Die Burg Henneberg, auch Alsterschlösschen genannt, ist eine künstliche Ruine an der Alster in Hamburg-Poppenbüttel in unmittelbarer Nähe der Poppenbütteler Schleuse. Sie ist eine Nachbildung der Burg Henneberg im südlichen Thüringen im Maßstab 1:4.Angelika Rosenfeld: Alsterschiffe, Silbermünzen und eine „Burg“ - Die Geschichte Poppenbüttels. Dobu Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-934632-17-3, S. 91–93.

Geschichte Die Ära der Familie Henneberg Als im Jahr 1875 der braunschweigische Postdirektor Albert Caesar Henneberg (* 1818, † 1896) sich nach einem Ruhesitz umsah, kaufte er nahe der Poppenbütteler Schleuse das Gelände einer ehemaligen Lehmkuhle, auf dem er einen Berg aufschütten und dort die Burg errichten sowie den Park Marienhof anlegen ließ.Friedrich Sparmann: Die Burg an der Poppenbütteler Schleuse, Jahrbuch des Alstervereins e. V., 26. 1942, Seite 19. Die Burg wurde von 1884 bis 1887 nach den Plänen des Architekten August Pieper auf dem Park Marienhof an der Alster gebaut. Sie ist ein Nachbau der Burg Henneberg in Thüringen, des Stammsitzes der Grafen von Henneberg, im Maßstab 1:4.Henneberg, Burgruine Henneberg. Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Ein Motiv für das gewählte Vorbild war die Namensverwandtschaft, obwohl eine verwandtschaftliche Verbindung der Hennebergs zur Grafen-Familie nicht bestand. Der Bau neugotischer und anderer Burganlagen entsprach dem damaligen Zeitgeist großbürgerlicher Familien, wie sie auch an weiteren Stellen in Hamburg, z. B. an der Elbchaussee im Baurs Park, errichtet wurden.Die Hennebergs in Poppenbüttel 1855–1955. In: Jahrbuch des Alstervereins e. V. 1955. 34. Jahrgang.

Der Park Marienhof, ein zur Alster leicht abfallendes, 3,5 ha großes Gelände, wurde von Albert Henneberg im Stil eines englischen Landschaftsgartens (Arboretum) mit exotischen Gehölzen aus verschiedenen Regionen aus Europa, den USA, China und Japan angelegt. Der Park besteht heute noch.F. Glasau: Das Arboretum Park Marienhof. In: Jahrbuch des Alstervereins e. V. 1972. S. 46–57. mini|Die Alster an der Poppenbütteler Schleuse im Jahre 1856 von Wilhelm Heuer

Das von Wilhelm Heuer gemalte Bild (siehe rechts) zeigt die Poppenbütteler Schleuse mit dem oberen und unteren (heute Bäckerbrücke) Schleusenwehr aus dem Jahr 1856. Auf dem rechtsseitigen Alsterufer, am oberen Schleusenwehr, befinden sich der „Park Marienhof“ und das Schleusenmeisterhaus (heute Restaurant). Der Hügel mit der Burg Henneberg existierte zu der Zeit noch nicht.

1855, als die Alstertaler Gemeinde noch zu Dänemark gehörte, erwarb die Familie Henneberg große Landwirtschaftsflächen in der Gemeinde. Mit der Gründung der Provinz Schleswig-Holstein durch die Preußen im Jahr 1867 gehörte die Alstertaler Gemeinde mit dem Dorf Poppenbüttel zum Landkreis Stormarn. Der Gutsbetrieb der Hennebergs war bis Ende des 19. Jahrhunderts als Milchlieferant mit etwa 150 Rindern überwiegend auf den Absatzmarkt Hamburg ausgerichtet.Jahrbuch des Alstervereins e. V. 1966. 45. Jahrgang, S. 68.

