Als Alsterschleusen werden die insgesamt zehn Stauwerke bezeichnet, mit deren Hilfe vorwiegend die Wasserstände der Alster reguliert werden. Sie sind über die gesamte Länge des Flusses verteilt. Die zwei unteren, in Hamburgs Innenstadt gelegenen Alsterschleusen dienen zugleich zum Schleusen von Schiffen.

Stau- und Schleusenfunktionen Die Schleusen in der Oberalster, oberhalb der Mellingburger Schleuse waren immer einfache Stauwehre, auch Stauschleusen genannt. Schiffe konnten nach dem Öffnen des Schleusentores auf dem Wasserberg ins Tal fahren. Heute haben sie nur noch die Funktion der Regulierung des Wasserstandes der Alster. Die Mellingburger, Poppenbütteler und Fuhlsbütteler Schleuse waren wie die beiden unteren Schleusen in Hamburgs Innenstadt Kammerschleusen mit zwei Toren. Da oberhalb von Fuhlsbüttel der Schiffsverkehr eingestellt wurde, sind hier und in Poppenbüttel die zweiten Tore entfernt und die verbliebenen in Wehre umfunktioniert worden.Angelika Rosenfeld: Alsterschiffe, Silbermünzen und eine „Burg“. Die Geschichte Poppenbüttels. Dobu Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-934632-17-3, S. 18–23. Aus der Mellingburger Schleuse wurde ein Doppelwehr mit dem alten Schleusenbecken dazwischen.

Die Rathausschleuse und Schaartorschleuse im Mündungsbereich der Alster zur Elbe dienen neben der Regulierung der Wasserstände der Schifffahrtsverbindung für Alsterschiffe, Barkassen und Sportboote zwischen der Elbe und der Außenalster.

Die Alsterschleusen sind wesentliche Bestandteile der erhaltenswerten, Hamburg und seine Umgebung auszeichnenden Fluss- und Seenlandschaft aus der Alster und den Seen Außenalster und Binnenalster.

Name Funktion (ursprünglich / heute) / Anmerkungen Erbaut/ErneuerungTafel: „Alsterschleusen“, Aushang im Alstertal-Museum. Lage Bild Heidkruger Schleuse Stauschleuse / Wehr (Schleswig-Holstein / Kulturdenkmal, Objekt-ID: 3819, SH-Denkmalliste, Tangstedt.) 1529 Kayhude, Tangstedt 120px Sandfelder Schleuse Stauschleuse / Wehr 1528–29 Tangstedt 120px Rader Schleuse Stauschleuse / Wehr 1527–29 Tangstedt 120px Wulksfelder Schleuse Stauschleuse / Wehr Die Schleuse ist 2020 durch ein Maulprofil mit Otter-Querung ersetzt worden. 1448 Tangstedt 120px Wohldorfer Schleuse Stauschleuse / Wehr im östlichen Teil, im westlichen Teil ein Nebenwehr mit Umtragemöglichkeit für Paddler, über dem Wehr die Timmermannbrücke des Schleusenredders. Neue Fischtreppe geplant für Fertigstellung bis 2023. 1448 Duvenstedt, Wohldorf-Ohlstedt 120px Mellingburger Schleuse Schleusenbecken, Länge: 77 m, Breite: 49 m, Fassungsvermögen: 20 LastkähneZiesche: Hamburg-Sasel () (Kulturdenkmal, Nr. 26867 in der Liste der Kulturdenkmäler der Stadt Hamburg). Der Baubeginn für die Sanierung insbesondere Grundinstandsetzung der Uferwände der Wehranlage, Geländer, Stemmtore und Brücken ist für Anfang 2023 vorgesehen. Der Baubeginn für die Herstellung der Fischaufstiegsanlage an der Mellingburger Schleuse ist für Anfang 2024 vorgesehen.Drucksache 22/6746 vom 21.12.21 Hamburger Bürgerschaft 1528–29/1835/1959/1998Bautafeln an der Mellingburger Schleuse. Poppenbüttel, Sasel 120px Poppenbütteler Schleuse Ehemals Schleusenbecken, Länge: 130 m, heute Stauschleuse. Das untere Wehr der Schleusenkammer (s. Bild von 1856), wo sich heute die Bäckerbrücke befindet, existiert nicht mehr. Die Sanierung der Schleusenanlage und der Bau einer Fischtreppe wurden 2022 fertiggestellt.Drucksache 22/6746 vom 21.12.21 Hamburger Bürgerschaft 1528–29/1884/2022 Poppenbüttel 120px Fuhlsbütteler SchleuseFür die Fuhlsbütteler Schleuse gibt es keine einheitliche Namensnennung, in der Literatur werden auch die Namen Fuhlsbüttler Schleuse und Ohlsdorfer Schleuse verwendet. Ehemals Schleusenkammer (Länge 28 mReinhard Woltmann: Beyträge zur Schiffbarmachung der Flüsse.), heute Stauschleuse, 2013 Neubau. Die Schleuse markiert den Übergang vom unbefestigten Oberlauf der Alster zum kanalisierten Unterlauf., Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. 1448/1862/1914/2013 Fuhlsbüttel 120px Rathausschleuse Schleusenkammer: Länge: 35 m, Breite: 7,2 m., H&F Industry, April 2013. 1890 wurde eine zweite Kammer gebaut. Seit 1921 erfolgt die Betätigung der Schleusentore elektrisch, gegen Frost sind sie mit Heizungen ausgestattet. 1973 erfolgte ein Neubau, zusätzlich Einbau von Generatoren zur Nutzung der Wasserkraft der Alster. 1846/1973 Alsterfleet,Neustadt, Altstadt 120px Schaartorschleuse Schleusenkammer: Länge: 39 m, Breite: 7,2 m, Tiefe: 1,4 m, Durchfahrtshöhe bei NN: 5 m. Die Schleuse wurde zum Schutz der Hamburger Innenstadt nach der Sturmflut 1962 gebaut und ersetzt die im Jahr 1839 erbaute Graskellerschleuse.Bauwerk-Informationstafel der Schaartorschleuse. 1966 Alsterfleet, Neustadt, Altstadt 120px Mühlenschleuse Stauschleuse im Nikolaifleet, hält den Wasserstand im Fleet gegen den Tiede-abhängigen Wasserstand der Elbe. Nikolaifleet, Altstadt 120px Nikolaisperrwerk Sperrwerk zum Schutz der Hamburger Innenstadt, nach der Sturmflut 1962 gebaut, 2021 umfangreich umgebaut. nach 1962 Nikolaifleet, Altstadt 120px Michaelisschleuse Kammerschleuse am Übergang vom Bleichenfleet zum Herrengrabenfleet. 1968 Herrengrabenfleet, Neustadt, Altstadt 120px Baumwallsperrwerk Sperrwerk gegen Sturmflutwasserstände an der Einmündung des Herrengrabenfleets zur Elbe. 1967 Herrengrabenfleet, Neustadt, Altstadt

