mini|Statue von Jakob Leisler in New Rochelle Der als Leisler’s Rebellion bekannt gewordene Konflikt entstand im späten 17. Jahrhundert in der Province of New York im kolonialen Nordamerika. Der namensgebende deutsch-amerikanische Kaufmann und Milizoffizier Jakob Leisler erlangte im Ergebnis die Kontrolle über die südlichen Bereiche der Kolonie und regierte diese von 1689 bis 1691. Ausgangspunkt des Aufstands waren die britische Glorious Revolution und der Aufstand in Boston 1689 im Dominion of New England, zu dem auch New York gehörte; politisch war die Rebellion gegen die Politik des im Zuge der Revolution abgesetzten Königs Jakob II. gerichtet.
Die königliche Autorität konnte in der Kolonie erst 1691 wiederhergestellt werden, als englische Truppen gemeinsam mit einem neuen Gouverneur New York erreichten. Dieser ließ Leisler verhaften und wegen Verrats anklagen. Leisler wurde hingerichtet, jedoch war auch danach die Kolonie aufgrund der Rebellion in zwei rivalisierende Fraktionen gespalten.
Hintergrund
Nachdem englische Truppen 1664 die Kontrolle über Nieuw Nederland erlangt hatten, übergab der englische König Karl II. das Gebiet an seinen Bruder Jakob, zu diesem Zeitpunkt Duke of York, zu dessen freier Verfügung.Lovejoy, S. 98 f. Jakob trennte East Jersey und West Jersey davon ab und wies ihnen andere Verwalter zu, während er selbst im verbliebenen Teil eine im Wesentlichen autokratische Regierung aufbaute, die über einen mächtigen Gouverneur und Kolonialrat, aber nicht über eine gewählte Legislative verfügte.Lovejoy, S. 99, 106 f.
Jakob folgte seinem Bruder 1685 auf den Thron und errichtete im darauffolgenden Jahr das Dominion of New England. Im Mai 1688 fügte er diesem New York und die bis dahin abgetrennten Jerseygebiete hinzu. Der Gouverneur Edmund Andros erreichte im Sommer desselben Jahres New York und führte Francis Nicholson als seinen Vizegouverneur und Verwalter der neuen Dominiongebiete ein.Dunn, S. 64. Nicholson regierte zwar mit Unterstützung eines örtlichen Beratergremiums, aber ohne legislative Versammlung, weshalb er von den New Yorker Bürgern als ein weiterer Gouverneur in einer langen Reihe von Amtsträgern angesehen wurde, der . Nicholson rechtfertigte sich, indem er die Kolonisten als bezeichnete, die .Webb (1966), S. 522.
Ende 1688 wurde der katholische Jakob II. im Zuge der Glorious Revolution durch die protestantischen Wilhelm III. und Maria II. ersetzt, die sich den Thron teilten.Dunn, S. 65. Andros war insbesondere in Massachusetts extrem unbeliebt,Lovejoy, S. 180, 192 f., 197. und als die Nachricht über die Revolution Boston erreichte, nutzten seine Gegner die Gunst der Stunde und organisierten einen Aufstand. Am 18. April 1689 bildete sich ein Mob, der Andros und andere Amtsträger des Dominion verhaftete. Dies führte zu einer Reihe weiterer Ereignisse, in denen Massachusetts und die anderen Kolonien in Neuengland ihre Verwaltungsstrukturen so wiederherstellten, wie sie vor der Gründung des Dominion existiert hatten.Lovejoy, S. 240–250.
Vor Ausbruch der Rebellion mini|Vizegouverneur Francis Nicholson Vizegouverneur Nicholson erfuhr vom Bostoner Aufstand am 26. April. Er leitete jedoch weder diese noch die Nachricht über die Revolution in England an die Öffentlichkeit weiter, weil er befürchtete, dass dies auch zu einer Rebellion in New York führen könnte.Lovejoy, S. 252. Als die Nachricht über die Ereignisse in Boston Long Island erreichte, gerieten die Dominion-Beamten zunehmend unter Druck; Mitte Mai waren bereits viele von ihnen aus einer Vielzahl von Gemeinschaften ausgeschlossen.Lovejoy, S. 253. Zur gleichen Zeit erreichte Nicholson die Nachricht von der Kriegserklärung Frankreichs an England, was die Gefahr durch französische und indianische Angriffe an der nördlichen Grenze von New York wesentlich erhöhte.Webb (1966), S. 523. Er verfügte nur über wenige Soldaten, da die meisten von Gouverneur Andros nach Maine geschickt worden waren, um dort gegen die Indianer vorzugehen.Lustig (2002), S. 199. Nicholson musste zudem feststellen, dass er sogar seinen engsten Mitarbeitern nicht mehr vertrauen konnte, da diese von Populisten beeinflusst wurden und glaubten, dass er die Einführung einer katholischen Herrschaft in New York plante. Er versuchte, die aufgrund von Gerüchten über indianische Überfälle in Panik versetzte Bevölkerung zu beruhigen, indem er die Milizen einlud, sich den regulären Truppen im Fort Amsterdam auf Manhattan Island anzuschließen.Webb (1966), S. 524.
