Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) ist eine Vogelart aus der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) und der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes). Es ist zugleich der größte Hühnervogel Europas. Es besiedelt Nadel-, Misch- und Laubwaldzonen von Schottland über Nordeuropa bis in den Osten Zentralsibiriens. In Europa besiedelt es heute boreale und gemäßigte Zonen oberhalb von 1.000 Metern über dem Meeresspiegel. Nur sehr vereinzelt kommt es derzeit auch in tieferen Lagen vor, beispielsweise in Polen und der Niederlausitz.Bauer u. a., S. 175. Noch bis in die 1970er-Jahre waren autochthone (gebietseigene) Auerhuhnvorkommen etwa im hessischen Spessart und Knüllgebirge bekannt, konnten sich jedoch, infolge der zunehmenden Kulturgatterung (Wildzäune) durch die Forstwirtschaft, dort nicht mehr länger halten.

Das Auerhuhn ist sehr scheu und stellt große Anforderungen an seinen Lebensraum (Habitat). In Mitteleuropa ist es nur noch selten und nur in alten, unberührten Bergwaldregionen anzutreffen, z. B. in Österreich, Südtirol, der Schweiz, Slowenien, in Deutschland im Berchtesgadener Land, im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge. Da es ein sehr geringes Ausbreitungspotenzial hat, sind Kleinpopulationen rasch isoliert. Am Großen Arber gibt es ein landkreis- und bezirksübergreifendes Schutzgebiet für das Auerwild, das unter anderem im Zeitraum vom 01. November bis 30. Juni durch ein striktes Wegegebot auf markierten Wanderwegen, ausgewiesenen Ski- und Schneeschuhrouten, sowie Loipen geregelt wird.Naturpark Bayerischer Wald: Schutzzeit fürs Auerhuhnzweisprachige Informationstafel: Wildschutzgebiet Auerwild Arber | Chráněná oblast s výskytem tetřeva Javor Für Hunde besteht eine ganzjährige Anleinpflicht durch den Halter. Im Nationalpark Bayerischer Wald besteht zum Schutz der Auerhühner von 16. November bis 14. Juli eine Betretungsregelung.

Verbreitung Generelles Verbreitungsgebiet mini|Verbreitungsgebiet in Europa mini|Gesamtes Verbreitungsgebiet Das Auerhuhn ist ein Standvogel der großen, lichten Waldgebiete Europas und Nordasiens (Waldvogel). Sein ursprünglicher Lebensraum umfasst in erster Linie die Taiga Nord- und Osteuropas, daneben auch die ursprüngliche Nadelwaldzone der Alpen und Mittelgebirge. Große und geschlossene Vorkommen des Auerhuhns finden sich noch in den borealen Nadelwäldern Europas, wo die wildlebende Vogelart zwar großteils rückläufig ist, aber laut IUCN noch bei 1,5 bis 2 Millionen Tieren liegt und daher von ihr als „nicht gefährdet“ (Least concern) eingestuft wird. Als wesentliche Ursachen des Rückgangs werden Einflüsse aus der modernen Forstwirtschaft angegeben, welche die Waldstruktur für die Art nachteilig verändert. Obwohl die Jagd auf Auerhühner in allen Ländern reguliert oder verboten ist, werden insbesondere in Teilen von Süd- und Osteuropa erhebliche Verluste durch Wilderei angenommen.

Verbreitung nach Unterarten In Skandinavien siedelt die Nominatform Tetrao urogallus urogallus. In Schottland war das Auerhuhn bereits um 1760 ausgerottet. Der dortige Bestand geht in erster Linie auf schwedisches Auerwild zurück, das man 1837 und 1838 ausgesetzt hatte. Im Gegensatz zu anderen Ländern (Irland, Dänemark) verlief die Aussetzung erfolgreich.

Die Unterart Tetrao urogallus rudolfi (Dombrowski 1912) siedelt in den ukrainischen (Naturschutzgebiet Gorgany) und rumänischen KarpatenPeter Weber, Stefan Kohl: Zur Vogelwelt von Siebenbürgen-Rumänien. In: Internationale Arbeitsgemeinschaft für Alpenornithologie (Hrsg.): Monticola. Band 7, 1992–1995, S. 145–148 (). und den Rhodopen in Bulgarien, Tetrao urogallus pleskei in Belarus, der Nordukraine und weiten Teilen des europäischen Russlands, Tetrao urogallus uralensis (Menzbier) im südlichen Ural und Südwestsibirien ostwärts bis nach Barnaul, Tetrao urogallus karelicus in Finnland und im russischen Karelien, Tetrao urogallus lonnbergi auf der Halbinsel Kola, Tetrao urogallus volgensis im zentralen und im südöstlichen europäischen Russland, Tetrao urogallus taczanowskii in Zentralsibirien, südwärts bis zum Altai und bis zur nordwestlichen Mongolei und Tetrao urogallus obsoletus vom Onegasee über Nordrussland und Nordsibirien bis zur unteren Lena. In älterer Literatur werden die Vorkommen östlich Skandinaviens als Populationsinseln von Tetrao urogallus urogallus beschrieben, so dass unterschiedliche Auffassungen über die Zahl der Unterarten bestehen.

