mini|Melanchthonkirche von Westen mini|Turm von Nordosten mini|Altarraum
Die Melanchthonkirche ist eine evangelische Kirche in barockem Stil in Fechenheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main. Sie ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. Benannt ist sie nach dem Reformator Philipp Melanchthon.
Entstehung und Entwicklung Mittelalter Die Fechenheimer Kirche gehörte im Mittelalter zum Frankfurter Bartholomäusstift. Politisch gehörte das Dorf aber zur Herrschaft Hanau, seit 1429: Grafschaft Hanau, und nach der Landesteilung von 1458 zur Grafschaft Hanau-Münzenberg.
Frühe Neuzeit Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich ab den 1530er Jahren der Reformation an – zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung. Der Prozess der Reformation verlief gleitend und wurde erst unter Philipp III. (1526–1561) abgeschlossen. Graf Philipp Ludwig II. (1576–1612) machte dann 1597 von seinem Recht Gebrauch, die Konfession seines Territoriums nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ auf das reformierte (calvinistische) Bekenntnis festzulegen.
1642 starb das Haus Hanau-Münzenberg aus und Graf Friedrich Casimir aus der lutherischen Linie der Grafen von Hanau-Lichtenberg trat das Erbe an. Im Laufe seiner Regierungszeit und der seiner Nachfolger bildeten sich auch im Hanau-Münzenberger Landesteil wieder lutherische Gemeinden, die örtlich parallel und unabhängig von der reformierten Landeskirche der Grafschaft eine eigene, zweite Landeskirche bildeten, so auch in Fechenheim.
Als die mittelalterliche Kirche baufällig wurde, feierte die reformierte Gemeinde ihre Gottesdienste ab 1774 im Rathaus. Die Lutheraner bauten in den Jahren 1771 und 1772 die heutige Melanchthonkirche.
Ab 1793 nutzten beiden Konfessionen gemeinsam die heutige Melanchthonkirche als Simultaneum. Dies war faktisch ein Vorgriff auf die Vereinigung der beiden Hanauer Landeskirchen, die 1817 erfolgte.
Neuzeit Von 1901 bis 1904 wurde das Kirchengebäude umfassend renoviert. Die Fenster wurden vergrößert, eine Sakristei angebaut, die Bankanordnung verändert sowie ein freistehender Sandsteinaltar aufgestellt, über dem eine Kanzel mit Schalldeckel angebracht wurde. 1907 folgte eine neobarocke Erneuerung.
Im Jahr 1925 wurde der Beschluss zum Bau eines neuen Glockenturms gefasst, da der bisherige Dachreiter keine schweren Glocken tragen konnte. Ermöglicht wurde das Vorhaben durch die Eingemeindung Fechenheims nach Frankfurt am 1. April 1928, welche die nötigen Mittel verfügbar machte. Von 1928 bis 1930 erhielt die Kirche einen Vorbau am Eingang und die Hauptfassade wurde mit historisierenden Giebeln umgestaltet. Nordöstlich des Kirchenschiffs entstand ein neuer Glockenturm. Dessen Spitze bildete die abmontierte, dreigestufte barocke Haube, die zuvor als Dachreiter auf dem Langschiff gedient hatte. 1929 wurden neue Glocken geweiht. Am 28. Mai 1930 erhielt die Kirche ihren heutigen Namen „Melanchthonkirche“ nach dem Reformator Philipp Melanchthon, der sich um die Vereinigung der beiden evangelischen Bekenntnisse bemüht hatte.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche durch Bomben beschädigt. In den letzten Kriegstagen wurde der Turm von amerikanischen Panzern beschossen, da Schaulustige auf dem Turm irrtümlich für militärische Beobachter gehalten wurden. Die 1929 geweihten Glocken mussten bis auf die kleinste an die Rüstungsindustrie abgegeben werden; nur die historische Glocke von 1390 und die kleinste Glocke blieben erhalten. Bei der zunächst nur notdürftigen Reparatur der Kriegsschäden 1944 wurden die Wandmalereien vom Anfang des Jahrhunderts entfernt.