Geschichte Oberalsterschifffahrt 14. bis 19. Jahrhundert mini|Karte des Alsterflusses von 1859 mit dem Alster Canal mini|Info-Schild über das archäologische Denkmal Alster-Beste-Kanal mini|Wappen der Gemeinde Kayhude mit einem Alsterkahn, Steuerruder und schwarzer Torffracht; darunter ein Torfspaten mini|Poppenbütteler Schleuse und Schleusenmeisterhaus im Jahre 1856

Die Alster war im Mittelalter für Hamburgs Gründung, Besiedlung und Aufbau von elementarer Bedeutung. Sie lieferte das Trinkwasser und die Wasserkraft für die Mühlen, die zur Herstellung von Brot und Bier für die Bevölkerung von elementarer Bedeutung waren. Das Gebiet der Oberalster war reich an Wald (insbesondere Eichen), Torf und Findlingen, Materialien, die in Hamburg für den Haus- und Schiffbau sowie als Brennmaterial benötigt wurden. In Ermangelung ausgebauter Landstraßen wurden über Jahrhunderte die Eichenstämme auf der Alster flussabwärts in Richtung Hamburg geflößt. Mit Torf und Findlingen war das nicht möglich. Zur Sicherung der Rechte und Nutzung der Alster erwarb Hamburg von 1306 bis 1310 drei Gebietsanteile der Alster von Holsteiner Grafschaften, die den gesamten Alsterlauf auf Holsteiner Gebiet umfassten. Die Nutzung des Alsterlaufes bestand hauptsächlich im Lasttransport, Fischfang und in einem gesicherten Wasserzulauf zum Betrieb der Mühlen. Der Hamburger Rat besaß auch die Polizeigewalt auf dem Fluss und den Wegen entlang der Alster. Nur die Stadt war befugt, am Alsterlauf Veränderungen vorzunehmen.

Mit dem Beitritt Hamburgs in den Handelsstädtebund der Hanse im 14. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu dem wichtigsten deutschen Umschlagplatz zwischen Nord- und Ostsee und erreichte einen bislang nicht gekannten Wohlstand. Zwischen Hamburg und Lübeck fand ein intensiver Warenverkehr auf dem Lande statt.Volker Looks: , in: alster.seite.co, abgerufen am 21. Mai 2022.

