Shantaram ist ein 2003 veröffentlichter Schlüsselroman des australischen Buchautors Gregory Roberts, eines ehemaligen heroinabhängigen Bankräubers, der aus dem Gefängnis ausbrach und nach Indien floh, wo er über 10 Jahre lebte.
Der Roman ist maßgeblich von tatsächlichen Ereignissen im Leben des Autors beeinflusst. Im Jahr 1978 wurde Roberts zu 23 Jahren Haft verurteilt, nachdem er einer Reihe von 24 bewaffneten Raubüberfällen auf Bausparkassen, Banken und Geschäfte überführt wurde. Das Motiv seiner Verbrechen war die Finanzierung seiner Heroinabhängigkeit, die der Autor auf seine Scheidung und den Entzug des Sorgerechts für seine Tochter zurückführt. Im Juli 1980 floh er bei Tageslicht aus dem australischen Gefängnis „Pentridge Prison“ und wurde zu einem der meistgesuchten australischen Verbrecher.
Der Buchtitel „Shantaram“ entstammt der indischen Regionalsprache Marathi und bedeutet „Mann des Friedens“.
Entstehung Roberts schrieb insgesamt 13 Jahre an dem über tausend Seiten umfassenden Manuskript. Die ersten Fassungen vernichteten Gefängniswärter. Der Roman wurde von Almut Münch und Sibylle Schmidt aus dem Englischen übersetzt und 2008 in deutscher Sprache vom Goldmann Verlag veröffentlicht.
Handlung Der Protagonist erreichte Mumbai mittels eines gefälschten Reisepasses auf den Namen Lindsay Ford. Mumbai war ursprünglich nur ein Zwischenstopp auf seiner Reise von Neuseeland nach Deutschland, doch er entscheidet, sich in der Stadt niederzulassen. Schon bald trifft Lin einen Einheimischen namens Prabaker, welchen er als Stadtführer anheuert und der schnell sein bester Freund wird. Dieser nannte ihn Linbaba. Beide besuchen zusammen Prabakers Geburtsort Sunder, wo Prabakers Mutter den Protagonisten auf den Namen Shantaram () tauft. Auf ihrem Weg zurück nach Bombay werden die beiden ausgeraubt. Ohne Geld ist Lin gezwungen, in den Slums zu leben, welche ihm Schutz vor den Behörden und freie Unterkunft bieten. Nach einem umfangreichen Brand in dem Slum am Tag seiner Ankunft gründet Lin eine freie Krankenstation als seinen Beitrag zur Gemeinschaft.
Er lernt viel über die lokale Kultur und die Besonderheiten dieser vermüllten Umwelt, lernt die Einwohner kennen und lieben und fließend deren Sprache Marathi sprechen. Er bekämpft die ausbrechende Cholera und Feuersbrünste im Viertel, treibt Handel mit Leprakranken und erfährt, wie die ethnischen und ehelichen Konflikte gelöst werden in dieser engen und mannigfaltigen Gesellschaft.
Der Roman beschreibt eine Reihe von Ausländern verschiedener Herkunft ebenso wie einheimische Inder und beleuchtet die Vielfältigkeit des Lebens in Bombay. Lin verliebt sich in Karla, eine schweizerisch-amerikanischen Frau, die seine Liebe jedoch nicht erwidert. Er freundet sich mit einheimischen Künstlern und Schauspielern an und bekommt eine Statistenrolle in einer Bollywood-Produktion. Die Unterwelt von Mumbai heuert ihn für verschiedene kriminelle Delikte wie Drogen- und Waffenhandel an. Lin landet in Bombays „Arthur Road“-Gefängnis, wo er physische und psychische Folter durch die Wächter erträgt und unter menschenunwürdigen Verhältnissen mit hunderten anderen Gefangenen ausharrt.
Dank des Schutzes durch den afghanischen Mafiapatron Abdel Khader Khan wird Lin schließlich freigelassen und arbeitet auf dem Schwarzmarkt als Geldwechsler und Passfälscher. Auf seinen von der Mafia organisierten Reisen kommt er bis nach Afrika und schmuggelt später Waffen für die Mudschahedin Freiheitskämpfer nach Afghanistan. Als sein Mentor Khan getötet wird, erkennt Lin, dass er zu eben dem geworden ist, der er nie sein wollte, und fällt nach seiner Rückkehr in eine tiefe Depression.
Er entscheidet sich, nun für die Dinge zu kämpfen, von deren Richtigkeit er überzeugt ist, und ein ehrliches Leben zu führen. Die Geschichte endet mit seinem Plan, nach Sri Lanka zu reisen, was eine Fortsetzung des Buches nahelegt.
Authentizität Ausgehend von Roberts bekannter Biografie halten viele Leser den Roman für weitgehend wirklichkeitsgetreu. Einige Stellen des Buches wie Roberts kriminelle Vergangenheit und sein Ausbruch sind öffentlich dokumentiert, während andere schwierig oder unmöglich zu überprüfen sind. Der Autor betonte wiederholt, dass die Geschichte weitgehend erfunden sei und er verschiedene Elemente von tatsächlichen Ereignissen und Personen in Geschichten und Personen wie Prabaker verdichtet habe.
Kritiken
Verfilmung Im Jahr 2018 kündigte Apple eine Verfilmung des Romans an. Im Oktober 2022 startete der Roman schließlich als TV-Serie auf dem Streaming-Dienst Apple TV+ mit einer von bislang 4 geplanten Staffeln.
Weblinks
Shantaram Offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Australische Literatur Kategorie:Schlüsselliteratur