1950 erhielt die Kirche eine kupferne Kugel und einen Wetterhahn auf der Turmspitze. Im Juli 1961 musste die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen werden, da neben den unzureichend behobenen Bombenschäden auch massiver Holzwurmbefall die Statik bedrohte. Bei der anschließenden Grundrenovierung zwischen 1961 und 1966 wurden die sechs vorgeblendeten Fenstergiebel des historisierenden Umbaus von 1928/30 entfernt; einer von ihnen ist heute im Kirchgarten ausgestellt. Die Kirche erhielt neue Buntglasfenster, deren Entwurf und Ausführung beim Pariser Atelier Pillod lagen. Sie stellen den Einzug in Jerusalem und die Kreuzabnahme dar; an der Rückfront sind ein Abendmahlsbild sowie ein Lamm Gottes zu sehen. Im Altarraum wurde der heutige Taufstein aufgestellt. Die grundlegend sanierte Kirche wurde am 2. Advent 1966 wiedereröffnet.
Seit 1983 ist die Melanchthonkirche auch Gotteshaus der syrisch-orthodoxen Gastgemeinde.
Von 2001 bis 2003 baute die Gemeinde ein neues Gemeindehaus nach Plänen des Architekten Rolf Hempelt im Osten der Kirche an; die Fertigstellung erfolgte 2004. Durch dessen L-förmige Bauweise entstand ein Innenhof zwischen Kirche und Gemeindehaus. Im Gemeindehaus befindet sich auch der neue Zugang zum Kircheninnenraum. Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Melanchthonkirche gab die Gemeinde 2021 eine umfassende Chronik der Fechenheimer Kirchengeschichte heraus.
Architektur Die barocke Hallenkirche liegt im Ortskern von Fechenheim in der Pfortenstraße. Die nach Westen ausgerichtete Kirche endet mit einem polygonalen Chor und der davor befindlichen Sakristei. Die Fassade zur Straße ist durch drei große Rundbogenfenster gegliedert. Im mittleren Feld unterhalb des Fensters befindet sich der ehemalige Eingang. Die Außenwände sind hell verputzt. Sockel, Fensterlaibungen, Ecksteine und Traufgesimse bestehen aus rotem Sandstein. Der Glockenturm nordöstlich des Kirchenschiffs wurde aus Stahlbeton hergestellt. Über dem quadratischen Turm erhebt sich der barocke Dachreiter mit Glockenstuhl.
Der Innenraum wird durch eine dreiseitige hölzerne Empore und die mittig angeordnete Kanzel gestaltet. Der Sandsteinaltar stammt von 1904. Die Buntglasfenster wurden 1961 nach einem Entwurf des Pariser Ateliers Pillods gefertigt. In dieser Zeit wurde auch der Taufstein aufgestellt.
Orgel mini|Orgel und Empore Die Orgel von 1878 umfasst 21 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Instrument des Orgelbauers Ratzmann wurde 1963, 1968 und 1983 verändert und ergänzt.
Glocken mini|Glocke von 1390 Das Glockengeläut der Kirche besteht aus vier Kirchenglocken der Glocken- und Kunstgießerei Rincker. Glocke Nominal Gewicht Gussjahr 1 cis′ 1753 kg 1954 2 e′ 1152 kg 1956 3 fis′ 850 kg 1959 4 gis′ 700 kg 1929 Eine mittelalterliche Glocke aus dem Jahr 1390, die sich bereits im Vorgängerbau der Melanchthonkirche befand, ist heute im Gemeindezentrum ausgestellt. Sie wiegt 450 kg und klingt in „b“. Die Inschrift lautet: „anno domini MCCCLXXXX – 10 ydus mencis novembris“.
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen II Regierungsbezirk Darmstadt, Deutscher Kunstverlag, 2008 Peter Gbiorczyk: Die Beziehungen Philipp Melanchthons zur Grafschaft Hanau. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2014, S. 2–60. K. Henß: Das Gebiet der Hanauer Union. In: Die Hanauer Union = Festschrift zur Jahrhundertfeier der evangelisch-unierten Kirchengemeinschaft im Konsistorialbezirk Cassel am 28. Mai 1918. Hanau 1918 Joachim Proescholdt und Jürgen Telschow: Frankfurts evangelische Kirchen im Wandel der Zeit, Frankfurter Societätsverlag, 2011, ISBN 978-3-942921-11-4
Weblinks
Internetseite der Evangelischen Gemeinde Fechenheim
Einzelnachweise
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