mini|hochkant=1.8|Bündnisse im Jahr 1980 NATO-Mitglieder NATO-Verbündete Warschauer-Pakt-Mitglieder sozialistische Verbündete des Warschauer Pakts sonstige Verbündete des Warschauer Pakts VR China und VR Albanien Blockfreie Staaten× antikommunistische Aufstände× prokommunistische Aufstände× andere Konflikte mini|Zusammenfassung des Kalten Krieges von Planet Wissen Als der Kalte Krieg wird der Konflikt zwischen den Westmächten unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika und dem sogenannten Ostblock unter Führung der Sowjetunion bezeichnet, den diese von 1947 bis 1989 mit nahezu allen Mitteln austrugen. Zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen den Supermächten USA, der Sowjetunion und ihren jeweiligen Militärblöcken kam es nie, es gab allerdings Stellvertreterkriege, wie den Koreakrieg, Vietnamkrieg und den Krieg in Afghanistan. Der Kalte Krieg trat als Systemkonfrontation zwischen Kapitalismus und Kommunismus in Erscheinung und bestimmte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit Außen- und Sicherheitspolitik. Dabei wurden jahrzehntelang auf beiden Seiten politische, wirtschaftliche, technische und militärische Anstrengungen unternommen, um den Einfluss des anderen Lagers weltweit einzudämmen oder zurückzudrängen. Als Synonym für diese Ära des 20. Jahrhunderts wird auch die Bezeichnung Ost-West-Konflikt verwendet, in der die unterschiedlichen Phasen der sich ständig wandelnden Beziehungen (Gegenstand der Ost-West-PolitikVgl. etwa Wilhelm Wolfgang Schütz: Ost-West-Politik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen (= Göttinger Universitätsreden. Heft 40).) zwischen den Blöcken besser berücksichtigt sind.
Der Konflikt nahm mehrmals äußerst bedrohlichen Charakter an, sodass die Möglichkeit eines „heißen“ Krieges zwischen den Supermächten näher rückte: in der Berlin-Blockade 1948/49, während der Berlin-Krise 1961, in der Kubakrise 1962 und im Streit um die Mittelstreckenraketen von 1979 bis 1982/83. Zwischen diesen Phasen kam es zu Perioden mit geringerer Konfliktintensität oder auch der Entspannung.
Wo sie das Überwechseln eines Staates in das gegnerische Lager befürchteten, mischten sich die USA und ihre Verbündeten mit verdeckten Operationen ihrer Geheimdienste durch Organisation oder Absicherung von Militärputschen ein, wie die Operation Ajax im Iran, die US-Intervention in Chile, in Guatemala oder in anderen Staaten Süd- und Mittelamerikas. Die Sowjetunion setzte ihre Streitkräfte bei der Niederschlagung eines Volksaufstands in der DDR (17. Juni 1953) ein sowie zur Besetzung Ungarns (1956) und der CSSR (1968), um in diesen beiden Ländern die amtierenden Regierungen zu beseitigen. Mit Bezug auf die von den USA seit dem 19. Jahrhundert praktizierte Monroe-Doktrin sollte die 1968 entwickelte Breschnew-Doktrin ein derartiges Vorgehen der Sowjetunion innerhalb des „sozialistischen Lagers“ auch für die Zukunft rechtfertigen.Michail Gorbatschow teilte bei seinem Amtsantritt im März 1985 den Ministerpräsidenten des Ostblocks mit, dass er sie nicht anwenden werde.
Der Konkurrenzkampf beider Systeme zeigte sich in der Verbreitung ideologischer Propaganda der Supermächte und ihrer Verbündeten, an ihrem Wettrüsten, in der Wirtschaftsentwicklung und an Entwicklungen in den Bereichen KulturDominik Landwehr: Kultur im Kalten Krieg Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. Mai 2022, Sport, Wissenschaft und Technologie, etwa bei den aufwändigen Raumfahrtprogrammen beider Seiten.