Im zentralen Europa, von Deutschland und den Alpen bis in das südwestliche Baltikum, das westliche Belarus, in die östlichen Karpaten und in den Dinariden und deren südlichen Ausläufern bis nach Nordmazedonien siedelt die deutlich größere Unterart Tetrao urogallus major (C. L. Brehm 1831). Die Populationen Mitteleuropas sind akut gefährdet und isoliert, stehen also nicht im Austausch miteinander. Das größte Vorkommen Mitteleuropas findet sich in den Alpen. Das Auerhuhn ist mittlerweile in allen Alpenregionen mit Ausnahme Österreichs, das die größte Population besitzt, unter Schutz gestellt worden. Liechtenstein (1962), die Schweiz (1971), Italien (1989) und Slowenien (1993) haben die Bejagung eingestellt, in der Schweiz ist die Art als stark gefährdet eingestuft. In der Provinz Südtirol besteht der Schutz seit 2007.Auerhuhn, Verband der Zoologischen Gärten e. V. In Frankreich lebt Tetrao urogallus major noch im Jura und in den Vogesen. In den französischen Alpen starb das Auerhuhn Ende der 1990er Jahre aus. In den Pyrenäen lebt die etwas kleinere Unterart Tetrao urogallus aquitanicus, in den Cevennen wurde eine Kreuzung aus beiden Unterarten angesiedelt. Im Kantabrischen Gebirge in Nordwestspanien wird noch die Unterart Tetrao urogallus cantabricus (Castroviejo) unterschieden.Zootierliste

mini|Auerhahn der Unterart Tetrao urogallus major im Nationalpark Bayerischer Wald Deutschland In Deutschland steht das Auerhuhn bundesweit als vom Aussterben bedrohte Vogelart auf der „Roten Liste“ und ist artenschutzrechtlich streng, beziehungsweise besonders nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSch), Art. 1 Bundesartenschutzverordnung und Art. 1 Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG [VSR] geschützt[ https://wisia.de/FsetWisia1.de.html Artenschutzdatenbank des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in Bonn: „Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz“ (WISIA-online) mit aktuellen Informationen zum Schutzstatus von international und national geschützten Arten, Abruf am 28. August 2026]. Gleichzeitig unterliegen die Großvögel als Federwild, wie zum Beispiel nach Art. 33 Abs. 1 Nr. 1 Bayerisches Jagdgesetz (BayJG) i. V. m. Art. 18 Verordnung zur Ausführung des BayJG (AVBayJG) mit einer ganzjährigen Schonzeit nach Art. 19 AVBayJG, (landes-)jagdrechtlichen Regelungen. Mit diesen beiden jagd- und natur-/artenschutzrechtlichen Rechtsregimen kann der Waldvogel damit auch als "Doppelrechtler" beschrieben werden. Neben der alpinen Population im Nationalpark Berchtesgaden besiedelt er hauptsächlich die süddeutschen Mittelgebirgslandschaften des Schwarzwaldes, Bayerischen Waldes und das Fichtelgebirges. Im Nationalpark Schwarzwald hat sich ein in der Summe relativ stabile, größerer Bestand erhalten, während die Gesamtpopulation im Schwarzwald weiterhin rückläufig ist. Im Nationalpark Bayerischer Wald existiert zusammen mit dem benachbarten Nationalpark | Národní park "Šumava"Nationalparkverwaltung Šumava: Willkommen im Nationalpark "Šumava" – dem einzigartigen Gebiet des Nationalparks und des Landschaftsschutzgebiets (abgerufen am 28. August 2026) Národní park Šumava (NPŠ) eine überlebensfähige Population; ein kleiner Bestand im Fichtelgebirge wurde im letzten Jahrzehnt (2010 - 2020) noch als relativ stabil eingeschätzt.

In weiteren deutschen Mittelgebirgen, wie im Erzgebirge, im Frankenwald, im Oberpfälzer Wald, im Odenwald oder im Spessart, stirbt die anspruchsvolle Vogelart aus oder ist bereits verschwunden. Im Harz und im Hochsauerland wurden die Auswilderungsprogramme eingestellt, die Restpopulationen gelten als erloschen.