Da die Verteidigungsanlagen von New York in schlechtem Zustand waren, stimmte Nicholsons Beraterstab Importzöllen zu, um Reparaturen durchzuführen. Die ortsansässigen Kaufleuten weigerten sich aber, diese Zölle zu bezahlen. Zu ihnen gehörte der deutschstämmige, calvinistische Einwanderer Jakob Leisler, der zugleich Captain bei der Miliz war. Er trat öffentlich gegen das Dominion-Regime auf, das er als einen Versuch ansah, den Papismus in der Provinz zu etablieren. Es wird vermutet, dass er an der Beeinflussung von Nicholsons Mitarbeitern beteiligt war. Am 22. Mai stellten die Milizen beim Beratergremium von Nicholson den Antrag, Zugang zum Schießpulver-Magazin im Fort zu bekommen, um die Verteidigungsfähigkeit der Stadt zu erhöhen. Dies wurde abgelehnt, was in der Bevölkerung die Besorgnis erregte, dass die Stadt nicht über ausreichende Vorräte an Schießpulver verfüge. Diese Befürchtungen wurden noch verstärkt, als hohe Beamte im gesamten Stadtgebiet nach Vorräten suchten.McCormick, S. 175 f.
Verlauf des Aufstands Als am 30. Mai 1689 Nicholson zu einem Milizoffizier sagte, dass er , führte zum Ausbruch der Rebellion. Es entstanden Gerüchte, dass der Vizegouverneur beabsichtige, die Stadt anzuzünden. Am darauffolgenden Tag bestellte Nicholson den betreffenden Offizier zu sich und verlangte dessen Rücktritt. Abraham de Peyster, einer der reichsten Männer der Stadt und zugleich Vorgesetzter des zum Rücktritt aufgeforderten Offiziers, begann daraufhin einen Streit mit Nicholson und verließ gemeinsam mit seinem Bruder Johannis, ebenfalls Captain der Miliz, den Ratssaal.McCormick, S. 179.
Die Milizen wurden zusammengerufen und besetzten das Fort Amsterdam.Webb (1998), S. 202.Lovejoy, S. 255. Ein Offizier wurde zum Stadtrat geschickt, um die Schlüssel zum Pulvermagazin zu verlangen. Nicholson gab der Aufforderung nach, um McCormick, S. 181. Am folgenden Tag forderte ein aus Miliz-Offizieren gebildetes Gremium Jakob Leisler auf, den Befehl über die Stadtmilizen zu übernehmen. Er folgte dieser Bitte, und die Rebellen veröffentlichten eine Erklärung, in der sie ihre Absicht darstellten, das Fort im Namen der beiden neuen Könige zu besetzen, bis ein rechtswirksam akkreditierter Gouverneur geschickt werde.Webb (1998), S. 203.
Leislers Rolle während des Aufstands der Milizen ungeklärt, aber eine Reihe von Beobachtungen sprechen für seine Verwicklung in die Geschehnisse. So präsentierte er gemeinsam mit dem Miliz-Captain Charles Lodewick die Petition am 22. Mai. Jost Stoll, einer seiner Offiziere, führte die Milizen zu den Toren von Fort Amsterdam, und ein weiterer seiner Offiziere forderte beim Stadtrat die Herausgabe der Schlüssel für das Pulvermagazin.McCormick, S. 183.
Übernahme der Regierung durch Leisler mini|Diese Gravur aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Berater von Nicholson beim Versuch, den Aufstand zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt kontrollierten die Milizen das Fort und besaßen damit die Kontrolle über den New Yorker Hafen. Ankommende Schiffe wurden umstellt und die Passagiere und Mannschaften unmittelbar ins Fort gebracht, um Kommunikation mit Nicholson und seinen Beratern auszuschließen. Am 6. Juni entschied sich Nicholson, die Kolonie in Richtung England zu verlassen, und begann damit, eidliche Aussagen zu sammeln, die er in London nutzen wollte. Am 10. Juni verließ er die Stadt, um sich mit Thomas Dongan zu treffen und kurz darauf mit diesem nach England zu segeln.McCormick, S. 210.
