Dieser Artikel beschreibt die Kursbücher der Schienenverkehrsunternehmen in Deutschland.
Normen Der Internationale Eisenbahnverband UIC gab seit 1952 eine Empfehlung über die Gestaltung von Kursbüchern heraus. Die 6. und letzte Ausgabe dieses UIC-Merkblattes 411 Gestaltung, Inhalt und Aufbau der Kursbücher galt von 1978 bis 1. November 2002 und wurde danach ersatzlos gestrichen.Internationaler Eisenbahnverband: Kodex 411 Gestaltung, Inhalt und Aufbau der Kursbücher. 6. Auflage, 1978Internationaler Eisenbahnverband – Eisenbahntechnische Publikationen: , 6. Juni 2002, abgerufen am 1. November 2013.
Das Deutsche Institut für Normung gab mit der Norm DIN 66359:1997-11-00 Informationen im öffentlichen Personenverkehr – Fahrplanbücher – Inhalt, Gliederung und Gestaltung 1997 und der gleichnamigen Nachfolgenorm 66359:1999-05 zwei Jahre später ebenso eine Empfehlung für Kursbücher heraus.Beuth: DIN 66359:1999-05 Titel (deutsch): Informationen im öffentlichen Personenverkehr – Fahrplanbücher – Inhalt, Gliederung und Gestaltung. Abgerufen am 1. November 2013.
Entwicklung Geschichte des Kursbuchwesens in Deutschland Schon in der Zeit, als es noch keine Eisenbahnen gab, sind Reisehandbücher erschienen, die man als Vorläufer der späteren Kursbücher betrachten kann. Als dann in der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Eisenbahnlinien eröffnet wurden und immer mehr Menschen Reisen mit dem neuen Verkehrsmittel unternahmen, war es deren verständlicher Wunsch, zuverlässige Informationen über Streckenführung, Fahrzeiten und Tarife der Eisenbahnen und der sie ergänzenden Postkutschenverbindungen zu erhalten.
Als erstes Kursbuch in Deutschland unterrichtete darüber im Jahre 1845 ein Handbuch, das in Frankfurt am Main von dem Fürstlich Thurn und Taxischen Oberpostamts-Sekretär Hendschel herausgegeben wurde. Unter der Bezeichnung Telegraph für Post- Eisenbahn- und Dampfschiffverbindungen in Deutschland und den angrenzenden Ländern erschien es ab 1847 sogar monatlich. Es entwickelte sich mit dem Stormschen Kursbuch fürs Reich zur weitverbreiteten Informationsquelle, die erst Anfang der 1930er Jahre ihr Erscheinen einstellte. Die Bücher sind als Nachdruck im einschlägigen Handel erhältlich.Telegraph für Post- Eisenbahn- und Dampfschiffsverbindungen auf eurobuch.com, abgerufen am 22. August 2023.Kursbuch fürs Reich auf zvab.com, abgerufen am 22. August 2023.
Reichs-Kursbuch und Deutsches Kursbuch mini|hochkant|Kursbuchtabelle aus dem Deutschen Kursbuch 1939 (Strecke 117, Berlin-Eydtkau) mini|hochkant|Reichskursbuch Kleine Ausgabe (ohne Ausland) Nr. 2 vom 2. November 1942
Nun beherrschten allein die amtlichen Kursbücher den Markt, deren erstes 1850 erschienen war. Dieses stellte eine Zusammenfassung der Eisenbahnfahrpläne im Deutschen Bund und den Nachbarländern dar, aber auch von Postkursen und Schiffsverbindungen, teilweise auch nach Übersee. Herausgeber war das Cours-Bureau des Königlichen General-Post-Amts. Es wurde ab 1878 von der Kursbuchstelle des Reichspostamts zusammengestellt und ab 1881 als Reichs-Kursbuch bezeichnet. Erst 1926 trat die Deutsche Reichsbahn als Mitherausgeber auf.
