mini|Garten der Villa d’Este in Tivoli mini|Die von Niccolò Tribolo gestaltete Gartenanlage der Villa Medici von Castello bei Florenz Als Renaissancegarten wird ein Garten oder Park bezeichnet, der in der Epoche und dem Stil der Renaissance angelegt wurde. Da die ersten Gärten dieses Typs in Italien entstanden, wurden und werden sie mitunter auch als Italienische Gärten bezeichnet. Die später in Deutschland, Frankreich oder England angelegten Gärten unterschieden sich teilweise deutlich von den italienischen Originalen.

Zeitgeistige Entwicklung mini|Der rekonstruierte Schlosspark des Château de Villandry in Frankreich mit seinen geometrischen Zier- und Küchengärten mini|Gartenanlage des Palastkomplexes San Lorenzo de El Escorial mini|Der Hortus Palatinus („Pfälzischer Garten“) war der Garten des Heidelberger Schlosses. Er war der bekannteste Renaissancegarten in DeutschlandCaroline Rolka: Historische Kleinarchitekturen in Sachsen: eine Untersuchung zur Baukonstruktion und der Materialverwendung im Garten- und Landschaftsbau. Frank & Timme, Berlin 2007, ISBN 978-3-86596-134-1, S. 46. und Vorbild für ähnliche Gärten in anderen deutschen Residenzen. mini|Garten der Schallaburg in Österreich mini|Rekonstruierter Renaissancegarten des Bischofspalastes im polnischen Kielce mini|Die aufwändigen Wasserspiele des Schloss Hellbrunns in Salzburg stammen aus der Zeit der späten Renaissance und wurden Anfang des 17. Jahrhunderts von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems in Auftrag gegeben

Die Grundform des heute als Renaissancegarten bezeichneten Gartenbautyps entstand in Italien. Zum ausgehenden 15. Jahrhundert begann sich hier eine neue Lebensanschauung durchzusetzen, mit einer Rückbesinnung auf Formen, Werte und Denksysteme der Antike, die nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern auch die Architektur und die Gartenbaukunst beeinflusste. Der Gedanke des Humanismus führte zu einem neuen Verständnis auch von Gartenanlagen. Mittelalterliche Einschränkungen entfielen; Burgen, Burghöfe und raumgreifende Festungsanlagen hatten ausgedient, es wurden nunmehr Paläste und Villen errichtet. Natur kam ein neuer Stellenwert zu. Auch sollte – gerade in Norditalien – den Repräsentationsbedürfnissen des aufgeklärten, städtischen Großbürgertums Rechnung getragen werden,Ralf Janaszek: Glossar zur Garten- und Landschaftsarchitektur, abgerufen am 31. Januar 2015. das sich zunehmend außerhalb der Städte Refugien der Erholung und Besinnung schuf.

Antike und Humanismus Die Renaissance fußte auf der Hinwendung zur Literatur und Kultur des klassischen Altertums, die oft im Gegensatz zu den Anschauungen des späten Mittelalters stand. Der Humanismus war die „wissenschaftlich-geistige Seite“ der Renaissance-Bewegung.Maja Eib: Der Humanismus und sein Einfluss auf das Eheverständnis im 15. Jahrhundert: eine philosophisch-moraltheologische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des frühhumanistischen Gedankenguts Albrechts von Eyb. Band 9 der Studien der Moraltheologie. ISBN 3-8258-5302-0, LIT Verlag Münster, 2001, S. 3 ff. Humanisten erklärten das antike Kultur- und Menschenbild als Wunsch- und Zielvorstellung; der gebildete Mensch war das Bildungsziel des Humanismus.

Namhafte Vertreter der Zeit beriefen sich bei der Gestaltung von Lebensräumen auf antike Autoritäten wie Vitruv oder Ovid; es sollten Orte der Wiedererweckung der Antike erschaffen werden.Géza Hajós: Historische Gärten in Österreich: vergessene Gesamtkunstwerke, Österr. Gesellschaft für historische Gärten, Böhlau Verlag, Wien 1993, ISBN 3-205-98095-6, S. 4. Die für die Gestaltung herangezogenen literarischen Vorbilder sollten die Vorstellung von einem idyllischen Ort, dem Goldenen Zeitalter, den Gärten der Hesperiden, der Nymphen und der Musen oder der elysischen Felder Homers und Vergils bewirken. Römische Gärten wie die des Lucius Licinius Lucullus auf dem Pincio und die des Gaius Maecenas auf dem Esquilin, die Horti Sallustiani des Schriftstellers Sallust, die Gärten Julius Caesars in Trastevere, die kaiserlichen Gärten auf dem Palatin und vor allem die Gärten der Domus Aurea des Nero (die sich nach Suetons De vita Caesarum über hundert Hektar erstreckten und Wiesen, Ackerflächen, Weinberge, Obstplantagen und künstliche Seen beinhalteten) waren durch detaillierte literarische Beschreibungen überliefert und dienten als Vorbild. Die Formensprache wurde von der wiederbelebten griechischen und römischen Antike – vor allem durch eine geordnete Gleichmäßigkeit – sowie eine Verwendung von Treppen, Skulpturen und Wasserspielen, geprägt.

