Die Muktika-Upanishad oder Muktikopanishad ist die letzte der 108 im Muktika-Kanon angeführten Upanishaden. Ihre Bedeutung liegt in der Auflistung der 108 Upanishaden des Kanons sowie in einem philosophischen Dialog über Befreiung durch Kontrolle der Sinneswahrnehmungen und des Geistes.
Etymologie Das Sanskritsubstantiv muktika – मुक्तिक – bedeutet Perle. Es ist verwandt zu mukti – मुक्ति – und moksha – मोक्ष (mokṣa), welche ihrerseits Befreiung, Erlösung und Erleuchtung bedeuten. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich die Wurzel mokṣ von dem das Verb mokṣate – sich befreien, sich lösen, befreien, entlassen abgeleitet ist. Die Muktika-Upanishad – मुक्तिक उपनिषद् - ist somit die Perle unter den Upanishaden.
Beschreibung Die Muktika-Upanishad gehört zusammen mit 20 anderen Upanishaden zum Sāmānya Vedānta und ist wie auch die Subala-Upanishad, die Mantrika-Upanishad, die Niralamba-Upanishad, die Paingala-Upanishad und die Adhyatma-Upanishad mit dem Weißen Yajurveda assoziiert.
Einführung Dem Korpus der Upanishad geht eine Einführung voraus, in der die unendliche Natur des Brahman kurz beschrieben wird und die mit einer Friedensformel – Friede in mir, Friede in meiner Umwelt und Friede in den auf mich einwirkenden Kräften – endet.
Versteil Der Versteil der Muktika-Upanishad setzt sich aus zwei Kapiteln zusammen, welche ihrerseits wiederum in zwei Unterabschnitte gegliedert werden. Kapitel I, 1 besteht aus 52 und Kapitel I, 2 aus 6 Versen. Kapitel II, 1 weist nur einen Vers auf und Kapitel II, 2 hat 77 Verse. Insgesamt bilden somit 136 Verse den Korpus der Upanishad.
Kapitel I
mini|300px|Rama mit Gefolge, davor der kniende Hanuman
Der erste Unterabschnitt von Kapitel I der Muktika-Upanishad ist im Wesentlichen ein philosophischer Dialog zwischen Rama und Hanuman. Rama residiert zu diesem Zeitpunkt mit seinem Gefolge und umringt von Weisen und Schülern in Ayodhya. Der Grund des Gesprächs ist Hanumans Wunsch, über verschiedene Arten der Befreiung (mukti) zu erfahren. Rama entgegnet, dass die einzige wahre Befreiung Kaivalya ist. Rama verweist ferner auf den Vedanta und spricht:
In den Versen 26 bis 29 wird dann an den Muktika-Kanon der 108 Upanishaden herangeführt:
In den Versen 30 bis 39 werden dann die 108 Upanishaden aufgelistet.
Im zweiten Unterabschnitt fragt Maruti (eine andere Bezeichnung für Hanuman) Rama nach den Shanti-Mantras der einzelnen Veden. In den Versen 1 bis 5 erklärt Rama die Unterteilung der Upanishaden anhand ihrer Zugehörigkeit zu den Veden wie folgt:
10 Upanishaden sind mit dem Rigveda assoziiert. Ihre eingängliche शान्ति shānti (Friedensformel) beginnt mit den Verszeilen vaṇme-manasi (meine Rede ruht in meinem Geist) – Vers I. 2, 1. 19 Upanishaden stehen mit dem Weißen Yajurveda in Verbindung, ihr shānti beginnt mit pūrṇamada (Fülle findet sich im Transzendentalen) – Vers I. 2, 2. 32 Upanishaden gehören zum Schwarzen Yajurveda mit shānti sahanāvavatu (Das Brahman möge uns beide beschützen) – Vers I. 2, 3. 16 Upanishaden sind mit dem Samaveda verknüpft und ihr shānti lautet āpyāyantu (mögen die unsichtbaren Kräfte uns nähren) – Vers I. 2, 4. 31 Upanishaden stehen in Assoziation mit dem Atharvaveda und beginnen mit der shānti bhadram-karṇebhiḥ (lasst uns die glückbringenden Wahrheiten mit den Ohren vernehmen) – Vers I. 2, 5.
Im letzten Vers des zweiten Unterabschnitts (Vers I. 2, 6) empfiehlt Rama, die 108 Upanishaden bei einem qualifizierten Lehrer ausgiebigst zu studieren. Durch diesen Prozess wird angesammeltes Karma aufgelöst und nicht an den Körper gebundene Erfülltheit erlangt (Videha-mukti), die schließlich zur endgültigen Befreiung (kaivalya-mukti) führt.
Kapitel II Im Eingangsvers des ersten Unterabschnitts von Kapitel II fragt Hanuman erneut nach Jivanmukti (Befreiung des Jiva, der individuellen Seele, vom Glück und Leid der Welt) bzw. nach Videha-mukti. Rama nennt als Vorbedingung für Videha-mukti die Auflösung des noch wirksamen persönlichen Karmas. Diese Zerstörung von Prarabdha-Karma vergleicht Rama bildlich mit
Ziel sei ewige Glückseligkeit, die nur durch eine Beendigung des Leids ichorientierten Handelns erreicht werden kann.
Hinderlich auf diesem Weg sind Sinneseindrücke und der ewiglich argumentierende Geist. Im zweiten Unterabschnitt von Kapitel II betont Rama daher die Wichtigkeit, die Sinne und den Geist zu kontrollieren.
Die Natur des Geistes (Sanskrit मनस् – manas, engl. mind) beschreibt Rama wie folgt:
Und in den Versen 32–37:
In den Versen 48–50 fährt Rama fort:
Zu den Sinneseindrücken nimmt Rama wie folgt Stellung:
Und weiter empfiehlt er:
In Vers 71 empfiehlt Rama Hanuman, seine Aufmerksamkeit letztlich ganz auf ihn zu richten:
Schluss Die Einführung wird nach dem Versteil am Schluss wiederholt und mit dem Mantra Om Shanti! Shanti! Shanti! beendet.
Siehe auch Muktika Yajurveda Upanishaden Jivanmukti Kaivalya Karma Mukti Samsara Vasana
Einzelnachweise
Kategorie:Upanishaden