mini|hochkant=1.5|Schloss Schönhausen, Gartenseite, 2014

Schloss Schönhausen ist ein Barockschloss im Berliner Ortsteil Niederschönhausen des Bezirks Pankow. Das Schloss ist von einem Park umgeben, durch den die Panke fließt. Historische Bedeutung erlangte das Schloss in der Regierungszeit Friedrichs des Großen als Sommersitz der Königin Elisabeth Christine sowie von 1949 bis 1960 als Amtssitz von Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR.

Schloss Schönhausen ist seit dem 19. Dezember 2009 zur musealen Nutzung für den Besucherverkehr geöffnet. Es gehört zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Geschichte mini|Schloss Schönhausen mit Barockgarten, um 1717

Entstehung der Bauten Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten, die 1620 in Vianen (Holland-Brederode) geborene Gattin des kurbrandenburgischen Generals Christian Albrecht von Dohna, erwarb 1662 die damals weit vor den Toren Berlins gelegenen Ländereien Niederschönhausen und Pankow. Sie ließ 1664 auf dem Rittergut Niederschönhausen ein Herrenhaus und eine Meierei im holländischen Stil erbauen. Bei ihrem Tod 1678 hinterließ Sophie Theodore drei Söhne, Karl Emil, Wolfard und Dietrich von Dohna sowie drei verheiratete Töchter. Nacheigentümer wurde 1680 Oberhofmarschall und Generalkriegskommissar Joachim Ernst von Grumbkow, der die Gebäude abtragen und an leicht veränderter Stelle ein Sommerschlösschen errichten ließ. Die dreiflügelige Anlage mit ihren zwei Obergeschossen entstand nach Plänen und unter Leitung von Johann Arnold Nering.Guido Hinterkeuser: Unbekannte Quellen zur Errichtung des barocken Neubaus von Schloss Schönhausen im Jahr 1689. In: Entdecken – Erforschen – Bewahren, Festgabe für Sibylle Badstübner-Gröger zum 12. Oktober 2015, Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, Berlin 2016, S. 135–149.

Im Besitz des Kurfürsten und Königs Im Jahr 1691 erwarb Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg das Schloss für 16.000 Taler von der Witwe des im Jahr zuvor verstorbenen Grumbkow. Dessen übrige Ländereien der Umgebung – darunter Pankow, Blankenfelde, Rosenthal – gingen etwa zur selben Zeit in kurfürstlichen Besitz über. Der Güterkomplex wurde zum Amt Niederschönhausen zusammengefasst.Ines Elsner: Friedrich III./I. von Brandenburg-Preußen (1688–1713) und die Berliner Residenzlandschaft, Berlin 2012, S. 161 f. Mit einigen kleineren Umbauten am Schloss wurde erneut Nering beauftragt.

Im Schloss Schönhausen fanden im August 1700 jene Geheimverhandlungen statt, mit denen Friedrich III. seine Erhebung zum König in Preußen vorbereitete. Ab 1704 ließ er, nun als König Friedrich I., es von Johann Friedrich Eosander von Göthe erweitern. Dabei wurden dem Kernbau im Norden und Süden eingeschossige Flügel hinzugefügt, um die Wohnung für die Besuche des Herrscherpaares zu vergrößern. Der Garten wurde ebenfalls prächtig ausgestattet und erweitert. Gleichzeitig ließ der König den Schönhauser Graben errichten, über den und der noch auszubauenden anschließenden Panke das Schloss von der Spree in Berlin aus mit kleinen Booten (Treckschuten) erreichbar werden sollte. König Friedrich Wilhelm I., der ihm 1713 folgte, überließ das Gebäude mehreren Hofbeamtenfamilien als Wohnung. Teile des Grundbesitzes verpachtete er. In den folgenden zwanzig Jahren verwahrlosten Schloss und Park zunehmend.

Residenz der Königin Elisabeth Christine mini|hochkant|Königin Elisabeth Christine vor Schloss Schönhausen, nach 1764