Natur Die Baumeister der Renaissance strebten mit ihren Konzepten ein Gleichgewicht von Architektur und Natur an.Elmar Treptow: Die erhabene Natur: Entwurf einer ökologischen Ästhetik. Königshausen & Neumann, Würzburg 2001, ISBN 3-8260-1938-5, S. 176. Der Renaissancegarten wird heute als die „dritte Natur“ – in Abgrenzung zur ersten (unberührten) und zweiten (kultivierten) Natur bezeichnet:

Der Garten sollte ein ästhetisches Abbild der Ländlichkeit (Ruris imitatio) im Gegensatz zur Geschäftigkeit der Stadt sein, in dem die allegorisch verstandene Natur künstlich wirkende Formationen hervorgebracht hatte. Die Natur erlebte eine Neubewertung, sie wurde zur Projektionsfläche eines neu zu erfahrenen Lebensglücks. Es ging um die Verbindung oder auch den WettstreitChristian Patzl: Die Gärten des Stiftes Gurk: Renaissance eines Renaissancegartens, Diplomarbeit, ISBN 3-8324-4093-3, diplom.de, S. 45. zwischen Kunst und Natur:

Seit Francesco Petrarca verbreitete sich in Italien die Idealvorstellung von Landvilla und Garten als Refugium.

Christentum Die große Bedeutung der Kirche in jener Zeit führte bei der Entwicklung von Gartenstrukturen zu einer Verbindung christlicher Ideale mit den Vorstellungen der Antike: von den begrenzten Gartenräumen (Hortus conclusus) des mittelalterlichen Marienkultes bis zum offenen Garten Eden.Gardens of the Renaissance, The J. Paul Getty Museum, in Englisch, abgerufen am 31. Januar 2015. In einem Paradiso terrestre würden nach Ulisse Aldrovandi „Geist und Seele frei von niederen Trieben“.Marta Zaccagnini: Christentum der Endlichkeit: Heideggers Vorlesungen Einleitung in die Phänomenologie der Religion. Band 4, Forum Religionsphilosophie. ISBN 3-8258-6476-6, LIT Verlag Münster, 2003, S. 115f.Bezugnehmend auf die Villa Carpi und eine von ihm bewunderte Grottenanlage im Garten der del Bufalos Wegweisend war die im Jahr 1522 von Erasmus von Rotterdam veröffentlichte Schrift Convivium religiosum, in der er den Übergang vom Hortus conclusus klösterlicher Prägung zum Renaissancegarten christlicher Prägung beschreibt.Jan Peter Grevel: Mit Gott im Grünen: Eine Praktische Theologie der Naturerfahrung. ISBN 3-525-60451-3, Habilitationsschrift, Vandenhoeck & Ruprecht, Frankfurt (Main) 2014, S. 161. Dabei ist die Grundhaltung optimistisch: Die Spiritualisierung der Welt drückt im Renaissance-Humanismus stets auch Weltbejahung aus.Andreas Greuter und Frank Maier-Solgk: Renaissance-Gärten in Italien: Paradiese aus Stein und Natur. Ausgabe 635 der Bibliophilen Taschenbücher, Harenburg Edition, 1991, S. 46.

Es flossen aber auch arabische Traditionen im Gartenbau, ebenfalls oft in christlicher Interpretation, in die Gestaltung ein – wie die nicht an Treppen gebundenen Kaskaden (Salsabil), auch wenn deren Ursprung wiederum im alten Rom gelegen haben kann.Heike Juliane Zech: Kaskaden in der deutschen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts: vom architektonischen Brunnen zum naturimitierenden Wasserfall. Band 7, Architektur, LIT Verlag, Münster 2010, ISBN 3-643-90045-7, S. 30.

