mini|„Pool of Peace“ (übersetzt: Friedensteich), verursacht durch die Spanbroekmolen-Mine. Der Sprengkrater hatte einen Durchmesser von 76 Metern und war 12 Meter tief. Die Minen in der Schlacht bei Messines waren ausgedehnte unterirdische Stollen, die während des Ersten Weltkrieges im Vorfeld der Schlacht bei Messines (7. Juni bis 14. Juni 1917) von britischen Truppen in der Nähe von Mesen in Belgien unter den deutschen Stellungen an der Westfront im Wytschaete-Bogen bei Ypern angelegt wurden.
Geschichte mini|Beispiel eines vergleichbaren Stollens. mini|Tote deutsche Soldaten in den Resten eines Schützengrabens nach einer Minensprengung bei Mesen
Für den Bau der Minenschächte wurden Sappeure und Mineure beziehungsweise Bergleute aus allen Teilen des British Empire eingesetzt, im Fall der Minen bei Messines stammten sie besonders aus England und Wales, Kanada und Australien. Die gegnerischen Stellungen wurden so weit wie möglich untergraben, die Stollen anschließend mit mehreren Tonnen Ammonal-Sprengstoff gefüllt und unter strengster Geheimhaltung zum Teil über mehrere Monate einsatzbereit gehalten. Die Länge der Tunnel unter dem Schlachtfeld bei Mesen betrug an die 8.000 m; dies schloss auch die heftig umkämpfte Höhe 60 mit ein.
Eine der Minen (La Petite Douve Farm) wurde nach Entdeckung durch deutsche Truppen aufgegeben und nicht gesprengt, eine weitere (Peckham 2) nach einem Tunneleinsturz ebenfalls aufgegeben. Beide sind wahrscheinlich, neben den Minen Birdcage 1, 2 und 4, bis heute scharf geladen und unter Umständen noch zündfähig.Neil Tweedie: Farmer who is sitting on a bomb. In: The Telegraph, 12. Januar 2004; abgerufen am 15. Februar 2015. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Stollen inzwischen komplett geflutet sind. Die erst genannte Mine mit ihren 25 Tonnen Sprengstoff gilt als die größte noch nicht geborgene Sprengladung der Welt. Birdcage 3 wurde während des Ersten Weltkrieges ebenfalls nicht gesprengt, blieb aber ebenfalls scharf geladen und explodierte 1955 bei einem Gewitter. Bei der Explosion kam eine Kuh ums Leben. Die Position von drei weiteren nicht gesprengten und scharf geladenen Minen (Birdcage 1, 2 und 4) ist nicht mehr genau bekannt.
Zum Auftakt der Schlacht bei Messines am 7. Juni 1917 um 3:10 Uhr früh wurden die meisten der von den alliierten Truppen angelegten Stollenminen zur Explosion gebracht, wobei die Zündung nach einer unregelmäßigen Abfolge erfolgte. Es „stiegen neunzehn gigantische Rosen mit glutroten Blättern oder … riesige Pilze … langsam und majestätisch aus der Erde auf und zersprangen dann unter gewaltigem Dröhnen, wobei sie farbenprächtige Flammensäulen, mit Erde und Splittern vermischt, hoch in den Himmel jagten“. So erinnerte sich ein Überlebender an die Detonation von mehr als 400 Tonnen Sprengstoff.Florian Stark, Die größte konventionelle Explosion traf die Bayern, in: Die Welt, 20. November 2014 (welt.de). Die Sprengungen erzeugten 19 riesige Sprengkrater und richteten an den deutschen Stellungen entlang des Frontabschnittes enorme Verwüstungen an. Schwer getroffen waren Teile der 204. württembergischen Infanterie-Division, der 2. und 35. preußischen Infanterie-Division sowie der bayerischen 4. Infanterie-Division. Die in der Ablösung begriffene 3. bayerische Division und sächsische 40. Infanterie-Division erlitten schwerste Verluste; bis zu 10.000 Soldaten kamen dabei ums Leben. Die deutsche Verteidigung des Frontabschnittes brach zusammen, die erste Linie wurde komplett überrannt. Zwischen 08:00 Uhr und 09:00 Uhr nahmen die britischen Truppen Wijtschate und Mesen ein, erst in der Sehnenstellung konnten sie aufgehalten werden.James Edmonds (Hrsg.): History of the Great War, based on official documents. Band 4: Military Operations France and Belgium 1917. Teilband 2: 7 June – 10 November. Messines and Third Ypres (Passchendaele). Macmillan, London 1948. S. 55.Reichsarchiv Band 27, S. 18 ff.
Der Stabschef der 2. Britischen Armee, General Sir Charles Harington, schrieb am Vorabend der Schlacht bei Messines: „Ich weiß nicht, ob wir morgen die Geschichte ändern werden, aber auf jeden Fall werden wir die Landschaft ändern.“ Die Explosion der Minen war das lauteste bis dahin von Menschen erzeugte Geräusch und konnte angeblich bis Dublin und von Premierminister David Lloyd George in der Londoner Downing Street No. 10 gehört werden;Messines. firstworldwar.com; abgerufen am 16. Februar 2015. sie gilt als eine der größten nichtnuklearen Explosionen aller Zeiten.
Liste der Minen