Als Dauer des Kalten Krieges gilt im Allgemeinen die Nachkriegszeit von 1945 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991. Michail Gorbatschow bezeichnet in seinen Erinnerungen das Gipfeltreffen mit dem Ronald Reagan ablösenden US-Präsidenten George Bush auf Malta im Dezember 1989 als „Anfang vom Ende des Kalten Krieges“.Michail Gorbatschow: Erinnerungen. Wolf Jobst Siedler Verlag, Berlin 1995. Zitiert nach btb-Taschenbuch, Goldmann Verlag, 1996, ISBN 3-442-72037-0, S. 692.
Begriffsgeschichte Der Begriff des Kalten Krieges stammt aus dem Jahr 1945. Der englische Autor George Orwell verwendete ihn im Essay You and the Atomic Bomb am 19. Oktober 1945, im allgemeinen Sinne einer Konfrontation von Supermächten unter der Drohung eines Atomkrieges. Im Observer vom 10. März 1946 schrieb Orwell: „Nach der Moskauer Konferenz im Dezember letzten Jahres begann Russland, einen ‚kalten Krieg‘ gegen Großbritannien und das britische Empire zu führen.“George Orwell, The Observer, 10. März 1946: “After the Moscow conference last December, Russia began to make a ‘cold war’ on Britain and the British Empire.”
Zusätzlich wird auf den amerikanischen Finanzier und langjährigen Politikberater Bernard Baruch verwiesen, der den Begriff 1947 in einer Rede benutzte, die ihm der Journalist Herbert Swope geschrieben hatte. Baruch und Swope waren Mitglieder der US-Delegation bei der „Kommission zum Studium internationaler Kontrolle der Atomenergie“ der UNO.Bernd Stöver: Der Kalte Krieg 1947–1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters, München 2011, ISBN 978-3-406-61480-4, S. 11 (). Popularisiert wurde der Terminus schließlich vom Journalisten Walter Lippmann (1889–1974) durch das Buch The Cold War. Gefragt nach dem Ursprung des Begriffs verwies Lippmann auf den französischen Ausdruck la guerre froide aus den 1930er Jahren.Strobe Talbott: The Great Experiment: The Story of Ancient Empires, Modern States, and the Quest for a Global Nation, 2009, S. 441 (n.3); In den folgenden Jahren wurde „Kalter Krieg“ als politisches Schlagwort gebräuchlich, nicht nur für die nukleare Konfrontation der Supermächte. Die Konfrontation zweier Staaten oder Staatenbündnisse wird so bezeichnet, wenn sie durch Kampfmaßnahmen unterhalb der Schwelle offener militärischer Aktionen gegeneinander geprägt ist. Zu diesen Kampfmaßnahmen gehören militärische Bündnisse, Wettrüsten, diplomatisch-politischer Druck bis hin zu Kriegsdrohungen, wirtschaftlicher Druck durch Embargos, militärisches Eingreifen in regionale Konflikte außerhalb der eigenen Territorien, ideologische Unterwanderung, Förderung von Putschen und Staatsstreichen im anderen „Lager“, internationale Propaganda zum Nachteil des Kontrahenten und zum eigenen Vorteil.
Überblick mini|Nicht alle europäischen Länder gehörten einem der beiden Militärbündnisse an … mini|… sie waren jedoch wirtschaftlich meist mit einer Seite verbunden.
Entstehung Der Kalte Krieg war die Hochphase eines Weltkonflikts, der 1917 mit der russischen Oktoberrevolution unter Lenins Führung begann, den Russischen Bürgerkrieg nach sich zog, an dem westliche Kräfte auf gegenrevolutionärer Seite teilnahmen, und der sich in den 1920er und 1930er Jahren durch den Revolutionsexport der Kommunistischen Internationale fortgesetzt hatte. Die Anti-Hitler-Koalition seit 1941 überdeckte den Konflikt zeitweise.In der kriegshetzerischen Diktion der Nationalsozialisten hieß es 1941: „Diese Demokratie [gemeint sind die USA] und diese marxistische Diktatur [gemeint ist die Sowjetunion] kommen leicht dazu, sich die Hände zu schütteln; aber auch ohne dieses verstehen sie sich durch Augenzwinkern und spielen sich die Bälle zu, während ihre Zeitungen sich noch begeifern.“ Aus: Peter Aldag, Worüber berichten wir heute? Unsere Gegner und ihr Krieg. Berichte aus dem „Zeitgeschehen“ des Großdeutschen Rundfunks (zitiert: Vorwort von Wolfgang Fehrmann), Nordland-Verlag, Berlin, August 1941. In der Nachkriegszeit traten die unterschiedlichen Ziele und Interessen der Supermächte bei der Neuordnung der Welt hervor und führten zur Teilung Europas in zwei feindliche Machtblöcke mit zugehörigen Militärbündnissen: der NATO und den Staaten des Warschauer Paktes. Deren Ausdehnung entsprach weitgehend der militärischen Präsenz der US-Truppen und der Roten Armee 1945. In Südostasien schufen die USA mit der Southeast Asia Treaty Organization ein ähnliches Bündnis (gegründet 8. September 1954, aufgelöst 1977), was die Sowjetunion als Provokation sah.
