Ein Bierglas ist ein Trinkgefäß aus Glas in verschiedenen Formen, das hauptsächlich zum Ausschank von Bier verwendet wird. Der Werkstoff Glas ist typisch und namensgebend für das Bierglas, zudem kommen transparente lebensmittelechte Kunststoffe für solche Trinkgläser zum Einsatz, beispielsweise wegen der erhöhten Bruchsicherheit im Masseneinsatz zu Volksfesten. Die grundlegenden Formen einiger Biergläser decken sich mit den aus Steingut gefertigten „tönernen“ Bierkrügen. Das Fassungsvermögen der meisten Biergläser beträgt 0,3 Liter oder 0,5 Liter.

Viele Restaurants folgen nicht mehr den lokalen oder regionalen Traditionen, um das typische Glas für die Biersorte auszuwählen. Andererseits wird durch Markenbindungen von der gebundenen Brauerei das gesamte Zubehör einschließlich passender Gläser geliefert. Die auf Biersorten bezogenen Formen sollen den besonderen Geschmack der Biere unterstützen.

Traditionelle Gläserformen

Aus trinktechnischen Gründen – Geschmackswahrnehmung und Handhabung – und andererseits aus den regionalen Gewohnheiten bestimmter Biersorten wurden traditionell unterschiedliche Bierglasformen entwickelt oder bevorzugt. Klare Grenzen gibt es keine mehr, weil manche Biersorten und ihre Gläser überregional populär geworden sind:Deutschlandkarte: Biergläser. In: Die Zeit, Nr. 13/2014.

Pils wird meist in der Pilstulpe serviert. Das bayerische Weizenbierglas ist typisch in seiner Form für Weizenbier. Das Glas erweitert sich vom Fuß nach oben und schließt sich zum Rand zu wieder etwas. Mit der weiteren Verbreitung dieser Biersorte kam es bundesweit zum Einsatz. Der doppelkonisch geformte Willibecher für Helles ist die Standardform eines schwach-bauchigen Bierglases. Der Maßkrug für Helles wird meist als Literglas (= Maß) genutzt und besitzt einen Henkel für die bessere Handhabung. Eine Besonderheit, da es kein (Bier-)­Glas ist, bildet der Zoigl-Steinkrug. Er entwickelte sich mit dem Zoigl. Durch sein Material, das frisch gefülltes Bier lange kühl hielt, gewann der Steingutkrug eine weitere Verbreitung. Das Bockbierglas ist ein Henkelglas in bauchiger Form. Ein Deckelglas hat einen am Henkel befestigten gläsernen oder metallenen Klappdeckel, der verhindern soll, dass (dort wo wegen Nutztierhaltung viele Fliegen in der Luft sind) fliegende Insekten das Bier aufsuchen und verunreinigen. Der Schwarzbierpokal ist ein gestieltes Kelchglas, das für Schwarzbier genutzt wird. Für Exportbier hat sich der Glaskrug eingebürgert. Er ist mit seiner zylindrischen Form und einem Henkel gut nutzbar und handlich, wenn auch in kleinerer Maßung als der bayrische (Liter-)Maßkrug. Das Dortmunder Stößchen ist ein schlankes, nach oben konisches Bierglas und eine lokale Spezialität, in der Exportbier ausgeschenkt wird. Im Original hatte es keinen Füllstrich, das Fassungsvermögen ist nicht festgeschrieben und liegt zwischen 0,1 und 0,18 Litern. Seit 2004 gibt es einen Füllstrich bei 0,1 l.Das „Stößchen“ hat nun einen Füllstrich. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 1. Juli 2004. Das ortstypische Kölsch wird in der Kölner Stange ausgeschenkt. Die Kölschstange ist ein zylindrisches Bierglas. Das kleine Biermaß führt dazu, dass es schneller ausgetrunken ist und so öfters nachgefüllt wird.Matt Sweetwood: Beerland. Ausgestrahltes Video auf Phoenix am 26. September 2015, 15:00–16:30 Im benachbarten Düsseldorf wird der meist zylindrische, mitunter leicht konische Altbierbecher für das Düsseldorfer Alt genutzt. Die Bierkugel für Exportbier ist ein geschwungenes Glas, das auf einem Stiel einen kugeligen nach oben öffnenden Inhalt besitzt. Im Hannover-Tönnchen, einem konischen Glas, wird Pils ausgeschenkt. Der Bockbierkrug ist hier eine größere Fassung eines zylindrischen gläsernen Krugs mit Henkel. Berliner Weisse von der VLB mit Waldmeister-Likör und Kümmel-Schnaps|mini Die Berliner Weisse benötigt eine Berliner-Weisse-Schale, eine halbkugelförmige Schale mit langem Stiel.