Die staatlichen und privaten Eisenbahnunternehmungen hatten auch vorher schon Taschenfahrpläne und Kursbücher veröffentlicht, allerdings immer nur für einen begrenzten Bereich.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 6. April 1912, Nr. 18. Bekanntmachung Nr. 226, S. 111: Wegfall des Westdeutschen und des Süddeutschen Kursbuchs und deren Ersatz durch Taschenfahrpläne; dsgl.: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 27. April 1912, Nr. 22. Bekanntmachung Nr. 267, S. 158. Bevor eine Gesamtausgabe für Deutschland realisiert wurde, erschienen ab 15. Mai 1927 ergänzend zu den regionalen Taschenfahrplänen fünf amtliche Reichsbahnkursbücher jeweils für Ost-, Mittel-, West- und Südwestdeutschland sowie Bayern. Erst für den Fahrplan des Jahres 1933 gab die Deutsche Reichsbahn als Zusammenfassung das Amtliche Kursbuch für das Reich heraus. Schöpfer dieses ersten reichseinheitlichen Kursbuchs war Alfred Baumgarten.Alfred B. Gottwald: Der „Vater des Amtlichen Kursbuchs.“ Erinnerung als Alfred Baumgarten. In: Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 2001. S. 48ff. Dieses nannte sich ab 1936 Deutsches Kursbuch – Gesamtausgabe der Reichsbahn-Kursbücher und erschien bis 1944 in Konkurrenz zum Reichs-Kursbuch, wobei die Deutsche Reichsbahn ihre Mitarbeiter drängte, den Vertrieb des eigenen Produkts zu fördern.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 13. November 1937, Nr. 58. Bekanntmachung Nr. 740, S. 350. Die letzte Ausgabe enthält den Hinweis: „Gilt vom 3. Juli 1944 an bis auf weiteres“. Auch große Tageszeitungen wie die Leipziger Neueste Nachrichten (Verlag Herfurth) oder die Breslauer Neueste Nachrichten (Verlag Korn) gaben regionale Kursbücher heraus.Andreas Rasemann: Dienstfahrpläne deutscher Eisenbahnen, S. 39, vgb-Verlag, 2017
Beide amtlichen Publikationen enthielten auch die Fahrpläne der Privat- und Kleinbahnen, das Reichskursbuch auch die der über die Stadtgrenzen hinausgehenden Straßenbahnlinien; bei sehr häufig verkehrenden Verbindungen wurde oft nur die Strecke angegeben, nicht aber alle Fahrzeiten. Allerdings war die Einteilung, Nummerierung und Gestaltung der Fahrplantabellen in beiden Kursbüchern völlig unterschiedlich. Das Amtliche bzw. Deutsche Kursbuch ähnelte seit 1933 schon weitgehend den heutigen DB-Kursbüchern.
Das Reichs-Kursbuch enthielt auch einen Abschnitt über die Omnibuslinien der Post und anderer Unternehmungen, hingegen das Deutsche Kursbuch nur die – damals noch wenigen – Reichsbahn-Omnibuslinien. Daneben gab das Reichspostzentralamt auch noch ein Kraftpost-Kursbuch für das gesamte Reichsgebiet heraus, in dem aber auch die Reichsbahnbusse zu finden waren. Ferner gab es eine große Zahl von Taschenfahrplänen der einzelnen Reichsbahn- und Reichspost-Direktionen sowie von privaten Verlagen, vor allem von Tageszeitungen für ihren Einzugsbereich. Die Mitropa gab ebenfalls ein Kursbuch heraus, das allerdings nur die Fernverbindungen enthielt.
Beigelegt war den Kursbüchern zumeist ein separates Kurswagenverzeichnis, aus dem der Laufweg einzelner Reisezugwagen ersichtlich war, die an Knotenbahnhöfen auf andere Züge umgestellt wurden. Später wurde ein Zug- und Wagenverzeichnis in das Kursbuch integriert, das den Laufweg aller Züge darstellte. Auch ein Auslandkursbuch mit den wichtigsten Strecken der Nachbarbahnen war separat erhältlich.
Die Kursbücher der letzten 150 Jahre liefern der Wissenschaft wichtige Kenntnisse nicht nur über die damalige Ausgestaltung der Verkehrsverbindungen, sondern auch über die Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus in allen Teilen Deutschlands sowie zur allgemeinen Geschichte nicht nur im Lokalbereich. Die Originale sind, trotz ihrer großen Auflage, nur in wenigen Exemplaren erhalten geblieben, da sie meist nach Ablauf der Gültigkeit entsorgt wurden. Daher sind zahlreiche Ausgaben unterschiedlicher Kursbücher in den letzten Jahren nachgedruckt oder digitalisiert worden und stehen dem interessierten Leser zur Verfügung.
Kursbücher der deutschen Bahnen seit 1945 mini|hochkant|Kursbuch der DR, Winter 1976 mini|Kursbuchtabelle 150 der West-Berliner Ringbahn im DR-Kursbuch Winter 1976 in Bleisatz
Seit 1945 gaben die Deutsche Reichsbahn (DR) und die Deutsche Bundesbahn (DB) für ihre Bereiche Kursbücher heraus. Die Deutsche Reichsbahn nutzte das Nummernsystem des Deutschen Kursbuches bis 1968 weiter. Ab dem Sommerfahrplan 1968 wurde ein neu entwickeltes Nummernsystem verwendet. Die Hauptstrecken von und nach Berlin erhielten dabei die Hunderterstellen. Zwei Ausnahmen waren die Kursbuchstrecken 100 (Berlin Friedrichstraße–Strausberg Nord der S-Bahn Berlin) und 500 (Linie A der S-Bahn Leipzig). Hauptstrecken mit schnellfahrendem Reiseverkehr erhielten nach Möglichkeit volle Zehnerstellen. In zwei Fällen (Strecken Langenstein–Derenburg, 717a, und Damme–Schönermark, 925a) konnte auf Buchstabenzusätze nicht verzichtet werden.Das Nummernsystem erlaubte die Zuordnung von höchstens neun Nebenstrecken zu einer Hauptstrecke, was in diesen Fällen nicht ausreichte. Siehe: Kursbuch der Deutschen Reichsbahn, Sommerfahrplan 1969, Seiten 254 und 290/291.