Leislers Kontrolle über die Provinz war stark eingeschränkt, da sich Nicholsons Berater – die holländischen Großgrundbesitzer Nicholas Bayard, Stephanus van Cortlandt und Frederick Philipse – immer noch in der Stadt aufhielten und seine Autorität nicht anerkannten. Dieser Auffassung folgte auch die gesamte Zivilverwaltung der Stadt, deren Bürgermeister van Cortlandt war.Van Rensselaer, S. 370, 393. Als beide Seiten die Nachricht vernahmen, dass in Hartford die Inthronisierung der beiden neuen Könige bekanntgegeben worden war, entwickelte sich zwischen ihnen ein Wettrennen zum Boten, der sich mit dieser Nachricht auf dem Weg nach New York befand. Leislers Beauftragte gewannen dieses Rennen, so dass er am 22. Juni die Bekanntgabe veröffentlichen konnte. Zwei Tage später erhielt van Cortlandt die offizielle Nachricht, dass die Könige Edmund Andros zum neuen Gouverneur ernennen wollten.
Die Übermittlung des Dokuments war allerdings aufgrund einer taktischen Intervention durch Vertreter von Massachusetts in London verzögert worden.Lovejoy, S. 228. In ihm war explizit vermerkt, dass alle nicht-katholischen Beamten ihre Positionen bis auf Weiteres behalten konnten. Zudem legitimierte es den Rat, in Abwesenheit von Nicholson die Regierungsgeschäfte zu führen. Van Cortlandt entließ dementsprechend den katholischen Zolleintreiber ersetzte ihn durch Bayard und andere.Van Rensselaer, S. 399. Leisler war gegen diese Machtanhäufung und zog mit einem Trupp Milizen zum Zollgebäude. Es kam beinahe zu einem Aufruhr, und Bayard konnte nur knapp einem Lynch-Mob entkommen. Er floh nach Albany,Doyle, S. 195.Van Rensselaer, S. 399 f. wohin ihm wenige Tage später auch van Cortlandt folgte. Philipse zog sich aus der Politik zurück, wodurch Leisler die Kontrolle über die Stadt erlangte.McCormick, S. 221.
Am 26. Juni setzte eine aus Delegierten einer Reihe von Gemeinden aus New York und East Jersey bestehende Versammlung einen Sicherheitsrat ein, der die Angelegenheiten der Provinz regeln sollte.Doyle, S. 196.Van Rensselaer, S. 406. Der Rat, der später zum Kern der Regierungsstrukturen unter Leisler wurde, bestimmte Jakob Leisler zum Oberbefehlshaber der Provinz, . Leislers handverlesene Milizen – finanziert mit Steuergeldern, die Nicholson im Fort deponiert hatte – übernahmen die Kontrolle über die Stadt. Leisler wurde von Sympathisanten aus Connecticut unterstützt, die eigene Milizen zur Unterstützung der Sicherung des Forts schickten. Nicholsons reguläre Armee wurde am 1. August formal aufgelöst. Etwa zur gleichen Zeit erreichte die offizielle Nachricht über den Kriegsbeginn zwischen Frankreich und England die Provinz.McCormick, S. 222.
Um seine Position in London zu festigen, entsandte Leisler am 15. August Jost Stoll und Matthew Clarkson nach England. Sie führten Dokumente mit, welche zum einen die Anschuldigungen gegen Nicholson, er habe gegen die Einwohner von New York konspiriert, unterstützen und zum anderen die Maßnahmen von Leisler gegen Nicholsons Herrschaft rechtfertigen sollten. Stoll und Clarkson hatten zudem den Auftrag erhalten, eine neue Charta für die Provinz zu beantragen und glaubhaft zu machen, dass die vereinten Kolonien Neufrankreich ohne Unterstützung des Heimatlandes besiegen können. Leisler forderte nicht explizit, dass die neue Charta irgendeine Form von demokratischen Strukturen enthalten solle.McCormick, S. 224 ff.
Im Oktober fand in der Provinz eine öffentliche Abstimmung über eine Anweisung an den Sicherheitsrat statt, van Cortlandt von seinem Amt zu entheben und Leislers Zuständigkeit auf ganz New York mit Ausnahme der Region um Albany auszudehnen. Die Beteiligung in New York City war mit knapp 100 abgegebenen Stimmen allerdings niedrig.Doyle, S. 250. Am 20. Oktober gaben Bayard und Philipse eine Proklamation heraus, in der sie Leislers Regierung als illegal bezeichneten und auswärtige Miliz-Kommandeure aufforderten, ihre Unterstützung für Leisler zu beenden. Das Dokument wurde vollständig ignoriert.McCormick, S. 236.
Widerstand in Albany