Weitere Gläserformen mini|hochkant|Belgisches Trinkgefäß in Form eines Stierhorns mini|hochkant|Designerbierglas in Form eines Segels einer Stralsunder Brauerei

Nach seinem Erfinder Willy Steinmeier benannt ist der doppelkonige, nach oben leicht bäuchig werdende Willybecher. Er ist seit der Erfindung 1954 das deutsche Standardglas für den üblichen Restaurantausschank und den Hausgebrauch. Speziell im Restaurantbetrieb haben diese dünnwandigen Gläser den Vorteil, dass sie bei geeigneter Stand- und Formfestigkeit nach dem warmen Spülbad schneller auskühlen, um das frische Bier aufzunehmen.: Schwere, weil dickwandige gläserne (oder irdene) Humpen besitzen dagegen den Vorteil, im Betrieb bruchfester zu sein. Mit einem Henkel zur besseren Handhabung ist die Bezeichnung Henkelglas geläufig, andere Namen sind in Übereinstimmung mit den Tonkrügen Bierkrug oder Bierseidel.

Neben den durchgehenden Bierbechern sind die gestielten Gläser eine weitere Gruppe von Glasern. Diese sind zum Schwenken geeignet, wobei die Blasenbildung angeregt wird, um die Bierblume aufzufrischen. Grundform ist die Pilstulpe mit einer langen Schale auf einem relativ kurzen Stiel und einer Blume ähnlichen Form. Der Bierkelch, ein Glas für edle Biere und den Biersommelier, besitzt ein breiteres und kürzeres Oberteil auf einem längeren Stiel. Das Nosing-Glas (Bierschwenker) mit seiner großen breiten Schale auf einem kurzen Stiel wird besonders für dunkle (also malzige) und andere Spezialbiere eingesetzt, die mit ihrer Konsistenz geschüttelt werden. Der Bierpokal ist das kurzstielige Bierglas mit einer langen, meist konischen Schale und eignet sich besonders für Pilsner und stark gehopfte Biere. Die Bierkugel besitzt auf einem Stielfuß einen (unten) kugelförmigen Teil, der sich nach oben öffnet, und ist gleichfalls zum Schwenken geeignet. Die dem Sektglas ähnliche Bierflöte hat eine schmale, lange obere Schale auf einem Stielfuß und wird für wird für kleinere Maße oder edlere Biere genutzt, wodurch dennoch ein volles Glas angeboten wird.

Eine lokale Form bildet der Tübinger Bierseidel und die abgeleiteten Formen. Im englischsprachigen Raum wird das Pintglas in zylindrischer oder konischer Form genutzt, das ein Pint Bier aufnimmt. Der Stiefel ist ein hohes Glasgefäß in Form eines Stiefels in Gebrauch,Auszug aus: Die Bierballade: die Kulturgeschichte des Bieres. Crago 2004. das für Trinkspiele und als Attraktion beim Trinkgelage genutzt wird. Neben diesen Begriffen sind gesondert in der Schweiz die Bezeichnungen Herrgöttli, Kübli und Rugeli verbreitet. Der Augenkanne geben runde Einbuchtungen auf der Glasaußenseite des Maßkrugs ihre Bezeichnung. Es ist eine traditionelle Glasform, wobei der Begriff „Augenkann“ in Österreich und Bayern üblich ist. An sich tritt diese Verzierung eher auf bauchigen Gefäßen auf. Vorzugsweise auf zylindrischen Bierseideln (Henkelgläser, Bierkrüge) existieren verschiedene Formen von Längsrillen, gerundet oder erhaben in verschiedener Breite, die der Stabilität des Gefäßes dienen sollen und einen optisch besseren Eindruck geben.