Im Jahr 1736 siedelten Kronprinz Friedrich und seine Ehefrau Elisabeth Christine gemeinsam nach Schloss Rheinsberg über. Auf dem Weg dorthin hatte die junge Kronprinzessin immer wieder Station in Schönhausen gemacht. Nach der Thronbesteigung Friedrichs im Jahr 1740 schenkte dieser seiner Frau das Schloss als zukünftige Sommerresidenz.Alfred P. Hagemann: Königin Elisabeth Christine und ihre Sommerresidenz, in: Schönhausen, Rokoko und Kalter Krieg, Berlin 2009, S. 44 f. Den größten Teil des Jahres hielt sich die Königin in der riesigen, eigens für sie eingerichteten Wohnung im Berliner Schloss auf. Die Sommermonate aber verbrachte sie zwischen 1740 und 1797 beinahe jedes Jahr in Schönhausen. Ihre finanziellen Mittel erlaubten nur kleinere schrittweise Veränderungen am Schloss und im Schlosspark, den sie nach und nach in einen modernen Rokoko-Lustgarten umgestalten ließ. König Friedrich II., der es vorzog, von seiner Frau getrennt zu leben, scheint Schönhausen nie besucht zu haben. Elisabeth Christine wiederum war nur ein einziges Mal, und das auch nur in Abwesenheit ihres Gatten, in Potsdam, wo dieser Sanssouci und das Potsdamer Stadtschloss bewohnte.

Während des Siebenjährigen Krieges lebte die Königin einige Jahre in der sicheren Festung Magdeburg. In dieser Zeit verwüsteten bis nach Berlin vorgedrungene russische Truppen das Schloss völlig. Daraufhin gewährte der König seiner Gemahlin 1764 die Mittel, das Schloss zu seiner heutigen Gestalt umzubauen. Die beiden Seitenflügel wurden von dem Architekten Johann Boumann auf die Höhe des Hauptbaus gebracht und der Hof mit einem großzügigen Treppenhaus überbaut. Im Garten entstanden erste landschaftlich gestaltete Partien an der Panke.Franziska Windt: Die Königin und ihr Schloss – Elisabeth Christine in Schloss Schönhausen. In: zeitenblicke 7 (2008), Nr. 1.

Immobilie der Hohenzollernfamilie mini|Schloss Schönhausen, um 1787 Nach dem Tod der Königin Elisabeth Christine 1797 wurde das Schloss zunächst im Sommer noch hin und wieder bewohnt. Nach 1806 war der Großvater des Schriftstellers Theodor Fontane, Pierre Barthelemy, mehrere Jahre Kastellan des Schlosses. Diese Aufgabe hatte ihm Königin Luise zugewiesen, der er vor deren Flucht nach Königsberg zunächst als Zeichenlehrer und dann als persönlicher Kabinettssekretär gedient hatte. Danach lebte in den Sommermonaten der Jahre 1816–1822 Prinzessin Marianne, die nach dem Tod der Königin Luise am preußischen Hof die Rolle der First Lady übernommen hatte, mit den Kindern Luises auf Schloss Schönhausen. Dazu gehörten Friedrich Wilhelm, der spätere König, und Wilhelm, später König und Deutscher Kaiser.Erich Schonert: Schloss Schönhausen und seine Geschichte. Limpert, Berlin o. J. , S. 14. Auch Friederike von Mecklenburg-Strelitz, Königin Luises Schwester, verbrachte einige Sommer in Schönhausen. Sie ließ den Park 1828/1829 durch Peter Joseph Lenné in einen englischen Park umgestalten.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfielen Schloss und Park jedoch zunehmend und das Schloss diente schließlich nur noch als Lager für Möbel und Gemälde („Gegenstände, die in anderen königlichen Schlössern entbehrlich geworden sind“). Die Öffentlichkeit hatte keinen Zutritt mehr.Die Freigebung des Schloses Bellevue (Schloss Nieder-Schönhausen nach dem Tod der Königin; mittlere Spalte). In: Berliner Volkszeitung, 6. August 1905.

Im preußischen Staatseigentum mini|Treppenhaus, 1936

Nach der Novemberrevolution beschlagnahmte 1918 die Revolutionsregierung das Schloss. 1925 ging es in den Besitz des Freistaats Preußen über. Das Schloss verfiel weiterhin, bis unter der Leitung Erich Schonerts erste Rettungsmaßnahmen in den 1930er Jahren einsetzten, die in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1935, stark gefördert durch den preußischen Finanzminister Johannes Popitz, in eine umfassende Sanierung mündeten.Frank Pieter Hesse: Schloss Schönhausen – Konservatorische Leitlinien für einen vielschichtigen Denkmalort. (19. Berliner Denkmaltag – 9. September 2005), abgerufen am 18. Juni 2025. Zwischenzeitlich waren von 1931 bis 1934 Teile des Schlosses dem Künstlerbund Pankow-Schönhausen zu Ausstellungszwecken überlassen worden. Das Schloss erhielt die bisher fehlende Heizung und einen Anschluss an das Be- und Entwässerungsnetz Berlins. Das Dach, die Fußböden, die eingesackte Haupttreppe, Stuckdecken und Wände wurden saniert bzw. restauriert und eine aus dem abgerissenen Hohen Haus aus Berlins Mitte geborgene barocke Stuckdecke eingebaut. Im Oktober 1936 wurde das Schloss als Ausstellungsgebäude der Reichskammer der bildenden Künste feierlich wiedereröffnet. Zahlreiche Ausstellungen fanden bis in die 1940er Jahre im Schloss statt, u. a. 1936 die Wanderausstellung Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst, 1940 Die Deutsche Abteilung der XXII. Biennale in Venedig und 1942 die Jubiläumsausstellung des Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen Berlin und die Ausstellung Niederschlesische Kunst.