Als Ausgangspunkt des Kalten Krieges gilt die Verkündigung der sogenannten Truman-Doktrin durch US-Präsident Harry S. Truman am 12. März 1947 und der daraus entstehenden Zwei-Lager-Theorie. Deren Hintergrund bildete die Irankrise: In den Jahren 1945 und 1946 versuchte die Sowjetunion, die von Kurden und Aserbaidschanern bewohnten Provinzen Irans abzuspalten, um dort prosowjetische Staaten zu etablieren. Josef Stalin plante, auch in Teheran eine kommunistische Regierung zu installieren. Truman drohte im Frühjahr 1946 Stalin mit ernsthaften Konsequenzen bis hin zum Einsatz von Atomwaffen, wenn er seine Truppen nicht aus dem Iran abzöge. Für Truman stand außer Frage, dass die Kontrolle des iranischen Öls durch die Sowjetunion zu einer Verschiebung des Machtgleichgewichts in der Welt führen würde und die aufstrebende westliche Wirtschaft massiv beschädigen könnte.
Bipolare Welt
Die Bündnissysteme standen sich hochgerüstet gegenüber und prägten jahrzehntelang eine bipolare Welt mit unvereinbaren Ideologien und Politikkonzepten, die sich gegeneinander definierten. Aus westlicher Sicht standen dabei Freiheit und Demokratie gegen totalitäre Diktatur sowie Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft. Aus östlicher Sicht stand die von der Staatspartei geleitete „allseitige Entfaltung der sozialistischen Persönlichkeit“ im Übergang zum Kommunismus gegen das sogenannte Wolfsgesetz der systematischen Ausbeutung im imperialistischen Kapitalismus.
Der Kalte Krieg war eine Auseinandersetzung zwischen zwei Ordnungssystemen. Es ging, wie es der französische Historiker Georges-Henri Soutou 2001 formulierte, nicht darum den Gegner zu vernichten, oder ihm Territorien und Ressourcen wegzunehmen. Vielmehr sollte der Gegner sich im Innern wandeln und eine neue Konzeption politischer und sozialer Organisation annehmen.Wilfried Loth: Langer Friede oder Fünfzigjähriger Krieg? Der Kalte Krieg in historischer Perspektive. In: Hans Ehlert, Matthias Rogg (Hrsg.): Militär, Staat und Gesellschaft in der DDR. Forschungsfelder, Ergebnisse, Perspektiven. Berlin 2004, S. 67 f.
Wettrüsten mini|Raketen- und Luftwaffenstützpunkte während der Kubakrise (US-Grafik)
Die Supermächte vermieden den offenen Krieg mit Waffeneinsatz gegeneinander, betrieben aber seit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki ein beispielloses, auch atomares Wettrüsten. Die wechselseitige Androhung des Atomkrieges unter dem Begriff „Abschreckung“ beschwor erstmals die mögliche Selbstauslöschung der Menschheit („Overkill“) herauf. Der Interessenkonflikt drohte mehrmals militärisch zu eskalieren: in der Berlin-Blockade 1948, während des Koreakriegs 1950, beim Mauerbau in Berlin 1961 und besonders während der Kubakrise 1962.
Revolutionäre neue Waffen entstanden im Wettrüsten nicht. Die Waffen des Zweiten Weltkrieges wurden lediglich in ihrer Leistungsfähigkeit verbessert.Rolf-Dieter Müller: Militärgeschichte. Köln, Weimar, Wien 2009, S. 319.
Dialog und Verlagerung in Drittländer