In neuerer Zeit werden von Brauereien marktorientierte Gefäßformen mit besonderem Design als Alleinstellungsmerkmal entwickelt. Beispiel für die Aufnahme von Traditionen ist das Segelglas für (norddeutsches) Weißbier aus der Stralsunder Störtebeker Braumanufaktur. Dieser segelförmig (spinnakerartig) gebogene leicht konische Bierbecher wird beworben als das „Weißbierglas für den Norden“. bei stoertebeker.com Die Tradition des Piraten Störtebecker wird hier mit der Segelschifffahrt verbunden. Neben dem Produktdesign musste bei der Entwicklung auf die Eignungsform für das Getränk Bier geachtet werden.

Es werden verschiedene Bauchformen oder Gravierungen entwickelt, die das eigenständige Produktdesign unterstützen (Geschmack als Form). Ein anderes Designerstück ist ein doppelwandiges Bierglas mit luftgefülltem Zwischenraum, welches das Bier länger kühl halten soll.Umgestülptes Bierglas Inside Out. geheimshop.de Dem Zeitgeist entsprechend und verkaufsfördernd soll das 2013 vorgestellte „Offline-Bierglas“ sein, um auf diese Weise (störendes) Telefonieren beim Biertrinken zu verhindern; es steht wegen einer Stufe im Boden nur mit untergelegtem Smartphone kippfest und gerade. Tagesschau.de, 13. Juni 2013., 27. Juni 2013. Abgerufen am 24. Mai 2014.

Biermaße

Praktische Bedeutung haben die Biermaße in der Gastronomie, bei der Glasherstellung und in den verschiedenen Darreichungsformen des Einzelhandels, so bei Multipack oder Sechserträger. Die gastronomisch verwendeten Biermaße gehen teilweise auf regional unterschiedliche Mess- und Gesetzesvorgaben zurück. Im gewerblichen Ausschank verwendete Schankgefäße sind mit einem Füllstrich zu versehen, der Hersteller muss die Konformität mit den entsprechenden Richtlinien, unter anderem der Europäischen Messgeräterichtlinie (MID) erklären und nachweisen. Der damit verbundene Aufwand reduziert die verfügbaren Schankgefäße, die regional zudem auf die jeweilige Biersorte oder das regionale Brauwesen abgestimmt sind. Typische Packmittel und Flaschennormen sind etwa die DIN 6075-2, DIN 6198 sowie die DIN 6199. Im Zusammenhang mit dem vorgeschriebenen Füllstrich gab es Irritationen mit der EU-Behörde zum bayerischen Ton-Bierkrug, in dem der Füllstand von außen und wegen des Schaums von oben nicht erkennbar ist.

Je nach Gegend haben sich verschiedene Bezeichnungen für Glasgrößen zum Teil aus traditionellen Maßeinheiten erhalten. Die Maßangaben in Österreich kommen insbesondere denen in Baden-Württemberg und Bayern sehr nahe. Die Schweiz kennt grundsätzlich ähnliche Formen für Biergläser wie Deutschland. In der deutschsprachigen Schweiz sind Ähnlichkeiten zu Süddeutschland (alemannische Gegend), in der Westschweiz eher zu Frankreich aus der Regionalität vorhanden. Von deutschen Maßen unterscheiden sich Schweizer Bezeichnungen mitunter in der Größe. Traditionellerweise besteht in der Schweiz ein Zusammenhang von Maßbezeichnung und Inhalt. In Restaurants gibt es grundsätzlich Lagerbier oder Spezialbier (Helles), welche in unterschiedlichen Gläsern ausgeschenkt werden.

Für Luxemburg gibt es den Bezug zu Belgien. Belgisches Bier ist äußerst sortenreich und aufgrund des im Rahmen des Vandervelde-Gesetzes von 1919, das den Verkauf von Spirituosen in Bars verbot, tendenziell auch alkoholreicher als in Deutschland. In Belgien sind individuelle Glasformen und -maße für die unterschiedlichen Biersorten verbreitet, teilweise in Schalenform, teilweise ähneln die verwandten Maße auch Likörgläsern und Cognacschwenkern. In (Inner-)Frankreich steht der Weinkonsum im Vordergrund, entsprechend die Bezeichnung «chope».