Für das Ansehen der „Ritterburg“ wurde eigens ein felsiger 15 Meter hoher Burgberg in drei Jahren Arbeitszeit aufgeschüttet. Die Burg besteht aus einem Hauptgebäude, einem 12 Meter hohen Turm, einem Nebentürmchen sowie einem nach Süden gerichteten, terrassenförmigen Vorbau. Im Hauptgebäude befinden sich ein 23 m² großer „Rittersaal“ mit einer 20 m² großen Empore, einer 7 m² großen Burgkammer sowie der Aufgang zum Turm. Über eine Wendeltreppe gelangt man auf den Turm, von dem die Hennebergs einen weiten Blick bis zu den Kirchtürmen Hamburgs hatten. Heute ist dieser Blick durch die hoch gewachsenen Bäume der Stadt verstellt. Der Zugang zur Burg erfolgt über einen um die Burg herumlaufenden offenen Treppengang. Um dem Bau ein antikes Ansehen zu verleihen, wurden im Mauerwerk des Turms Risse vorgetäuscht.F. Ziesche: Hamburg Poppenbüttel. (= Die Reihe Archivbilder). Sutton Verlag, 2008, ISBN 978-3-86680-294-0, S. 107.Neues Leben in alten Gemäuern, Burg Henneberg aus dem Dornröschenschlaf erwacht. In: Markt Wochenzeitung für die Walddörfer und das Alstertal. 31. Januar 2015.

Die Burg diente der Familie Henneberg bis 1907 als Familienarchiv, das auch von Braunschweiger Geschichtsforschern genutzt wurde. Mit der Auflösung des landwirtschaftlichen Besitzes der Hennebergs im Jahr 1930, im Zuge der Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten in Poppenbüttel, standen die Räume der Burg einer Liedertafel als Proberaum zur Verfügung. 1942 wurden die Burg und ein Teil der Parkanlage an die Stadt Hamburg verkauft. Die Ära der Familie Henneberg endete 1986 mit dem Tod von Otto Henneberg-Poppenbüttel, da er keine Nachkommen hatte.

Die neuen Besitzer Der Burgnachbau verfiel im Laufe der Jahrzehnte durch die fehlende Nutzung. 1988 bestand Einsturzgefahr, die angrenzende Straße musste gesperrt werden. Ein Abriss des Bauwerks wurde in Erwägung gezogen, sollte sich kein Käufer finden. 1990 erwarb ein privater Investor den Bau unter der Verpflichtung einer umfassenden Restaurierung.Poppenbüttel: Wer möchte diese Burg kaufen? In: Hamburger Morgenpost. 17. Juli 2011.

1991 wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt, mit dem Eintrag in die Liste der Kulturdenkmäler in Hamburg-Poppenbüttel: „Burgruine Henneberg mit künstlicher Topografie, Typ Folly (Nachbau einer Burgruine), Marienhof 8.“Denkmal-ID 29679, Denkmalliste Hamburg Kulturbehörde, 11. Juli 2026.

2002 wechselten erneut der Besitzer. 2013 wurde die Immobilie von Miriam Hager erworben, Eigentümerin des Schloss Vietgest.Ostsee-Zeitung.de: 2014 wurde die Nutzung der Burg in die gemeinnützige „Stiftung Burg Henneberg“ überführt. Sie dient der Erhaltung und Nutzung des Bauwerks für kulturelle Zwecke und ist in diesem Rahmen auch erstmals öffentlich zugänglich. auf: SAT.1 Regional. 30. September 2014.Die Stiftung Burg Henneberg Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermöglichte die Stadt Hamburg den damaligen Besitzern ab 2021 die gewerbliche Nutzung.

Ab 2024 stand das Grundstück wieder zum Verkauf., auf ndr.de Die Möglichkeiten der Nutzung sind unverändert gering.Antwort des Hamburger Senates auf eine Anfrage des Abgeordneten Dennis Thering vom 3.5.2024 mit der Drucksache 22/15102 Im August 2026 fand sich ein neuer Käufer,Mopo.de: der es für 1,1 Millionen Euro erwarb.1,1 Millionen Euro für 46 Quadratmeter: Die wahrscheinlich kleinste Burg der Welt in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. August 2026

Weblinks

Fotogalerie der Burg Henneberg bei alsterschloesschen.de

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk im Bezirk Wandsbek Kategorie:Hamburg-Poppenbüttel Kategorie:Künstliche Ruine