1448 entschieden sich die Hamburger eine schiffbare Verbindung zwischen Hamburg und Lübeck mit dem Alster-Beste-Kanal zu schaffen. Die Flüsse Beste und Trave waren bereits schiffbar. Ein acht Kilometer langer Graben, der Alster Canal, musste hierfür ausgehoben werden, um die Alster über die Alte Alster mit der Norderbeste zu verbinden. In der Alster wurden neun Schleusen (zum Ausgleich des Gefälles von 17 m), im Alster Canal vier Schleusen (Gefälle von 8 m) und in der Beste acht Schleusen (Gefälle von 15 m) gebaut. Die Strecke Hamburg – Lübeck war 91 Kilometer lang. Im Verlauf dieser Baumaßnahmen entstanden um 1448 die Wulksfelder, Wohldorfer und Fuhlsbütteler Schleuse. Nach vier Jahren Bauzeit wurde das Projekt aus Geldmangel unterbrochen. Der Schifffahrtsweg entlang der Alster von Stegen bis Hamburg war 1465 fertiggestellt, von Wohldorf schon einige Jahre früher.

1526 wurden die Arbeiten zum Kanal wieder aufgenommen. Der etwa 100 Jahre vorher fertiggestellte Stecknitzkanal mit seinen Schleusen lieferten für die Baumeister Anschauungsmaterial für den eigenen Bau, wie auch die Erfahrungen der Schleusenmeister des Stecknitzkanals genutzt wurden. Im Bereich des Nienwohlder Moors erwies sich der Kanalbau als äußerst schwierig, da aufgrund des weichen und durchnässten Baugrunds die Kanalböschungen immer wieder einbrachen. Zwischen 1527 und 1529 wurden die Sandfelder, Rader, Heidkruger, Mellingburger und Poppenbütteler Schleusen neu gebaut bzw. alte Schleusen ersetzt. Für die Mellingburger- und Poppenbütteler Schleuse wurde jeweils ein zweites Schleusenwehr notwendig und die Fuhlsbütteler Schleuse wurde zu einer Kastenschleuse umgebaut. Der Bedarf an Baumaterial, insbesondere für den Schleusenbau war gewaltig und erforderte über 2000 Bäume. In dieser Zeit wurden auch die Treidelwege entlang der Alster und mehrere Brücken über die Alster gebaut. Das gesamte Alstertal glich in dieser Zeit einer gewaltigen Baustelle, auf der mehrere Tausend Menschen arbeiteten.Wilhelm Melhop: Die Alster. Alster-Trave-Kanal … S. 103–116; Schleusentore S. 139–154; Schleusenmeister S. 166–174; Schiffsgrößen S. 234; Anzahl der Schiffe S. 244.

Mit der Errichtung der Schleusen um 1529 wurde vom Hamburger Rat für jede Schleuse ein Schleusenmeister eingesetzt und bezahlt. Bei einem Teil der Schleusen baute Hamburg Schleusenmeisterhäuser, von denen um 1640 noch die Häuser an der Wohldorfer, Mellingburger, Poppenbütteler und Fuhlsbütteler Schleuse vorhanden waren. Das Schleusenmeisterhaus an der Fuhlsbütteler Schleuse wird 1633 erstmals als „Krughaus“ erwähnt, in dem der Schleusenmeister die Aufsicht über das Schleusen- und Mühlenwesen sowie das Recht des Ausschankes hatte. 1704 wurde das Schleusenmeisterhaus durch das Alsterhochwasser weggespült und nicht wieder aufgebaut. Dem Schleusenmeister wurden einige Räume der Fühlbütteler Mühle zugewiesen.

Mit der Fertigstellung der Schleusen war der Wasserweg mit genügend Tiefgang entlang der Alster für die Lastkähne (als „Alsterböcke“ bezeichnet) geschaffen. Die Schiffe wurden von Männern und Frauen wie auch von Pferden mit Leinen gezogen, getreidelt. Treidelweg oder Leinpfad gaben in Hamburg der Straße Leinpfad, entlang der Alster, dem Leinpfadkanal und dem Treudelberg (TreidelbergLemsahl-Mellingstedt – Ein stilles Doppeldorf mit viel Historie, in: Hamburger Abendblatt, abgerufen am 21. Mai 2022.) in Poppenbüttel ihre Namen.

Die Talfahrt – mit der Strömung der Alster – dauerte je nach Wasserstand etwa zwei bis drei Tage. Dem Schleusenwärter kam die Aufgabe zu, über die Stellung des Schleusenwehres für einen günstigen Wasserstand zu sorgen. Beim Öffnen der Schleuse trieben die Schiffe auf der Flutwelle talabwärts bis zur nächsten Schleuse. Die Bergfahrt auf der Alster war dagegen erheblich schwieriger und dauerte wenigstens eine Woche, bei schlechtem Wasserstand bis zu vier Wochen. Dieser Schleusenbetrieb mit nur einem Wehr war im Unterschied zur Kastenschleuse mit einer großen Wasserverschwendung verbunden, da mit dem Öffnen des Wehres die gesamte aufgestaute Wassermenge abgelassen wurde. Die nachfolgenden Ländereien wurden häufig überflutet und geschädigt, was Streitereien mit den Landbesitzern auslöste.