Von 1938 bis 1941 waren im Schloss die wertvollsten der in deutschen Museen für die Ausstellung Entartete Kunst beschlagnahmten Kunstwerke eingelagert, um Einkäufern ausländischer Museen und des internationalen Kunsthandels in würdigem Rahmen angeboten zu werden. 780 Gemälde und Skulpturen sowie 3500 Arbeiten auf Papier stapelten sich in den Räumen, darunter Werke von Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck, Vincent van Gogh und Franz Marc.Zum Schicksal des Schlosses in der NS-Zeit siehe Finkemeier/Röllig (Lit.), S. 199–217, die Zahlen S. 209.

Während der Kämpfe um Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss leicht beschädigt. Einige dieser Schäden wurden 1945 von einer Künstlerinitiative aus Pankow repariert. Das Schloss konnte so im September 1945 für eine (neue) Kunstausstellung genutzt werden.

Bald danach beschlagnahmte die sowjetische Militärverwaltung das Schloss, sperrte es für die Öffentlichkeit und richtete ein Offizierskasino ein. Später, bis Ende 1949, diente es als Schule und Internat für sowjetische Schüler.

Amtssitz des Staatsoberhaupts der DDR mini|hochkant|links|Besuch Hồ Chí Minhs bei Wilhelm Pieck, 1957 mini|Ehrenformation der NVA vor dem Schloss, 1959 mini|links|Nikita Chruschtschow besucht Wilhelm Pieck, 1959 Mit Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wurde Schloss Schönhausen von der Sowjetunion an die DDR übergeben und diente Wilhelm Pieck von 1949 bis 1960 als Amtssitz des Präsidenten der DDR. Zu diesem Zweck kam es wiederum zu Umbauten im Schloss und einer Erweiterung des Komplexes nach Norden durch Garagen für den Fuhrpark des Präsidenten und nach Süden für ein Casino und ein Kanzleigebäude an einem repräsentativen Vorhof mit zwei Torhäuschen. Der Schlossgarten wurde durch eine Mauer in einen inneren, nicht länger öffentlichen, und einen äußeren, öffentlichen Teil getrennt. Den inneren Teil gestaltete der Gartenarchitekt Reinhold Lingner als einen heiteren, offen wirkenden Garten im typischen Stil der 1950er Jahre.

Das Schloss wurde zur Kulisse der Selbstdarstellung der DDR, wo Staatsbesucher wie Hồ Chí Minh oder Nikita Chruschtschow empfangen wurden.Alfred P. Hagemann: Ein Preußenschloss für den Arbeiter- und Bauernstaat – Schloss Schönhausen 1945–1990. In: zeitenblicke 7 (2008), Nr. 1, 5. Juni 2008, URN: urn:nbn:de:0009-9-13178.

Nach dem Tod Piecks 1960 und der Abschaffung des Präsidentenamts beherbergte das Schloss den Staatsrat der DDR, der sich 1960 im Festsaal konstituiert hatte. mini|Walter Ulbricht empfängt als Vorsitzender des Staatsrates der DDR das Diplomatische Corps im Schloss, 1960

Gästehaus der DDR-Regierung Nach der Fertigstellung des Staatsratsgebäudes in Berlin-Mitte 1964 wurde es zum Gästehaus der DDR-Regierung, die es offiziell als Schloss Niederschönhausen bezeichnete. Zur Beherbergung der mitreisenden Minister, Mitarbeiter und Stäbe der Staatsgäste entstand 1966 bis 1968 im westlichen Teil des Schlossparks das Appartementhaus am Schloss Schönhausen. Wiederholte Umbauten führten bis in die 1980er Jahre zu immer neuen Verlusten an historischer Substanz. So wurde das Kastellanhaus aus dem 18. Jahrhundert um 1980 abgerissen. Zahlreiche Staatsgäste der DDR aus Ost und West wie Indira Gandhi und Fidel Castro logierten hier. Zu den letzten Gästen gehörten im Oktober 1989 der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und dessen Frau Raissa.