Die Deutsche Reichsbahn gab halbjährlich neben Taschenfahrplänen der einzelnen Direktionsbezirke für 50 Pfennige das Binnenverkehrskursbuch für 2 Mark, das Kursbuch internationaler Verkehr für 1,50 Mark und die Gesamtausgabe für 3,50 Mark heraus. Zusätzlich erschien ein Taschenfahrplan mit internationalen Verbindungen Richtung Polen und Tschechoslowakei für 50 Pfennige. Das Kursbuch internationaler Verkehr enthielt bis 1981 neben den Tabellen in die Nachbarländer, geordnet nach Staaten und Grenzübergängen, Binnenfernverbindungen in vielen europäischen Ländern. Ab 1982 wurden die Tabellen für den Verkehr mit den Nachbarländern deutlich ausgebaut und damit übersichtlicher gestaltet. Damit entfielen jedoch die Binnenverkehrsverbindungen in Westeuropa.
Es ist anzumerken, dass die Fahrplantabellen der West-Berliner S-Bahn bis 1984 von der DR herausgegeben wurden, da die Eisenbahnen in Gesamt-Berlin – obwohl im Westen der Stadt nicht zur DDR gehörend – von der DR betrieben wurden. Sie erhielten die Nummerngruppe 150 bis 159. Ab 1984 wurden in einer besonderen, nummernlosen Tabelle nur noch die Abfahrts- und Ankunftszeiten der S-Bahn-Züge im Bahnhof Berlin Friedrichstraße von und nach Lehrter Stadtbf angegeben.
Die Deutsche Bundesbahn führte zum Sommerfahrplan (28. Mai) 1972 ein neues Nummernsystem ein. Die bisher aus dreistelliger Zahl (für Hauptstrecken) und dreistelliger Zahl und einem Kleinbuchstaben (für Nebenstrecken) bestehenden Nummer wurden in beiden Systemen durch dreistellige Nummern abgelöst. S-Bahn-Tabellen erhielten bei der DB eine dreistellige Zahl, der mit einem Punkt die S-Bahn-Linie angehängt wird (990.1). Bei der Deutschen Reichsbahn wurde von 1983/84 bis 1989/90 statt der bisher üblichen Ausgaben für Sommer- und Winterfahrplan nur noch jährlich ein Kursbuch mit dem Fahrplan für ein Jahr herausgegeben.
mini|hochkant|links|Erstes gemeinsames Kursbuch DB/DR 1991/1992
Nach der Deutschen Wiedervereinigung erschien für den Zeitraum Juni 1991 bis Mai 1992 erstmals ein gemeinsames Kursbuch DB/DR, das mit 55 mm Stärke ein nahezu unhandliches Format erreichte. Ein Jahr später wurde ein neues, gesamtdeutsches Nummernsystem entwickelt. Bis zum Sommerfahrplan 1999 erschien das gesamtdeutsche Kursbuch in einem einzigen Band. Das Kursbuch des Winterfahrplans 1999/2000 wurde in drei handlicheren Einzelheften verkauft.
Bis einschließlich 2008 gab die Deutsche Bahn das für ein Fahrplanjahr gültige Kursbuch in Einzelausgaben heraus; insgesamt erschien es zuletzt in acht Heften, welche mit den Buchstaben A bis H bezeichnet wurden. Dabei beinhalteten die Ausgabe A die Fernverkehrslinien sowie Nachtzüge in Deutschland und ins benachbarte Ausland, die Ausgaben B bis H nach Regionen geordnet den Nahverkehr und lokalen Fernverkehr in Deutschland. Daneben waren in allen Ausgaben einzelne Schiffslinien, Bergbahnen und Museums- bzw. Nostalgiebahnen verzeichnet. Größere Fahrplanänderungen wurden in Form von Ergänzungen veröffentlicht.
Die Frage, inwieweit das Kursbuch und die übrigen veröffentlichten Fahrplaninformationen der Deutschen Bahn im Sinne der Essential-Facilities-Doktrin eine monopolartige Eisenbahninfrastruktur darstellen, zu der Wettbewerbern Zugang zu gewähren ist, war Gegenstand verschiedener Rechtsstreitigkeiten.Peter Sprickmann Kerkerinck: Ist die DB-Reisezugauskunft auch für Reisende von Privatbahnen brauchbar? In: Eisenbahn-Revue International. Heft 2/2006, , S. 102 f.
Ablösung des gedruckten Gesamtkursbuches der DB AG / Neue Kursbuchausgaben Kursbücher in Papierform