Geometrie und Wechselbeziehungen Zunächst einmal war die Verwendung von Strukturen der klassischen Ordnung (Perspektive, Proportion, Symmetrie, Kreise, Vier- und Dreiecke) Ausdruck der Zuwendung zur Antike.Italian Renaissance Garden bei Hamilton Gardens, in Englisch, abgerufen am 31. Januar 2015. Gartenarchitekten versuchten dazu, in der Natur entdeckte geometrische Strukturen (ein Sinnbild kosmischer Ordnung) auf größere Einheiten auszudehnen. Wegen des daraus folgenden Formenrepertoires und Pflanzenbeschnitts wird der Renaissance-Garten zur Gruppe der geometrischen Gärten gezählt. Die Wechselbeziehung zwischen Außenraum und Gebäude wurde erkannt und Baumeister und Gartengestalter bemühten sich, sie zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

Im Jahr 1452 hatte er Papst Nikolaus V. die Schrift De re aedificatoria (etwa: „zur Architektur“) dediziert. Alberti bezog sich dort seinerseits auf Ausführungen von Plinius dem Jüngeren zu Gärten des antiken Roms. Alberti hatte die in seine Forderungen zu Standort, Lage, Ausstattung und Anlage von Villen eingebunden. Dabei galt für den Palast- wie den Gartenbau:

Zur Bibel der Gartenkunst der Renaissance entwickelte sich der 1499 erschienene, allegorische Roman Hypnerotomachia Poliphili von Francesco Colonna. Die Insel, auf der der Held Poliphilus landet, ist ein riesiger Garten, dessen Schönheit ausführlich beschrieben wird – hier vereinigt sich die Üppigkeit der Natur mit der Eleganz geometrischer Formen. Viele große Gartenschöpfer der italienischen Renaissance beriefen sich auf die im Roman vorgestellten Gartenkonzepte.

Landschaftsstrukturen In Italien entstanden die ersten Renaissancegärten bei vorhandenen Stadtschlössern oder für neuangelegten Landvillen. Bei ersteren wurden teilweise ältere Festungsstrukturen umgewidmet. Die entsprechenden räumlichen Bedingungen gaben den Rahmen für die neuen Gartenanlagen vor. Landvillen wurden vorwiegend in Hanglagen errichtet, der Garten musste hier wegen der natürlichen Gegebenheiten in Terrassenform angelegt werden. Das kam den Vorstellungen der Gartenplaner entgegen, weil sie so Perspektiven, Achsen, Mauerwerk und vor allem Wasserspiele einbringen konnten. Stadtgärten versuchten deshalb auch, Terrassenformen einzubinden – was nicht immer möglich war. Kleinste Garteneinheiten in Städten waren die Giardini segreti.

Gestaltungselemente Die Ausprägung von Renaissancegärten unterschied sich im italienischen, französischen und deutschen Sprachraum. Das lag vor allem daran, dass in Italien mehrheitlich neue Anlagen im bislang unbebauten ländlichen Bereich entstanden, in Frankreich und Deutschland häufig Gärten an bestehenden Schlössern und Burgen angelegt wurde, somit vorhandene Spielräume (meist vormalige Befestigungsanlagen) genutzt wurden. Auch spielten die unterschiedlichen Anforderungen der Bauherren eine Rolle. Waren das in Frankreich in der Regel Angehörige des höheren Adels, spielte in Italien das wohlhabende Patriziat eine stärkere Rolle. Natürlich entschieden auch klimatische Gegebenheiten über Gestaltungsmöglichkeiten. Dennoch enthalten die Gärten der Zeit einige allgemein gültige stilistische Elemente:

Grundstrukturen Aus dem mittelalterlichen Gartenbau wurden steinerne Begrenzungsmauern übernommen. Als weiteres, übergeordnetes und perspektivisch gliederndes Element wurden Achsen (z. B. Alleen, Wege, Kanäle oder Laubengänge) unter Einbeziehung der Gebäudelage und -architektur eingeführt. Zumeist bestand die Gesamtanlage aus unterschiedlich gestalteten und genutzten, großflächigen Gartenbezirken (Lust- und Nutzgärten), die in ihrem Zusammenwirken und in Verbindung mit der umgebenden Natur gestaltet wurden. Die einzelnen Bezirke, im klassischen Renaissancegarten bis zu vier (All’italiana-Parterre) etwa gleich große Rechtecke, die ihrerseits stark geometrische Grundformen (wie Quadrate, Rechtecke, Diagonale, Kreise) aufweisen, wurden häufig durch Galerien mit Eckpavillons abgeschlossen. Ein typisches Element des italienischen Renaissancegartens war auch die Grotte, ein verschwiegener mysteriöser Ort, der den Übergang zur Unterwelt symbolisierte.