Betrieb einem Gustav Knauer. Er gab nun eine Spezialisierung auf Saatgetreidebau und Schweinezucht, außerdem betrieb er weiter die Erzeugung von Saatkartoffeln. Die Betriebsfläche war mit insgesamt 177 ha gleich geblieben. Auch die Verteilung von Ackerland (150 ha) und Wiesen (26 ha) war im Vergleich zum Vorbesitzer identisch. Er hielt 20 Pferde, 52 Stück Rindvieh, 89 Schafe und 45 Schweine. Der Grundsteuerreinertrag war auf 2.507 Mark gestiegen. 1929 war Gustav Knauer verstorben und seine Frau Klara Knauer ließ das Gut von einem Inspektor Alwin Strohbach bewirtschaften. Der Grundsteuerreinertrag war auf 2133 Mark gesunken. Die Betriebsfläche war zur Zukäufe auf 188 ha angewachsen. Davon waren 159 ha Ackerland, 23 ha Wiesen und 5 ha Weiden. Der Tierbestand belief sich auf 19 Pferde, 47 Stück Rindvieh, 74 Schafe und 50 Schweine. In der Bodenreform von 1946 wurde das Gut enteignet und aufgeteilt.
Bevölkerungsentwicklung von 1774 bis 1950 Jahr 1774 1801 1818 1837 1858 1875 1890 1910 1925 1939 1946 1950 Einwohner 58 66 89 96 112 135 101 118 122 511 182 176
Ortsgeschichte