Ein Bestand im Thüringer Schiefergebirge schrumpfte jahrzehntelang auf eine kritische Zahl, aktuell gibt es jedoch erste Anzeichen einer Erholung. Eine Ansiedlung von Tetrao urogallus urogallus in der Niederlausitz scheint erfolgreich. Beide Kleinpopulationen werden auf absehbare Zeit nicht die kritische Größe, die zu einer Selbsterhaltung notwendig ist, erreichen und auf aufwändige stützende Maßnahmen angewiesen sein. (s. u.: Bestand)

Schweiz In der Schweiz ist der Vogel streng geschützt. Sein Habitat in Reichenbach wurde zum Beispiel aktiv durch Eingriffe aufgewertet.Zwei PS bringen Licht in den Heidelbeerwald Im Winter werden Schutzzonen mit einem Betretungsverbot geschützt. Der Berner Tierpark züchtet Auerhühner auch zur Auswilderung.Berner Auerhühner sollen Population in Thüringen retten

Ursachen von Populationsrückgängen Hauptgrund für das Zurückgehen der Auerhuhnvorkommen, insbesondere in Mitteleuropa, ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen. Da das Auerhuhn hohe Ansprüche an sein Habitat stellt, sind Schutzmaßnahmen schwer zu realisieren. Für eine stabile Population werden etwa 50.000 ha zusammenhängende und ausreichend strukturierte Fläche benötigt. Die Populationen verhalten sich äußerst labil gegenüber Infrastrukturprojekten, welche sie in ihrem Lebensraum einschränken und die Tiere bis hin zum Stresstod (im Winter) stören können.

Umstritten ist der Einfluss weiterer Faktoren, zum Beispiel Störungen im Habitat oder der Einfluss von Beutegreifern (Prädatoren). So spielt in Mitteleuropa die hohe Prädatorenzahl (Fuchs, Baum-, Steinmarder, Habicht, Schwarzwild u. v. m.) eine stark einschränkende Rolle.Ilse Storch: Grouse. Status Survey and Conservation Action Plan 2006-2010. IUCN Species Survival Commission, IUCN, Gland, Switzerland, 2007. 114pp. ISBN 978-2-8317-1009-9Jan Lindström (1994): Tetraonid population studies — state of the art. Annales Zoologici Fennici 31(4): 347-364. In integrativen Jagdkonzepten muss daher versucht werden, deren Zahl gering zu halten. Eine moderate, regulierte Bejagung, insbesondere im Herbst, gilt den Modellannahmen nach als mit der Erhaltung der Bestände verträglich, wenn hier auch teilweise noch Wissenslücken bestehen. Die Jagd auf Auerwild ist in allen Ländern jagdrechtlich reguliert oder durch ganzjährige Schonzeiten verboten. Durch Wilderei in Teilen von Süd- und Osteuropa werden erhebliche Verluste bei der Großvogelart angenommen.

Der Tourismus und zunehmender Besucherdruck in den Verbreitungsgebieten sind weitere Gründe für den Rückgang. Da die meisten Populationen voneinander isoliert sind, findet kein ausreichender, genetischer Austausch statt, was sich negativ auf die Konstitution auswirkt. Es wird derzeit versucht, nach dem Trittsteinkonzept einen genetischen und individuellen Austausch zu ermöglichen (dies insbesondere zwischen den Teilgebieten im Schwarzwald sowie zwischen den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava).

Kennzeichen Männchen und Weibchen mini|Hahn und Henne des Auerhuhns mini|Auerhenne In der Gestalt unterscheiden sich bei allen Arten Auerhahn und Auerhenne ganz deutlich voneinander: Der auffallend größere Auerhahn – Gewicht ca. 4–5 kg, Größe 1 m, Flügelspannweite 90 cm – ist dunkelgrau bis dunkelbraun gefärbt mit einem metallisch glänzenden grünen Brustschild. mini|Auerhahn im Nationalpark Bayerischer WaldDie Auerhenne ist mit einem Gewicht von ca. 2,5 kg bzw. einer Größe von 60 cm und einer Flügelspannweite von ca. 70 cm deutlich kleiner als der Hahn. Ihr Gefieder ist oberseits braun gefärbt mit schwarzen und silbernen Querbändern, unterseits etwas heller, gelblicher.

Gemeinsamkeiten Gemeinsam ist beiden Geschlechtern ein weißer Spiegel am Schwingenbug. Nach der Mauser sind im Winter die Füße befiedert, seitlich der Zehen stehen kleine Hornstifte ab (Schneeschuh-Effekt), wovon die Familienbezeichnung „Raufußhühner“ abgeleitet wird.